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Magister, Master, Management
Der Ehemalige Kai-Uwe Krotoschak arbeitet bei Bertelsmann in New York

After a rather difficult start in the USA, Kai-Uwe Krotoschak has succeeded to become a manager at Bertelsmann in New York in the Corporate Management Development and University Relations department. Foundations for his present job were laid during his stay in the USA as an exchange student which opened his eyes for new possibilities. However, he warns against enthusiasm: professional options for Germans without any work permit and the specific cultural knowledge of the American job world are rather mean. Looking back to the time of his studies in sociology, psychology and business administration in Potsdam, Kai-Uwe Krotoschak appreciates especially the personal initiatives of University members. For the future of the University, he would wish for less bureaucracy, better co-ordination and a manageable number of students.

Wie viel Motivation, Einsatz und Entscheidungsfreude neben Anregungen und Unterstützung aus dem universitären und persönlichen Umfeld zu einem geglückten Karrierestart in New York führen, ist zu erahnen, wenn man sich mit Kai-Uwe Krotoschak unterhält. Mit dem 32jährigen Alumnus sprach Christina Zech.


„Das Leben in New York ist sehr hektisch. Alle Leute sind busy, busy, busy",
sagt der Ehemalige Kai-Uwe Krotoschak
im Interview.
Foto: privat

Sie arbeiten für Bertelsmann in den USA als Manager im Bereich „Corporate Management Development and University Relations". Was ist Ihre Aufgabe?

Krotoschak: Unser Team entwickelt das Top- und Nachwuchsmanagement für Bertelsmann. Eine meiner Aufgaben ist es, die Kontakte zu den zehn führenden amerikanischen Universitäten und deren Business Schools zu koordinieren. So suchen wir einmal im Jahr von dort Absolventen mit einem Abschluss als Master of Business Administration (MBA) für unser internationales Managemententwicklungsprogramm. Das ist ein sehr spannender aber auch extrem selektiver Prozess. Im letzten Jahr hatten wir rund 1 200 Bewerber, von denen nur zwei eingestellt wurden. Es ist unglaublich schwierig, aus derart vielen wirklich guten Bewerbungen aussortieren zu müssen. Eine weitere Aufgabe ist die Koordination dieses Programms, bei dem die Nachwuchsmanager Projekte in verschiedenen Geschäftsbereichen durchführen. Alles in Allem ist dies ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld.

Von 1993 bis 2000 haben Sie Soziologie, Psychologie und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Potsdam studiert und mit einem Magister abgeschlossen. Haben Sie schon während des Studiums gezielt auf eine Stelle in den USA hingearbeitet, oder wie sind Sie dazu gekommen?


Das Büro von Kai-Uwe Krotoschak liegt am
Time Square im 25. Stock. Das inspiriert,
doch der Ort kann das Arbeiten auch mal
erschweren, etwa dann, wenn auf der Straße ein
Konzert stattfindet.
Foto: privat

Krotoschak: Nein, vor zehn Jahren wollte ich erst einmal studieren, das Leben genießen, mich entwickeln und orientieren. Der Grundstein für heute wurde 1995 in England und 1997 mit einem weiteren Studienjahr in den USA gelegt. An der University of Connecticut habe ich die Gelegenheit genutzt, einen zusätzlichen Abschluss zu machen, so dass ich im Jahr 2000 neben dem Magisterabschluss auch den für meinen jetzigen Job ausschlaggebenden „Master of Art" in Psychologie hatte. Das Studienjahr in Amerika hat mich vollkommen gewandelt. Ich habe neue Entwicklungsmöglichkeiten gefunden und meine Freundin hier kennen gelernt. Deswegen bin ich zurückgekommen. Bis zum Frühjahr 2002 musste ich mich aber ohne Arbeitserlaubnis über Wasser halten, erst dann konnte ich mich bewerben und habe die Stelle bekommen. Ohne Beziehungen! Worauf ich zugegebenermaßen sehr stolz bin.

Was würden Sie jemandem raten, der gern in New York arbeiten würde?

Krotoschak: Eigentlich kann ich gar nichts empfehlen, da sich die individuellen Umstände schlecht auf andere übertragen lassen. Die Lage ist sehr schlecht für deutsche Bewerber ohne Arbeitserlaubnis und längeren vorherigen Aufenthalt in den USA, denen Sprachbeherrschung und möglicherweise auch noch ein tieferes Kulturverständnis fehlen. Der bürokratische Aufwand für Firmen, ausländische Bewerber bei einer Arbeitserlaubnis zu unterstützen, lohnt sich in der Regel für sie nicht, und bei der jetzigen Arbeitsmarktlage haben amerikanische Bewerber definitiv bessere Chancen.


Das Gebäude der Bertelsmann Inc.,
vom Broadway aus gesehen.
Foto: privat

Über den amerikanischen Arbeitsmarkt ist bekannt, dass er nur einen Bruchteil der Sicherheiten bietet, die wir hierzulande gewöhnt sind. Was für eine Art von Arbeitsvertrag haben Sie?

Krotoschak: Ich habe keinen Vertrag. In Amerika gibt es keine Arbeitsverträge der deutschen Art. Man hat 14 Tage Kündigungsfrist. Flexibilität, „Hire and Fire" sind hier angesagt. Aber andererseits kann man schnell wechseln, wenn die Konkurrenz ein besseres Angebot macht. Bezahlte Krankheitstage habe ich fünf im Jahr, den Rest muss man privat absichern.

Wie sehen Ihre Planungen für die nächsten zehn Jahre aus?

Krotoschak: Die Frage nach der Zukunft lässt sich heutzutage nicht mehr beantworten. Veränderungen sind jederzeit möglich, Arbeitsplätze, sogar Karrieren, können innerhalb kürzester Zeit wechseln. Ich könnte sagen, ich sehe mich weiterhin in einer Managementfunktion bei Bertelsmann oder mit der richtigen Idee als Chef meiner eigenen Firma.

Wenn Sie an Ihre Zeit in Potsdam zurückdenken, was hat Ihr Leben als Student geprägt? Und was erscheint Ihnen vor diesem Hintergrund wichtig zu sein für die Universität?

Krotoschak: Der Universität Potsdam habe ich eine sehr individuelle Betreuung zu verdanken, die durch geringe Studentenzahlen möglich war. Bestimmte Professoren haben sich persönlich stark engagiert. Auch das Auslandsamt will ich hier nennen: Antje Bürger hat die Austauschstudienmöglichkeiten im Grunde in Privatinitiative aufgetan. Das war viel individuelle, weniger institutionelle Förderung. Aber im Gegensatz dazu habe ich mich immer von den Einrichtungen an der Uni verlassen gefühlt, die eigentlich dafür da sind, die Studierenden zu unterstützen. In schlechter Erinnerung habe ich auch die fehlende Abstimmung der Lehrveranstaltungen. Das hat viel Studienzeit gekostet. Ich würde mir für Potsdam wünschen: Bürokratieabbau, bessere Koordination und dass sich die Uni überschaubare Studentenzahlen leistet. Die große Gefahr sehe ich darin, dass man zu vielen jungen Leuten die Möglichkeit gibt, in Potsdam zu studieren. Damit würde es letztlich für alle schlechter werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt: Kai-Uwe Krotoschak ist erreichbar unter der Telefonnummer +1 212 782-1208 oder per E-Mail: kai-uwe.krotoschak@bertelsmann.com.

Weitere Informationen zu Bertelsmann im Internet: www.bertelsmann.de (USA) oder www.bertelsmann.de (Deutschland).

 

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[Letzte Aktualisierung 25.01.2004, Knappe]