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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Eötvös Loránd University in Budapest

Informationen zum Erasmus+ Programm habe ich über den Emailverteiler der Universität Potsdam erhalten. Über die online zugänglichen Dokumente habe ich dann herausgefunden, welche Universitäten Erasmus-Masterplätze anbieten. Die Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule verlief gut, als ich Fragen zu dem Programm in Ungarn hatte wurde mir innerhalb von 2 Wochen geantwortet. Die Bewerbungsunterlagen für die Gasthochschule waren übersichtlich und einfach auszufüllen. Die Koordinator*in hat mich freundlich auf fehlende unterlagen, auch nach der Frist noch hingewiesen. Durch diverse Wechsel an der ELTE der Koordinator*innen war die Betreuung vor Ort dann aber später schwieriger.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 02/2017 - 06/2017

Gastuniversität: ELTE / Eötvös Lorránd Tudományegyetem 

Gastland: Ungarn

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem ist ähnlich dem deutschen, jedoch werden häufig viel weniger Credits für die Kurse gegeben als es in Deutschland üblich wäre. Zum Beispiel eine normale Vorlesung mit 2 Semesterwochenstunden gab nur 2 Credits, ein Seminar mit 3 SWS nur 3 Credits. Der Arbeits- und Leseaufwand hätte aber locker das zwei- bis dreifache gerechtfertigt (bis zu 50-200 Seiten Leseaufwand). Daher habe ich dann 7 Kurse gemacht mit mindestens 2 SWS und trotzdem nur 22 Credits erreicht, ich fand aber das der Aufwand locker für 30 ECTS oder sogar ein wenig mehr gereicht hätte, besonders im Vergleich zu Deutschland. Ich habe meine Kurse aber auch sehr nach Interesse gewählt, da ich mir kaum Kurse anrechnen lassen konnte, andere hatten mehr Glück mit dem Verhältnis Aufwand/Credits. In manchen Veranstaltungen wurden die Anforderungen sehr deutlich formuliert, es gab einen Syllabus, der von Woche zu Woche bearbeitet wurde. Die Leistungsbewertung ist zumeist angemessen und fair. In manchen Kursen waren gute Noten leichter zu erbringen, als in anderen, so wie in Deutschland auch. Manche Kurse verlangten von Erasmus-Studierenden höhere Leistungen als von den anderen Studierenden, das empfand ich als unfair, es war aber auch nur sehr vereinzelt der Fall. Das Studienklima war im Master eher angespannt, viele Studierende standen unter Leistungs- und Notendruck, da sie bereits in ihrem Heimatland keinen Studienplatz für den Master erhalten hatten und sich hier nun doppelt beweisen mussten. Die Bachelorstudierenden waren noch wesentlich entspannter. Insgesamt herrschte ein gutes Klima. Die Betreuung durch dortige Studenten war nicht besonders hervorstechend, wir haben zwar Buddies an die Hand bekommen, außer einem Event mit denen habe ich sie aber nie wieder gesehen. Eine meiner Buddies hat mir ab und an Veranstaltungslinks geschickt. Viele Dozierende waren super, haben interessante Inhalte behandelt und waren sehr offen und zugänglich für die Studierenden und deren Interessen. Der Kontakt war viel enger und persönlicher als das in Deutschland normalerweise ist. Das empfand ich als unheimlich angenehm und hat das Lehr- und lernverhältnis als eine gute Erfahrung für mich gemacht. Einzig die Erasmus Koordination war furchtbar desorganisiert, überfordert und hatte keinerlei Befugnisse, außerdem war die Kursvergabe und –zulassung überhaupt nicht transparent.  So wurde eine Erasmus-Freundin in einen Kurs zugelassen, ich allerdings nicht, weil der Kurs angeblich nicht auf der Liste für Erasmus stand. Hier waren sehr arbiträre, chaotische Zustände. Ich kam ein paar Tage nach der Einführungsveranstaltung an, weil ich noch Verpflichtungen in Deutschland hatte und hatte den Koordinator extra gefragt, ob ich was verpasse und was ich vorher wissen sollte. Nach meiner Ankunft lernte ich dann zufällig andere Psychologiestudierende kennen, die mir mitteilten, dass just an dem Tag eine Präregistration/Zulassung zu den Psychologiekursen stattfand, die Frist war nur wenige Stunden nachdem ich das erfuhr. Von dieser Frist hat mir der Koordinator nichts erzählt, obwohl ich explizit nachgefragt hatte. Danach hatte ich extreme Probleme in einige der Kurse auf dem Learning Agreement zu kommen. Ich musste den Koordinator teilweise überreden, mich noch in Kurse zu lassen. Ebenso musste ich herausfinden, dass viele der Kurse, die es im Internet gab, gar nicht stattfanden. Dies galt aber mehr für andere Fakultäten als die Psychologiefakultät. Die Öffnungszeiten der Bibliothek waren relativ kurz, dafür ist es die schönste, historische Bibliothek in der ich jemals gearbeitet habe. Computerpools habe ich während meiner Zeit dort gar nicht genutzt, deswegen kann ich dazu nichts sagen. Es gab einige Probleme mit den Onlinetools und dem Einloggen in die Uni-WLANs, leider gab es hier auch kaum Unterstützung vom Erasmuskoordinator.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Ich habe schnell Anschluss gefunden, man lernt ganz gut Menschen im Erasmus kennen, überrascht hat mich das Alter vieler Studierender. Viele sind sehr viel jünger als die deutschen Studierenden. Leider habe ich keinen einzigen Kurs mit ungarischen Studierenden gehabt, da diese einen eigenen Master auf ungarisch haben. Ich habe aber außerhalb Ungarn kennengelernt. Es ist schwer mit Menschen Kontakt zu halten, mit denen man im alltäglichen Leben (Uni) kaum was zu tun hat. Durch die ganzen Erasmusveranstaltungen wird aber auch eine Art Blase gebaut, aus der Leute schwer rauskommen. Wenn man Kontakt zu den Menschen behalten möchte, die man jeden Tag in der Uni sieht, geht man mit auf die Erasmusveranstaltungen und bekommt relativ wenig von anderen Dingen mit. Das ist dann so ein Kreislauf, der dazu führt, dass man kaum Anreize bekommt, noch andere Nicht-Erasmus-Studierende kennenzulernen. Mit den regulär Studierenden (im englischsprachigen Masterprogramm) hatte ich aber ziemlich guten Kontakt.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich habe versucht Ungarisch zu lernen, aber nach dem einen Kurs und 5 Monaten Aufenthalt sind selbst einfache Sätze eine Herausforderung. Mein Englisch war schon vorher ziemlich gut (C1/C2), daher kann ich nicht sagen, dass sich da viel verändert hat.

Wohn-  und Lebenssituation

Die Unterkunft habe ich über eine der vielen Facebookgruppen gefunden. Das ist auch die Art, wie die meisten Bekannten hier ihre Wohnungen gefunden haben. Es lohnt sich auch, früher anzureisen um auf Wohnungssuche zu gehen. Es gibt „Erasmus“-Wohnungen, bei denen die Vermieter an die reicheren ausländischen  Studierenden einzelne Zimmer vermieten. Es gibt wenig private Angebote, da muss man wirklich Glück haben. Bei den Preisen drauf achten, dass die Nebenkosten festeingepreist sind, hier werden anscheinend viele abgezogen, indem plötzlich horrende Nebenkosten auf sie zukommen. Ich hatte ein Festpreis-Zimmer im 8. Bezirk (Jozsefvaros), der übrigens gar nicht so schlimm ist wie er mal verschrien war. Hier tut sich viel an alternativen Cafés und Bars auf. Preislich sind zwischen 200€ und 300€  Euro normal, wobei viele Erasmuswohnungen auf Luxuswohnung gemacht sind und da häufig auch höhere Preise auftauchen, wie 350€ bis hoch zu 400€. Darauf würde ich auf keinen Fall eingehen, das treibt die Miete für lokale Studierende und Familien extrem hoch und trägt zu Vertreibung der ungarischen Bevölkerung aus dem Stadtkern bei. Öffentliche Verkehrsmittel sind sehr günstig für Studierende, ca. 11 Euro pro Monat. Mit dem Studierendenausweis (ein Papierlappen aus dem Quaesturaoffice) kann man an den Automaten seine Studierendennummer angeben und dann das ermäßigte Ticket bekommen. Da ich keine Kreditkarte habe, waren Bankgeschäfte manchmal anstrengend, besonders weil Geld abheben viel Geld kostet. Tatsächlich kann man ganz gut Geld umtauschen, wenn man sich ordentlich damit beschäftigt und weiß worauf man achten muss. Man kann aber sehr gut überall mit ec-Karte bezahlen, da ist Ungarn glücklicherweise weiter als Deutschland.
Die Lebenshaltungskosten sind ähnlich wie in Deutschland, nur Essengehen, Getränke und soweiter sind definitiv günstiger als bei uns. Immer gut Trinkgeld geben, viele Kellner*innen verdienen nur um die 750ft /Stunde (2,50€).

Sonstige Hinweise

Wenn ihr vegetarisch/vegan lebt, es gibt extrem viele richtig gute Restaurants für euch. Hier wird das Stereotyp gar nicht erfüllt! Wer Berliner Clubs liebt, wird hier enttäuscht werden. Dafür passiert richtig viel in der Stadt, viele kostenlose Festivals, Konzerte etc. es gibt super viel zu entdecken.
The Hungarian Stare - Wenn ich abends weg war, musste ich häufig feststellen, dass ich regelrecht angestarrt wurde von Menschen. Das ist anscheinend was Kulturelles, worauf man sich ein wenig vorbereiten muss. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 02/2017 - 06/2017

Gastuniversität: ELTE / Eötvös Lorránd Tudományegyetem 

Gastland: Ungarn


Rückblick

Es war insgesamt eine nette Zeit. Budapest ist eine wunderschöne Stadt, die viele Extreme in sich vereint. Ich hätte gerne mehr von dem Land und dem Leben der Menschen hier mitgenommen, aber letztendlich scheiterte das häufig an der Sprachbarriere. Die meisten interessanten politischen Veranstaltungen waren eben in Ungarisch und das lernt man nicht in 6 Monaten, leider. Ich habe viele spannende Menschen kennengelernt, die mich hoffentlich in meinem weiteren Leben begleiten werden.

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