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Eine unerwartete Reise in dem Nottinghamshire und in mich selbst

Es ist leider schon wieder Zeit nach Deutschland zurückzukehren und ich kann sagen, dass ich in Nottingham ein Stück meines Herzens gelassen habe. Genau deswegen möchte ich zukünftigen Austauschstudenten der Universität Potsdam meine Erfahrungen mitteilen und ihnen einige Tipps geben.  Erasmus tut gut! Am Anfang war ich sehr unsicher, ob ich das Erasmus Programm überhaupt antreten soll, da ich schon im 4. Semester des Masters war und ich Angst hatte zu viel Zeit zu verlieren. In einem Gespräch mit unserer Erasmus Koordinatorin der Uni Potsdam, Pia Kettmann, in dem ich meine Ungewissheiten erklärt habe, wurden diese restlos gelöst und ich war endlich entschlossen, bereit und sehr motiviert dieses Abenteuer anzutreten.


Studienfach: Anglistik / Amerikanistik

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Nottingham Trent University

Gastland: Großbritannien

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Das Erasmus+ Programm ist ein Förderprogramm der Europäischen Union, dessen Name von Erasmus von Rotterdam inspiriert ist. Erasmus war ein Humanist der Renaissance, berühmt unter anderem für seine Reise durch Europa. Das Programm zielt auf genau so eine Reise ab. Jede/r Studentin/Student bekommt die Möglichkeit eine Partneruni auszuwählen (es bestehen Abkommen zwischen den zur Wahl stehenden Universitäten und der Heimat-Uni) und 6 Monate bis zu einem Jahr an dieser zu verbringen. Die Partnerunis befinden sich Normalerweise innerhalb Europas. Man muss Kurse auswählen und Prüfungen ablegen um die angestrebten 30 Leistungspunkte zu erreichen, welche auch die maximal erlaubte Punktegrenze eines Semesters darstellen. Die Austauschstudenten müssen die Gast-Uni Gebühren nicht zahlen, da sie von der Europäischen Union übernommen werden und bekommen dazu jeden Monat ein Stipendium, dessen Höhe vom Land abhängig ist, sprich der Betrag ist für jedes Zielland verschieden.

Wenn die Entscheidung gefällt ist, diese wunderschöne Erfahrung zu machen, muss auch mit berechnet werden, dass viele Unterlagen gebraucht werden. Ganz am Anfang ist es erforderlich, sich für das Erasmus Programm an der eigenen Uni zu bewerben. Die nötigen Unterlagen an der Universität Potsdam sind: ein Lebenslauf, das ausgefüllte Erasmus-Formular, ein Transcript of Records und ein Motivationsschreiben. Mit Glück kommt dann die Zusage für einen Platz per E-Mail von der Erasmus Koordinatorin, in der alles Schritt für Schritt erklärt ist. Als ich die Zusage E-Mail bekommen habe, war ich sehr froh und nachdem meine oben genannten Zweifel ausgeräumt waren, habe ich angefangen alles zu planen. Ein Monat nach der Zusage habe ich die E-Mail von der Gast-Uni bekommen, mit einer Liste der benötigten Unterlagen. Kurz danach habe ich angefangen die ganzen Unterlagen zu sammeln (sie brauchten z.B. ein Transcript of Record, ein Learning Agreement Before Mobility etc.), was mir trotz der kurzen Zeit geglückt ist und habe sie geschickt. Ein paar Wochen danach ist die erhoffte Antwort gekommen und es war offiziell, dass ich das nächste Semester, das Wintersemester 2016/2017, eine Studentin der Nottingham Trent University bin. Vor dem Losfliegen habe ich einen online Sprachtest gemacht, der von der Europäischen Union gefördert ist und Anfang August schon den ersten Teil des Stipendiums bekommen (das Geld wird in zwei Teilen ausgezahlt, den ersten Teil vor dem Auslandsaufenthalt und den zweiten nach der Rückkehr).

Studium an der Gastuniversität

Die Nottingham Trent University befindet sich in Nottingham, einer schönen kleinen Stadt in der Mitte Englands, 250 km von London entfernt. Die Stadt hat fast 300.000 Einwohner und ist sehr berühmt wegen der Abenteuer Geschichte von Robin Hood. Die Uni besteht aus 3 Campussen, 2 außerhalb des City Centers (Clifton Campus und Brackenhurst Campus), aber sehr gut verbunden mit Bus und Tram und der Haupt-Campus befindet sich in dem City Center, was seinen Namen City Campus erklärt. Die Unigebühren sind sehr hoch (ein Bachelor kostet ungefähr 9000 ₤pro Jahr, und ein Master ungefähr 12000 ₤), aber genau deswegen ist die Universität toll und perfekt organisiert. Man hat immer das Gefühl, Teil einer großen Familie zu sein und das ist unbezahlbar. Probleme existieren nicht an der NTU, nur Lösungen. Die Leute, die Mitarbeiter sind alle extrem nett oder auf English „polite“. Das Studiensystem ist wie in Deutschland. Es gibt eine Plattform, die NOW heißt, wo jeder/e Student/in alle Informationen zu den Lehrveranstaltungen, Kursen, Veranstaltungen, Materialien, E-Mails und Noten bekommen kann. Zudem gibt es ein Dashboard, an dem die Studenten die Anwesenheit, die Fortschritte beim Lernen und das Engagement checken können. Die Kurse sind wie in Deutschland strukturiert: Vorlesungen, Seminare und die Prüfungen sind durch Power Point Präsentation, Klausuren oder Hausarbeiten zu bestehen. Das Notensystem ist aber anders. Es gibt die Noten von Eins bis Vier. Vier ist gleich nicht bestanden. Jeder Notenpunkt ist ab dann in drei Niveaus aufgeteilt: High/mid/low. Zum Beispiel ist als Unterteilung, Drei, danach kommt Zwei Komma Zwei, Zwei Komma Eins und dann Eins. Ich hatte 3 Kurse ausgewählt, aber möchte nur einen anrechnen lassen, da ich mit meinem Studium fast fertig bin und nur noch einen Kurs brauche. Die drei Professoren, die ich hatte waren total nett und super vorbereitet, ich liebe sie! Und habe noch Kontakt mit einer Professorin und dem Leiter meines Departments. Die Anforderungen sind dieselben wie in Deutschland, man muss viel lesen und kommentieren aber in der Vorlesung ist die Atmosphäre sehr entspannt und man hat das Gefühl auf demselben Niveau mit den Professoren zu sein. Insgesamt ist das Studienklima sehr freundlich, netter als an der Uni Potsdam und wettbewerbsfrei. Die Professoren arbeiten so, dass alle Studenten die konkrete Möglichkeit bekommen, TOP-Studenten zu werden. Das ist unbezahlbar! Da existieren Büros, in denen man Hilfe für alles Mögliche bekommen kann, von Mietproblemen bis zu Gesundheitsempfehlungen. Es gibt eine Global Lounge für alle internationalen Studenten, um sich kennenzulernen und gratis Mahlzeiten zu bekommen. Dort kann man ein Antrag auf einen Tandem-Partner stellen. Die Verwaltungsmitarbeiter helfen einem bis eine Lösung gefunden ist, genau wie die Dozenten, die sich richtig freuen, internationale Studenten in der Vorlesung zu haben.

Die technische Ausstattung ist ausgezeichnet. Es gibt immer die Gelegenheit Laptops auszuleihen, die technisch einwandfrei sind, Apple MacBooks und Lenovo. Die Klassenräume, die Säle und die Campusse insgesamt sind komplett neu, organisiert und wunderschön. Es gibt immer umsonst Trinkwasser für alle Studenten an kleinen Automaten. Die Bibliothek ist 24/7 offen und die Mitarbeiter arbeiten bis 18:00 Uhr (nicht am Wochenende). In der Bibliothek ist es aber nie ruhig, sondern die Atmosphäre ist sehr lebhaft und gar nicht optimal für diejenigen, die sich richtig konzentrieren möchten.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Die Kontakte zu ausländischen Studierenden sind nicht schwer zu knüpfen, aber schwer auf ein Freundschaftsniveau zu bringen. Ich habe in den Vorlesungen immer viele interessante und freundliche Leute getroffen, die aber nie Interesse gezeigt haben eine Freundschaft außerhalb der Uni zu haben. Das war aber auch so an der Universität Potsdam. Ich bin ursprünglich Italienerin und in Italien ist dieses quasi „Vorgehen“ sehr schnell und einfach. In Deutschland und England ist es sehr schwer gewesen. Ich habe bemerkt, dass wenn man einen Kollegen/Kollegin außerhalb der Vorlesung grüßt, nicht immer eine Antwort kommt oder die Gesichter totale Verwirrung widerspiegeln. Das war am Anfang ziemlich frustrierend, aber im Erasmus ist die Frustration schnell weg gegangen, da ich danach viele andere Erasmus Studenten aus der ganzen Welt kennengelernt habe und wir sehr eng miteinander befreundet geworden sind. Das hat sehr geholfen. Ich bin schon in Deutschland im Ausland, da ich aus Neapel komme, und noch mal ins Ausland zu gehen ist nicht einfach gewesen, aber zusammen mit meinen Freunden habe ich alles was ich im Kopf hatte geschafft und tolle Erfahrungen gesammelt. Die andere Studentin, die aus meiner Uni kam, war in meiner WG und auch wenn wir nicht viel zusammen unternommen haben, waren wir immer gegenseitige Anlaufstelle für einander.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Englischkenntnisse sind immer gut gewesen, da ich ein Masterstudium auf Englisch gemacht habe. Was leider immer schwer war, war es zwischen den Sprachen schnell hin und her zu wechseln, was ich aber muss, da ich Italienerin bin, in Deutschland wohne und auf English studiere. Durch mein Leben in Deutschland verbessern sich meine Deutschkenntnisse stetig und umso besser sie geworden sind, umso schlechter sind meine Englischkenntnisse geworden. Die Möglichkeit in England zu wohnen, hat mir die Gelegenheit gegeben mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit aufzubauen, den Wortschatz und die Grammatik zu verbessern und ein bisschen den italienischen Akzent durch einen englischeren Akzent zu ersetzen. Ich fühle mich jetzt komplett, ich kann sagen, dass ich gut Deutsch und Englisch spreche!

Wohn- und Lebenssituation

Ich hatte Glück bei der Wohnungssuche, da die andere Erasmus Studentin aus der Uni Potsdam, als sie rausgefunden hat, dass ich auf der Suche nach einem Zimmer war, ihren Vermieter gefragt hat, ob bei ihr in der Wohnung noch ein Zimmer frei ist, was der Fall war. Sobald ich diese Info bekommen habe, habe ich mich beworben und das Zimmer bekommen. Der Nachteil war, dass das Zimmer sehr nah am Uni Campus (5 min zu Fuß) war, aber sehr weit weg vom City Center, in einem Vorort, der Clifton heißt. Der Vorort ist nachts sehr ruhig und einsam und am Anfang hatte ich richtig Angst allein in der Nacht nach Hause zu kommen. Das würde ich auf jeden Fall nicht empfehlen. Die Wohnung war nett und die Mitbewohner auch, aber zu weit weg vom City Center. Ich würde empfehlen, auf jeden Fall etwas im City Center zu finden, auch wenn die Preise ein bisschen höher sind. Unser Vermieter war nett und hat versucht sein bestes zu machen um immer alles zu reparieren und die Probleme zu lösen. Da ich in diesem Vorort gewohnt habe, musste ich immer die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen um meine Freunde zu treffen, die in England sehr teuer sind. Von meinem Haus konnte ich entweder den Bus oder die Tram nehmen. Das Einzelticket kostet 2 bis 3 Pfund, und die Tageskarte 3,50 bis 4,00 Pfund. Ein Abo ist ein Vorteil, aber es kommt drauf an, wie oft man in die Stadt fährt. Insgesamt sind die öffentlichen Verkehrsmittel pünktlich und sauber. Im Bus gibt es sogar Wi-Fi. Die Taxis sind nicht so teuer, im Gegenteil, man kann ein Taxi nehmen ohne sein letztes Hemd dafür verkaufen zu müssen. Etwas, das Aufmerksamkeit braucht, ist der Geldwechsel. In Deutschland haben wir Euro und in England den Pfund. Die Situation ist natürlich nach dem Brexit für uns besser geworden, weil der Wechselkurs nicht mehr so schlecht für uns ist. Trotzdem muss man immer vorsichtig sein, beim Geldholen und die Geldautomaten auswählen, die keine extra Gebühren nehmen oder sich immer informieren, am bestens an der Uni, wo der Geldumtausch lohnend und günstig ist.+

Ich hatte in den 6 Monaten keine Möglichkeit, Gott sei Dank, die englische Krankversicherung zu testen und deswegen kann ich nichts dazu zu sagen.

Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich mit Deutschland und Italien teuer, aber das Problem für uns liegt im Geldwechsel. Es gibt schlimmeres, aber für uns aus Deutschland, die nur 300 Euro pro Monat als Stipendium bekommen haben, war das nicht einfach. 300 Euro sind einfach zu wenig, wenn schon das Zimmer mehr als 400 Euro kostet. Die Freizeitangebote sind toll. Viele Reisen sind organisiert oder Ausflüge, die wenig kosten, aber die die Möglichkeit geben, die Umgebungen zu entdecken. Die Uni organisiert tausende Veranstaltungen, Speak and Meet, Partys und so weiter und so fort. Die Stadt ist am Wochenende sehr lebendig und es gibt viele Möglichkeiten Spaß zu haben. Kinos, Pubs, Clubs, Restaurants, Lounge Bars. Die Nacht ist nicht so lang wie in Berlin. Um 3 Uhr oder 4 Uhr ist schon alles zu, einige Pubs schon früher. Aber ich finde es total in Ordnung. Der nahe Wollaton Park oder der Victoria Embankment bieten die Möglichkeit schöne Spaziergänge zu manchen und wilde Tiere zu treffen. Die Stadt hat ein bisschen einen viktorianischen Stil behalten und ist mit der Sonne sehr romantisch.

Studienfach: Anglistik / Amerikanistik

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Nottingham Trent University

Gastland: Großbritannien


Rückblick

Ich empfehle diese Erfahrung zu 100% und empfehle Nottingham und die Nottingham Trent University auf jeden Fall weiter. Die Wohnung oder das Zimmer muss man auf jeden Fall im City Center finden und drauf achten, dass man immer Kleingeld hat, um den Bus zu nehmen. Der Busfahrer gibt kein Wechselgeld zurück. Das Erasmus Programm war eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Ich bin viel in England gereist, viel auch in meiner Seele gereist und habe Teile von meiner Persönlichkeit entdeckt. Es ist sehr schade, dass England sich entschieden hat, die Europäische Union zu verlassen, die Studenten und jungen Leute wollten es nicht, die Professoren wollten es nicht und ich bin dankbar das meine Länder Italien und Deutschland noch ein Teil des Europas sind, weil die EU etwas Spezielles ist, etwas Wunderbares und ich bedanke mich für diese Gelegenheit, die ich bekommen habe, ein besserer Mensch zu werden und eine tolle Erfahrung zu machen. Danke EU! I love you!

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