Haberlee - Haberlea rhodopensis
Photo: M. Burkart
Haberlee - Haberlea rhodopensis

Haberlee - Haberlea rhodopensis

Pflanze des Monats Mai 2007

Relikt

 

Man fragt sich angesichts des soeben zu Ende gegangenen, enorm warmen Aprils, was die Zukunft wohl noch alles bringen wird. Wie mag Europa in 200 Jahren aussehen? Welche der Pflanzen, die wir heute kennen, werden dann noch hier wachsen?

Angesichts solch fundamentaler Ungewissheit ist ein Blick in die Vergangenheit immer interessant. Dabei wird schnell klar, dass die Natur beständig im Wandel war und ist, wenn auch vielleicht nicht ganz so rasant wie zurzeit. Während der Eiszeiten war es bekanntlich viel kälter und auch trockener als heute, und Europa war teilweise von Gletschern, überwiegend aber von baumloser Steppentundra bedeckt. Im Tertiär, noch vor den Eiszeiten, war es umgekehrt sehr viel wärmer und auch feuchter als heute. Vor etwa 50 Millionen Jahren, am Anfang des Tertiärs, wuchs tropischer Regenwald auf den Inseln und Archipelen im Tethysmeer, das damals den größten Teil Europas bedeckte.

Die Haberlee (Haberlea rhodopensis) ist ein Überbleibsel aus jener tropischen Zeit. Sie gehört zur Familie der Gloxiniengewächse (Gesneriaceae), den Usambaraveilchen und seinen Verwandten, die noch heute fast ausschließlich in den Tropen vorkommen. Die Haberlee muss als eigene Art vor etwa 25 Millionen Jahren entstanden sein, als der Meeresspiegel sank und sich die Gebirge Europas auffalteten. Seither hat sie in einigen hochgelegenen Felsregionen Bulgariens und Griechenlands überdauert, wo man sie heute noch antreffen kann.

Die Haberlee hat aber auch Eingang in die Gartenkultur gefunden. Als Konzession an ihre tropischen Vorfahren sollte man ihr einen Platz in einer absonnigen Felsfuge oder einer ähnliche Stelle gönnen, die nicht so stark austrocknender Sonnenstrahlung ausgesetzt ist. Dort kann sie sehr alt werden, mehrere Jahrzehnte sind nicht ungewöhnlich. Wenn es ihr gut geht, blüht sie jedes Jahr im Mai und Juni – oder, wenn es mit der Klimaerwärmung so weitergeht, künftig schon im April. Die Pflanzen im Potsdamer Botanischen Garten haben in diesem Jahr jedenfalls schon Ende April, mehrere Wochen vor der normalen Blütezeit, ihren eleganten, blassvioletten Blütenflor aufgesetzt.

Mit einer künftigen Ausbreitung dieser Pflanze in Europa ist aber nicht zu rechnen, denn das Klima soll zwar wärmer, aber auch trockener werden – keine günstigen Voraussetzungen für einen Nachkommen feuchttropischer Pflanzen.

Haberlee - Haberlea rhodopensis
Photo: M. Burkart
Haberlee - Haberlea rhodopensis