Vegan und vegetarisch first
Ein Speiseplan mit vielen pflanzlichen Produkten ist für die Hochschulgastronomie des Studierendenwerks West:Brandenburg seit Jahren selbstverständlich. Täglich stehen in den drei Uni-Mensen mehrere vegane und vegetarische Gerichte zur Auswahl. Gleichzeitig soll das Angebot unterschiedliche Ernährungsweisen berücksichtigen. Deshalb finden sich auch weiterhin Fleisch- und Fischgerichte auf dem Speiseplan. Wie stark pflanzliche Angebote inzwischen im Mensaalltag verankert sind, zeigt auch der Blick auf die ausgegebenen Portionen: Allein im Jahr 2025 waren 542.474 davon vegan. Mit Formaten wie dem „Veggie Wednesday“ setzt das Studierendenwerk darüber hinaus gezielt Impulse. Immer mittwochs wird in den Mensen fleischlos gekocht; auf dem Speiseplan stehen dann vegane und vegetarische Klassiker sowie beliebte Gerichte wie Planted Shawarma oder Karotten-Tikka-Masala.
Regionaler und saisonaler Einkauf
Auch beim Einkauf wird ein Fokus auf Nachhaltigkeit gesetzt. Ein wichtiger Ansatz ist dabei die Berücksichtigung regionaler und saisonaler Produkte. Kurze Transportwege, eine größere Nähe zu den Erzeugenden und der Bezug zu saisonal verfügbaren Lebensmitteln leisten einen konkreten Beitrag zu einer ressourcenschonenderen Verpflegung.
Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit dem SpeiseGut in Gatow (https://www.speisegut.com/. Gemeinsam mit der solidarischen Landwirtschaft gelangen rote, weiße und gelbe Bete sowie weiteres Gemüse aus der Region in die Mensen. Auf diese Weise werden regionale Erzeugnisse direkt in den Mensaalltag integriert. Linsen und Kichererbsen, die lange vor allem importiert wurden, wachsen inzwischen zunehmend auf brandenburgischen Feldern. Projekte, die diese Produkte vom Acker bis auf den Mensateller bringen, zeigen, wie regionale Wertschöpfungsketten gestärkt und gleichzeitig Speisepläne nachhaltiger gestaltet werden können.
Bio-Produkte
Ein weiterer wichtiger Baustein für mehr Nachhaltigkeit in den Mensen ist der verstärkte Einsatz von Bio-Produkten. Im Jahr 2024 beteiligte sich die Hochschulgastronomie des Studierendenwerks an der Qualitätsoffensive „Kantine Zukunft Brandenburg“ (https://kantine-zukunft-brandenburg.de/), einem landesweiten, vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz geförderten Projekt. Ziel war es, öffentliche Großküchen dabei zu unterstützen, mehr frische, saisonale und regionale Zutaten einzusetzen, den Bio-Anteil zu erhöhen, nachhaltiger zu wirtschaften und zugleich die Qualität des Angebots weiterzuentwickeln – und das bei gleichbleibendem Budget. Ausgangspunkt war ein Bio-Anteil von lediglich 2 Prozent. Innerhalb eines Jahres konnte dieser auf 30 Prozent gesteigert werden. Das entspricht rund 166 Tonnen eingesetzter Bio-Produkte. Auch im Jahr 2025 lag der Anteil der verwendeten Bio-Produkte bei über 30 %.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang: Da keine Bio-Zertifizierung angestrebt wird (denn eine solche Zertifizierung ist mit erheblichem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden), können die eingesetzten Bio-Produkte derzeit nicht im Speiseplan gekennzeichnet werden.
Mehrwegsystem
Das Studierendenwerk setzt seit 2022 in seinen Mensen auf das Mehrwegsystem des Anbieters Relevo (https://app.relevo.de/). Damit wird die Möglichkeit geschaffen, Speisen auch zum Mitnehmen so ressourcenschonend wie möglich anzubieten. Das System ist appbasiert und für die Nutzenden mit wenig Aufwand verbunden: Das Geschirr kann ohne Aufpreis und ohne zusätzliches Pfand ausgeliehen, über das Smartphone verwaltet und innerhalb von 14 Tagen in der Mensa oder bei anderen Relevo-Partnern zurückgegeben werden. So wird nachhaltiges Mitnehmen alltagstauglich und niederschwellig ermöglicht. Auch in ökologischer Hinsicht bietet das Mehrwegsystem deutliche Vorteile. Die Schalen und Becher sind stabil, auslaufsicher und für das Erwärmen in der Mikrowelle geeignet. Sie können vielfach wiederverwendet werden und tragen so dazu bei, Verpackungsabfälle zu reduzieren. Abgenutztes oder beschädigtes Geschirr lässt sich zudem vollständig recyceln. Im Jahr 2025 konnten auf diese Weise über 43.833 Einwegverpackungen eingespart werden.
Kampagnen
Auch über den laufenden Mensabetrieb hinaus beteiligt sich das Studierendenwerk an Kampagnen, die für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren. Solche Aktionen ergänzen die praktischen Maßnahmen und machen Nachhaltigkeit für die Mensagäste unmittelbar sichtbar. Ein aktuelles Beispiel ist die bundesweite Initiative „Rettet die Knolle!“ (https://rettetdieknolle.de/), an der sich das Studierendenwerk seit Anfang 2026 beteiligt. Die Kampagne greift ein konkretes Problem auf: Nach der besonders guten Kartoffelernte 2025 blieben in vielen Regionen größere Mengen Kartoffeln übrig, obwohl sie weiterhin für den Verzehr geeignet waren. Ziel der Initiative ist es, diese Überschüsse sinnvoll zu verwerten, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und zugleich die Bedeutung regionaler Landwirtschaft stärker ins Bewusstsein zu rücken.
In den Mensen des Studierendenwerks wird die Kampagne direkt im Speiseplan sichtbar: Entsprechende Gerichte sind mit einem Kartoffelsymbol gekennzeichnet. Bis Ende Juni werden vielfältige Kartoffelgerichte angeboten. Auf diese Weise verbindet die Aktion Information und konkretes Handeln im Alltag und zeigt, wie sich Nachhaltigkeit auch über thematische Kampagnen wirksam vermitteln lässt.
Planetary Health Mensa und andere Impulse
Nachhaltigkeit in der Hochschulgastronomie bedeutet nicht nur, bestehende Prozesse zu verbessern, sondern auch neue Impulse aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Dabei spielt der fachliche Austausch ebenso eine Rolle wie die kontinuierliche Qualifizierung der Mitarbeitenden. Das Studierendenwerk setzt deshalb gezielt auf Schulungen und externe Impulse, um nachhaltige, zeitgemäße und gesundheitsorientierte Verpflegung weiter voranzubringen.
In Zusammenarbeit mit der Non-Profit-Organisation ProVeg (https://proveg.org/de/) finden regelmäßig Schulungen zu pflanzlichen und ausgewogenen Rezepturen statt. Dabei geht es nicht nur um einzelne Gerichte, sondern auch um grundsätzliche Fragen einer zukunftsfähigen Gemeinschaftsverpflegung. Zuletzt standen unter anderem Themen wie „Planetary Health Diet“, „Super- und Brainfood“ sowie „Vier Jahreszeiten“ im Mittelpunkt. Solche Formate tragen dazu bei, aktuelle ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse und neue kulinarische Ansätze in die Praxis der Mensen zu übertragen. Sie stärken die Weiterentwicklung des Angebots und unterstützen das Ziel, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Genuss in der Hochschulgastronomie miteinander zu verbinden.
Lebensmittelabfälle minimieren
Ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln gehört wesentlich zu einer nachhaltigen Hochschulgastronomie. Deshalb wird großen Wert auf eine bedarfsorientierte Produktion gelegt. Ziel ist es, Speisen möglichst so zu planen und zuzubereiten, dass unnötige Übermengen vermieden und Lebensmittelabfälle reduziert werden.
Diese Vorgehensweise bedeutet auch, dass einzelne Gerichte gegen Ende der Ausgabe unter Umständen nicht mehr verfügbar sind. Das wird bewusst in Kauf genommen. Denn aus Sicht des Studierendenwerks ist es nachhaltiger, ein Angebot punktuell früher auszuschöpfen, als Lebensmittel in größerem Umfang wegwerfen zu müssen.
CO2-Score und andere Tools: Auf dem Weg zur digitalen Mensa
Auch die digitale Weiterentwicklung der Hochschulgastronomie leistet einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit. So wurden in den vergangenen Jahren verschiedene digitale Werkzeuge eingeführt, die Abläufe verbessern, Transparenz erhöhen und den Mensabesuch komfortabler machen. Dazu gehören unter anderem ein neues Warenwirtschaftssystem sowie die digitalen, zweisprachigen Speisepläne auf den Mensa-Screens, in der App und im Web. Diese Angebote erleichtern nicht nur die Orientierung, sondern stellen Informationen zum Speisenangebot schnell und niedrigschwellig bereit.
Ein weiterer wichtiger Schritt war im Jahr 2024 die Einführung der CO₂-Kennzeichnung der Gerichte über den Anbieter Eaternity. Der CO₂-Fußabdruck eines Gerichts wird dabei in Form eines Ampelsystems dargestellt. So ist auf einen Blick erkennbar, ob ein Gericht eher einen hohen oder einen niedrigen CO2-Score aufweist und damit mehr oder weniger klimafreundlich ist.
Für eine noch nachhaltigere Mensa kann jeder Mensagast einen Beitrag leisten: durch die zuverlässige Rückgabe von Geschirr und Mehrwegbehältern sowie durch Feedback zum Mensabesuch über die App Mensa+ (https://www.stwwb.de/essen/speiseplan/app) oder direkt im Web-Speiseplan. Rückmeldungen helfen dabei, das Angebot weiterzuentwickeln und noch besser an den Bedürfnissen der Mensagäste auszurichten.