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Komparatistik in Potsdam

Was ist Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft?

Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, kurz AVL, ist die Wissenschaft von Literatur im internationalen und intermedialen Kontext. Die AVL untersucht Phänomene, die in einer der sogenannten Einzelphilologien gar nicht oder nur marginal vorkommen, bzw. Fragen, die einzelphilologisch nur unzureichend beantwortet werden können. Um ein einziges - klassisches - Beispiel zu nennen: Wir beschäftigen uns nicht mit dem Autor Theodor Fontane insgesamt, sondern nur mit solchen Aspekten seines Werks, die von internationalem Interesse sind, also etwa mit seinem Ehebruchsroman "Effi Briest" im Vergleich zu anderen - europäischen - Ehebruchsromanen des 19. Jahrhunderts wie Gustave Flauberts "Madame Bovary", Tolstojs "Anna Karenina" und Claríns "La Regenta".

Die literarische ist aber nur eine Seite der AVL. Die andere ist die Grenzüberschreitung in Richtung auf andere kulturelle Bereiche: Literatur und bildende Kunst, Literatur und Musik, Literatur und Theater, Literatur und Film, Literatur und die Wissenschaften. Früher nannte man das wechselseitige Erhellung der Künste, dann Comparative Arts, heute sprechen wir von Intermedialität. Die AVL untersucht multimediale Kunstwerke; sie analysiert den Transfer von einem Medium in ein anderes (Text in Film beispielsweise). Sie reflektiert auf die mediale und materielle Verfaßtheit ihrer Gegenstände: Was ist das Spezifische von Texten - von gesprochenen, geschriebenen, gedruckten Texten? Wie verhält sich das zum Besonderen von Bildern, von theatralen oder anderen Inszenierungen? Die AVL fragt damit auch nach dem Ästhetischen von Texten und Bildern und danach, wie dieses in den unterschiedlichen Zeiten und kulturellen Kontexten produziert und wahrgenommen wird und welche Funktion es jeweils hat.

Indem sie solche Fragen stellt, ist die AVL angewiesen auf den Dialog mit anderen Wissenschaften - mit den anderen Philologien, aber auch mit der Philosophie, der Kunstgeschichte, der Medienwissenschaft, der Geschichte, der Psychologie oder der Theaterwissenschaft, nicht zu vergessen die Natur- und Humanwissenschaften, mit denen der Dialog traditionell etwas schwerfälliger verläuft. Insofern arbeitet die AVL grundsätzlich transdisziplinär oder interdisziplinär.