Aktuelles
Unsere Webinarreihe geht in die vierte Runde!
Im Rahmen des vierten Webinars unserer Lunchtime-Webinarreihe durften wir Luisa Fassi von der University of Cambridge und der Vrije Universieteit Amsterdam begrüßen. In ihrem Vortrag beleuchtete sie die komplexe Beziehung zwischen der Nutzung sozialer Medien und der psychischen Gesundheit von Jugendlichen – insbesondere bei jungen Menschen mit diagnostizierten psychischen Erkrankungen.
Ausgangspunkt ihres Vortrags war die Frage, wie und ob soziale Medien das Leben von Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen beeinflussen. Obwohl soziale Medien in politischen und öffentlichen Debatten häufig als Ursache psychischer Belastungen dargestellt werden, zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse bislang kein eindeutiges Bild. Luisa Fassi verdeutlichte, dass die bisherige Forschung häufig widersprüchliche Ergebnisse liefert und viele Studien methodische Einschränkungen aufweisen.
Anhand von drei Forschungsprojekten aus ihrer Promotion zeigt sie, wie sich die Evidenzlage weiterentwickeln lässt. Zunächst präsentierte sie eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse, die mehr als 15 Jahre Forschung zusammenfasst. Dabei wurde deutlich, dass zwar kleine Zusammenhänge zwischen Social-Media-Nutzung und internalisierenden Symptomen bestehen, viele Studien jedoch auf Selbstauskünften beruhen und klinische Stichproben bislang unterrepräsentiert sind. Anschließend stellte sie Ergebnisse einer Studie mit klinisch diagnostizierten Jugendlichen vor, die Unterschiede im Nutzungsverhalten zwischen Jugendlichen mit und ohne psychische Erkrankungen untersuchte. Abschließend gab sie Einblicke in ein aktuelles Forschungsprojekt, das erstmals reale TikTok- und Instagram-Daten mit psychologischen und kognitiven Untersuchungen kombiniert.
Neben den wissenschaftlichen Ergebnissen sprach Luisa Fassi auch über die Bedeutung evidenzbasierter Forschung für Politik und Gesellschaft. Sie betonte, dass hochwertige Forschung einen besseren Zugang zu Plattformdaten benötigt und dass insbesondere digitale Medienkompetenz sowie der Schutz vor schädlichen Online-Inhalten stärker gefördert werden sollten.
Ein zentrales Fazit des Webinars:
Die Frage, ob soziale Medien Jugendlichen schaden, lässt sich nicht pauschal beantworten. Um ihre Auswirkungen besser zu verstehen, braucht es methodisch hochwertige Forschung, reale Nutzungsdaten und eine stärkere Berücksichtigung individueller Unterschiede.
Wir bedanken uns herzlich bei Luisa Fassi für ihren inspirierenden Vortrag und allen Teilnehmenden für die interessanten Fragen und die lebhafte Diskussion.
Mit dem vierten Webinar endet unsere Lunchtime-Webinarreihe für dieses Semester. Wir bedanken uns herzlich bei allen Referentinnen für ihre spannenden und inspirierenden Vorträge sowie bei allen Teilnehmenden für ihr großes Interesse, die anregenden Diskussionen und den wertvollen Austausch. Wir freuen uns schon jetzt darauf, die Webinarreihe im kommenden Semester mit neuen spannenden Themen und Expertinnen fortzusetzen – bleiben Sie gespannt!
Neue Impulse für die Forschung! Sechs Projekte erhalten interne Forschungsförderung
Im Rahmen des „intramural Fundings“ fördert der UFS sechs interdisziplinäre und kollaborative Forschungsvorhaben.
Das Projekt „Controlling the scrolling? A systematic review on self-regulation, digital media use, and mental health“ von Katharina Bach, Prof. Dr. Katharina Scheiter, Prof. Dr. Petra Warschburger und Prof. Dr. Rebecca Lazarides untersucht die Rolle von Selbstregulation im Umgang mit digitalen Medien. Im Mittelpunkt stehen Fragen dazu, wie Selbstregulation im Kontext digitaler Medien überhaupt definiert wird und wie sie das Nutzungsverhalten von Jugendlichen beeinflusst.
Prof. Dr. Katrin Böhme, Prof. Dr. Richard Göllner, Prof. Dr. Steve Nebel und Prof. Dr. Nadine Spörer beschäftigen sich im Projekt „Digital Media Between Everyday Life and School: Attitudes, Attributions of Responsibility, and Perceived Educational Values Among Pre-Service and Experienced Teachers“ mit den Einstellungen angehender und erfahrener Lehrkräfte zu digitalen Medien. Im Mittelpunkt stehen dabei deren pädagogische Bedeutung, wahrgenommene Potenziale und Risiken.
Im Projekt „Emotional experiences and emotional regulation during social media usage in late adolescence“ untersuchen die Projektmitglieder Prof. Dr. Rebecca Lazarides, Prof. Dr. Jakob Fink-Lamotte, Prof. Dr. Camilla Rjosk und Dr. Claudia Neuendorf die emotionalen Erfahrungen während der Nutzung sozialer Medien im späten Jugendalter. Dabei steht im Fokus, wie soziale Medien im Vergleich zu Offline-Kontexten emotionale Reaktionen beeinflussen, welche Muster emotionaler Erfahrungen und Emotionsregulation gemeinsam auftreten und wie diese mit depressiven Symptomen, Angst und Einsamkeit zusammenhängen.
Das Projekt „Digital distraction in class – extent and type of non-class-related smartphone use by students in university courses“ von Prof. Dr. Miriam Vock und Prof. Dr. Steve Nebel beleuchtet die Nutzung von Smartphones für nicht studienbezogene Aktivitäten während Lehrveranstaltungen. Sie gehen der Frage nach, inwiefern Smartphones als pädagogische Hilfsmittel genutzt werden können oder potenzielle Ablenkungsquellen darstellen. Damit sind die gewonnenen Erkenntnisse von hoher Bedeutung für die Gestaltung erfolgreicher Lehr- und Lernumgebungen.
Prof. Dr. Aileen Oeberst und Prof. Dr. Julia Haaf untersuchen mit ihrem Projekt “Consider-the-opposite – a countermeasure for societal polarization?” eine psychologische Strategie zur Reduktion verzerrter Informationsverarbeitung. Ziel der geplanten Metaanalyse ist es, die Wirksamkeit der “Consider the Opposite“ -Technik über verschiedene Forschungsbereiche hinweg systematisch zu bewerten.
Und schließlich beschäftigt sich das Projekt “Through the looking glass: examining the impact of social media on body image perception among young adults” von Prof. Dr. Petra Warschburger und Prof. Dr. Katharina Scheiter mit der Wirkung sozialer Medien auf die Körperbildwahrnehmung junger Erwachsener. Untersucht wird insbesondere, wie die häufige Konfrontation mit idealisierten Körperbildern in sozialen Medien die visuelle Aufmerksamkeit und die Selbstwahrnehmung beeinflusst.
Unsere Webinarreihe geht weiter!
Am 26. Mai 2026 durften wir im Rahmen der Lunchtime Webinar-Reihe Prof. Dr. Philippe Verduyn, Professor für Psychologie an der Universität Maastricht in den Niederlanden, begrüßen. Verduyn untersucht insbesondere das emotionale Wohlbefinden in der heutigen digitalen Gesellschaft und präsentierte umfassende Forschungsergebnisse zum Einfluss von sozialen Medien auf mentale Gesundheit. Soziale Medien sind zu einem integralen Bestandteil des digitalisierten Alltags geworden und prägen zunehmend gesellschaftliche Interaktionen. Verduyn betonte, dass weltweit über fünf Milliarden Nutzer*innen täglich im Durchschnitt rund 2,5 Stunden in sozialen Medien verbringen und verglich das mit einem Teilzeitjob.
Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Frage, warum sich die Auswirkungen sozialer Medien auf das psychische Wohlbefinden nicht pauschal bewerten lassen. Verduyn zeigte auf, dass frühere Forschungsansätze häufig nach einem direkten Zusammenhang zwischen Nutzungsdauer und psychischer Gesundheit suchten und Ergebnisse dabei oft widersprüchlich ausfielen. Aus seiner Sicht liegt dies daran, dass die Wirkung sozialer Medien von mehreren Faktoren gleichzeitig beeinflusst wird: die Art der Nutzung, die Eigenschaften der Nutzenden sowie die Funktionen der jeweiligen Plattformen. Anhand aktueller Forschungsergebnisse erläuterte Verduyn außerdem wie unterschiedliche Nutzungsformen, beispielsweise aktives Kommunizieren oder passives Konsumieren, verschiedene Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben können. Gleichzeitig machte er im Rahmen der Abschlussdiskussion deutlich, dass individuelle Merkmale, wie etwa eine starke Tendenz sich mit anderen zu vergleichen, und plattformspezifische Funktionen eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie Menschen soziale Medien erleben.
Wir danken Prof. Dr. Philippe Verduyn für seinen wertvollen und spannenden Vortrag, sowie allen Teilnehmenden!
Auftakt unserer Webinarreihe!
Mit bekannten Verschwörungstheorien zur Mondlandung oder Spekulationen rund um den Tod von Lady Diana eröffnete Prof. Dr. Imhoff am 28.04.26 den ersten Vortrag unserer neuen Webinarreihe. Dabei zeigte der Psychologe und Professor für Sozial- und Rechtspsychologie an der Johannes Gutenberg Universität Mainz eindrücklich, wie präsent Verschwörungserzählungen in unserer Gesellschaft sind. Sie stehen in engem Zusammenhang mit sozialen Medien, welche den Verbreitungsprozess beschleunigen und Theorien leichter zugänglich machen, ohne dass Inhalte geprüft oder kritisch reflektiert werden. Im Mittelpunkt stand deshalb die Frage, warum Menschen an Verschwörungen glauben und weshalb diese Überzeugungen weit mehr sind als bloße Fehlinformationen oder mangelndes Wissen.
Imhoff machte deutlich, dass eben solche Erzählungen häufig bestimmte Bedürfnisse erfüllen, etwa den Wunsch nach Orientierung, Sicherheit, Kontrolle oder einfachen Erklärungen in unsicheren Situationen. Besonders spannend war die Auseinandersetzung mit der sogenannten „Verschwörungsmentalität“: einer allgemeinen Tendenz, offiziellen Erklärungen und Institutionen mit Misstrauen zu begegnen. Diese Haltung findet sich nicht nur in kleinen Randgruppen, sondern in unterschiedlichen Ausprägungen in weiten Teilen der Gesellschaft.
Ein zentrales Fazit des Webinars:
Der Umgang mit Verschwörungserzählungen gelingt nicht allein durch Faktenvermittlung. Ebenso wichtig ist es, Unsicherheiten, Misstrauen und psychologische Bedürfnisse ernst zu nehmen sowie das Vertrauen in wissenschaftliche und gesellschaftliche Institutionen zu stärken.
Wir danken Prof. Dr. Roland Imhoff herzlich für diesen inspirierenden und anregenden Auftakt unserer Webinarreihe und allen Teilnehmenden für die spannende Diskussion!
Erstes UFS-Retreat in Wandlitz
Vom 5. bis 6. März trafen sich Mitglieder des UFS Education for the Future in Wandlitz zu einem zweitägigen Retreat, das sich der Zusammenarbeit, dem Austausch und der konzentrierten Arbeit widmete. Die Kombination aus Forschungsbeiträgen und mehreren interaktiven Arbeitsphasen verschaffte dem Projekt wertvolle Impulse und ermöglichte den Start neuer Kollaborationen.
Eine erste Präsentationsrunde beleuchtete die große Bandbreite an Ideen und Kollaborationen, die sich bereits innerhalb der Gruppe abzeichnen. Besonders deutlich wurde die interdisziplinäre Natur des UFS, wobei Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Fachbereichen vielfältige Perspektiven auf die Nutzung digitaler Medien und ihre Auswirkungen auf Jugendliche und junge Erwachsene einbrachten.
Das Programm wurde durch inspirierende Beiträge zu Themen wie Fake News, Hassrede, Algorithmen und Chatbots von Prof. Dr. Roland Verwiebe und Prof. Dr. Stefan Stieglitz ergänzt, sowie durch eine Vorstellung der PhoneStudy-App von Dr. Yannick Terhorst von der Ludwig-Maximilians-Universität München, die eine datenschutzkonforme Sammlung von Smartphone-Nutzungsdaten ermöglicht. Abseits der Sitzungen bot freie Zeit im umliegenden Wald Raum für Reflexion und Erholung. Wir freuen uns darauf, die nächsten Schritte gemeinsam zu gehen.
Auftakt 2026 mit einem Teamtreffen
Das neue Jahr bringt frischen Wind in den Universitären Forschungsschwerpunkt „Education for the Future“. Zu Beginn des Jahres trafen sich die Projektmitglieder auf dem Campus Golm zu einem ganztägigen Workshop, um die nächsten Schritte für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu planen.
Das Treffen begann mit einer Gelegenheit für die Teilnehmer*innen, sich kennenzulernen und überlappende sowie komplementäre Forschungsinteressen zu identifizieren. Aufbauend darauf arbeiteten die Projektmitglieder in kleinen Gruppen daran, erste Forschungsfragen und Projektideen auf Basis ihrer jeweiligen Expertise zu entwickeln.
Um eine gemeinsame Grundlage für die zukünftige Arbeit zu schaffen, erörterte die Gruppe auch ein vorläufiges Modell, das die Zusammenhänge zwischen individuellen und kontextuellen Faktoren, der Nutzung digitaler Medien und deren Auswirkungen skizziert.
Insgesamt legte das Treffen wichtige Grundlagen für die kommenden Monate, und wir freuen uns auf die Entwicklungen, die 2026 bringen wird.