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Foto: M. Burkart

Kolonialgetränk

Pflanze des Monats Juni 2012

Der Robusta-Kaffee

 

Als der Siebenjährige Krieg 1763 endete, waren die preußischen Staatsfinanzen vollkommen zerrüttet. Friedrich II. war als Landesherr bestrebt, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Die Handelsbilanz begann sich bereits nach einigen Jahren günstig zu entwickeln, wurde aber durch die Einfuhr von Luxusprodukten erheblich belastet, insbesondere Kaffee und Tabak. Zur Entlastung förderte Friedrich den Tabakanbau im Lande, auch wenn die Qualität weit hinter den Spitzengewächsen aus Virginia zurückblieb. Beim Kaffee suchte er über hohe Besteuerung und ein staatliches Handelsmonopol Besserung zu erreichen; als dies nicht genügte, ließ er zusätzlich die private Kaffeerösterei verbieten, durch welche das Volk billigen, nämlich an der Steuer vorbei ins Land geschmuggelten Kaffee weiterverarbeitete. Kriegsveteranen wurden als staatliche ‚Kaffeeschnüffler' angestellt und durch sie beim Rösten ‚erschnüffelter' Schmuggelkaffee beschlagnahmt. Dies führte allerdings zu erheblichen Unruhen bei Friedrichs Untertanen, welche nur sehr widerwillig auf preisgünstigen Kaffee verzichteten. Die Regelung wurde daher nach einigen Jahren wieder abgeschafft, insbesondere als sich zusätzlich herausstellte, dass der finanzielle Ertrag, unterm Strich betrachtet, mehr als fraglich war.

Preußen hatte als junge Großmacht keine Kolonien in den Tropen. Genauer gesagt hatte es in sehr bescheidenem Umfang in Afrika und der Karibik welche besessen, die Friedrichs Vater, Friedrich Wilhelm I., jedoch bereits Anfang des 18. Jahrhunderts wieder verkauft hatte. So konnte es auch keinen eigenen Kaffee produzieren. Die Kolonialmächte, besonders Holland, Frankreich und Portugal, nutzten hingegen das 18. Jahrhundert zur Errichtung von Kaffeeplantagen in ihren Besitzungen in Lateinamerika und Südostasien. Damit belieferten sie in schnell steigendem Umfang den europäischen Markt und schließlich sogar das Osmanische Reich, welches ursprünglich den Handel mit Hochlandkaffee aus dem Jemen beherrscht hatte. Wie sein Name sagt, gedeiht dieser Kaffee vor allem in den höheren Lagen tropischer Regionen, etwa zwischen 600 und 1200 Höhenmetern.

Im 19. Jahrhundert nahm der Kaffeeanbau weiter zu. Der in Afrika entdeckte Tiefland- oder Robusta-Kaffee (Coffea canephora) ermöglichte schließlich den Anbau auch in tieferen Lagen ab 300 Höhenmetern, wo Hochland- oder Arabica-Kaffee (Coffea arabica) nicht gedeiht. Robusta-Kaffee gilt als geschmacklich weniger edel als Arabica, hat aber einen doppelt so hohen Koffeingehalt. Auch reifen seine ‚Kaffeekirschen' erheblich schneller und ermöglichen bis zu zwei Ernten pro Jahr, und er ist widerstandsfähiger gegen Krankheiten (daher der Name ‚Robusta'). Folgerichtig ist er deutlich günstiger im Preis und wird zur Streckung des edleren Arabica-Kaffees verwendet - manchmal ohne korrekte Deklaration. Zur Aufdeckung solcher Betrügereien werden chemische Analysegeräte eingesetzt, sozusagen ‚maschinelle Kaffeeschnüffler'. Besonders in Spanien wird Robusta-Kaffee aber durchaus geschätzt, weil er in Espresso-Mischungen für die 'crema', die elegante Schaumhaube sorgt.

Friedrich II. hielt übrigens nichts von überseeischen Kolonien. 1768 schrieb er: "... wenn wir keine Kolonien in Afrika und Amerika haben, beglückwünsche ich meine Nachfolger, weil diese entfernten Besitzungen die Staaten, denen sie gehören, entvölkern; man muss sie durch große Flotten schützen und sie bilden fortwährend neue Anlässe zu Kriegen, als ob wir nicht schon genug davon mit unseren Nachbarn hätten."

Foto: M. Burkart