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Boğaziçi Üniversitesi 2011/12

Ich habe mit den Vorbereitungen des Auslandsaufenthalts ein Jahr vor dem Aufenthalt begonnen. Zuerst galt es heraus zu finden, ob es einen ERASMUS Vertrag zwischen der Universität Potsdam und der Boğaziçi University gibt. In der Übersicht zu den Hochschulpartnerschaften der Universität Potsdam des AAA habe ich erfahren, dass es den mal gab aber leider nicht verlängert wurde. Also habe ich erst einmal bei der Boğaziçi Universität nachgefragt, ob ich auch außerhalb des ERASMUS Programms an der Universität studieren kann. Dies war unter dem Status des „Special Student“ möglich. Dies habe ich von der Koordinatorin des dortigen international relations office erfahren. Die zuständige Dame heißt Burcu Cingay und ist sehr hilfsbereit: burcu.cingay@boun.edu.nomorespam.tr.


Studienfach: Linguistik

Aufenthaltsdauer: 09 /2011 – 02 /2012

Gastuniversität: Boğaziçi University

Gastland: Türkei

Um sich als Special Student zu bewerben, sind folgende Unterlagen notwendig: Application Form, Transcript of Academic Records, Statement of Purpose, Letter of Recommendation und ein Englisch-Sprachnachweis von TOEFL oder IELTS. Da die Unterrichtssprache der Universität Englisch ist, muss man nachweisen können, dass man das gewünschte Niveau der Englischen Sprache beherrscht. Das ist nicht allzu hoch, bei dem TOEFL Test sind es mindestens 79 von 120 Punkten. Da sowohl der TOEFL als auch der IELTS Test sehr teuer sind, habe ich alternativ den DAAD Test, der an unserer Universität kostenfrei angeboten wird, gemacht und gehofft, dass auch dieser von der Gastuniversität akzeptiert wird. Glücklicherweise wurde er akzeptiert. Nachdem ich alle Unterlagen vollständig hatte, habe ich sie erst per Email, dann per Post abgeschickt.

Nun war bitteres Warten angesagt. Nach ungefähr 5 Wochen habe ich dann per Email erfahren, dass ich angenommen wurde. Das war einer der glücklichsten Momente in meinem Leben. Als nächstes musste ich mich um den Papierkram hier kümmern. Zum einen musste ich mich für das Auslandssemester an der Uni Potsdam Beurlauben und zum anderen wollte ich mich für ein Stipendium beim DAAD bewerben. Für ein Stipendium im Rahmen des DAAD-Mobilitätsprogramms PROMOS kann man sich nur bewerben, wenn man keine anderen Fördergelder, außer Auslands-BAföG, erhält. Da ich Inlands-BAföG Empfängerin war, hatte ich zudem Anspruch auf Auslands-BAföG. Finanziell war ich somit gut versorgt. Für das Auslands-BAföG ist nicht das Studentenwerk Potsdam, sondern das Studentenwerk Köln zuständig.

Ein wichtiger Punkt an dieser Stelle, sind die Studiengebühren in Höhe von 3000 US$. Diese fallen an, wenn man unter dem Status „Special Student“ studiert - also für ERASMUS-Bewerber nicht von Bedeutung. Eine gute Nachricht ist, dass Studiengebühren bis zu 4600 Euro vom Bafög -amt übernommen werden können. Das Studieren unter dem ERASMUS Status ist in vielen Aspekten bequemer und günstiger.

Studienfach: Linguistik

Aufenthaltsdauer: 09 /2011 – 02 /2012

Gastuniversität: Boğaziçi University

Gastland: Türkei

Studium an der Gastuniversität

Das Semester beginnt in der Türkei früher als in Deutschland. Der Anmeldetag, den man persönlich vor Ort macht, war Mitte September und mein erster Unterrichtstag war am 26. September. Man muss sich dementsprechend in der Vorlesungsfreien Zeit das Schreiben von Hausarbeiten gut einplanen, weil diese Zeit kürzer ist als sonst. Es empfiehlt sich nicht, dort an Hausarbeiten zu schreiben, da man sich mit anderen Dingen, wie das Anmelden des Handys, die Beschaffung einer türkischen SIM-Karte, das Eröffnen eines türkischen Kontos usw. beschäftigen muss, bis das Studium anfängt.

Die Boğaziçi Universität befindet sich auf der europäischen Seite von Istanbul im Bezirk Besiktas. Sie hat einen sehr guten Ruf und gehört zu den besten Unis der Türkei. Das Gelände ist an einem, vom Stadtlärm abgelegenen ruhigen Ort. Vom Südkampus hat man einen traumhaften Blick auf die Brücke.

Organisation der Lehrveranstaltungen und Anforderungen

Was ich vorab erwähnen sollte ist, dass ich zwar Linguistik studiere, aber an der Boğaziçi am Department Übersetzen und Dolmetschen immatrikuliert war. Mit diesen Kursen konnte ich den Wahlpflichtbereich und Schlüsselkompetenzen abdecken. An diesem Department Kurse zu besuchen war mein größter Wunsch, da ich später beruflich als Übersetzerin und hoffentlich auch als Dolmetscherin arbeiten möchte.

Das Wählen der Lehrveranstaltungen ist anders als an unserer Universität. Etwas Nerven anfällig und kompliziert. Wie das System genau funktioniert, wird am Orientationstag genau erklärt. Die Kurse werden circa eine Woche vor Vorlesungsbeginn online gewählt. Da für alle Studenten der Zugang zur selben Zeit gestattet wird, und alle Studenten dann auch zu dieser Zeit vor dem Rechner sind, ist das System erst einmal überlastet und stürzt ab. Nur wenige kommen rein. Man muss also alle 10 Minuten versuchen sich anzumelden. Bei mir hat es nach ungefähr zwei Stunden geklappt. Ich war nun angemeldet, aber die meisten meiner Wunsch Kurse waren bereits belegt. Das war erst mal ein Schock! Fast alle Kurse haben nämlich eine begrenzte Teilnehmerzahl. Man hatte nun die Möglichkeit, dem Dozenten, an dessen Kurs man noch teilnehmen möchte, ein „Consent“ (auf Deutsch: Bewilligung) zu schicken, wo man kurz erläutert, warum man in diesen Kurs noch rein möchte. Der Dozent lässt dann einen zu oder nicht.

Welche Kurse ich wählen wollte, war schon vor meiner Abreise klar. Ich hatte mir die Kurse mit ihren Kurzbeschreibungen angeschaut und 10 für mich interessante herausgeschrieben. Dann habe ich mich mit dem Dozenten, der an meinem Department für die Scheinanerkennung zuständig ist, zusammengesetzt, um zu erfahren, ob sie mir in einem Bereich meiner Module zu zu ordnen sind. Ich wurde dann schließlich durch die Consents noch in alle Kurse zugelassen.

Es empfiehlt sich maximal 6 Kurse zu besuchen, denn der Arbeitsaufwand pro Kurs ist enorm groß. Man bekommt regelmäßig Hausaufgaben, die in die Endnote mit einfließen. Nebenbei muss man auch viel an Literatur lesen. Für die Leistungserfassung ist außerdem wichtig, dass man im Unterricht mündlich mitmacht und immer anwesend ist. Anwesenheitspflicht bedeutet, dass man wirklich immer da ist. Die Anwesenheit wird nämlich, anders als bei uns, kontrolliert. Man hat jedes mal auf der Kursliste zu unterschreiben.

Am Ende des Semesters werden im Anschluss an die Vorlesungszeit die Klausuren geschrieben. In meinen Kursen zumindest wurden in 5 von 6 Fächern Klausuren geschrieben und in dem 6. Kurs waren, auch während des Semesters, insgesamt drei Hausaufgaben abzugeben. Anwesenheit, Mitarbeit und Hausaufgaben - das sind die Kriterien, die neben der Klausur die Endnote bestimmen. Klingt ein bisschen wie unser Schulsystem oder?

Der Unterricht erfolgt in 30 bis 50 Teilnehmenden Kursen, in der Art, wie wir es bei uns als Vorlesung oder Seminar kennen.

Alle Studenten, wie auch die Dozenten sind sehr nett und kompetent. Die Unterrichtssprache ist offiziell Englisch, es kann aber auch vorkommen, dass der ein oder andere Kurs auf Türkisch unterrichtet wird. Die Dozenten reden ein sehr einfaches Englisch, sodass man beim Verstehen und Folgen des Unterrichts keine Probleme hat.

Tandem- Partnerschaften gibt es auch an der Boğaziçi Universität. Wenn man also am Anfang etwas Begleitung und Unterstützung braucht, dann trägt man sich in die Tandem-Liste ein. Eine Email dazu bekommt man ohnehin von der Beauftragten des dortigen Auslands-Amtes. Da ich Türkin bin, war das bei mir nicht nötig. Wenn man ein Anliegen hat, kann man sich jederzeit an das Team des Auslands-Amtes wenden. Sie sind vor Ort und auch per Email erreichbar und entgegenkommend. Jeder Gaststudent bekommt zu Beginn einen Advisor zugewiesen. An ihn kann man sich wenden, wenn es Probleme mit Kursen gibt.

Neben dem Studium kann man sich in verschiedenen AGs engagieren. Im Angebot ist von A bis Z alles dabei. Hier ist man unter Studenten und hat viel Spaß. Es gibt auch AGs, die zum Zweck des Studiums dienen. Ich war am Department Translation and Interpreting Studies eingeschrieben und in der AG „Übersetzen“ haben wir dann gemeinsam Untertitel für Filme geschrieben.

Technisch ist die Universität sehr gut ausgestattet. Computerpools stehen jedem Studenten zur Verfügung. Es gibt eine sehr große Bibliothek auf dem Nordkampus, mit vielen, wertvollen alten Büchersammlungen und zählt daher zu den geschätzten Bibliotheken in Istanbul. Außer den Bibliothek gibt es sogenannte „Study Rooms“, die den Studenten zum Lernen in Gruppen dienen.

Auf dem Kampus trifft man nicht selten ausländische Studenten. Die meisten sind aus den Staaten und aus Deutschland. Ich habe jedoch versucht, den Kontakt mehr mit einheimischen zu knüpfen, denn dafür bin ich schließlich ins Ausland gegangen. Einheimische zeigen großes Interesse an „fremden“ Kommilitonen und man findet sich sehr schnell in einem Gespräch. Den intensivsten Einblick in die Lebensweise der Einheimischen, hat man nach meiner Erfahrung durch das gemeinsame Wohnen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Zu meiner Sprachfähigkeit ist Folgendes zu sagen: Ich bin Türkin und bilingual aufgewachsen. Da ich aber in meinem Umfeld fast ausschließlich mit der Deutschen Sprache konfrontiert bin ist mein Türkisch schwächer als mein Deutsch. Da ich es erstrebe zwischen Türkisch, Deutsch und Englisch zu Übersetzen und evtl. auch zu Dolmetschen, war die Sprachkombination für mich in Istanbul optimal. In der Uni habe ich Englisch gehört, gesprochen und geschrieben und im Alltag das gleiche auf Türkisch. Somit haben sich meine Kenntnisse in beiden Sprachen erweitert, ausgebaut und gefestigt.

Wohn- und Lebenssituation

Als Türkin hatte ich es mit der Wohnungssuche nicht schwer. Ich habe zusammen mit vier Mädchen in einer Mietwohnung im Bezirk Üsküdar gewohnt. Zu der Wohnung kam ich durch Vermittlung von Freunden aus Berlin. Üsküdar ist nicht auf der europäischen Hälfte von Istanbul, sondern auf der asiatischen. Um zur Universität zu gelangen, musste ich deshalb zweimal umsteigen. Trotz dessen war mein Weg nicht allzu lang. Ich habe im Durchschnitt 40 Minuten gebraucht. Zu Hauptverkehrszeiten kann es aber auch länger dauern. Ich empfehle jedem auf der asiatischen Seite zu wohnen, da man allein auf dem Uni- und Heimweg vieles erleben und entdecken kann. Man sieht automatisch mehr von der Stadt und lernt Bezirke intensiv kennen, die man sonst nicht kennen würde. Denn Istanbul ist sehr groß und auch 7 Monate reichen nicht, um Alles zu sehen.

Von dem was ich von anderen Gaststudenten mitbekommen habe, haben die meisten im Bezirk Besiktas gewohnt, da wo auch die Boğaziçi Universität niedergelassen ist. Die WG-Mieten für ein Zimmer waren um die 300 bis 400 Euro. Ich habe weitaus weniger gezahlt. Ansonsten sind bei der Wohnungssuche studentische Zusammenschlüsse wie “ESN Boğaziçi” oder “ERASMUS/Exchange” - Gruppen auf Ankunft kümmern.

Zu den Hauptverkehrsmitteln gehört der Bus und die kleinen Schiffe. Als Student kann man die öffentlichen Verkehrsmittel ermäßigt nutzen. Da leider die Studentenausweise nicht sofort in unsere Hände kamen, mussten wir fast zwei Monate im Normaltarif fahren. Das kann ziemlich teuer werden. Im Vergleich zu Berlin aber immernoch günstiger.

Allgemein sind die Lebenshaltungskosten geringer als in Deutschland. Mit der Studienbescheinigung kann man sich ein kostenfreies Studentenkonto eröffnen. Da die Deutsche Bank keine Filiale in der Türkei hat, würde mich jede Überweisung mehr als 5 Euro Bearbeitungsgebühr kosten. Deshalb war das Eröffnen eines Türkischen Kontos für mich notwendig.

Für die Zeit des Aufenthalts habe ich bei meiner Krankenversicherung eine Auslandskrankenversicherung beantragt. Da ich Gott sei Dank nie krank geworden bin, kann ich zur Arzt Behandlung und zu Krankenhäusern nichts berichten.

Das Freizeitangebot in Istanbul ist enorm groß. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Zur Erinnerung: Istanbul war im Jahr 2010 die europäische Kulturhauptstadt. Ich denke, das sagt alles.


Rückblick

Zurückschauend kann ich sagen, dass das Auslandssemester in Istanbul eine große Bereicherung für mein Leben, Studium und für meine Persönlichkeit war. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, sehe ich freundliche Gesichter, bunte Farben, glitzernde Meeresoberfläche. Ich fühle ersehnte Heimat, sommerliche Temperaturen und eine dynamische, lebendige, bezaubernde Stadt. Ich habe die Türkische Kultur und Mentalität sehr intensiv kennengelernt und tolle Freundschaften geschlossen. Außerdem bin ich mir nun sicher, dass ich Spaß am Übersetzen habe und das ist mein großes Ziel, welches ich nach Abschluss meines Studiums erreichen möchte.

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