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Ein Semester an der Augustana University

Da ich schon länger überlegt hatte, ein Auslandssemester in den USA zu machen, um die Collegeatmosphäre und den Studienalltag dort näher kennenzulernen, informierte ich mich zuerst auf den Internetseiten der Universität Potsdam über Hochschulpartnerschaften in den USA. Die meisten der knapp 10 Partnerunis ließen Bewerbungen von Bachelorstudenten, wie ich es einer bin, zu. Da es mir nicht so sehr um eine bestimmte Gegend der USA ging, entschied ich mich nach Lesen einiger Erfahrungsberichte und Recherche auf Uniwebsites für drei Einrichtungen, die sich gut um ihre internationalen Studenten kümmern und auch für mich interessante Kurse anboten. Nach erfolgreicher Onlinebewerbung wurde ich zum persönlichen Gespräch eingeladen, welches mit drei Mitbewerbern auf Englisch stattfand, aber mehr einer entspannten Diskussion ähnelte. Ein paar Wochen später kam die E-Mail mit der Info, dass ich einen Austauschplatz an der Augustana University in South Dakota bekommen hatte.


Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 08 /2016 – 12 /2016

Gastuniversität: Augustana College (SD)

Gastland: USA

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Nun musste ich mich bei der Gastuniversität noch einmal direkt bewerben, was aber eher formale Gründe hatte. Wenn ich mich recht erinnere, kam die Zusage schon im Januar 2016, sodass ich genug Zeit hatte, in Zusammenarbeit mit dem International Office der Augustana University wichtige Dinge wie Impfungen, Visum oder auch meine favorisierten Kurse zu regeln. Die Mitarbeiter Don, Phil und Rosanne machen da wirklich einen ziemlich guten Job und antworten meist innerhalb eines Tages auf E-Mails mit Fragen und Problemen. Nach erfolgreicher Onlinebewerbung an der University mussten nur noch die 500 Dollar (!) Einschreibungsgebühr bezahlt werden und schon bekam ich ein I-20 Formular zugeschickt, das man für die Visumsbewerbung braucht. Geimpft werden musste ich vorschriftsmäßig nur gegen Meningitis und nach einigem Suchen fand ich auch eine Auslandskrankenversicherung, die die Kriterien der Augustana University erfüllte und dann auch nur knapp 40 € pro Monat kostete. Als letztes vor der Ausreise galt es noch, ein Learning Agreement von der zuständigen Ansprechpartnerin des Prüfungsausschusses für meinen Fachbereich unterschreiben zu lassen. Im PVO-Studiengang ist ein Auslandssemester quasi integriert im fünften Semester, sodass mir nach Rücksprache mit Frau Subasic pauschal 30 LP gutgeschrieben wurden. Die amerikanischen Credits zählen circa das Doppelte der ECTS. Ich belegte also vorläufig 4 Kurse (das ist normal für einen amerikanischen Studenten und wurde von der Leitung des International Office auch so vorgeschlagen). Bei mir waren das alles Kurse aus dem Bereich Government & International Affairs, was gleichzusetzen ist mit dem Feld der Politikwissenschaften in Deutschland. Drei der Kurse gaben 3 amerikanische Credits und einer 4, sodass ich insgesamt auf 13 kam (= 26 ECTS).

Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 08 /2016 – 12 /2016

Gastuniversität: Augustana College (SD)

Gastland: USA

Studium an der Gastuniversität

Meine Kurse hatte ich ja vorläufig belegt und wechselte, nach Ankunft am Campus und in Rücksprache mit meinem „Advisor“ (Professor aus meinem Studienfeld, der mich bei der Kurswahl beriet und an den ich mich bei Fragen wenden konnte), einen Kurs, der aber die gleiche Anzahl Credits brachte, sodass sich an sich nicht viel änderte. Der Professor händigte mir nach dem Gespräch dann auch meinen Stundenplan direkt aus: Ich hatte jeden Tag der Woche zwei Kurse, wobei jeweils Montag, Mittwoch und Freitag die gleichen Kurse (50 Minuten) stattfanden und Dienstag und Donnerstag ebenfalls (80 Minuten bzw. 110 Minuten, weil 4 Credit-Kurs).

Insgesamt ist zum Studiensystem zu sagen, dass es doch sehr verschult ist, was die geringe Größe der Augustana University (1600 Studenten) eher noch verstärkt. Das heißt, die Professoren kennen einen mit Namen, ein Fehlen in Kursen fällt aufgrund der geringen Teilnehmerzahl (zwischen 15 und 30) sofort auf und je nach Kurs fließt auch die mündliche Mitarbeit mehr oder weniger in die Endnote ein. Die Anforderungen für eine Note (A bis D bzw. F (=fail)) werden im Syllabus in der ersten Stunde des Semesters klar aufgelistet und im Gegensatz zum Studium in Deutschland werden meist insgesamt drei Klausuren über das Semester verteilt geschrieben. Zusätzlich werden verschiedene andere Hausaufgaben verteilt, die entweder online oder ausgedruckt eingereicht werden müssen. Das hört sich alles erst mal recht viel an und am Anfang war es auch eine Umgewöhnung, wirklich jeden Tag zu Lernen und Hausaufgaben zu machen, aber dafür ist es meiner Meinung nach auch einfacher, eine gute Note zu bekommen. Insgesamt ist also studieren in den USA zeit- und arbeitsaufwendiger, aber keinesfalls schwerer als in Deutschland, vor allem, weil nicht die gesamte Note von der einen Klausur/Hausarbeit am Ende des Semesters abhängig ist.

Das Studienklima ist insgesamt ein recht Entspanntes. Wie schon erwähnt, muss man zu den Stunden vorbereitet sein, aber dafür gibt es auch viele Gruppenarbeiten, bei denen man Mitstudenten besser kennenlernt und die eine willkommene Abwechslung zu Frontalunterricht sind. In einem Kurs kamen regelmäßig lokale Politiker oder Journalisten zu uns und stellten sich nach einem Kurzvortrag unseren Fragen. Einer hatte seine eigene Talk-Radio Show und lud die Professorin, zwei Mitstudenten und mich ein, unsere persönliche Meinung zu den anstehenden Wahlen in seiner Show darzulegen. Also kann man schon sagen, dass sich Mühe gegeben wird, das Studium realitäts- und praxisnah zu gestalten.
Die Bibliothek an der Augustana University hatte von 7 bis 24 Uhr jeden Tag (außer am Wochenende) geöffnet und es gab ausreichend Platz, sowie die Möglichkeit kleine Räume zum gemeinsamen Lernen zu mieten. Computer standen zur Verfügung und jeder Student hatte 500 Druckcredits pro Semester, die mehr als ausreichend waren.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Es wurde einem wirklich leicht gemacht, schnell amerikanische aber auch internationale Mitstudenten kennenzulernen. Gleich nach Ankunft startete die „International Orientation“, die circa eine Woche lang dauerte und auf der man mit allen neu anfangenden Internationals bekannt gemacht und von amerikanischen Studenten herumgezeigt wurde. Alle Abläufe und noch vor Semesterstart zu erledigenden Dinge wurden hier erklärt. Schnell Freunde zu finden, war außerdem einfach, da drei Tage der Welcome Week von einem Trip zum Mount Rushmore (die bekannten Präsidentenköpfe) und den Nationalparks in South Dakota eingenommen wurden. So etwas schweißt natürlich gleich zusammen und die amerikanischen Studenten und Mitarbeiter des International Office gaben sich alle Mühe, dass wir uns wohlfühlten.

Wohn-und Lebenssituation

Studiert man an der Augustana Universität, braucht man sich keine Gedanken um die Wohnungssuche zu machen, weil man entweder in Dorms (Wohnheimen) oder in zur Uni gehörenden Theme Houses wohnt. Nach einer Nacht in den doch eher hässlichen Dorms bin ich in das sogenannte Global Education House gezogen. Dort war mit 13 anderen Mitbewohnern aus vielen verschiedenen Nationen immer etwas los und wir haben auch die ein oder andere erfolgreiche Party geschmissen. Man zahlt zwar mehr, aber hat dafür eine eigene Küche und ist viel unabhängiger. Außerdem ist man hier quasi verpflichtet einen Meal-Plan (quasi Mensaabo) zu haben, was unglaublich teuer ist. Durch die hauseigene Küche konnte ich einen günstigeren Meal-Plan nehmen, aß nur einmal pro Tag in der Mensa und kochte sonst selber. Das würde ich auch jedem empfehlen, denn man hat zwar eine Riesenauswahl in der Mensa, aber das Essen ist einfach nicht wirklich gut.

Das Leben findet wirklich größtenteils auf dem Campus statt, da alle in Laufnähe wohnen. Öffentliche Verkehrsmittel waren eher Fehlanzeige, aber um zum nächsten Supermarkt oder Downtown zu kommen, fragte man entweder amerikanische Freunde mit Auto (quasi jeder hat eins) oder lieh sich kostenlos bei der Uni ein Fahrrad und konnte so in 5-10 Minuten zum nächsten Supermarkt fahren.

Ich habe kein extra Konto bei einer amerikanischen Bank angelegt, sondern einfach mit deutscher Kreditkarte gezahlt, was auch fast immer funktionierte. Das Zahlen mit Bargeld ist sowieso eher unwichtig, da man selbst Centbeträge mit Karte bezahlen kann und das auch üblich ist.

Insgesamt habe ich für ein Semester Wohnen + Mealplan ziemlich genau 3000 € bezahlt (3300 $), aber das war auch schon die günstigste Variante mit Doppelzimmer und günstigem Mealplan. Besonders frisches Obst und Gemüse ist verhältnismäßig teuer in den USA, aber Fastfood bekommt man natürlich unglaublich günstig hinterhergeschmissen.

Was die Freizeitgestaltung angeht, sorgte die Uni auch für genug Beschäftigung. Ich war die ersten Monate im Fußballteam, das dreimal die Woche trainierte und am Wochenende oft Spiele hatte. Nachdem die Saison vorbei war, besuchte ich oft das uni-eigene Fitnessstudio, das jeder Student mit seinem Studentenausweis umsonst nutzen kann. Generell wird Sport natürlich großgeschrieben. Am Wochenende wurden Footballspiele der Augustana Vikings angeguckt oder von der Uni organisierte Veranstaltungen besucht.

Das Global Education Haus hatte einen Riesenkeller mit Billardtisch und Tischtennisplatte, wo meine Mitbewohner und ich ebenfalls viel Zeit verbrachten. Natürlich hat auch einfach das Studieren an sich viel Zeit eingenommen, sodass ich oft mit Freunden im Study-Room, der sich ebenfalls in unserem Haus befand, lernte.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Mein Englisch war vor dem Auslandssemester nicht das schlechteste, da ich mein FSJ ebenfalls schon in den USA absolviert hatte, aber vor allem auf akademischem Niveau habe ich viel dazugelernt. Aber auch denjenigen, deren Englisch noch nicht so gut ist, kann ich ein Auslandssemester empfehlen. Niemand wird sich über eure Fehler lustig machen, die Amis sind da sehr verständnisvoll und helfen gerne aus, wenn mal ein Wort fehlt. Auch Professoren nehmen natürlich Rücksicht auf anfängliche Sprachprobleme. Im Staatsrechtskurs, den ich belegt habe, mussten zu jeder Stunde 6 Fälle gelesen werden und der Professor hat einen dann zufällig drangenommen. Ich habe also vorher mit ihm gesprochen und gesagt, dass ich wahrscheinlich am Anfang noch Probleme haben werde, da das sowieso schon schwere Jura-Englisch für einen ausländischen Studenten natürlich noch komplizierter ist und er nahm mich daraufhin am Anfang viel weniger dran, als meine amerikanischen Mitstudenten. Also bei allem ist es einfach immer wichtig, mit den Professoren zu reden. Sie sind sehr offen und sehen es als ihren Job an, einem zu helfen und vor allem bei Startschwierigkeiten zu unterstützen.


Rückblick

Im Rückblick kann ich nur sagen, dass mein Auslandssemester eine supergute Erfahrung war und mich auf jeden Fall persönlich weitergebracht hat. Es war die beste Entscheidung, nicht im Dorm zu bleiben, sondern in ein Off-campus-house zu ziehen, da man dort einfach mehr sein eigenes Ding machen kann. Das würde ich auch jedem deutschen Studenten empfehlen, da es schon manchmal sehr gewöhnungsbedürftig sein kann, was die Uni alles vorschreibt, obwohl man in Deutschland als Student ja doch recht „erwachsen“ behandelt wird.

Persönlich waren für mich die 4 Monate genau der richtige Zeitraum, da die Stadt und die Universität doch recht klein waren und mir bei zwei Semestern doch eher die Decke auf den Kopf gefallen wäre. Trotzdem empfehle ich jedem, sich bei der Augustana University zu bewerben, einfach auch weil das Team des International Office einen unglaublich guten Job macht und sich top um die Studenten kümmert und bei Problemen immer da ist. Außerdem schafft die geringe Größe der Uni ein gewisses familiäres Gefühl, da man irgendwann das Gefühl hat, fast jeden zu kennen.

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