Afrikanische Trockensavanne

Sansevierien-Blüte
Photo: M. Burkart

Die Grasländer der Savannen in den wechselfeuchten Tropen sind häufig durch Brände anstelle von Wäldern entstanden. Beweidung durch Wildtierherden oder Haustiere sowie Feuer in der Trockenzeit kann den neu aufkeimenden Baumwuchs lange Zeit unterdrücken. Bei zu starker Beweidung kann sich aus dem Grasland ein Dorngebüsch und daraus unter Umständen wieder ein Wald entwickeln, und der Zyklus beginnt von vorn.

Typisch für Savannen sind natürlich vor allem Gräser. Dazu kommen einzeln stehende Bäume wie Akazien und Balsambäume. Vor allem in den Dorngebüsch-Stadien von Trockensavannen können auch Sukkulenten (Wasser speichernde Pflanzen) auftreten, von denen hier zum Beispiel zahlreiche Vertreter aus der Gattung Sansevieria (Bogenhanf) zu sehen sind.

Die Sansevieria-Sammlung in Potsdam

Die Gattung Sansevieria (Bogenhanf) umfasst etwa 90 blattsukkulente Pflanzenarten in Afrika, Süd-Arabien und Indien bis Thailand.
Mit Abstand die meisten Arten kommen in Ostafrika vor. Diese Pflanzen sind in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich.
Ihr Wasserspeichergewebe besteht zu erheblichen Anteilen aus toten Zellen, einmalig bei Blütenpflanzen.

Manche Zellen der Pflanzen sind polyploid, also mit mehrfachen Sätzen von Erbgut versehen, während die meisten normal diploid sind (Endopolyploidie).
Sie blühen fast ausschließlich nachts und duften dann intensiv, vermutlich um Nachtfalter als Bestäuber anzulocken.
Die Blüten vollführen bei vielen Arten eigentümliche auf-und-ab-Bewegungen, vor dem Aufblühen in die Horizontale und danach wieder nach oben zurück. Die Früchte sind orangefarbene Beeren.

Die letzte umfassende Bearbeitung der Gattung publizierte 1915 N.E.Brown in Kew Gardens, England, mit insgesamt 54 Arten.
Etliche davon werden heute nicht mehr als eigenständig angesehen, und mehrere Dutzend neue Arten wurden seitdem beschrieben,
so dass eine neue Monografie dringend nötig ist. Auch ökologische Untersuchungen sind für ein besseres Verständnis unbedingt erforderlich.
Schließlich ist die Abgrenzung gegenüber der nächstverwandten Gattung Dracaena (Drachenbaum) kritisch und zu klären.

Die Sansevierien-Sammlung in Potsdam ist mit rund 60 Arten in über 400 Akzessionen die größte Forschungssammlung dieser Gattung weltweit, und umfasst auch mehrere noch unbeschriebene Arten. Ein wichtiger Bestandteil ist die Sammlung Pfennig,
die 2015 vom Alten Botanischen Garten Göttingen übernommen werden konnte.

Mit den Pflanzen wird fortlaufend wissenschaftlich gearbeitet, um das taxonomische und ökologische Verständnis dieser Pflanzen zu verbessern.
Mehrere studentische Abschlussarbeiten und weitere Untersuchungen haben bereits wichtige Erkenntnisse geliefert, zum Beispiel zur Endopolyploidie (siehe oben, S. Brack), zu Sukkulenzgrad und Photosynthese (Martin et al. 2019) und zur Rauigkeit der Blattoberflächen (H. Gorzkulla).
Eine Studie bestätigte die Existenz der Art Sansevieria pfennigii, die nur aus einem sehr kleinen Gebiet in Ostafrika bekannt und
dort offenbar vom Aussterben bedroht ist (Scharf & Burkart 2021). Weitere Untersuchungen sind in Arbeit oder werden vorbereitet, darunter auch Feldstudien in Afrika.

Links:
Sammlung Pfennig    http://www.sansevieria-pfennig.eu/
Alten Botanischen Garten Göttingen    https://uni-goettingen.de/de/108651.html
Martin et al. 2019    https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0367253019304931?via%3Dihub
Scharf & Burkart 2021    https://www.mapress.com/j/pt/article/view/phytotaxa.483.1.1

Pflanze des Monats: Sansevieria kirkii
 

Sansevierien-Blüte
Photo: M. Burkart