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5. Ausgabe: Dezember 2007
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Zwischen Büchern und Buddeleimer

Historikerin Stephanie Kowitz-Harms schreibt an ihrer Doktorarbeit und erwartet ihr zweites Kind

Trotz aller Hindernisse und Probleme, mit denen Eltern zu kämpfen haben, ist Stephanie Kowitz-Harms froh, sich frühzeitig für ein Leben mit Kindern entschieden zu haben. Für sie war klar, dass sie nach der Geburt ihrer Tochter die Arbeit an der begonnenen Dissertation wieder aufnehmen würde. Mit Unterstützung der Studienstiftung des deutschen Volkes ist das auch finanziell möglich. Die Mutter von bald zwei Kindern arbeitet außerdem als Dozentin an der Universität Hamburg, um den wissenschaftlichen Anschluss nicht zu verlieren. Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, ist für Stephanie Kowitz-Harms ein Abenteuer, auf das sie sich gerne einlässt.

Despite all obstacles and problems, with which parents have to struggle, Stephanie Kowitz-Harms is happy that she decided early for a life with children. It was clear to her that she would return to finish her dissertation after the birth of her daughter. With assistance from the Studienstiftung des deutschen Volkes, this goal is also financially viable. The mother of soon-to-be three children also works as an instructor at the University of Hamburg in order to not lose her connections to academia. For Stephanie Kowitz-Harms, combining profession and family is an adventure in which she is glad to take part.

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Stephanie Kowitz-Harms:
Der Nachmittag gehört ihrem Kind.
Foto: privat

Kinder - ja oder nein? Diese Frage hat mich während des Studiums kaum beschäftigt. Erst nach dem Abschluss meines Studiums der Geschichte, Germanistik und Jüdischen Studien an der Universität Potsdam im Sommer 2002 war für meinen Mann und mich klar, dass wir gerne Kinder haben möchten. Auch wenn sich unsere Tochter Sophie Friederike etwas früher ankündigte als geplant, war sie ein richtiges "Wunschkind". Schon vor ihrer Geburt im November 2004 stand für mich fest, dass ich meine begonnene Dissertation über den polnischen Umgang mit der jüdischen Vergangenheit möglichst bald wieder aufnehmen wollte. Aus dem geplanten halben Jahr wurden wegen einer heftigen Neurodermitis meiner Tochter dann zehn Monate, doch ab September 2005 ging Sophie für drei Tage in der Woche zu einer Tagesmutter, und ich konnte mit gutem Gewissen an meinen Schreibtisch zurückkehren. Heute geht sie sechs Stunden täglich in eine Krippe und wird bald zu den "Großen" in den Kindergarten wechseln.
Die Entscheidung, während der Promotion ein Kind zu bekommen, war von uns nicht langfristig durchdacht, sondern eher emotional gefällt. Dennoch habe ich sie nie bereut. Nicht nur deshalb, weil Sophie uns viel Freude macht und das Leben durch ihr Lachen, Singen und Erzählen so viel reicher geworden ist. Ich mag die Mischung von wissenschaftlicher Arbeit und "handfester" Beschäftigung mit meinem Kind, vormittags Schreibtisch, nachmittags Spielplatz. Ich kann meine Zeit frei einteilen und muss mich vor keinem Arbeitgeber rechtfertigen, wenn ich wieder einmal wegen einer Schnupfnase zu Hause bleiben muss. Allerdings wird es sicherlich nicht leicht sein, nach Abschluss der Dissertation als Historikerin mit Kind einen Job zu bekommen. Aber für wen ist es schon leicht?
Eine große Hilfe ist mir derzeit die Studienstiftung des deutschen Volkes, die meine Arbeit finanziert und sich in den letzten Jahren sehr für Promovierende mit Kindern eingesetzt hat. So wird Eltern, die Kinder betreuen, nicht nur ein Zuschuss zu ihren Betreuungskosten gezahlt, sondern auch ein viertes Stipendienjahr gewährt. Darüber hinaus ist es ausgesprochen unbürokratisch möglich, Auszeiten und die Wiederaufnahme des Stipendiums zu organisieren. Auch auf die Nachricht, dass ich nun zum zweiten Mal schwanger bin, habe ich eine ausgesprochen positive Resonanz erfahren.

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Nicht mehr lange Einzelkind:
Tochter Sophie.
Foto: privat

Die Entscheidung für dieses zweite Kind ist mir nicht so leicht gefallen wie für das erste. Zum einen weiß ich nun, was auf mich zukommt: Schlaflose Nächte, Kinderkrankheiten, Trotzanfälle und vieles mehr. Zum anderen befinde ich mich derzeit in einer völlig anderen Phase meiner Dissertation. Ich stecke mitten im Schreibprozess, den ich nur ungern unterbrechen möchte. Außerdem arbeite ich seit einiger Zeit als Dozentin an der Universität Hamburg und habe hier wieder wissenschaftlichen Anschluss gefunden, so dass eine längere berufliche Auszeit für mich momentan kaum in Frage kommt.
Wir haben uns dennoch noch einmal für das Abenteuer Kind entschieden. Denn wir konnten es uns einfach nicht vorstellen, dass unsere Tochter als Einzelkind aufwächst, und wir wollten den Altersabstand zwischen den beiden Kindern nicht zu groß werden lassen. So haben wir zunächst darüber nachgedacht, ob mein Mann für einige Monate zu Hause bleiben könnte. Doch das ist, auch nach Einführung des Elterngeldes, für einen Ingenieur in einem mittelständischen Betrieb bislang kaum durchsetzbar und finanziell mit großen Verlusten verbunden. Daher werde ich wohl noch einmal für einige Monate pausieren und mir dann möglichst frühzeitig ein Kindermädchen suchen, bis das Zweite zur "großen" Schwester in den Kindergarten gehen kann. Zum Glück ist die Ausstattung mit Krippen- und Kitaplätzen oder Tagesmüttern in Hamburg relativ gut, so dass hier hoffentlich keine Probleme auf uns zukommen werden.
Trotz all dieser Hindernisse und Probleme, mit denen Eltern wahrscheinlich immer zu kämpfen haben, bin ich sehr froh, mich relativ frühzeitig für ein Leben mit Kindern entschieden zu haben. Nach vielen Stunden in Archiven oder am Computer ist es schön zu wissen, dass am Nachmittag wieder die banalen Realitäten des Alltags warten und ein Kinderlachen es plötzlich ganz unwichtig erscheinen lässt, ob die Formulierung des letzten Absatzes gelungen oder die Auswahl des Zitates gut gewählt ist. Dann zählt nur noch, ob man an die richtige Buddelschippe gedacht und die geliebten Salzstangen dabei hat. Und das ist gut so.

Stephanie Kowitz-Harms

Kontakt: Stephanie Kowitz-Harms, E-Mail: stkowitz(at)yahoo.de

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[Letzte Aktualisierung 06.12.2007, Schroeter]