Plumbago auriculata
Photo: M. Burkart
Plumbago auriculata

Klebrige Ohrringe, die verwelken

Pflanze des Monats September 2016

Die Kap-Bleiwurz

Als Carl Peter Thunberg Kapstadt erreichte, hatte er eigentlich kaum Zeit.
Der Schwede fuhr im Auftrag seines berühmten Mentors Carl von Linné als Schiffsarzt auf einem Segler der Niederländischen Ostindien-Kompanie, welcher auf seinem Weg nach Fernost hier zur Ergänzung der Vorräte Rast machte. Kurzerhand verließ Thunberg seine Stellung und blieb am Kap,
wo er trotz knapper Finanzen drei große und zahlreiche kleinere Expeditionen unternahm.

Erst nach drei Jahren fuhr er weiter nach Japan.
Auch dort botanisierte er nach bestem Vermögen, angesichts der damals vollkommenen Abschottung des Inselreichs für Fremde eine besondere Herausforderung,
und kehrte erst im März 1779 nach Uppsala zurück. Hier wurde er in den Fußstapfen des ein Jahr zuvor verstorbenen Linné selber Professor
und nutzte die folgenden Jahre zur Veröffentlichung der Ergebnisse seiner Reise.

Jean-Baptiste de Lamarck stammte aus einem wenig begüterten französischen Adelshaus und war ein Jahr jünger als Thunberg. Seine zehnjährige Militärzeit nutzte er, um an den unterschiedlichsten Stationierungsorten im Land Botanik zu treiben, und studierte danach Medizin, allerdings ohne Abschluss. Sein erstes Werk, eine Flora von Frankreich, erschien 1779 dank der Unterstützung seines einflussreichen Mentors Buffon, welchem gerade die dezidiert nicht-Linnésche Herangehensweise gefiel.

Lamarck verdiente die folgenden zehn Jahre seinen Unterhalt als Autor für wissenschaftliche Enzyklopädien, wovon in Frankreich im 18. Jahrhundert etliche erschienen,
bis er endlich eine halbwegs auskömmliche Anstellung im Jardin des Plantes zu Paris erhielt.

Thunberg fand die Kap-Bleiwurz während seines Aufenthalts in Südafrika und benannte sie in seiner 1794 erschienenen Auflistung von Kap-Pflanzen wissenschaftlich als Plumbago capensis. Er starb 1828 mit fast 85 Jahren. Der bei uns nicht winterharte Strauch trägt den ganzen Sommer über zahlreiche hellblaue Blüten, die sich Kinder manchmal als Schmuck ans Ohrläppchen kleben, denn der Kelch ist mit klebrigen Drüsen besetzt. Blütenbesucher sind vor allem Falter, die mit ihrem langen Rüssel Nektar aus der engen Blütenröhre saugen.

Der deutsche Name „Bleiwurz“ und das lateinische Plumbago, abgeleitet vermutlich von plumbum für Blei, beziehen sich vor allem auf andere Vertreter der Gattung,
und der Grund für die Benennung ist nicht ganz klar.

Lamarck überlebte Thunberg um ein Jahr. Viel berühmter als Botanik und Enzyklopädien machten ihn schließlich seine bahnbrechende Systematik wirbelloser Tiere und seine Evolutionstheorie,
die von der Vererbung erworbener Merkmale ausgeht.
Seit Darwin ist der „Lamarckismus“ allerdings überholt. Erst lange nach seinem Tod stellte man fest, dass Lamarck die Kap-Bleiwurz bereits acht Jahre vor Thunberg in einer Enzyklopädie gültig beschrieben hatte.
Der von ihm gewählte Name Plumbago auriculata ist der heute allgemein anerkannte.
Die Kap-Bleiwurz blüht jetzt noch wie jeden Sommer auf den Rabatten vor dem Eingang zu den Gewächshäusern.

Plumbago auriculata
Photo: M. Burkart
Plumbago auriculata