uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

10/16 Mathias Herz

Foto: Corinna Micha
Mathias Herz hat in Potsdam Lehramt studiert und das „Prinz Apfel Imperium“ gegründet.

In seiner Freizeit beschäftigt sich Mathias Herz mit dreiäugigen Katzen, fliegenden Kühen und schwimmenden Hasen. Der Gymnasiallehrer hat bereits zu Studienzeiten einen Online-Shop gegründet, in dem liebevoll illustrierte Kalender verkauft werden. An der Universität Potsdam hat der 30-Jährige nicht nur seinen Masterabschluss gemacht, sondern ihm wurde hier auch den Weg zum Geschäftsführer geebnet.


Der Imperator kommt zu Fuß: Mit federnden Schritten eilt Mathias Herz auf das Neue Palais zu. Das Gelände ist ihm vertraut. Bis 2013 studierte der 30-Jährige an der Universität Potsdam Sport und Mathematik auf Lehramt. Die Wahl der Hochschule war für ihn eine Herzensentscheidung: „Ich habe einen Freund besucht, der hier studiert hat und habe mich sofort in die Stadt und in den Campus verschossen“, berichtet er. Die Gründe für die Liebe auf den ersten Blick: Die Stadt und ihre Hochschule hätten Geschichte und seien trotzdem modern; sie böten Infrastruktur und gleichzeitig Natur.

Nach dem Hochschulabschluss begann Herz sein Referendariat an einem Berliner Gymnasium, seit dem Februar 2016 ist er dort als Lehrer angestellt. Er liebe den direkten Austausch mit Menschen und er freue sich daran, die Schüler in ihrer Entwicklung zu begleiten, erklärt der Novize im Lehrerzimmer. Doch neben dem Klassenzimmer gibt es eine zweite Welt, die ihm wichtig ist: das Prinz Apfel Imperium. Herz ist Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH, die er 2011 gemeinsam mit seiner Schwester und einer Freundin gegründet hat. Heute verkauft das Unternehmen 2.000 Kalender pro Jahr und daneben Tagebücher, Kissen, Postkarten und Taschen.

100 Kalender am ersten Verkaufstag
Die Idee zum Geschäft ist vor zehn Jahren aus Langeweile entstanden. Herz‘ Schwester Jasmin, die in Salzburg Multimedia Art studiert, kritzelt gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Birgit Palma kleine Figürchen, um eine Vorlesung zu beleben. Weil die Studienordnung der beiden eine Veröffentlichung vorsieht, entwerfen sie mit diesen Illustrationen einen Jahreskalender. Auf dem Weihnachtsmarkt der Hochschule wird das Erstlingswerk angeboten – mit unerwartetem Erfolg: Die ersten hundert Stück und damit die gesamte Auflage sind nach einem Tag verkauft.

Im darauffolgenden Jahr erweitern sich Auflage und Radius: 200 Kalender werden aus dem heimischen Wohnzimmer verschickt und Mathias steigt beim Designerinnen-Duo ein; zunächst als Versand-Hilfe. Auch der Unternehmensname entsteht spontan, erzählt Herz: „Der sieht ja aus wie ein Prinz Apfel!“, lacht eine der Grafikerinnen einmal über eine Skizze. Der Absender steht damit fest.

Unperfekt und gut gelaunt
Bis 2010 besteht das Angebot von Prinz Apfel aus einem Produkt: A5-formatige Ringbuchkalender. Doch dann bewirbt sich Herz bei der Gründungsberatung der Universität Potsdam „BIEM startup Navigator“. In einem Wettbewerb von „Potsdam Transfer“ stellt das Trio seine Geschäftsidee vor und setzt sich gegen vier Mitbewerber durch. Der Gewinn: individuelle Beratung von einem Steuerfachmann, einem Rechtsanwalt und einem Unternehmensberater, der gemeinsam mit den Gründern die strategische Ausrichtung entwickelt. „Das waren insgesamt etwa zehn Gespräche, die uns enorm geholfen haben und uns Sicherheit für die Gründung unserer GmbH gegeben haben“, zieht Herz Bilanz.

Nach der GmbH-Gründung werden neue Vertriebswege gesucht, das Portfolio wird erweitert. Die Figuren tauchen jetzt etwa auch auf Taschen und Kissen auf. Stets bleiben sie der Mittelpunkt der Prinz-Apfel-Welt, die laut Herz vor allem ein Ziel hat: Menschen glücklich machen. „Königlich unperfekt“ nennt Herz die liebevollen Illustrationen, die manchmal tollpatschig, manchmal neben der Spur seien. Aber: „Genau darum geht es uns: Jeder soll in seiner Eigenart teilnehmen an der Prinz-Apfel-Welt und jeden Tag seines Lebens genießen.“ Neben ihren Produkten setzen die Gründer auf ein umfassendes Prinz-Apfel-Erlebnis. Kunden, die im Online-Shop bestellt haben, bekommen etwa eine E-Mail, in der sie gebeten werden, die „Goldtaler jetzt in die Schatzkammer des Königs zu überweisen“. Alsbald werde sich ein „reitender Bote auf den Weg machen, der sich bei der Übergabe über Kakao und Kekse zur Stärkung freuen würde.“

Ein königliches Hobby
Auch der Austausch mit den Kunden ist den Gründern wichtig. Per Facebook rufen die Designer in diesem Jahr etwa dazu auf, eigene Figuren für das gut gelaunte Imperium zu entwerfen. Im Kalender „Prinz Apfel & Friends“ sollen diese dann veröffentlicht werden. „All das macht extrem viel Spaß“, findet Herz, „aber es ist auch extrem viel Arbeit.“ Ungefähr 400 Stunden pro Jahr investiere er, schätzt der Gründer. Ähnlich dürfte es den Designerinnen gehen, die inzwischen in Berlin und Barcelona wohnen und auch nur nebenberuflich an der „königlichen Welt“ mitarbeiten. „Es ist ein aufwändiges Hobby“ scherzt Herz. Aber eines, das ihn selbst weiter gebracht habe.

Und eines, das ihm im Schulalltag hilft. Bei der letzten Projektarbeit zum Thema Firmengründung konnte er beispielsweise aus dem Nähkästen plaudern: Woran muss ich bei einer Gründung denken? Wieviel Zeit muss ich wofür einplanen? Was erwarten die Kunden von einem Dienstleister? „Dieses Wissen habe ich dank Prinz Apfel und das gebe ich gerne weiter, um die Kinder aufs Leben vorzubereiten“, berichtet Herz. Und manchmal schlüpft er an Feierabend auch in die Rolle des reitenden Boten: „Bestellungen in der Potsdamer Innenstadt bringe ich manchmal persönlich vorbei“, erklärt er. Nur Kakao und Kekse hat er noch nie bekommen.

Schade eigentlich!

Redaktion
Alumni-Team I Corinna Micha

Veröffentlicht
Oktober 2016