Gefühle im Griff? Wie Kinder lernen, mit Wut, Angst und Trauer umzugehen
Emotionen - was ist Scham, Wut und Trauer? Wo spüre ich Emotionen, was machen sie mit mir? Im Kindesalter wird der Umgang mit Gefühlen gelernt, doch was, wenn Kinder Schwierigkeiten haben, die emotionalen Zustände zu beeinflussen? Genau mit dieser Frage beschäftigen sich unsere heutigen Gäste Jan Ole Cloes, Kinder-und Jugendtherapeut, und Gamedesingerin Marlene Käseberg in dem Forschungsprojekt “EnTree”. In dieser Folge schauen wir uns das Projekt und die Hintergründe genauer an.
“Wissenssnack”: zu problematischen Spielverhalten (Gaming)
Schettler, L. M., Thomasius, R., & Paschke, K. (2024). Emotional dysregulation predicts problematic gaming in children and youths: A cross-sectional and longitudinal approach. European Child & Adolescent Psychiatry, 33, 605–616. https://doi.org/10.1007/s00787-023-02184-x
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Camilla Kahlich: Herzlich willkommen bei Gamki. Kinderleicht und komplex. In diesem Podcast sprechen wir über spielerische und digitale Innovationen aus der Psychotherapieforschung für Kinder. Wir reden mit Forschenden über ihre Projekte und schauen darauf, welche Antworten sie auf aktuelle Herausforderungen geben. Gemeinsam haben all diese Projekte, die wir hier besprechen, dass sie spielerische bzw gamificationbasierte Elemente nutzen. Diese Ansätze sollen unter anderem die Motivation der Kinder steigern, damit Therapien nicht nur Arbeit ist, sondern auch Spaß machen kann. Heute schauen wir uns das Projekt EnTree genauer an, das Kindern dabei helfen soll, besser mit ihren Emotionen umzugehen. Aber was sind eigentlich Emotionen? Wie lernen Kinder starke Gefühle wie zum Beispiel Wut zu regulieren? Und was passiert, wenn das nicht so gut klappt? Genau darüber möchten wir heute mit Marlene Käseberg und Jan Ole Cloes sprechen. Ich bin Cami. #00:01:04‑8#
Maxi Woelke: Und ich bin Maxi. Hallo, Auch von mir. Und damit kommen wir zu unseren heutigen Gästen. Ole und Marlene. Schön, dass ihr da seid. Ole, Du bist Kinder und Jugendpsychotherapeut und außerdem am UKE in Hamburg im Bereich der Suchtforschung tätig. Deine Promotion beschäftigt sich mit Mediensucht. Worin genau promovierst du und was versteht man eigentlich unter Mediensucht? #00:01:24‑0#
Jan Ole Cloes: Ich promoviere zur problematischen Nutzung von Videoplattformen. Das unterscheiden wir noch mal von Social Media Gebrauch allgemein. Und wir untersuchen auch die problematische Nutzung von Videospielen im Kindes und Jugendalter. Und das sind so drei Beispiele für Mediensüchte, die entstehen können. Da gibt es jetzt im ICD elf, in dem Diagnosemanual, das jetzt neu erscheint, eine eigene Kategorie für Kinder. #00:01:50‑9#
Maxi Woelke: Und Marlene. Du kommst aus einem ganz, ganz anderen, aber super spannenden Bereich. Du hast einen Master in Gamedesign gemacht und dich in deiner Masterarbeit mit Designprinzipien für Kinder beschäftigt. Außerdem hast du mehr an der Interactive gegründet, ein Studio, das interaktive Kinderbücher entwickelt und Gestaltungskonzepte nutzt, welche Kinder beim Lernen helfen soll. Magst du uns kurz erzählen? Was. Was genau entwickelt ihr und wie sieht deine Arbeit dort aus? #00:02:14‑2#
Marlene Käseberg: Wir entwickeln interaktive Kinderbücher und Apps, die sich meistens mit einem edukativen Inhalt beschäftigen. Also in dem ersten Buch, was ich alleine noch entwickelt habe als Solodef habe ich ein Kinderbuch entwickelt, wo es eher ums Lesen geht. Also es soll zwar digital sein und interaktiv, aber das Lesen ist mir super wichtig und das wollte ich auch weiterhin im Kern der Sache lassen. Und jetzt entwickeln wir ein Buch. Da geht es um das Wattenmeer, da sollen die Kinder viel über die Wattenvögel lernen und über das Wattenmeer in sich und natürlich auch über Naturschutz und eben andere als Projekt. Das Forschungsprojekt Daran arbeiten wir jetzt auch. #00:02:54‑7#
Camilla Kahlich: Okay, super spannend. Ihr kommt aus ganz unterschiedlichen Bereichen, aber arbeitet jetzt aktuell in diesem Projekt auch gemeinsam zusammen und ergänzt euch bestimmt auch mega gut darin. Vielleicht fangen wir noch mit einer etwas persönlichen Einstiegsfrage noch an Was war denn früher, wenn ihr an eure Kindheit zurückdenkt, euer Lieblingsspiel? Und habt ihr vielleicht auch eine Erklärung dafür, dass das euer Lieblingsspiel war? #00:03:18‑3#
Jan Ole Cloes: Ja, also ich bin tatsächlich mit dem. Ich weiß noch, dass ich den ersten Gameboy in der Hand hatte. Da war ich noch jung, aber nicht mehr so jung. Ich kann mich auf jeden Fall daran erinnern. Und ich bin tatsächlich so als Nintendo Kind würde ich sagen groß geworden mit den verschiedenen Konsolen und Spielen. Und wenn ich mich zurückerinnere, dann war auf jeden Fall Super Mario ein Thema. Pokemon und ich glaube da, was mich da fasziniert hat, ist so das Abenteuer erleben, Pokemon sammeln, diese Sammelfunktion da irgendwie was vervollständigen und so, das hat mich auf jeden Fall gecatcht. #00:03:56‑2#
Camilla Kahlich: Und hast du auch Pokemon Go gespielt? #00:03:58‑8#
Jan Ole Cloes: Nee, tatsächlich nicht. #00:04:00‑5#
Camilla Kahlich: Weil das war ja auch ein ziemlich krasser Hype vor zehn Jahren. Jetzt wahrscheinlich immer noch. #00:04:05‑8#
Jan Ole Cloes: Ja, aber ich glaube, dafür war die Spielmechanik mir zu anders. Und das hat mich nicht. Irgendwie war ich da schon dran vorbei. #00:04:14‑0#
Camilla Kahlich: Und wie ist das bei dir? #00:04:15‑7#
Marlene Käseberg: Genau. Also ich habe eher weniger mit Konsolen zu tun gehabt, weil das in unserer Familie einfach nicht erlaubt wurde. Wird sich das dann am Ende Game Design studiert habe? Aber wir haben sehr viele Brettspiele gespielt. Siedler war auf jeden Fall ein Favorit, aber ich war eigentlich immer das Kind, was immer alles spielen wollte. Also ich war immer die, die alle dazu gezwungen hat zu spielen an Weihnachten. Und da gibt es jetzt auch nicht so ein Lieblingsspiel. Zug um Zug haben wir auch sehr viel gespielt, also ja, in der Regel alles. #00:04:45‑7#
Maxi Woelke: Danke euch für eure privaten Einblicke. Lasst uns mit einer kleinen Blitzlichtrunde zu eurem Projekt starten. Sehr gerne. in kurzen Antworten und ein Satz reicht völlig aus. Seit wann arbeitet ihr an EnTree? #00:04:59‑1#
Jan Ole Cloes: Seit einem halben Jahr. #00:05:01‑0#
Marlene Käseberg: Ja, seit einem halben Jahr. #00:05:03‑1#
Maxi Woelke: Wer ist alles beteiligt? Also, welche Rollen und Fachrichtungen sind im Team? Zum Beispiel Softwareentwicklerinnen, Spieldesignerin oder Psychologin? #00:05:10‑8#
Jan Ole Cloes: Das sind viele. Es gibt uns vom UKE Uniklinik Hamburg, von der psychotherapeutischen, psychologisch psychiatrischen Seite. #00:05:20‑2#
Marlene Käseberg: Und von der Gamedesign Seite gibt es eben mehr an der Interactive meine Firma und dass die halt von der Htw Berlin. Dort habe ich auch Game Design studiert und die sind eben als Universität auch dabei. #00:05:32‑2#
Jan Ole Cloes: Dann gibt es noch das Max Planck Institut, was sich besonders mit dem Thema Umweltpsychologie beschäftigt. Auch ein großer Baustein bei uns. #00:05:39‑6#
Marlene Käseberg: Und das meint Net E Health Solutions. Das sind ist auch eine Firma, die sich besonders mit der Datenverarbeitung und Medizinsoftware auskennt. #00:05:49‑4#
Maxi Woelke: Für welche Altersgruppe ist EnTree gedacht. Also an welche Kinder richtet sich das Projekt? #00:05:54‑6#
Jan Ole Cloes: Das Projekt adressiert spezifisch Kinder im Grundschulalter. Also so von 6 bis 11 Jahren. #00:06:00‑8#
Maxi Woelke: Wie kam es eigentlich zu dem Namen EnTree? #00:06:03‑0#
Marlene Käseberg: Das hat sich so entwickelt. Wir hatten diesen Baum relativ schnell. Am Anfang schon. Und diese Tür in dem Baum Und Andre hat ja eine Doppelbedeutung, dass es ein Eingang sein kann. Aber es ist auch eben dieser Baum an sich. Und ich glaube, daraus hat sich das entwickelt. #00:06:18‑7#
Maxi Woelke: Mehr dazu erfahren wir sicherlich später. Und ganz kurz Welches Problem möchtet ihr mit andre lösen? Was ist der Kern des Ansatzes? #00:06:27‑4#
Jan Ole Cloes: Wir möchten Kinder im Grundschulalter helfen, die an psychischen Erkrankungen leiden. Um ein zentrales Thema zu adressieren, nämlich die Emotionsregulation, die häufig bei dieser Zielgruppe eben vielleicht noch nicht so weit ausgebildet ist, dass sie so genutzt werden kann, wie es für eine gesunde Entwicklung hilfreich wäre. #00:06:48‑3#
Camilla Kahlich: Damit ist die Blitzlichtrunde beendet. Ihr könnt jetzt wieder ein bisschen ausführlicher antworten. Und zwar. Du hast ja jetzt gerade Emotionsregulation angesprochen, Ole. Kannst du vielleicht noch mal kurz erklären, Was ist überhaupt Emotionsregulation? Ja. Kannst du das vielleicht auch an einem Beispiel erklären? #00:07:04‑8#
Jan Ole Cloes: Ähm, ja. Also Emotionsregulation ist eigentlich so ein schlaues Wort dafür. Mit den eigenen Emotionen oder Gefühlen umzugehen dazu. Das ist ein ganz komplexer Vorgang. Da gibt es verschiedene Teile, die dazugehören. Also innere Vorgänge, aber auch äußere. Also in mir Vorgänge und äußere Verhaltensweisen oder auch Fähigkeiten, mit denen wir beeinflussen, welches Gefühl wir wann und auch wie stark fühlen oder ausdrücken. #00:07:33‑7#
Camilla Kahlich: Und kannst du das noch mal an einem Beispiel besser erklären im Sinne von Wenn wir jetzt im Alltag Emotionsregulation Strategien anwenden? Zum Beispiel Ich gehe jetzt joggen, weil ich mich gestresst fühle oder unausgeglichen. Ist das eine Art Emotionsregulation sstrategie? #00:07:53‑5#
Jan Ole Cloes: Ja, könnte man so sagen. Du hast wahrscheinlich bis angespannt. Hast ärgerst dich vielleicht über irgendwas und das war der Auslöser oder hast Angst vor dem nächsten Tag, weil irgendwas wichtiges ansteht oder so das ist. Dann reden wir schon eher über ein Gefühl, was du hast. Und dann kann Sport eine Regulationsstrategie sein, weil man dann Spannung abbaut, vielleicht auf andere Gedanken kommen, ein bisschen Ablenkung hat. Aber so im Detail kann man das wirklich ganz kleinschrittig machen. Es geht ja erst mal um das Wahrnehmen von dem von der Emotion, die ich gerade ausgelöst wird. Das dann auch einzuordnen und eventuell zu verändern. So wie du gesagt hast, dass ich dann vielleicht laufen gehe, weil dieses Gefühl, was dann bleibt oder dieser Körperzustand, diese Anspannung ist mir dann unangenehm und dann gehe ich joggen, um das zu verändern. #00:08:43‑5#
Camilla Kahlich: Das heißt erst mal auch eine Emotion beschreiben zu können, ist auch eine wichtige Voraussetzung für Emotionsregulation, Strategien. Und jetzt noch ein anderes Beispiel. Wenn ich mich jetzt auf dem Handy ablenke, zum Beispiel auf Instagram bin und dann durch scrolle, ist das auch eine eine gute Emotionsregulation Strategien. Also gut, in Anführungsstrichen. #00:09:08‑6#
Jan Ole Cloes: Ja, das ist eine gute Frage, weil erst mal das gar nicht so wertend ist. Was ist schon gut und schlecht? Also muss man überlegen, was ist mein Ziel, wenn ich möchte? Vielleicht, dass, wie ich vorhin sagte, die Anspannung reduzieren oder das Gefühl, dass das Gefühl wieder weg ist oder so, Dann kann natürlich eine Social Media Nutzung auch eine gute Ablenkung sein. In dem Sinne eine gute Emotion Eskalationsstrategie. Aber wir würden sagen, dass es eher kurzfristig gut ist. Und wenn man das dann öfter macht und immer mehr macht und so und die sozialen Netzwerke verleiten ja auch dazu, dass man immer länger und mehr dort verweilt. Dann sehen wir eher, dass das nicht so eine gute Emotionsregulation Strategie ist. #00:09:55‑6#
Camilla Kahlich: Und wie ist das bei Kindern? Also wie lernen Kinder ihre Emotionen kennen und auch zu regulieren? Also da gibt es wahrscheinlich auch Unterschiede zum Erwachsenen oder Jugendalter. #00:10:08‑8#
Jan Ole Cloes: Also Emotionsregulation. Das zu lernen, also eine gute oder hilfreiche, eine adäquate Emotionsregulation zu lernen, ist auf jeden Fall eine Entwicklungsaufgabe. Das kann man nicht von vornherein. Dazu muss man wissen, dass Emotionen erst mal was ganz Normales sind und dass wir die alle haben. Das ist auch so Grundemotionen gibt, die wir alle teilen. Das hat auch so evolutionäre Zwecke. Und damit kommen wir auf die Welt mit so einem Muster. Und dann muss man lernen, damit erstmal, wie du vorhin meintest, auch erst mal zu wahrzunehmen, zu erkennen, zu verstehen. Und dazu gehören auch so ein paar Fähigkeiten dazu, die vielleicht im kleineren Kindesalter noch nicht so da sind und erst in der Entwicklung dann dazu kommen. Wieso Man sagt so metakognitives Denken, also dass ich quasi auch über mein Denken denken kann, dass ich quasi merke, was in mir vorgeht. Das ist was, was ich erst so im Grundschulalter, dann immer mehr. Also es fängt schon früh an oder kann schon früh anfangen, aber sich auch über den Verlauf dann erst entwickelt. Und im Jugendalter gibt es dann noch mal eine ganz große Entwicklungsphase, wo ganz viel passiert, wo auch das Thema Emotionsregulation noch mal eine Rolle spielt. (...) Ja. #00:11:16‑4#
Camilla Kahlich: Ja, das heißt, Emotionen haben auch eine wichtige. Ist eine Art Warnsignal auch oder auch einfach. Vielleicht steckt da auch ein Bedürfnis dahinter, was nicht erfüllt ist. #00:11:27‑2#
Jan Ole Cloes: Also Emotionen haben auf jeden Fall eine Signalfunktion. Also das ist so evolutionär angelegt, dass wir eine gewisse. Also wenn man jetzt Emotionen als etwas versteht, was so ganz kurz da ist, das kommt mit ausgelöst durch irgendein Ereignis oder ein Zustand, eine Person oder irgendetwas, was im Außen passiert ist. Dann sind Emotionen eben Hinweise auf Gefahren im Steinzeitalter der Säbelzahntiger. Dann kriege ich Angst, damit ich dann schnell weglaufe, damit mein Körper aktiv wird. Oder wenn ich etwas ungerecht finde, dass ich dann wütend werde und mich dafür für mich und meine Grenzen einsetze. Genauso haben die Emotionen so eine Signalfunktion. Und das gilt es am Anfang erstmal zu erkennen und dann adäquat zu handeln. #00:12:11‑7#
Camilla Kahlich: Und wie ist es dann, wenn man jetzt Schwierigkeiten hat, die Emotionen zu regulieren? Also ist das eine Art? Kann man sagen, das ist eine Art Risikofaktor für psychische Erkrankungen oder welche Zusammenhänge gibt es da? #00:12:24‑8#
Jan Ole Cloes: Ja, das ist ein Thema, was viel beforscht wird. Schwierigkeiten in der Emotionsregulation. Das kann dann verschiedene. Bereiche betreffen, weil das Kind vielleicht Probleme hat, dabei die Emotion zu erkennen oder zu benennen oder eben dann zu beeinflussen, Weil das Gefühl dann besonders lange da ist oder zu stark oder sehr oft wiederkommt. Und das können Themen sein, die dann auch in der Therapie bearbeitet werden. Auch dass dann eben Situationen vermieden werden, weil dort erwartet wird, dass da dieses Gefühl entsteht. Und das sehen wir eben auch, dass wenn Kinder oder Jugendliche Schwierigkeiten haben, in der Emotionsregulation auch Defizite, also gar nicht genau wissen, wie sie damit umgehen sollen, dass das im Zusammenhang steht mit psychischen Erkrankungen. #00:13:16‑0#
Camilla Kahlich: Und welche psychischen Erkrankungen konkret betrifft, betrifft das. #00:13:21‑3#
Jan Ole Cloes: Das kann ganz verschiedene betreffen, also vor allem Depressionen und Angststörungen, aber auch Suchterkrankungen. Da sehen wir eben diesen Zusammenhang zu Defiziten in der Emotionsregulation. Und das ist, glaube ich, auch ganz nachvollziehbar, weil starke Gefühle oder starke unangenehme Gefühle ja auch ein großer Teil von verschiedenen psychischen Erkrankungen. Depression ist vielleicht eine große, starke Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit. Angststörungen erklärt sich vielleicht von selber. Aber auch bei Suchterkrankungen geht es viel und oft darum, vielleicht nicht gerade das zu spüren, was ich gerade erlebe und mich abzulenken und zu verlieren im Suchtmittel. #00:14:02‑3#
Maxi Woelke: Danke euch beiden. Jetzt ist sehr eindrücklich geworden, wie zentral Emotionsregulation für die psychische Gesundheit ist. Wissenssnack Und genau dazu passt jetzt eine Studie, die wir heute mitgebracht haben. Die ist von deiner Arbeitsgruppe vom UKE aus dem Jahr 2023 und ihr wolltet unter anderem wissen, ob die Fähigkeit, eigene Emotionen zu regulieren, vor problematischem Spielverhalten schützen kann, also davor, dass Gaming einen so großen Stellenwert bekommt, dass es belastend oder suchtähnlich wird. Um das herauszufinden, haben sie Kinder und Jugendliche über längere Zeit begleitet und geschaut, wie sich ihre Emotionsregulation im Alltag entwickelt und wie sich ihre Spielverhalten verändert. Egal ob online oder offline. Das Ergebnis war ziemlich eindeutig Wer Schwierigkeiten hatte, eigene Emotionen zu regulieren, zeigt im darauffolgenden Jahr deutlich häufiger ein problematisches Spielverhalten. Man kann also sagen Eine schwächere Emotionsregulation ist ein Risikofaktor für suchtähnliche Gaming Muster. Das Spannende daran ist Es geht nicht nur um zu viel Spielen, sondern darum, warum Kinder spielen. Oft, um mit Stress, Frust oder unangenehmen Gefühlen umzugehen. Den Link zur Studie findet ihr wie immer in der Folgenbeschreibung unter Wissenssnack. Vielen Dank für diese Einordnung aus therapeutischer Sicht. Jetzt interessiert uns natürlich, wie all diese Inhalte später im Projekt umgesetzt werden. Denn das ist ja nicht nur ein therapeutischer Ansatz, sondern auch ein digitales Erlebnis für Kinder. Marlene, vielleicht kannst du uns einmal mitnehmen. Du hast ja die gestalterische und konzeptionelle Entwicklung von EnTree maßgeblich begleitet. Wie ist die Grundidee des Projekts entstanden und wie habt ihr diese Idee gestalterisch und technisch umgesetzt? #00:15:45‑6#
Marlene Käseberg: Die Grundidee für interaktive Kinderbücher ist schon in meiner Bachelorarbeit entstanden. Da habe ich ein Konzept entwickelt, wie man eben das Schöne am Lesen auch in den digitalen Raum bringen kann. Und ich habe dann immer daran weitergearbeitet und irgendwann auch mein erstes Projekt veröffentlicht. Und danach dann mich in meinem Master fokussiert, die Designprinzipien für Kinder zu entwickeln. Das heißt, wie können wir digitale Inhalte so gestalten, dass Kinder am meisten davon profitieren und eben auch nicht ausgenutzt werden? Weil vielleicht kennt ihr auch ein paar interaktive Inhalte für Kinder, die einfach nur die Kinder beballern. Und das funktioniert zwar, aber ist für die Kinder und für die Familie immer schlimm. Weil sobald die Kinder aufhören sich damit zu beschäftigen, sind sie verloren in der Welt ohne diese ganzen Feedbacksysteme Und mein Ansatz war von Anfang an, dass wir sehr. Ethisch damit umgehen. Und ja, irgendwann hat mein Professor mich dann darauf angesprochen, ob wir nicht Teil von diesem Projekt sein wollen von Endre. Und dadurch hat sich dann auch entwickelt, dass in Endre ein interaktives Kinderbuch gestaltet werden soll, weil das einfach das war, womit ich mich schon die ganze Zeit beschäftigt habe. In der Zusammenarbeit mit dem UCI und den anderen Partnern sind wir jetzt dabei, die therapeutischen Inhalte in diese Art von interaktiven Kinderbuch einzubauen. Und es ist eine große Herausforderung, weil wir sehr viele Informationen vermitteln wollen, aber gleichzeitig auch inhaltlich die Kinder emotional ansprechen wollen. Also dass sie Interesse an der Geschichte auch haben und wissen wollen, wie es weitergeht und dabei eben so viel wie möglich lernen. #00:17:24‑6#
Maxi Woelke: Kannst du uns einen ganz kurzen Überblick zu Design, Prinzipien, Figuren, Atmosphäre und Storytelling geben? #00:17:32‑8#
Marlene Käseberg: Die Designprinzipien sind Grundlagen, die uns dabei helfen, die App so zu gestalten, dass sie für die Kinder besonders zugänglich sind. Das heißt, wir haben zum Beispiel Guidance als ein Designprinzip. Und wenn man auf die Guidance achtet, die bei Kindern sehr viel höher ausfallen muss als bei Erwachsenen, weil sie einfach schon viel mehr mit digitalen Produkten zu tun hatten. Bei Kindern müssen wir davon ausgehen, dass sie vielleicht noch nie mit einem digitalen Produkt in Berührung gekommen sind. Das heißt, wir müssen sehr viel mehr Informationen einbauen, wie die Sache funktioniert. Andererseits sind Kinder auch immer sehr schnell dabei, Sachen zu lernen. Das heißt, wenn man ihnen einmal gezeigt hat, okay, dieser Button macht das. Dann funktioniert das meistens. Aber das ist so ein Prinzip, auf das man achten kann. Wir haben jetzt zwölf entwickelt, die wir beachten. Ich werde jetzt nicht alle Einzelheiten beschreiben, aber solche Sachen immer im Hinterkopf zu behalten, während man entwickelt, ist total wichtig und hilfreich. Was die Geschichte angeht und die Figuren ist das Wichtigste natürlich, dass die Kinder was damit anfangen können, dass sie sich damit identifizieren können. Gleichzeitig ist es aber auch schwierig, Figuren zu entwickeln, die alle abholen, weil ja viele Kinder auch aus sehr unterschiedlichen Bereichen kommen. Und wir haben uns deswegen jetzt für EnTree entschieden. Ein nicht humanoides Wesen zu nehmen, also kein Mensch, sondern ein Eichelmännchen. Das kam auch daher, dass wir das in unseren vorherigen Projekten schon benutzt haben. Und weil für das Forschungsprojekt auch nicht unendlich viel Zeit eingeplant ist, haben wir einfach schon Illustrationen oder wissen, wie wir es illustrieren wollen, haben schon ein paar Animationen und können das sehr gut nutzen. Und der Vorteil an so einem Eichelmännchen oder Waldmenschen, wie ich sie nenne, ist auch, dass wir nicht so Schwierigkeiten mit Diversität Diversität haben. Also wir wollen natürlich, dass alle sich in den Figuren wiedererkennen. Aber auch vom Illustrationsaufwand ist es einfacher, wenn wir nicht alle verschiedenen Hautfarben abdecken müssen. Was wir natürlich gerne wollen. Aber so ein Waldmännchen ist halt einfach eine Eichel. Die, die kann hoffentlich für alle Kinder funktionieren. #00:19:39‑0#
Camilla Kahlich: Und passt ja auch gut zum Name EnTree. Nee. #00:19:42‑0#
Marlene Käseberg: Genau das war auch so die Idee, dass wir mit diesem Wir wollen ins Grüne raus. Das ist auch ein Leitsatz, den wir in dem Projekt haben, dass dazu diese Waldfiguren vielleicht auch gut passen. Und wir sind noch dabei, die Geschichte zu entwickeln. Aber ein Ansatz ist, dass vielleicht auch diese Waldfiguren, die wohnen in der Stadt und haben vielleicht so ein bisschen die Verbundenheit zur Natur verloren. Und im Verlauf der Geschichte kann man da so ein bisschen wieder was herstellen. Und das wollen wir auch an die Kinder weitergeben, dass sie eben auch die Vorteile an der Natur und am Rausgehen, am Draußen Spielen für sich entdecken. #00:20:19‑4#
Camilla Kahlich: Das heißt, in der App werdet ihr auch die Kinder bitten, mal rauszugehen und in die Natur zu gehen. Oder wie kann man sich das vorstellen? #00:20:26‑4#
Marlene Käseberg: Genau. Wir haben tatsächlich ein ganz besonderes Feature dafür, damit die Kinder tatsächlich auch motiviert werden, rauszugehen. Uns war es wichtig, dass die Kinder das Tablet nicht mitnehmen nach draußen aus. Aus Sicherheitsgründen. Aber auch aus einem. Wir finden es einfach nicht gut, Kinder mit Tablets ins Grüne zu schicken. Also wenn sie ins Grüne gehen, dann sollen sie auch wirklich anwesend sein. Und deswegen haben wir uns überlegt, dass sie immer so eine Draußenmission kriegen am Ende des Kapitels. Und sie können sich immer aus von zwei Varianten eine aussuchen, damit da auch ein bisschen Agency ist. Agency ist auch ein ein Designprinzip. Das heißt, Sie können für sich eine Entscheidung treffen und das nehmen, was für Sie besser ist. Kinder sind so fremdbestimmt in ihrem Leben, dass das eine Sache ist, die wir im digitalen Raum sehr gut geben können. So Entscheidungsgewalt? Genau. Und mit diesen Draußenmissionen können Sie eben dann draußen zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Ästen sammeln oder an Eicheln oder an Blättern und zum Beispiel was daraus basteln. Aber wir wollen immer so Optionen geben, weil vielleicht nicht alle Kinder basteln wollen. Und sobald sie das dann erledigt haben, machen sie ein Foto von der Sache. Und das wird dann auch in die App geladen in so einem Fotobuch, damit es dann doch integriert ist in unsere Intervention. #00:21:41‑5#
Camilla Kahlich: Und vielleicht jetzt da eine Frage auch an dich, Ole Warum ist es überhaupt wichtig, dass Kinder in die Natur gehen oder rauskommen? #00:21:49‑9#
Jan Ole Cloes: Ich glaube, das tut uns allen gut. Das ist jetzt nicht nur was, was Kinder spezifisch betrifft. Aber es gibt schon Studien, die zeigen, dass die Zeit, die wir im Grünen verbringen, oder in der Natur generell. Es gibt auch Studien zu Blauflächen, also Gewässer oder so, dass das schon einen positiven Effekt hat auf unsere psychische Gesundheit zum Beispiel. Und oft ist es ja so, zumindest unsere Erfahrung, dass wenn Menschen, Kinder, Jugendliche, Erwachsene an psychischen Erkrankungen leiden, dann ist das vielleicht was, was auch zu kurz kommt, weil sie viel mit sich beschäftigt sind oder sich nicht trauen rauszugehen, oder? Genau, kann ja verschiedene Gründe haben und deswegen ist es vielleicht ein doppelt. Eine Win Win Situation, dass wir irgendwie mehr die Kinder im Idealfall mit gemeinsam mit ihren Eltern auch mehr animieren rauszugehen, eine angenehme Aktivität zu machen, was mir Spaß macht und dann mit diese Zeit im Grünen, in der Natur, mit Sonne oder Helligkeit, mit Licht oder frischer Luft oder Bewegung ist ja auch dabei, ist also ganz, ganz viele Facetten, die damit dann ein eingehen. #00:23:02‑8#
Maxi Woelke: Vielleicht einmal kurz zusammengefasst, wo wir bis hierhin sind. EnTree ist ein digitales Kinderbuch in einer App, das Kinder gemeinsam mit ihren Eltern und der Hauptfigur, dem Eichelmännchen, irgendwie helfen soll, verschiedene Gefühle kennenzulernen. Sie werden dazu gebracht, die Natur zu erfahren und zu erleben. Und es gibt interaktive Elemente dabei Ist es das oder was fehlt was? Also was? Was ist das Konzept noch? Erzählt uns noch mal ein bisschen was davon. #00:23:43‑6#
Camilla Kahlich: Oder vielleicht da auch noch anschließend. So, welche Emotionsregulation Strategien lernen dann auch die Kinder in der App? #00:23:50‑4#
Marlene Käseberg: Ich fange mal an mit mit dem Konzept an sich. Wir haben einerseits die App, die interaktive Kinderbuch App, aber wir haben auch noch was. Ganz wichtig ist das Dashboard für die Therapeutinnen. Ähm, das heißt, es kann so ein bisschen verfolgt werden, wie die Kinder sich durch diese App bewegen. Es kann auch eingestellt werden, welche Kapitel zuerst gespielt werden können. Das ist jetzt bei unseren 4 bis 6 Kapiteln für den Demonstrator noch nicht ganz so relevant, Aber später ist die Idee, dass bestimmte Kapitel vielleicht wichtiger sind für ein Kind, weil es besonders Probleme hat. Mit Wut zum Beispiel oder das andere Kapitel eher ausgeblendet werden müssen, weil da. Ich bringe immer das Beispiel, dass man vielleicht ein Kapitel über Spinnen hat und ein Kind hat eine Spinnenphobie und vielleicht will man das dann nicht über die App angehen und dann wird man eher so ein Kapitel ausblenden für dieses Kind. Das heißt, es soll so ein bisschen Kontrolle für den Therapeut oder die Therapeutin geben, wie die App genutzt wird und und wann welche Inhalte angeschaut werden. Zusätzlich dazu gibt es dann auch noch ein analoges Kartenspiel und das Kartenspiel soll eher mit den Therapeutinnen genutzt werden. Aber wird den Kindern und Eltern auch mit nach Hause gegeben, dass sie das auch dort spielen können. Und in dem Kartenspiel sollen auch die gleichen Charaktere und die Emotionen vorkommen, die in der App vorkommen. Dass das alles eine runde Sache ist. Vielleicht dazu auch noch. Bei uns werden die Emotionen auch bildlich dargestellt. Es gibt immer so zwei Varianten, dass die Emotionen einzeln dargestellt ist, aber auch, dass die Emotionen einen Charakter so einnimmt wie eine Aura. Das heißt, wir können einzeln über Emotionen reden. Wenn der Therapeut jetzt sagt okay, lass mal über Wut reden, kann zum Beispiel so eine Karte aus dem Kartenspiel genutzt werden. Und wenn es darum geht, was fühlt dieser eine Charakter gerade während er in der Wut ist, kann man dann eher die Karte nehmen, wo der Charakter diese Aura hat. #00:25:47‑2#
Maxi Woelke: Ich würde da gerne noch einmal kurz einhaken, bevor wir weiter über Emotionsregulation sprechen. Da war jetzt ganz oft so ein Elefant im Raum und zwar der Therapeut oder die Therapeutin. Ist das gedacht als Therapiebegleitung, als ähm. Also in welchem Setting bewegen wir uns mit der Idee des Konzepts? #00:26:10‑0#
Jan Ole Cloes: Also wir vertreten schon die Haltung, dass es etwas ist, was eine Therapie ergänzt, im besten Fall oder eine therapeutische Begleitung Ein Ja ergänzt. Das zeigen. Auch wenn man mal in die Studien wieder guckt, wird das ja immer mehr beforscht. Es gibt immer mehr Apps und digitale Interventionen. Auch werden jetzt auch getestet für auch jüngere Jugendliche. Und da gibt es auch Effekte und Wirksamkeit, zum Beispiel bei Angststörungen oder Depressionen. Aber man sieht eben auch, dass diese digitalen Innovationen besonders gut wirken. Wenn zum Beispiel gerade bei jüngeren Kindern, wenn zum Beispiel das durch Eltern begleitet wird und dass Therapeutinnen begleitet wird. Also dass das nicht einfach nur, wenn man das Kind abstellt und dann ein Tablet in die Hand drückt und sagt jetzt viel Erfolg, sondern dass das natürlich auch begleitet wird und aufgegriffen wird. Also das wird auch schon lange gemacht, dass man zum Beispiel analoge Kinderbücher nimmt, in die Therapie und dort eben Illustrationen hat, um dem Kind noch mal zu verdeutlichen, was es zum Beispiel bedeuten kann, depressiv zu sein oder gewisse Ängste zu haben. Oder auch den Umgang damit. Also viele. Es gibt da auch immer mehr Kinderbücher, die so auch therapeutische Themen aufgreifen. Dann geht das Kind. Am Anfang hat es ein Problem und dann geht es zur Therapeutin. Und das wird in diesem Kinderbuch so illustriert. Und das kann natürlich auch eine total tolle Möglichkeit sein, um dem Kind auch diese Hilfsmöglichkeiten näher zu bringen. Genau. #00:27:41‑5#
Maxi Woelke: Dann sind wir schon direkt wieder bei Camillas ursprünglicher Frage Könnt ihr uns ganz konkrete Strategieansätze. Wir sind natürlich neugierig wie Wie löse ich denn mein Problem mit Wut? Also nehmen wir mal ein konkretes Beispiel. #00:27:54‑8#
Jan Ole Cloes: Ja, also wir adressieren natürlich auch spezifische Strategien. Da soll es darum gehen. Am Anfang lernen die Kinder erst mal die verschiedenen Gefühle kennen, auch den Sinn und Zweck von Gefühlen, weil wir ja auch, wie wir schon gesagt hatten, das ist ja so der Anfang von Emotionsregulation, erst mal überhaupt zu verstehen wie fühle ich mich gerade, was passiert damit? Und dann lernen die Kinder im Buch das erst mal Woran erkenne ich denn, dass ich wütend? Bin ich überhaupt wütend? Oder ist es vielleicht Angst? Oder ist es Traurigkeit? Also, dass man diese verschiedenen Menschen. #00:28:24‑7#
Camilla Kahlich: Ja, sorry, das kann man ja auch auf verschiedenen Ebenen spüren. Also Wut kann man zum Beispiel spüren, dass man irgendwie die Hand zu einer Faust ballt oder dass man auf einmal total angespannt ist oder das kann man auch an Gedanken merken. Da gibt es ja auch so verschiedene Ebenen, wo man das spürt. #00:28:41‑3#
Jan Ole Cloes: Genau. Man unterteilt so Emotionen auch in verschiedene Bereiche Das körperliche, die körperliche Wahrnehmung, aber auch gedanklich. Das kennen ja ein Gefühl. Vielleicht auch daran, wie ich gerade denke. Manche Menschen haben dann eher einen Zugang zu wie sie. Dann habe ich irgendwie bewusst Ich ärgere mich über irgendwas, deswegen bin ich wütend zum Beispiel. Oder? Andere haben eher dieses Bauchgefühl oder oder diese Anspannung und dann ist es der der Zugang. Und genau das wird dann in dem Buch so thematisiert. Das An welchen Signalen erkenne ich denn, wie ich mich gerade fühle? Wie kann ich das einordnen? Und dann soll es natürlich auch darum gehen, wie ich damit umgehe, weil Kinder mit psychischen Erkrankungen oder generell Menschen mit psychischen Erkrankungen häufig sich in so einem Teufelskreis befinden, aus dem sie nicht rauskommen, weil sie zum Beispiel die Gefühle vermeiden. Ich typisch. Typisches Beispiel Angststörungen. Ich habe eine Angst vorm Busfahren oder soziale Ängste oder eine spezifische Phobie vor irgendwas. Und dann vermeide ich natürlich. Also was heißt natürlich, in deren Denke ist es irgendwie klar, da ist was gefährlich, das vermeide ich. Und das ist eben langfristig nicht so wirksam oder so hilfreich. Und das versuchen wir in dem Buch auch zu adressieren, dass eben das ein Teufelskreis ist und dass wir eher dann die Kinder anhand von Beispielen im Buch oder die Figur erlebt, dann das Ähnliche und dann wird die Geschichte weitererzählt Was kann die Figur machen? Und so versuchen wir dann eben so verschiedene Strategien anzuwenden. Also versuchen wir verschiedene Strategien beizubringen, wie Kinder aus diesem Teufelskreis aussteigen können, zum Beispiel indem sie entgegengesetzt handeln. Das klingt vielleicht erst mal komisch, also nicht der Intuition zu vertrauen, aber. Das ist ja häufig eben dieser Teil von dem Teufelskreis, da da rauszubrechen. Dann mit dem entgegengesetzten Handeln, aber auch so körperbezogene Strategien zum Bodyscan. Das ist dann so eine Achtsamkeitsübung, dass ich erst mal meinen Körper wahrnehme und überlege, wie merke ich denn jetzt das Gefühl und Gefühle gehen ja auch wieder vorbei und dann lasse ich das vorbeiziehen. Das ist so ein so ein Achtsamkeitsstrategie, aber auch gedankliche Strategien. Also vielleicht, dass ich, wenn ich merke, ich bin in so einer Denkfalle, ich habe das Gefühl, alle sind gegen mich oder das ist blöd und deswegen bin ich wütend und man kommt da nicht mehr so raus, dass man das, dass die Kinder auch lernen, das zu merken und dann vielleicht auch mal einen anderen Gedanken zu finden Wie kann, was? Was würde denn jetzt mein Freund dazu sagen oder. #00:31:14‑6#
Camilla Kahlich: Ein bisschen so Perspektivwechsel? #00:31:17‑1#
Jan Ole Cloes: Ja, genau. Perspektivwechsel? #00:31:18‑6#
Camilla Kahlich: Ja, okay. Das heißt, ihr habt. Ihr macht wirklich viele. Ihr nutzt viele Ansätze, um verschiedene Strategien beizubringen oder spielerisch zu vermitteln. In der App oder in diesem interaktiven Kinderbuch. #00:31:32‑5#
Marlene Käseberg: Genau. Wir haben auch verschiedene Feature dafür. Also wir haben einerseits einfach Dialoge und Geschehen, die in der App passieren. Und andererseits gibt es auch eine Figur, die die Interventionen oder die hilfreichen Strategien beibringen soll. Das ist unsere Helferfigur. Das ist im Moment ein Vogel, das ist auch noch nicht entschieden. Aber der soll immer so ein bisschen helfen dabei, diese Strategien zu lernen und anzuwenden. #00:31:55‑7#
Jan Ole Cloes: Eine Strategie, die auch noch bei uns im Buch auftritt, ist, dass wir so einen sicheren Ort gestalten, dass die Kinder einen sicheren Ort gestalten können, in dem sie das individuell gestalten können, was auch ein Ort ist oder eine Strategie ist, die in der Psychotherapie eine Rolle spielt, weil das ist dann so eine imaginative Übung. Ich stelle mir vor, ich bin an einem Ort, da geht es mir gut, da fühle ich mich wohl, da habe ich keine Angst. Vielleicht, da habe ich, ärgere ich mich jetzt nicht oder so, dann kann man sich da mal zurückziehen. Was nicht heißen soll, dass Rückzug eine sinnvolle, langfristig sinnvolle Strategie ist. Aber es kann mitunter auch mal helfen, da so ein bisschen sich zu regulieren und runterzukommen. Und das, Marlene, kannst du vielleicht noch ein bisschen genauer erklären. #00:32:42‑0#
Marlene Käseberg: Genau. Also wir haben das im Buch so umgesetzt, dass die Kinder das eben selbst gestalten können. Das heißt, sie können bestimmte Punkte anklicken und dann den Raum so einrichten, wie sie möchten, dass es eben genau das widerspiegelt, was sie fühlen oder was sie, was sie gerne sehen wollen. Und dieser dieses Baumhaus ist auch so der Spielhub. Das heißt, da startet immer jedes Kapitel von. Wir haben vorhin schon drüber gesprochen über den Baum, der ja bei uns auch das Logo beinhaltet und auch im Titel des EnTree dieser Baum ist eben das Wo. Wo dieser sichere Ort dann verortet ist. Also das Baumhaus ist oben in dem Baum drin und genau da startet immer jedes Kapitel und. Und die Kinder können erst mal ankommen und sich wohlfühlen in diesem Ort, den sie gestaltet haben. #00:33:28‑5#
Jan Ole Cloes: Und man kann es dann therapeutisch nutzen. Also wenn dann die Kinder ihren eigenen Raum gestaltet haben, sicheren Ort gestaltet haben, dann kann man das aufgreifen und vielleicht noch mal therapeutisch begleiten. Mit denen in der Vorstellung noch mal da hingehen und das einüben, dass das auch dann selbstständig gemacht wird. #00:33:44‑5#
Maxi Woelke: Das klingt für mich alles nach einem richtig coolen Konzept. Also wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, waren Baumhaus immer das Allercoolste. Ich bin so gerne auf Bäume geklettert, wollte immer ein richtig cooles Baumhaus haben. Das wäre für mich halt auch extrem sicherer Ort gewesen. Ähm und Sims habe ich auch richtig gerne gespielt. Also Einrichtung toll. In meiner Welt ist das ein sehr cooles Konzept. Was ich noch nicht ganz verstanden habe. Welche Rolle spielen die Eltern? Was? Was tragen die dazu bei? Was ist deren Funktion? #00:34:14‑7#
Jan Ole Cloes: Eltern spielen natürlich eine ganz wichtige Rolle. Wir haben ja in unserem Projekt die kleinen Grundschulkinder 6 bis 11 Jahre. Da lernen die vielleicht ja auch gerade erst lesen. Das heißt, da muss auf jeden Fall ein Elternteil dabei oder eine Bezugsperson dabei. Es muss ja nicht die Eltern sein, aber eine Bezugsperson dabei sind, die gemeinsam mit dem Kind das Buch lesen. Und das ist für uns auch therapeutisch ganz wichtig, dass wir die Eltern mit im Boot haben, weil sie vielleicht eine Unterstützung fürs Kind sein kann im Einüben von diesen Strategien, aber auch, weil die Eltern vielleicht selber was daraus lernen können. Also die Inhalte, die wir in dem Buch vermitteln wollen, die sind ja erst mal allgemeingültig, also auch für uns und für Kinder und jugendlichen Erwachsene. Und deswegen können die Eltern eigentlich genauso das Buch lesen und was über Gefühle lernen und über Strategien lernen, Dass und wenn wir das erreichen, dass Eltern da selbstsicherer sind, dann können sie auch ihr Kind vielleicht auch ganz, also besser unterstützen in der Anwendung von diesen Strategien. Und dann haben wir vielleicht auch nicht. Oder vielleicht verändert sich auch etwas bei den Eltern in der Hinsicht, dass wir schon sehen, dass man bei manchen Kindern mit psychischen Erkrankungen auch den Eltern natürlich einen Einfluss haben. Wenn sie selber über emotional reagieren oder eher inkonsistent reagieren, das heißt mal so, mal so und die Kinder sich nicht so richtig darauf verlassen oder nicht gut einschätzen können, dann ist das manchmal auch ein aufrechterhaltender Faktor. Wenn wenn der Elternteil oft überkritisch ist, sehr hohe Ansprüche hat an das Kind oder aber auf der anderen Seite vielleicht auch überfürsorglich, also dem Kind alles abnimmt und so, dann hat das Kind ja mehr Herausforderungen, vielleicht dann an der eigene Emotionsregulation Entwicklungen zu zu arbeiten. Und wenn wir das schaffen, irgendwie die Eltern mehr ins Boot zu holen, ein bisschen in Selbstreflexion zu kriegen, dann klappt, dann haben wir schon viel erreicht. #00:36:09‑9#
Maxi Woelke: Danke euch für den Einblick ins Projekt oder in eure Projektarbeit, in die Konzeption von Hilfestrategien. Gibt es irgendetwas, was ihr unbedingt noch dazu sagen wollt? Bzw habt ihr das Gefühl, da fehlt jetzt noch was ganz essentielles? Uns muss klar sein, dass es irgendwie immer noch eine Machbarkeitsstudie und das ist nur ein ganz grober Überblick, den wir jetzt hier versucht haben zu geben. Aber ich habe das Gefühl, ihr habt einen guten Überblick gegeben. Oder fehlt auf jeden Fall noch irgendein ganz essentieller Teil. #00:36:41‑7#
Jan Ole Cloes: Ein weiterer wichtiger Punkt, der noch bei uns eine Rolle spielt, ist, dass wir das ganze Projekt und auch die App partizipativ entwickeln wollen. Das heißt, dass wir Kinder und Jugendliche und Eltern mit ins Boot holen wollen, die vielleicht selber betroffen sind von psychischen Erkrankungen, die sich da auskennen, die Erfahrung haben und dass wir dann uns mit denen treffen in Form von vielleicht. Was wir im UCI jetzt gerade machen wollen, ist ein Jugendbeirat aufbauen, der dann zusammenkommt und uns berät. Zum Beispiel, dass wir den Ausschnitt aus der App zeigen und die uns dann Feedback geben, ob das so hilfreich ist, gut ist. Erinnert euch, als ihr Kinder wart. Wie war das denn? Und wäre das hilfreich gewesen? Und so natürlich auch langfristig wäre es schön, auch die Kinder selbst im Boot zu haben. Oder auch Eltern. Das bauen wir jetzt alles gerade auf. Aber das ist auf jeden Fall auch ein Baustein. Der, der ganz wichtig ist, glaube ich. #00:37:35‑2#
Camilla Kahlich: Kommen wir vielleicht noch mal kurz zu unserem Wissenssnack, den Maxi vorgestellt hatte. Da ging es ja schon um problematisches Spielverhalten. Und Ole, du hast ja auch schon vorhin angedeutet, dass es verschiedene Formen von Medienzüchten gibt. Also einmal problematisches, problematisches Gaming, aber auch eine Abhängigkeit von Social Media oder Streamingdiensten. Ja, dafür gibt es natürlich auch immer noch gewisse Kriterien, die erfüllt werden müssen, dass überhaupt, dass man von einer Sucht sprechen kann. Wie sieht es denn jetzt bei EnTree aus? Ihr nutzt ja auch spielerische und gamificationbasierte Elemente oder Ansätze. Welche Gedanken macht ihr euch hinsichtlich Suchtpotenzial von so einer App? #00:38:16‑4#
Marlene Käseberg: Grundsätzlich achten wir darauf, dass die App bestimmte Breakpoints hat, an denen man gut aufhören kann. Also jedes Kapitel ist maximal eine halbe Stunde lang und die neuen Kapitel werden vielleicht auch erst in der nächsten Woche freigeschaltet oder vom Therapeuten freigeschaltet. Wie genau wir das machen, ist noch nicht ganz entschieden, aber die Idee ist schon, dass die Kinder nicht unendlich lange an dem Tablet hängen können und sollen. #00:38:41‑3#
Camilla Kahlich: Das heißt, ein Schutzmechanismus ist, dass man wirklich ein Zeitlimit hat. Also so Endlosspiele sind dann zum Beispiel ein Risiko in Bezug auf Entwicklung von Suchtverhalten. #00:38:54‑0#
Jan Ole Cloes: Es gibt schon bestimmte suchtfördernde Mechanismen in digitalen Spielen und da ist so was oder auch in Social Media, das kennen wir ja auch mit so einem Fedin in Social Media Apps, dass der so endlos wirkt und dass man dann nicht so die Zeit vergisst und so und das ist natürlich bei Spielen ähnlich. Offene Welten. Also ich denke so an Rollenspiele onlinespiele offene Welten fiele auf, dass die Geschichte ist nicht mehr zu Ende. Früher bei Pokemon, da hat man irgendwann alle gefangen und jetzt ist es so, da gibt es dann nach der Geschichte noch eine Geschichte und noch was und noch was und so, das ist bei uns natürlich auch erstmal anders, weil wir haben begrenzte Zeit, was zu entwickeln. Das heißt, es wird irgendwann einen Endpunkt geben, man kann gar nicht endlos spielen. Wobei ja schon wir uns natürlich wünschen würden, dass die Kinder auch ein Kapitel noch mal lesen und das noch mal üben, weil da gewisse Übungen ja auch dazugehört, um neue Strategien zu lernen. Und dann versuchen wir eben durch so ein paar Mechanismen das so ein bisschen zu zu steuern, so dass es eben nicht übermäßig ist. #00:39:52‑4#
Camilla Kahlich: Das ist wahrscheinlich auch ein schmaler Grad im Sinne von man will ja auch die Kinder motivieren weiterzumachen, machen. Aber es soll natürlich auch nicht zu viel werden. #00:40:02‑7#
Jan Ole Cloes: Genau. Ja, auf jeden Fall. Und wir wollen natürlich auch die Kinder catchen. Also wir haben ja eine gewisse Industrie, gegen die wir, die unser Konkurrent ist, sozusagen mit den digitalen Spielen und so und mit so einer digitalen App wollen wir natürlich etwas kreieren, was ähnlich attraktiv ist, was wo Kinder auch sagen Oh, da habe ich jetzt Lust drauf, statt jetzt ein Computerspiel zu spielen. Aber man muss natürlich sehr vorsichtig sein und das auch gut reflektiert machen. Aber das wird natürlich auch begleitet. Also die Eltern sind ja mit an Bord und in der Studie, Wenn die Familien dann von uns die Tablets kriegen mit dem Buch, dann werden die Familien auch eng begleitet. Und das wird auch ein Thema sein, was immer wieder reflektiert wird. Im Gespräch zum Beispiel. #00:40:45‑5#
Camilla Kahlich: Vielleicht eine letzte Frage zum Abschluss Was würdet ihr euch wünschen im gesellschaftlichen oder auch politischen Umgang mit psychisch belasteten Kindern? #00:40:57‑1#
Marlene Käseberg: Ich glaube, eine Sache, die mir aufgefallen ist, gerade wenn es um das Thema Ab ins Grüne oder Grün und Blau Flächen sind total gut für Kinder oder auch Erwachsene. Viele Sachen können wir natürlich nicht beeinflussen. Wenn Kinder jetzt an einer Stelle wohnen, wo es wenig grün oder blau Flächen gibt, dann können wir ihnen zwar sagen Geht raus in die grünen und blauen Flächen und fühlt euch sicher und geborgen dort. Aber wenn einfach die Realität das nicht bietet, dann haben wir da auch nicht so viel Macht. Das heißt, was ich mir wünschen würde, ist, dass Kinder wieder wichtiger werden in einem politischen Kontext, dass nicht die ganze Zeit nur darüber gesprochen wird, neue Straßen zu bauen an irgendwelchen Stellen, sondern dass eben auch Flächen für Kinder geschaffen werden, wo sie sicher spielen können. Weil ich höre immer so den grumpy Nachbarn, der sagt ja, die Kinder spielen nicht mehr draußen, aber wenn ich mich umgucke, funktioniert es auch einfach nicht mehr so wie früher. #00:41:57‑8#
Camilla Kahlich: Ja, das ist ein schönes Schlusswort. Damit möchten wir enden. Vielen Dank, dass ihr heute nach Potsdam gereist seid. Und auch vielen Dank an das Podcaststudio und an den Schnitt. Liebe Zuhörerinnen, schön, dass ihr bis hierhin zugehört habt. Die Folge ist leider etwas länger geworden. Wir hoffen trotzdem, dass ihr viele spannende Einblicke in das aktuell laufende Projekt EnTree bekommen habt. Folgt uns gerne auf unserem LinkedIn und Instagram Account. Hier posten wir Bilder, Reels und mehr zu den Themen und Projekten, die wir hier in dem Podcaststudio besprechen. Und für Fragen oder Anmerkungen haben wir auch eine Mail eingerichtet. Alle Infos dazu findet ihr in der Podcastbeschreibung. Das war Gamki, kinderleicht und komplex. Macht's gut. #00:42:45‑4#
Maxi Woelke: Danke, dass ihr da wart. #00:42:46‑5#
Camilla Kahlich: Danke euch. #00:42:47‑5#
Jan Ole Cloes: Tschüss. #00:42:48‑0#