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Projektbeschreibungen: Spracherwerb

Die Einflüsse variablen Inputs auf Worterwerb und Worterkennung bei Kleinkindern

Sonderforschungsbereich (SFB 1287): Die Grenzen der Variabilität in der Sprache: Kognitive, grammatische und soziale Aspekte

Sprache ist in hohem Maße variabel. Individuen können ganz unterschiedliche sprachliche Strukturen produzieren oder Äußerungen unterschiedlich interpretieren. Die Variabilität von Sprache unterliegt aber auch gewissen Grenzen. Genau diese möchte der Sonderforschungsbereich „Die Grenzen der Variabilität in der Sprache: Kognitive, grammatische und soziale Aspekte“ analysieren. Dabei begreift er Variabilität als einen Raum möglicher, teils unbewusster sprachlicher Entscheidungen, die einem Individuum oder einer Sprachgemeinschaft zur Verfügung stehen. Grenzen zeigen sich dann, wenn bestimmte linguistische Verhaltensweisen relativ beständig auftreten – und dies auch über Sprachen und Sprechergemeinschaften hinweg. Mit seinen Arbeiten will der Verbund Erkenntnisse über den Aufbau des Sprachsystems gewinnen.

Projektkoordination: Isabell Wartenburger
ProjektleiterInnen: Barbara Höhle, Adamantios Gafos (Projekt C03)
Fördermittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG
Bewilligungszeitraum: 2017 – 2021
Projekt-Internetseite: www.uni-potsdam.de/sfb1287


PredictAble: sprachliche Fähigkeiten und Störungen im vielsprachigen Europa verstehen und vorhersagen

Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) Innovative Training Network (ITN)

Der Erwerb von gesprochener und geschriebener Sprache ist einer der wichtigsten Entwicklungsschritte von jungen Menschen, doch nicht alle Kinder erwerben diese Fähigkeiten ohne Schwierigkeiten. Schätzungsweise 6%-8% aller Kinder leiden an einer Spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES), einer Störung in der Sprachentwicklung ohne bestimmten Auslöser, wie zum Beispiel allgemeine kognitive Verzögerung, Beeinträchtigung des Hörens, einer Gehirnschädigung oder ein sozial schwaches Umfeld.

Des Weiteren leiden 3%-10% aller Kinder unter Legasthenie (LRS), einer speziellen Störung des Lese-Rechtschreib-Erwerbs. Bisher wurden traditionelle, standardisierte Tests verwendet, um sprachbezogene Probleme bei Kindern zu diagnostizieren, doch diese können kaum zuverlässig bei Kindern unter 3 Jahren angewendet werden. Außerdem hat sich die Forschung bisher vor allem auf monolinguale Kinder beschränkt, obwohl die Mehrheit der Europäer bilingual ist.

Ziele des Projektes
Das hauptsächliche Ziel ist es, individuelle Leistungsmuster zu identifizieren, um dann Sprachentwicklungsstörungen wie SSES und LRS so früh wie möglich vorherzusagen und diagnostizieren zu können.
Außerdem möchten wir:

  • das Verständnis von den kognitiven Mechanismen verbessern, die Entwicklungsstörungen wie SSES und LRS zugrunde liegen
  • frühe neuronale und kognitive Risikomarker ermitteln, die sowohl auf mono- als auch bilinguale Kinder anwendbar sind
  • Wissen über gezielte Behandlungsansätze für gefährdete Kinder bereitstellen
  • kürzlich entwickelte Technologien im Bereich der kognitiven Entwicklungsneuropsychologie optimieren

Projektkoordination: Barbara Höhle
ProjektleiterInnen: Barbara Höhle, Isabell Wartenburger, Aude Noiray (Universität Potsdam); Thierry Nazzi, Judit Gervain (Universität Paris Descartes, Frankreich); Paavo Leppänen, Jarmo Hämäläinen (Universität von Jyväskylä, Finnland); Nuria Sebastian-Gallés, Luca Bonatti (Universität Pompeu Fabra, Barcelona Spanien); Christoph Schmitz (NIRx Medizintechnik GmbH, Berlin)
Fördermittelgeber: Horizont 2020 Projekt der EU
Bewilligungszeitraum: 2015 – 2019
Projekt-Internetseite: www.predictable.eu


Die kritische Periode für assoziatives Lernen von nicht-benachbarten Abhängigkeiten in verbalem und nicht-verbalem Material

Forschergruppe 2253: Grenzüberschreitung: Das Zusammenspiel von Sprache, Kognition und Hirnstrukturen in der frühkindlichen Entwicklung

Um ihre Muttersprache scheinbar mühelos innerhalb weniger Jahre zu erwerben, müssen Kinder mit bemerkenswerten Sprachlernfähigkeiten ausgestattet sein. Die Fähigkeit, abstrakte Abhängigkeiten zwischen nicht-benachbarten Elementen zu erkennen und zu verallgemeinern, ist bereits sehr früh vorhanden. Im Alter von 3- bis 4-Monaten können Babys bereits nach einer kurzen Gewöhnungsphase grammatische von ungrammatische Abhängigkeiten unterscheiden. Im Gegensatz dazu zeigen Erwachsene diese Fähigkeit nur dann, wenn sie explizit dazu aufgefordert werden, die Grammatikalität zu beurteilen, nicht aber beim passiven Zuhören. Daher stellt sich die Frage, wie sich der Lernprozess zwischen Babys und Erwachsenen unterscheidet. Ein Ansatzpunkt hierbei ist die verzögerte Reifung präfrontaler Hirnareale. Die dort lokalisierte Funktion der kognitiven Kontrolle ist im erwachsenen Gehirn vorhanden, aber noch nicht im Gehirn von Babys und könnte zu den Unterschieden in den Lernprozessen führen. Demnach ist der assoziative Lernprozess, lokalisiert in Kortexarealen des Schläfenlappens, in Babys noch nicht der kognitiven Kontrolle des präfrontalen Kortex unterworfen und aus diesem Grunde effizienter als in Erwachsenen.Wir untersuchen, wann innerhalb der ersten drei Lebensjahre ein Verschiebung von vorwiegend assoziativem zu eher kontrolliertem Lernen stattfindet. Darüber hinaus werden wir aufdecken, ob das Lernen von nicht-benachbarten Abhängigkeiten demselben Entwicklungsverlauf in der linguistischen (Italienisch als nicht-Muttersprache) und der nicht-linguistischen (Tonsequenzen) Domäne folgt. Parallele Befunde in beiden Domänen in Abhängigkeit des Alters würden auf einen Domänen-übergreifenden Lernmechanismus verweisen.

Projektkoordination: Barbara Höhle
ProjektleiterInnen: Barbara Höhle, Angela Friederici (MPI Leipzig) (Projekt P1)
Fördermittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG
Bewilligungszeitraum: 2015 – 2018
Projekt-Internetseite: www.crossing-project.de


Die Wahrnehmungseinengung in Sprach- und Gesichtererkennung bei Kleinkindern

Forschergruppe 2253: Grenzüberschreitung: Das Zusammenspiel von Sprache, Kognition und Hirnstrukturen in der frühkindlichen Entwicklung

Mit Wahrnehmungseinengung ist eine Feinabstimmung der Unterscheidungsfähigkeit auf diejenigen sensorischen Informationen gemeint, denen Kinder tagtäglich in ihrem Umfeld begegnen. Im Laufe dieses Prozesses verlieren Kinder die Diskriminationsfähigkeit für Reize, die in ihrer Umgebung nicht zur Verfügung stehen oder die für sie von keiner Relevanz sind. Die Wahrnehmungseinengung wurde bislang vor allem im Bereich Gesichter- und Lautdiskrimination untersucht und hat für beide ähnliche Entwicklungsverläufe ergeben. Dennoch wurden beide Bereiche häufig nur unabhängig voneinander betrachtet. In diesem Projekt verfolgen wir das Ziel, das Phänomen der Wahrnehmungseinengung im ersten Lebensjahr aus einem interdisziplinärem Blickwinkel zu beleuchten, mit dem Fokus auf der visuellen und der auditiven Domäne. Zentrale Forschungsfragen dabei sind, ob die Mechanismen der Gesichter- und Lauterkennung auf einer Domänen-übergreifenden oder einer Domänen-spezifischen Verarbeitung beruhen sowie, ob es Unterschiede in den Bedingungen gibt, die die Wahrnehmungseinengung bei Sprach- und Gesichtererkennung beeinflussen. Im Einzelnen betrachten wir die Erkennung von Gesichtern mit demselben oder einem anderen ethnischen Hintergrund, die Lauterkennung sowie die Übereinstimmung von Gesichtern und Stimme. Die Untersuchungen beinhalten EEG und Blickbewegungsmessungen von 6-, 9- und 12-Monate alten Babys, die als Querschnitts- und als Längsschnittstudien angelegt sind.

Projektkoordination: Barbara Höhle
ProjektleiterInnen: Barbara Höhle, Gudrun Schwarzer (Gießen) (Projekt P6)
Fördermittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG
Bewilligungszeitraum: 2015 – 2018
Projekt-Internetseite: www.crossing-project.de


Erwerb sprachlicher Mittel der Markierung von Informationsstruktur im Erstspracherwerb

Prosodische, syntaktische und lexikalische Aspekte

In diesem Projekt untersuchen wir die Frage, wie Kinder die sprachlichen Mittel zur Informationsstrukturierung von Äußerungen erwerben, d.h. produktiv einsetzen und im Sprachverständnis korrekt interpretieren. Sprachvergleichend werden verschiedene Aspekte des Erwerbs von Informationsstruktur mit parallelen Testverfahren mit Deutsch, Englisch oder Französisch lernenden Kindern untersucht. Neben Kindern mit unauffälligem Spracherwerb werden auch Kindern mit unterschiedlichen Entwicklungsstörungen wie Kinder mit spezifischen Sprachentwicklungsstörungen in die Untersuchungen einbezogen.

Projektleiter: Barbara Höhle, Flavia Adani
Kooperationen: Kristza Szendrői (University College London), Judit Gervain (CNRS, Université Paris Descartes)
Projektförderung: Teilprojekt des Sonderforschungsbereichs 632: Informationsstruktur


Die Verarbeitung syntaktischer Abhängigkeiten im frühen Spracherwerb

Sprachvergleichende Untersuchungen zur Sensitivität gegenüber Subjekt-Verb-Kongruenz bei Deutsch oder Englisch lernenden 2-jährigen Kindern

Ein zentraler Aspekt des Erwerbs grammatischer Eigenschaften der Muttersprache ist die Fähigkeit, syntaktische Abhängigkeiten zu erkennen und zu verarbeiten. In diesem Projekt wird die Entwicklung dieser Fähigkeit im Bereich der Subjekt-Verb-Kongruenz bei Deutsch oder Englisch lernenden Kindern untersucht. Die beiden Sprachen weisen interessante morpho-syntaktische Unterschiede auf: zum verfügt das Deutsche über ein weitaus komplexeres System der Verbalflexion als das Englische, zum zweiten ist die positionale Abfolge von Subjekt und Verb durch die freiere Worstellung im Deutschen weitaus flexibler als im Englischen. Unsere Untersuchungen sollen Aufschluss darüber geben, inwieweit sich diese sprachstrukturellen Unterschiede auf den Erwerb von Subjekt-Verb-Kongruenz auswirken.

Projektleiter: Barbara Höhle, Melanie Soderstrom (University of Manitoba, Canada)


Verarbeitung phonologischer Information während der Worterkennung bei hörgeschädigten Kindern

In diesem Projekt wird untersucht, inwieweit sich die Verarbeitung segmental-phonologischer Information während der Erkennung von Wörtern bei normal hörenden Kindern und bei Kindern mit Hörstörungen unterscheidet. Mit Hilfe von Blickbewegungsmessungen untersuchen wir, welche Aspekte der phonologischen Form eines Wortes für den lexikalischen Zugriff besonders relevant sind und welche Unterschiede in einer möglichen Gewichtigung phonologischer Information zwischen hörenden und hörbeeinträchtigen Kindern bestehen.

Projektleiter: Barbara Höhle, Nivedita Mani (Universität Göttingen), Ovidiu König (Universität Potsdam)


Frühe Prosodische Fähigkeiten im Erstspracherwerb

In diesem Projekt, das Teil DFG-Schwerpunktprogramms 1234 ist, untersuchen wir, wie Säuglinge im Alter von 6 und 8 Monaten akustische Merkmale an prosodischen Grenzen wahrnehmen. Zu solchen prosodischen Hinweisen gehören Tonhöhenveränderungen, die Dehnung finaler Laute sowie Pausen. Bisherige Studien haben gezeigt, dass Säuglinge prosodische Informationen wahrnehmen und zur Segmentierung des Sprachstroms nutzen können. Des Weiteren wurde gezeigt, dass Erwachsene und Kinder in ihrer Wahrnehmung abhängig von der Muttersprache eine unterschiedliche Gewichtung der drei prosodischen Grenzmarkierungen vornehmen. Nun untersuchen wir, welche Hinweise für Deutsch lernende Säuglinge nötig sind und ob sich die Gewichtung prosodischer Markierungen in Abhängigkeit des Alters verändert. Dafür präsentieren wir den Babys Sprachmaterial mit unterschiedlichen Konstellationen der Hinweise. Die Untersuchungen werden mit einer behavioralen (Headturn Preference Procedure) und einer neurophysiologischen Methode (EEG) durchgeführt. Unsere Studien werden neue Erkenntnisse darüber liefern, mit welchen perzeptuellen Fähigkeiten Säuglinge bereits ausgestattet sind und wie diese im Verlauf des ersten Lebensjahres an die spezifischen Muster der Muttersprache angepasst werden. Zudem trägt das Projekt dazu bei, zu erkennen, welche neuronalen Mechanismen prosodischen Kompetenzen zugrundeliegen.

Projektleiter: Barbara Höhle, Hubert Truckenbrodt (ZAS Berlin), Isabell Wartenburger (Universität Potsdam)
Projektförderung: DFG


Sprachvergleichende Untersuchungen zur Entwicklung von Rhythmuspräferenzen

Rhythmische Informationen sind die ersten Hinweisreize, die ein Baby nutzt um lexikalische und syntaktische Eigenschaften seiner Muttersprache zu erwerben. Bereits in den ersten Lebensmonaten erwerben Babys rhythmische und andere prosodische Eigenschaften der Zielsprache. Unklar ist bisher inwieweit allgemeine auditorische Präferenzen und die spezifischen akustischen Eigenschaften der zu erlernenden Sprache sich gegenseitig beeinflussen. Dieses Projekt vergleicht die frühen Wahrnehmungspräferenzen von Rhythmusmustern bei deutsch und französisch lernenden Kindern. Während im Deutschen ein akzentbasierter trochäischer Rhythmus auf Wortebene vorherrscht, zeigt das Französische einen silbenbasierten Rhythmus ohne Wortbetonung aber mit phrasenfinaler Prominenz durch Lautlängung.

Das Projekt verfolgt zwei Ziele: Zum einen wird die Behauptung des sog. jambisch/trochäischen Gesetzes überprüft, dass es universal gilt, also unabhängig von den Eigenschaften der Zielsprache. Dazu werden einsprachig aufwachsende deutsche und französische Erwachsene und Kinder untersucht. Zum zweiten erweitern wir unsere Studien zu Betonungspräferenzen, Betonungsunterscheidung und die Anwendung des jambisch/trochäischen Gesetzes auf zweisprachige deutsch-französische Erwachsene und Kinder, um den Einfluss der Zweisprachigkeit auf die prosodische Verarbeitung zu erforschen.

Projektleiter: Barbara Höhle, Thierry Nazzi (Université Paris Descartes)
Projektförderung: DFG


Erwerb von Funktionswörtern in Deutsch- und Hebräisch-lernenden Kindern

Ab welchem Alter sind Kinder in der Lage, Funktionswörter wie Artikel und Präpositionen nicht nur zu unterscheiden sondern auch zielsprachlich zu interpretieren. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es dabei in verschiedenen Sprachen?

Projektleiter: Barbara Höhle, Yarden Kedar (Ben-Gurion University of the Negev)