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Neu bewilligt – „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin“

Total digital – viele Firmen haben in Sachen Digitalisierung noch großen Nachholbedarf. Foto: Fotolia.com/NicoElNino.

Total digital – viele Firmen haben in Sachen Digitalisierung noch großen Nachholbedarf. Foto: Fotolia.com/NicoElNino.

Über das „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin“ sprach Matthias Zimmermann mit Prof. Dr. Katharina Hölzle.

Was verbirgt sich hinter dieser Einrichtung?

Das Zentrum ist unter seiner Marke _Gemeinsam digital Teil der Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Hier werden bundesweit Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren und Mittelstand 4.0-Agenturen unterstützt. es geht darum, Unternehmen beim intelligenten Einsatz von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zu helfen. 

Was braucht der Mittelstand, um digital „fit“ zu sein?

Der Mittelstand braucht zunächst einmal Aufklärung und Information. Insbesondere kleine und kleine mittelständische Unternehmen (von denen wir in Brandenburg eine ganze Menge haben) sehen das Thema Digitalisierung aktuell für sich entweder nicht auf der Agenda. Oder es ist mit so vielen Fragezeichen und Ängsten belegt, dass sich die Unternehmen gar nicht erst damit befassen wollen. Dabei fängt Digitalisierung mit kleinen Schritten an: Die stets aktuelle und auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnittene Webseite, eine digitale Auftragsverfolgung, die Möglichkeit der Smartphone-Nutzung für die Mitarbeiter oder die digitale Kundenverwaltung sind erste konkrete Projekte, die auch für traditionelle Branchen schnell einen Mehrwert bringen. Wir erleben bei unseren Veranstaltungen und Workshops immer wieder, dass neben den konkreten Anwendungsbeispielen („so machen es die anderen“) vor allem der Austausch der Unternehmer untereinander und die Möglichkeit, die Anwendungsmöglichkeiten für das eigene Unternehmen kennenzulernen, von besonderem Interesse sind. Und wenn dann die ersten digitalen Projekte gestartet sind, erwacht häufig die Lust auf mehr. Später spielen Fragen zur einheitlichen IT-Infrastruktur, zur IT-Sicherheit, zur digitalen Fertigung oder der Entwicklung digitaler Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle eine Rolle. 

Welche Ziele verfolgt das Zentrum? 

In Kürze: Kleine und mittelständische Unternehmen in Berlin und Brandenburg fit machen für die Digitalisierung. Das vom Projektteam der Universität Potsdam entwickelte Digitalisierungsreifegradmodell hilft dabei von Anfang an. Die Unternehmen können sich zunächst (oder mit unserer Hilfe) auf den Dimensionen Strategie, Prozesse, Technologien, Organisation und Unternehmenskultur selber einschätzen, wie sehr sie bereits digital arbeiten. Im zweiten Schritt überlegen wir gemeinsam mit den Unternehmen, was notwendig ist, um auf einer oder mehreren Dimensionen weiterzukommen. Dies kann durch Qualifizierungsworkshops, Schnellläuferprojekte oder auch konkrete Umsetzungsprojekte erfolgen. Und nach sechs oder zwölf Monaten folgt eine erneute Einschätzung, um zu sehen, wie sich der Digitalisierungsreifegrad verändert hat. 

Daneben werden Broschüren entwickelt, die am Ende dieses Projektes der Allgemeinheit zugänglich sind. Wir als Forscher wollen zudem verschiedene Fragen beantworten: Welche digitalen Innovationen braucht ein Unternehmen? Wie lassen sich Strukturen und Prozesse nachhaltig digital gestalten? Welche Barrieren gibt es auf dem Weg zur Digitalisierung?

Mit welchen Mitteln sollen die Ziele erreicht werden? 

Vor allem über Veranstaltungen: Fachvorträge, Best-Practice-Beispiele von Unternehmern und andere interaktive Formate, die über aktuelle digitale Themen informieren. Unsere Workshops und Trainings richten sich an Führungskräfte oder Mitarbeiter, um diesen in vier bis sieben Stunden mögliche Anwendungen nahezubringen. Sie bekommen konkrete Ideen, welche digitalen Projekte sie in ihren Unternehmen umsetzen können. Daneben gibt es Workshops zu spezifischen Themen, etwa dazu, wie ein digitales Geschäftsmodell aussieht. In Umsetzungsprojekten begleiten und unterstützen wir Unternehmen bei eigenen Digitalisierungsvorhaben. 

Wie kam es zu diesem Projekt?

Im Sommer 2015 haben wir gemeinsam mit dem BVMW, der FH Brandenburg, dem HPI, dem Alexander-von-Humboldt-Institut, der Lernfabrik und diversen Praxispartnern eine Projektskizze zu einer Ausschreibung des BMWis eingereicht. Diese Skizze ist positiv bewertet worden und nach der erfolgreichen Vollantragsstellung zu Ende des Jahres 2015, konnten wir im Juni 2016 mit dem Kompetenzzentrum offiziell starten. 

Das Zentrum ist ein Netzwerk-Vorhaben. Wie ist die Universität Potsdam beteiligt? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Partnern?

Der Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship ist für zwei Teilprojekte verantwortlich. Dabei geht es einmal um die Entwicklung und Implementierung des bereits erwähnten Digitalisierungsreifegradmodells für kleine und mittelständische Unternehmen. Hier liegt für uns auch das Haupt-Forschungsinteresse. Wir können zwei bis drei Jahre lang längsschnittmäßig Daten erheben und verfolgen, wie sich durch Interventionen Unternehmen verändern. Mithilfe einer Kontrollgruppe, die keine Interventionen erhält, werden wir evaluieren, wie erfolgreich die entwickelten Instrumente und Workshops des Kompetenzzentrums sind. Damit sind wir auch schon bei unserem zweiten Forschungsschwerpunkt, der Evaluation des gesamten Forschungsvorhabens. 

Das Hasso-Plattner-Institut ist vor allem für die Workshops und Trainings zuständig, die TH Brandenburg für die Umsetzungsprojekte in den Unternehmen, das HIIG für den Transfer und die Zusammenarbeit mit den Berliner Startups und die Lernfabrik ist das physische Demonstrationszentrum. Der BVMW koordiniert das gesamte Vorhaben und ist durch seine Mitglieder Anlaufzentrum und Multiplikator. Die Zusammenarbeit insbesondere mit den anderen akademischen Partnern läuft sehr gut, wir stimmen uns regelmäßig ab und unterstützen uns gegenseitig. Gleichzeitig profitieren wir sehr von den unterschiedlichen Kompetenzen und Schwerpunkten. Und wir nutzen das Projekt dazu, selbst auch noch digitaler zu werden. So probieren wir alle vier Wochen eine neue Kollaborations- oder Kommunikationssoftware bzw. -plattform aus, um die Arbeit in diesem Projekt optimal zu gestalten. Ein Teil der Ergebnisse des Projektes fließt außerdem in vier Dissertationen ein, die ich betreue. 

Wo steht das Projekt derzeit? 

Seit dem Start im September 2016 haben wir bereits zehn Veranstaltungen, fünf Workshops und vier Trainings durchgeführt. Aktuell laufen ein Umsetzungs- und acht Schnellläuferprojekte. Die ersten zwei Projekte sind bereits abgeschlossen und weitere 31 wurden bereits von Unternehmen angefragt. Auch unser Evaluierungskonzept steht. Dafür wurden wir vom Projektträger (Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum) ausgezeichnet und durften es an andere Kompetenzzentren weitergeben. Aktuell arbeiten wir an der finalen Version unseres Digitalisierungsreifegradmodells und wollen mit der Erhebung im Mai 2017 beginnen.

Das Projekt

Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin
Gefördert von: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)
Fördersumme: ca. 4,5 Mio. Euro / an der UP: 500.000 Euro
Beteiligt: Prof. Dr. Katharina Hölzle, Innovationsmanagement und Entrepreneurship
Partner: Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft leitet das Projekt federführend. Das Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG), das Hasso-Plattner-Institut, die Technische Hochschule Brandenburg und die Universität Potsdam stellen als wissenschaftliche Partner die Fachexpertise auf dem Feld der Digitalisierung. Die Lernfabrik Neue Technologien in Berlin-Adlershof ist das physische Demonstrationszentrum von _Gemeinsam digital. 
Laufzeit: Mai 2016–April 2019

Text: Matthias Zimmermann
Online gestellt: Agnetha Lang
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de