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Ein Semester an der University of Aberdeen

Zuerst stand für mich die Wahl zwischen Aberdeen und Wageningen. Trotz des guten Rufs der niederländischen Hochschule entschied ich mich schließlich für ein Land, das mich schon lange reizte näher kennenzulernen - Schottland. Diese Entscheidung habe ich nicht bereut!
Gleich zu Anfang muss ich mich vehement gegen das Klischee aussprechen, dass es dort nur nass, grau und kalt ist. In meinen Monaten dort hatte ich besonders in Aberdeen an der Ostküste den Eindruck, mehr Sonnen- als Regentage zu genießen. Generell ist es in Schottland darüber hinaus so, dass es meist nur eine halbe bis Stunde mal regnet oder nieselt und dann wieder aufhört. Und im Mai hatte ich an der eher regnerischen Westküste das äußerst seltene Glück gleich zwei Wochen am Stück Sonne pur ohne einen Regenschauer zu genießen. Aber reden wir nicht über das Wetter.


Studienfach: Geoökologie

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 05/2017

Gastuniversität: University of Aberdeen

Gastland: Großbritannien

Studium

Als Masterstudentin der Geoökologie an der Uni Potsdam konnte ich mich an der University of Aberdeen nur für einen Bachelorplatz bewerben und wurde für Geologie eingeschrieben. Das war, wie sich vor Ort herausstellte, nicht weiter beachtenswert, da die Geographie im gleichen Department untergebracht ist und somit die Kurswahl nicht beeinträchtigt war. Ich musste mindestens 50 % der Kurse aus diesem Department belegen und eigentlich sollten diese Bachelorkurse sein. Durch viel Beharrlichkeit, direkte Gespräche mit den jeweiligen Dozenten und der sehr hilfsbereiten Erasmuskoordinationsgruppe in Aberdeen konnte ich letztlich jedoch auch Kurse aus dem Master „Geographical Information Systems“ belegen. Schwierig war dabei, dass nur der Tutor oder jemand vom Erasmusteam die Kurswahl im System ändern konnte, was den ganzen Prozess sehr langwierig gemacht hat. Zudem gibt es oft systematische Probleme, wenn sich Kurse zeitlich überschneiden. Selbst wenn es sich dabei um variable Übungszeiten handelt oder Kurse eigentlich an einem anderen Tag und zu einer anderen Uhrzeit stattfinden, als sie im System gespeichert sind. Diese Timetable Clashs haben dazu geführt, dass ich Kurse nicht machen konnte und für den Kurs, den ich am liebsten machen wollte nur mit viel Beharrlichkeit am Ende des Semesters offiziell eingeschrieben wurde. Zu der Kurswahl ist noch zu sagen, dass ein Semester nochmals in zwei Teile geteilt wird und manche Kurse nur in einer der beiden Hälften stattfinden und andere z.B. meine Masterkurse das ganze Semester. Das verwirrt im ersten Moment, da es bei der Kurssuche im Catalogue of Courses nur unter der Description des Kurses unter Further Information & Notes angemerkt wird. First Sub Session hingegen bezieht sich auf das Wintersemester, Second Sub Session auf das Semester ab Januar.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass es eine große Auswahl an Kursen gibt, wenn man alle Departments und Studiengänge betrachtet. Besonders interessant fand ich die Angebote der „Sixth Century Courses“. Dies sind fächerübergreifende Kurse, von denen die „normalen“ Bachelorstudenten mindestens 3 belegen müssen. Die Themen sind sehr vielfältig z.B „Worlds of Food“, „Oceans and Society“ oder „Sustainability“ und werden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Als Letztes ist zum Kurssystem noch zu sagen, dass 2 Aberdeen-Credits einem Potsdamer ECTS entsprechen. Es sollten also 4 Kurse à 15 Credits gewählt werden, um auf die 30 ECTS pro Semester zu kommen.

Insgesamt fand ich meine Kurse interessant und konnte mich damit mehr in eine Richtung (GIS) vertiefen, die es so nicht direkt in Potsdam angeboten gab.

Unileben

Besonders schön fand ich den Campus (Old Aberdeen), auf dem neben den großen moderneren Unigebäuden auch teils alte einstöckige Wohnhäuser mit Gärten stehen und es ein paar von diesen typisch alten schönen Unigebäuden gibt. Die Bibliothek ist erst ein paar Jahre alt und super ausgestattet mit Gruppenarbeitsplätzen mit großen Bildschirmen, Computerräumen, gemütlichen Lesesofas und mit Arbeitsplätzen mit Blick aufs Meer. Da konnte man es gut aushalten. Einziges Manko fand ich, dass es keine richtige Mensa gab, sondern nur eine Halle, in der es verschiedene Imbissangebote gab.
Die Uni Aberdeen hat ein sehr internationales Flair, gefühlt kommen 70 % der Studenten aus anderen Ländern um dort zu studieren. Das liegt vermutlich daran, dass die Studiengebühren im Vergleich zu England günstig sind. Wie es jedoch nach dem Brexit weitergeht war in aller Munde. Eine gute Möglichkeit einfach mal was Neues auszuprobieren sind die Societies. Es gibt die Sportsocieties, um Verschiedenes auszuprobieren von Hillwalking bis Quidditch. Und es gibt die anderen Societies, wo sicher für jeden irgendetwas dabei ist von Circus, Scottish Dance bis zur Whiskey Society. Es gibt so viele verschiedene Gruppen, dass die Wahl fast schon schwerfällt. Ich war bei der Swing Society dabei und habe darüber sehr tolle Menschen kennengelernt und war letztlich 3x die Woche tanzen und konnte beim Workshop Hop Potato mitmachen. Das war ein sehr tolles und bereicherndes Wochenende mit tollen Lehrern aus Portugal und Californien und einer familiären und schönen Stimmung!

 

Wohnen

Zunächst einmal ist zu sagen, dass man sich als ErasmusstudentIn auf jeden Fall auf einen Wohnheimsplatz bewerben kann, sobald man seine Immtrikulationsnummer hat und auch einen Platz zugesichert bekommt. Es gibt verschiedene Wohnheime mit unterschiedlich großen Wohneinheiten und Preisen (99- 142£/Monat). Hillhead ist das größte Areal mit verschiedenen Häusern und Einrichtungen. Zu Fuß ist es einmal durch den Seaton Park etwa 10 min vom Campus entfernt. Der Weg um den Park empfiehlt sich nachts, da es keine Beleuchtung gibt und ist etwas weiter. Da ich selber nicht dort gewohnt habe und nur zu Besuch dort war, kann ich nicht viel dazu sagen. Es ist jedoch so, dass man in den Wohnheimen zwar ein Bett und Möbel hat, aber Bettdecke, Kissen, Geschirr etc. selber besorgen muss. Es gibt auch private Wohnheime z.B. Unitestudents, mit Preisen zwischen 99£- 139£/Woche, diese sahen jedoch auch um einiges moderner aus als die Uniwohnheime. Insgesamt war für mich jedoch schon im Voraus klar, dass ich versuchen wollte privat eine Unterkunft zu finden, nicht zuletzt weil die Uniwohnheime ziemlich teuer sind. Sicherheitshalber hatte ich mich aber recht spät auf einen Wohnheimplatz beworben, so dass ich eine Woche Zeit hatte bevor ich das Zimmer zu oder absagen musste, um dann vor Ort privat etwas zu suchen bzw. abzuschätzen wie es um die private Wohnungssituation steht.
Die WG-Suche gestaltete sich etwas anders, als ich es aus Deutschland kenne, wo meistens die Mitbewohner jemanden aussuchen und dir die Wohnung zeigen. In Aberdeen lief das ausschließlich über den Vermieter, weswegen man die potenziellen Mitbewohner meist nicht oder nur zufällig gesehen hat. Auch gibt es keine einschlägige Website auf der man suchen kann wie bspw. wg-gesucht. Ich habe hauptsächlich auf folgenden Seiten gesucht:
-    Spareroom.co.uk
-    Gumtree.co.uk
-    Easyroommate.co.uk
Zusätzlich habe ich auf den Facebook Seiten der Societies, bei denen ich gerne mitmachen würde gepostet, ob jemand gerade etwas von einem günstigen Zimmer weiß. Schließlich habe ich nach eineinhalb Wochen über den AUSA Marketplace ein Zimmer in einer 3er WG gefunden, das direkt neben der Uni war und bei 250£ plus Nebenkosten (40£) lag. Der Durchschnitt bei privaten Zimmern lag so um die 340£/Monat (warm).  Schwierig fand ich bei der Wohnungssuche zudem, dass Zimmer häufig für mindestens 6 Monate zu mieten waren, was für mich zu lange gewesen wäre. Häufig wird auch von der Council Tax gesprochen, diese müssen (Vollzeit-)Studenten, also auch Erasmusstudenten, jedoch nicht! zahlen, es muss die Studienbescheinigung bei der Stadt eingereicht werden, die man sich im Infohub ausstellen lassen kann. Diese wird immer für eine Wohnung erhoben, sobald einer in der Wohnung arbeitet. Daher ist es am einfachsten, wenn in einer Wohnung nur Studenten wohnen. Weiterhin wird manchmal von einer vorliegenden HMO-licence gesprochen. Dabei handelt es sich um eine Lizenz für WGs ab 3 Personen und bedeutet, dass die Wohnung gewissen Standards der Stadt entspricht. Weiterhin wird in den Anzeigen zwischen Single und Double Room unterschieden, was sich meiner Erfahrung nach nur auf die Größe des Betts bezieht. Bei Fragen zum Mietvertrag o.ä. kann man sich auch immer an das AUSA im Infohub gegenüber des Erasmusbüros wenden.

Unterwegs

In Aberdeen kommt man insgesamt gut zu Fuß zurecht. Vom Campus ins Stadtzentrum braucht man ca. 20 min. Wer sich mit dem Linksverkehr und etwas dreisten Busfahrern auseinandersetzen möchte ist natürlich mit dem Fahrrad schneller unterwegs. Das Busliniennetz ist insgesamt gut ausgebaut. Jedoch ist es hier hilfreich zu wissen, dass es zwei Busunternehmen gibt. Während man bei den First-Bussen immer das exakte Bargeld dabei haben muss (Rückgeld wird einem guten Zweck gespendet), ist dies bei Stagecoach nicht der Fall. Zudem sind die (Tages-)Tickets bei Stagecoach billiger, insbesondere als Student mit Studentenausweis. Stagecoach hat ein über Aberdeen hinausreichendes Netz, womit man auch gut z.B. in den Cairngorms National Park, nach Stonehaven oder Inverness kommt. Für längere Strecken, z.B. nach Glasgow, Edinburgh, Inverness oder auch London lohnt es sich frühzeitig bei Megabus.com zu schauen, da man dort mitunter sehr günstig (1£) reisen kann. Auch bei den Zügen gibt es Vergünstigungen wenn man frühzeitig bucht. Mitfahrgelegenheiten hingegen gibt es leider nicht wirklich. Manchmal kann es auch günstiger sein ein Auto zu leihen, insbesondere wenn man in weniger zugängliche Ecken möchte um z.B. wandern zu gehen.
Wer gerne wandern oder hillwalken geht, wie die Schotten sagen, der wird sich sicher in den tausend Routen für ganz Schottland verlieren, die man auf walkhighlands.co.uk findet. Insgesamt ist Schottland super schön zum Wandern so lange man damit zurechtkommt, dass Wanderwege nicht unbedingt ausgeschildert sind und es manchmal etwas nass oder matschig an den Füßen werden kann. Es gilt das Jedermansrecht, so dass man querfeldein laufen und überall bis zu 3 Nächten wildcampen darf; selbst auf den königlichen Ländereien z.B. am Loch Muik, jedoch sollte man dann bitte „very sensible and respectful“ sein, wenn zufällig gerade Prinz Charles im Balmoral Castle residiert.
Schöne Ecken gibt es viele in Schottland und die Westküste unterscheidet sich auch noch mal deutlich mit höheren Bergen und schönen Tälern (z.B. Glen Affric, Glen Coe) von der eher landwirtschaftlichen, flacheren aber milderen Ostküste. Wer etwas mehr Zeit hat, sollte auf der Insel Skye z.B. den Skyetrail laufen – sehr sehr schön ! – oder einen Abstecher auf die Äußeren Hebriden Haris und Lewis machen zu türkisblauen, einsamen Stränden. Auch die Region Assynt, nördlich von Ullapool ist sehr abwechslungsreich. In Edinburgh sollte man sich das National Museum nicht entgehen lassen, in dem man sich 2 Tage lang aufhalten könnte oder bei jedem Regenschauer mal wieder hineinschauen, da es umsonst ist.

 

Besondere Tipps in Aberdeen

Die Shared Planet Society betreibt neben dem Shared Planet Café (einmal die Woche veganer Lunch) auch die Food Corner, einen kleinen Unverpacktladen mit der Möglichkeit eine VegBag einmal die Woche zu bestellen (6£). Darin sind Obst und Gemüse enthalten, größtenteils von einem Farmer aus der Nähe Aberdeens oder aus ökologischer Landwirtschaft. Die Food Corner ist zusammen mit dem Swap Shop im 1.Stock des Hubs zu finden. Der Swap Shop ist ähnlich dem Umverteiler in Potsdam, wo man Klamotten, Bettzeug, Bücher, Taschen und alles Mögliche findet und mitnehmen oder am Ende des Semesters, wenn der Koffer zu voll ist, abgeben kann. Ein Blick lohnt sich also gerade am Anfang des Semesters, wenn die eine oder andere Sache fehlt, die man sich für ein Semester nicht unbedingt neu kaufen will. 

BeCyCle ist eine andere Society, die eine Fahrradwerkstatt auf der High Street hat und dort gegen eine Pfandgebühr von ca. 20£ Fahrräder auch für ein ganzes Semester verleiht. Jedoch muss man wahrscheinlich schnell sein, um noch ein recht Gutes zu erwischen oder man hat selber Spaß am Reparieren und bastelt sich aus diversen Einzelteilen sein eigenes Fahrrad zusammen.
Ein Abstecher in den Botanischen Garten hinter dem Zoology Building ist auf jedenfall auch sehr empfehlenswert, wenn man ein ruhiges Plätzchen auf dem Campus sucht. Am besten holt man sich davor noch bei Kilau in der High Street einen leckeren Kaffee.
Wer gerne Whiskey probieren möchte, sollte sich überlegen der Whiskey Society beizutreten oder nur gelegentlich zu deren Whiskey Tastings zu gehen. Ansonsten kann man auch in die Bar Gills in der Union Street gehen, wo man den Altersdurchschnitt vermutlich senken wird.
Ein nettes Café und Secondhand Buchladen ist Books & Beans in der Belmont Street (Studentenrabatt) und freitags organisiert die Swing Society ein Social Dancing im 1.Stock des Coffeehouse: Offen für alle und meistens mit einer halben Stunde am Anfang, in der einem auch die Grundschritte gezeigt werden. Das Coffeehouse ist ein gemütliches Café, wo es im Anschluss freitags auch Livemusik gibt und man auch Studentenrabatt auf Getränke und Speisen erhält.
Und wer gerne mal Delphine sehen möchte, der sollte sich ein Fernglas mitnehmen und von der südlichen Seite des Hafens zum Leuchtturm auf der anderen Hafenseite spähen. Gute Chancen Robben zu sehen hat man hingegen an der Mündung des River Ythan bei Newburgh nördlich von Aberdeen.

Studienfach: Geoökologie

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 05/2017

Gastuniversität: University of Aberdeen

Gastland: Großbritannien


Zum Schluss bleibt zu sagen, es hat sich gelohnt und der schottische Akzent, vor dem einen immer alle warnen, ist gar nicht so schlimm und in Aberdeen hört man ihn auch eher selten.
Cheers
     

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