Ökologische Forschung und Lehre an der Unteren Havel und im Naturpark Westhavelland
Seit 1975 forschen und lehren Potsdamer Wissenschaftler auf dem ehemaligen Gehöft "Hünemörderhof" bei der kleinen Ortschaft Gülpe an der Unteren Havel. Zuerst ornithologische, dann übergreifend weitere zoologische und botanische Einzeluntersuchungen der Anfangsjahre wurden auf der Ebene von ökosystemaren Betrachtungen zusammengeführt und bildeten die wissenschaftliche Grundlage für die Ausweisung von Schutzgebieten. Bereits 1967 wurde der benachbarte Gülper See aufgrund seines Reichtums an Vogelarten zum Naturschutzgebiet erklärt. Die intensive Erforschung der Zugvögel und die Bedeutung der Niederung der Unteren Havel als Rastgebiet für migrierende Wat- und Wasservogelarten führten 1978 zur Ausweisung eines Feuchtgebietes von internationaler Bedeutung. Eine Fläche von ca. 6 000 ha feuchtem Grünland und Gewässern wurde als Ramsar-Gebiet somit unter den Schutz einer UNESCO-Konvention gestellt. Die fächerübergreifende Erforschung der vielfältigen Naturausstattung der Niederungen und Ländchen an der Unteren Havel bildete die wesentliche Voraussetzung für die Ausweisung des Naturparks Westhavelland, des mit 1315 km2 größten Schutzgebietes in Brandenburg.
Mit der umfassenden Renovierung der ökologischen Station in 1990ger Jahren wurde eine moderne Forschungsstätte geschaffen, die in idealer Weise Lehr- und Forschungsmöglichkeiten in einer dynamischen Landschaft miteinander verbindet. Dabei hat sich auch der Forschungsfokus der ökologischen Station geändert: stand in der Region in der Vergangenheit die deskriptive Forschung zur Schaffung einer soliden Wissensbasis im Mittelpunkt der Bemühungen so wird auf dieser Basis nun zunehmend quantitative, prozessorientierte und experimentelle Forschung durchgeführt.
Das Logo der Station basiert auf einem Entwurf unserer Studentin Chiara Gehrke. Es symbolisiert das Kranichportal, das den Eingang zum Stationgelände bzw. ins Naturschutzgebiet “Untere Havel Nord”. Die ziehenden Gänse verbildlichen die Lage am internationalen Schutzgebiet für Zug- und Rastvögel “Gülper See” und die Auenlandschaft mit ihren Sternen stehen für den Naturpark “Westhavelland” und den besonders dunklen Himmel im Sternenpark Westhavelland.
Aufgaben
- Lehre: Praxisnahe, ökologische Freilandausbildung in den Studiengängen MSc Ecology Evolution and Conservation, BSc Biowissenschaften, MSc Geoökologie und Lehramt Biologie der Universität Potsdam
- Forschung: Labor, Büro und Unterkunft für Freilandprojekte, Lysimeter für tierökologische Experimente, Datenschatz zu 40 Jahren Auenforschung, Wetterstation
- Öffentlichkeit: Jahrestagungen, Forschungsretreats, Sommerschulen, AG Seminare, Workshops, Exkursionen, schulische Kursfahrten, Lehrerweiterbildung, die Ökologische Station ist Mitglied im Netzwerk der Naturwissenschaftlichen Feldstationen Deutschlands (https://feldstationen.de/)
Ausstattung
- Naturlabor Untere Havelaue
- Infrastruktur für Forschung und Lehre: 2 Innenlabore, 2 Kursräume, je 1 Außenlabor, Seminarraum, Bibliothek
- Sammlung von Vogelpräparaten
- Wetterstation
- Mikroskope, Stereomikroskope, Ferngläser
- Trockenschränke, Ausrüstung und div. Messgeräte
- 25 Übernachtungsplätze, Selbstversorgerküche, Fahrräder