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Foto: M. Burkart
Hoya australis Australische Porzellanblume

Weltreise eines Multitalents

Pflanze des Monats November 2014

Die Australische Porzellanblume

 

Georg Forster aus Nassenhuben bei Danzig war erst 17, als er im Juni 1772 die 4 m² kleine Kabine an Bord der „Resolution“ bezog, des neuen Forschungsschiffs für James Cooks zweite Weltreise.

Sein Vater Reinhold Forster, mit dem er sich die winzige Unterkunft für die nächsten drei Jahre teilen sollte, war sehr kurzfristig zum Bord-Naturwissenschaftler ernannt worden, nachdem Joseph Banks die Gunst von Kapitän und Admiralität verloren hatte. 
Mit seinen Forderungen – vielköpfiges eigenes Personal, persönlicher Komfort, spezielle Decksaufbauten – hatte dieser so weit überzogen, dass ihm auch sein Ruhm nicht mehr half, den er (mehr noch als Cook selbst) auf dessen erster Südseefahrt gesammelt hatte.

Der junge Georg erwies sich als echter Glücksfall: Sein Sprachtalent ließ ihn die Idiome der Südseebewohner fast vom Zuhören lernen; seine grafische Begabung kam den Zeichnungen und Aquarellen der gefundenen Pflanzen und Tiere sehr zugute; seine schriftstellerischen Fähigkeiten und seine menschenfreundliche Haltung machen den Reisebericht aus seiner Feder, der 1777 zunächst auf Englisch, 1778 dann auch auf Deutsch erschien, bis heute zu einem überaus lesenswerten Buch.

Im dritten Jahr der Reise erforschten sie östlich von Neuguinea den noch fast gänzlich unbekannten Archipel der Neuen Hebriden, darunter die Insel Tanna. Hier fanden die Forsters unter anderem eine Porzellanblume. Georg fertigte eine aquarellierte Zeichnung an, eine von schließlich 300 Pflanzendarstellungen der gesamten Reise. Ein Jahr später kehrte die Cook-Expedition im Triumph zurück.

Anders als Georg war Vater Reinhold ein schwieriger Charakter. Finanziell bereits mehr als klamm, gelang es ihm, die eigentlich längst feststehende, lukrative Zusage für die Abfassung eines offiziellen Reiseberichts nach der Rückkehr wieder zu verlieren. So wurde Georg zum Autor. Um zu Geld zu kommen, mussten die Forsters zuvor Georgs Illustrationen verkaufen. Käufer war ausgerechnet der Konkurrent Banks – der sie umgehend in der Versenkung verschwinden ließ.

Die Porzellanblume von Tanna wurde erst 1828 unter dem bis heute gültigen Namen Hoya australis als neue Art beschrieben, nach einem Exemplar, das Banks schon 1770 in Australien gesammelt hatte. Da war bereits keiner der genannten Akteure mehr am Leben (Banks starb als letzter 1827). Georg Forster starb nach einem sehr bewegten Leben nur 39jährig in Paris. Seine an Banks verkauften Zeichnungen befinden sich seit 1881 im Natural History Museum in London, erlangen aber erst in den letzten Jahren die verdiente Aufmerksamkeit. Etliche davon sind die Zierde des 2007 bei Eichborn neu aufgelegten Reiseberichts, darunter auch Hoya australis.

Die Australische Porzellanblume wird in Australien gern als Gartenpflanze kultiviert. Bei uns wird sie gelegentlich auf der Fensterbank gehalten, 
wo ihre duftenden Blüten das ganze Jahr über erscheinen können.

Foto: M. Burkart
Hoya australis Australische Porzellanblume