Die Zusage habe sie vor allem aufgrund der vielen Zusatzqualifikationen bekommen, die sie nach und nach an der Potsdam Graduate School (PoGS) der Uni Potsdam erworben hat, ist die Sprachbegeisterte überzeugt. Den Ausschlag gab, dass sie dort zuletzt eine einjährige Weiterbildung in Wissenschaftskommunikation durchlaufen hatte: konkret sieben Workshops, darunter ein Medientraining an der Filmuniversität Babelsberg, bei dem sie das Storyboard für ein Video geschrieben und dieses selbst gedreht hat. Zum Abschluss der Weiterbildung musste sie ein eigenes Projekt präsentieren. Finzel entschied sich für eine Info-Kampagne über „Linguistic Fun Facts“, also unterhaltsame Fakten über Sprache und Sprachgebrauch.
„Ich bin von der Bank weg engagiert worden“, freut sich die Linguistin. In ihrem neuen Job habe sie jetzt tatsächlich viel mit externer Wissenschaftskommunikation zu tun: „Ich muss beispielsweise niedrigschwellig erklären, was das NUM Studiennetzwerk ist. Oder Patientinnen und Patienten vermitteln, woran wir forschen und warum klinische Studien wichtig und relevant sind.“
Eigentlich hatte die Badenerin vor allem selbst forschen wollen. Ein guter Dozent habe sie völlig unerwartet für Linguistik begeistert. „Die Master-Arbeit hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich unbedingt weitermachen und promovieren wollte.“ Bereits damals sei sie auf das Angebot an der PoGS aufmerksam geworden und habe einen Kurs zur Vorbereitung der Doktorarbeit besucht: „Der Schreib-Workshop hat mir am Anfang sehr dabei geholfen, mein Thema zu strukturieren.“ Sie sei deshalb ein großer Fan der PoGS: „Promovierende und Postdocs werden sonst häufig sehr allein gelassen.“
Kaum fing Anna Finzel an zu promovieren, wurde sie gefragt, ob sie ein Seminar geben wolle. „Das war cool, und ich hatte Lust darauf. Aber man steht plötzlich vor 30 Studierenden und ist nicht darauf vorbereitet.“ Die junge Wissenschaftlerin hatte Glück und konnte parallel zum ersten Unterrichten die Fortbildung „International Teaching Professionals“ durchlaufen. Dabei lernte sie praktische Grundlagen wie E-Teaching und -Learning, kompetenzorientierte Prüfungen und interkulturelle Kompetenz. „Außerdem reflektiert man seine Rolle als Lehrkraft. Was erwartet mich, wenn ich für die Seminargestaltung verantwortlich bin? Welche Art von Lehrperson möchte ich sein oder bin ich?“ Ohne diese Hilfe wäre sie aufgeschmissen gewesen. „Nach der Fortbildung war der Damm gebrochen. Ich habe danach viel und gerne unterrichtet. Und mit der Zeit wird man immer besser.“
Trotzdem fand sie den Weg zu einer Professur nicht attraktiv. Es gebe keinerlei Garantie, das Karriereziel irgendwann zu erreichen. In den Geisteswissenschaften mangele es außerdem an Stellen, die genügend Zeit zum Forschen lassen. „Und befristete Verträge sind die Regel.“ In wissenschaftsnahen Bereichen dagegen gebe es mehr unbefristete Stellen.
Dass es nun mit dem neuen Job geklappt hat, hängt mit weiteren Qualifikationen zusammen, die sie an der PoGS nebenher erworben hat. Zum Beispiel Drittmittel zu beantragen: „Der Kurs war zum Glück online, denn ich war hochschwanger.“ Außerdem besuchte sie eine einjährige Fortbildung in Wissenschaftsmanagement. „Das kann ich jetzt im Koordinationsteam einer bundesweiten Forschungsinfrastruktur gut brauchen. Anders als bisher habe ich im medizinischen Bereich mit Projekten in Millionenhöhe und echtem Impact für die nationale klinische Forschung zu tun.“
„Hätte ich jahrelang ‚nur‘ unterrichtet und all diese Fortbildungen nicht gemacht, hätte sich der Arbeitsmarkt nicht gerade um mich gerissen“, stellt Finzel schmunzelnd fest. Dass sie sich nun in ganz neue Inhalte wie die klinische Forschung einarbeiten muss, schrecke sie überhaupt nicht. Im Gegenteil: „Für meinen Job ist es hilfreich, dass ich nicht alles weiß. Ich muss klinische Studien so erklären können, dass alle verstehen, worum es geht.“
Die Potsdam Graduate School (PoGS) ist das Kompetenz- und Beratungszentrum für Forschende in der Qualifizierungsphase. Nach dem Motto „Fördern. Weiterbilden. Vernetzen“ unterstützt sie Promovierende, Postdocs sowie Junior- und Tenure-Track-Professor*innen durch finanzielle Förderung, zielgruppenspezifische Weiterbildungen sowie Beratungs- und Vernetzungsangebote für Karrieren in und außerhalb der Wissenschaft. 2026 feiert die PoGS, die ihren Sitz in der Wissenschaftsetage hat, ihr 20-jähriges Jubiläum. Mit Veranstaltungen u.a. zu KI & Innovation, Wissenschaftskommunikation und Research Integrity besucht sie die verschiedenen Campus der Uni Potsdam.
Mehr unter: https://www.uni-potsdam.de/de/pogs/vernetzen/20-jahre-pogs
Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2026 „Inklusion“.