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Doch nicht ganz ausgestorben – Biologen untersuchten Genom des Höhlenbären

Extinction is forever – Aussterben ist endgültig. Zwar gibt es Bestrebungen, ausgestorbene Arten biotechnologisch wiederauferstehen zu lassen, vorzeigbare Ergebnisse haben diese Experimente aber bisher noch nicht erbracht. Dass das Aussterben einer Art auf ganz andere Art und Weise trotzdem nicht endgültig, oder zumindest nicht vollständig sein muss, hat ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Potsdam gezeigt. Die Wissenschaftler untersuchten das Genom des ausgestorbenen Höhlenbären, eines nahen Verwandten von Braun- und Eisbär. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie jetzt in „Nature Ecology and Evolution“.       

Höhlenbären ähnelten vermutlich einem sehr großen und plump gebauten Braunbären und ernährten sich vor allem von Pflanzen. Sie starben vor etwa 25.000 Jahren aus, woran der Mensch wahrscheinlich nicht ganz unschuldig war. Die jetzt veröffentlichte Untersuchung des kompletten Erbgutes von vier Höhlenbären aus verschiedenen Regionen Europas – von Spanien bis zum Kaukasus – zeigt jedoch, dass zumindest ein Teil des Erbguts noch heute im Braunbären zu finden ist. Offensichtlich haben Braun- und Höhlenbär vor mindestens 25.000 Jahren gelegentlich gemeinsamen Nachwuchs, sogenannte Hybride, hervorgebracht. Diese Hybride müssen auch fruchtbar gewesen sein, sodass Erbgut des Höhlenbären in den Genpool des Braunbären gelangte und dort bis heute erhalten geblieben ist. Es handelt sich zwar in einzelnen Braunbären nur um ein bis zwei Prozent des Höhlenbär-Genoms. Da aber in unterschiedlichen Braunbären jeweils andere Bereiche des Höhlenbär-Erbgutes nachgewiesen wurden, könnte insgesamt noch ein erheblicher Teil davon in der heutigen Braunbär-Population erhalten sein. Die Ergebnisse zeigen also, dass Arten, die bereits ausgestorben sind, auf genetischer Ebene trotzdem noch für zehntausende von Jahren am Evolutionsgeschehen teilhaben können.

Publikation in "Nature Ecology & Evolution":
Partial genomic survival of cave bears in living brown bears. Axel Barlow, James A. Cahill, Stefanie Hartmann, Christoph Theunert, Georgios Xenikoudakis, Gloria G. Fortes, Johanna L. A. Paijmans, Gernot Rabeder, Christine Frischauf, Aurora Grandal-d’Anglade, Ana García-Vázquez, Marine Murtskhvaladze, Urmas Saarma, Peeter Anijalg, Tomaž Skrbinšek, Giorgio Bertorelle, Boris Gasparian, Guy Bar-Oz, Ron Pinhasi, Montgomery Slatkin, Love Dalén, Beth Shapiro and Michael Hofreiter.

DOI: 10.1038/s41559-018-0654-8

Kontakt: Prof. Dr. Michael Hofreiter, Professor für Evolutionäre adaptive Genomik
Telefon: 0331 977-6321
E-Mail: mhofreituni-potsdamde
Dr. Axel Barlow, Forschungsgruppe Evolutionäre adaptive Genomik
Telefon: 0331/977-2921
E-Mail: axel.barlow.abgmailcom

Foto zum Download: Knochen von Höhlenbären (Foto: Andrei Posmoșanu)

Medieninformation 27-08-2018 / Nr. 123
Antje Horn-Conrad

Universität Potsdam
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Online gestellt: Jana Scholz
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