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Same, same but different – Die Potsdamer Anglistik-Studentin Katja Wiegand über ihre Arbeit als Lehrerin in Laos

Katja Wiegand unterrichtet in ihrem Freiwilligenjahr Englisch in Huay Xai/Laos. Unser Bild zeigt sie während einer Gaststunde in einem benachbarten Dorf. Foto: privat.

Katja Wiegand unterrichtet in ihrem Freiwilligenjahr Englisch in Huay Xai/Laos. Unser Bild zeigt sie während einer Gaststunde in einem benachbarten Dorf. Foto: privat.

Berlin, Frankfurt, Vientiane. Mittlerweile bin ich seit 36 Stunden unterwegs. Am Flughafen Vientiane werde ich gemeinsam mit den anderen acht Freiwilligen von unserer Partnerorganisation, der Lao Youth Union (LYU) abgeholt. Weiter geht es mit dem Auto nach Tha Khaek, der Einsatzstelle für zwei Freiwillige. Für mich endet die Reise hier noch nicht. Mein Ziel ist Huay Xai in der Region Bokeo. Dort werde ich Englisch unterrichten.

Der fehlende Schlaf der letzten Tage macht sich bemerkbar. Erst ein heftiger Monsunregen reißt mich aus meinen Träumen. Liter für Liter ergießt sich über unseren Köpfen. Unser Fahrer fährt ungerührt weiter, schließlich ist das Wetter für die Regenzeit nicht ungewöhnlich. Nach ein paar Minuten hört der Regen auf und die Sonne scheint. Ringsum ist alles grün und dicht bewachsen. Als ich das nächste Mal aufwache, habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. Links und rechts von der Straße liegen überschwemmte Felder. Schließlich erreichen wir eine kleine Stadt.

Wir freuen uns alle sehr auf unser erstes laotisches Abendessen. Jeder bekommt einen kleinen Korb mit Khao Niau (Klebreis), ein Grundnahrungsmittel in Laos. Auf dem Tisch steht ein Teller mit grünen Bohnen, Gurkenscheiben, Blättern und anderem Gemüse, das wir nicht kennen. Außerdem gibt es eine scharfe Suppe und Omelette. Dazu wird Láhp gereicht, eine Art warmer Salat aus Fisch, Minze und scharfen Gewürzen. Nach dem Essen geht es weiter. Um knapp ein Uhr erreichen wir unser Guesthouse. Nach einer kalten Dusche setzen wir uns gemeinsam nach draußen und genießen ein gekühltes Beerlao.

In Bokeo werde ich zusammen mit Charlotte, einer anderen Freiwilligen,  arbeiten. Die Region liegt im Norden von Laos und wurde unter dem Namen „Goldenes Dreieck“ bekannt, weil hier früher vor allem Opiumanbau erfolgte. Heute ist dies in Laos verboten – und die Provinz weitgehend in Vergessenheit geraten. Huay Xai, die größte Stadt in Bokeo, befindet sich an der Grenze zu Thailand, weshalb sie eine beliebte Transitzone für Backpacker ist.

In Huay Xai angekommen, unterrichte ich Englisch an einer neu gegründeten Schule, die faktisch nur aus einem Klassenraum besteht. Unsere Schüler sind Ärzte, Lehrer oder Mitarbeiter verschiedener Ministerien und zählen zur lokalen „Oberschicht“.

Charlotte und ich sind die ersten Freiwilligen in Huay Xai und zugleich die einzigen Lehrer an unserer Schule. Wenn es Probleme gibt, sind meist Sprachbarrieren die Ursache. Dass unsere Kenntnisse der laotischen Sprache limitiert sind und wir nur auf Englisch unterrichten, macht die Arbeit durchaus zur Herausforderung. Mitunter stockt es, bis sich jemand findet, der die Aufgabenstellung ins Laotische übersetzen kann. Wir unterrichten unsere Klassen gemeinsam und erstellen unsere Tests selbst. Und wenn die Motivation – etwa an besonders heißen Tagen – in den Keller sackt, lockern wir den Unterricht mit Liedern oder Lernspielen auf.

Huay Xai ist eine Kleinstadt, man lebt sich schnell ein und knüpft Kontakte. Wie zu MJ: Er stammt aus einem Kmu Dorf in Bokeo, etwa 30 Minuten von Huay Xai entfernt. Sein ganz spezieller Service sind Trekking- und Kajaktouren. Mich beeindruckt allerdings weniger sein Geschäftsinn als die Tatsache, dass er in seinem Dorf seit zwei Jahren Kinder in Englisch unterrichtet. Der Unterricht fließt sogar in die Touren ein. Denn Touristen übernehmen hier den Part des Lehrers. MJ hofft, dass die Kinder so von Muttersprachlern die richtige Aussprache erlernen. Als er mitbekommt, dass ich hier ebenfalls als Lehrerin arbeite, werde ich in sein Dorf eingeladen. Die Englischstunde findet auf einer Terrasse unter einem Bambusdach statt. Die Kinder sind aufgeweckt, arbeiten mit und wollen viel lernen. Nach und nach kommen immer mehr dazu, sodass der Großteil von ihnen auf dem Boden sitzt. Denn Stühle oder Bänke gibt es kaum. Ein Englischbuch besitzt niemand.

Diese Unterrichtsstunde beschäftigt mich seither immer wieder. Jeden Tag hoffe ich, etwas geben zu können, ganz egal, ob eine Übersetzung oder ein Englischbuch. Ich freue mich, die Motivation meiner Schüler zu spüren. Wer möchte, kann meine Arbeit mit einer kleinen Spende unterstützen.

Mehr Infos unter: https://desireforinspiration.wordpress.com/eine-seite/

Text: Katja Wiegand
Online gestellt: Agnes Bressa
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de