uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Erasmus+ Erfahrungsbericht - İstanbul Bilgi Üniversitesi


Studienfach: Europäische Medienwissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2016 – 01/2017

Gastuniversität: Istanbul Bilgi Üniversitesi

Gastland: Türkei

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Das Erasmusprogramm ist wahrscheinlich die einfachste Möglichkeit ins Ausland zu gehen. Schon allein die Bewerbung für Erasmus ist grade im Vergleich zu anderen privaten Initiativbewerbung im Ausland zu gehen wirklich einfach. Auch alle danach folgenden Schritte wie einzureichende Dokumente und ähnliches sind durch eine kleine Liste schnell abgearbeitet. Durch Erasmuskoordinatoren an der Universität wird man oft genug an alle Fristen und einzureichenden Unterlagen erinnert. Bei den Informationsveranstaltungen der Universität Potsdam wurde das gesamte Prozedere wesentlich komplizierter dargestellt als es ist. Auch habe ich mich immer sehr über die relativ schnellen Antworten des DAADs gefreut. Auch von meiner Gastuniversität war ich sehr positiv überrascht, eigentlich war nur ein Onlinefragebogen auszufüllen und danach kamen noch zwei Informationsemails und das war alles. Ehrlich gesagt habe ich zuvor von meiner Gastuniversität so wenig gehört, dass ich schon fast dachte sie hätten mich vergessen. Aber was die Gastuniversität ganz toll gemanagt hat, war deren Buddyprogramm. Jedem Erasmusstudenten wird ein freiwilliger Buddy zu geteilt, der sich all deinen Fragen widmet und sich bei der Ankunft um einen kümmert. Die Buddys werden meistens so zugeteilt, dass sie ein ähnliches Studienfach haben, oft sind e zudem ehemalige Erasmusstudenten, so dass sie am besten wissen was während des Auslandssemester auf einen zu kommt. Ich hatte ein Riesenglück mit meinem Buddy, während andere Erasmusstudenten mit ihrem Buddy nur flüchtigen E-mailkontakt hatten, hat mich mein Buddy vom Flughafen abgeholt, die Stadt gezeigt und stand mir bei allem langweiligen organisatorischen Dingen zur Seite. Die Gastuniversität veranstaltete einen Erasmus-Einführungstag, dieser war jedoch wirklich schlecht organisiert, von den Fragen über das Visum, die notdürftigen Kennenlernspiele und die Campustour. Die Power Point Präsentationen waren nicht aussagekräftig und wurden bis heute (trotz ausdrücklicher Ansage) an keinen der Erasmusstudenten weitergeleitet. Wir haben jedoch einen sehr schönen Tragebeutel der Bilgi bekommen, in dem alle notwendigen Unterlagen und Informationen drin waren. Und somit den Tag komplett ersetzt hätten.

Studium an der Gastuniversität

Dass die Bilgi University eine Privatuniversität ist, merkt man sehr schnell, ob an dem Starbucks auf dem Campus, oder dem Parkplatz mit lauter Neuwagen oder der Haltung mancher Studenten zum Studieren. Generell ist das Leistungsniveau geringer. Da jedoch das System eher einer Schule und nicht einer Universität ähnelt, wird man durch die Kurse auch gut beschäftigt. Schließlich gibt es eine strengere kontrollierte (und auch mit bewertete) Anwesenheitspflicht, „Mitarbeitsnoten“, Hausaufgaben, Quizze und Tests, Assignments und Zwischenprüfungen. Ich hatte sieben Kurse gewählt, was zwar gut machbar aber nicht wirklich empfehlenswert ist. Insbesondere praktische Kurse sind wesentlich anspruchsvoller und werden auch strenger bewertet als theoretische Kurse, welche vom Niveau wirklich einfach sind. Hier sind Prüfung oft in Multiple Choice Form zu absolvieren. Das Verhältnis zu den Dozenten ist sehr gut und relativ locker, umso kleiner und aufmerksamer der Kurs umso freundlicher aber auch anspruchsvoller wird der Dozent. Die Kursbreite und das Kurswahlsystem (auch wenn dieses zu Anfang sehr kompliziert erscheint) ist als Erasmusstudent sehr toll. Zwar studiert jeder Student in einem bestimmten Department (entsprechend unseren Studiengängen), was einer Fakultät zugeordnet ist, aber man kann ohne größere Probleme Kurse aus der gesamten Fakultät belegen. Dies war insbesondere für mich sehr interessant, denn meine Fakultät Kommunikation hatte sehr viele verschiedene Departments. So konnte ich in meinem Stundenplan alle möglichen Bereiche abdecken von Animation bis zu Filmgeschichte, von Video Art bis zu medienphilosophische Kursen war alles dabei. Die technische Ausstattung der Universität ist gut, vergleichbar mit Universität Potsdam. Leider gibt es keine Druckerpools, es gibt einen kleinen Copyshop auf dem Unigelände. Hier kann super billig gedruckt werden und alle Lehrmaterial werden dort verkauft, jedoch ist es oft super voll und man muss sich etwas gedulden. Die Bibliothek ist meiner Meinung nach nicht sonderlich gut ausgestattet, was Sitzplätze und Lektüre anbelangt. Aber dafür gibt es eine Onlinebilbliothek, die auch aktuelle Zeitungen enthält. Wer Technik ausleihen möchte um Filme zu drehen, Interviews zu führen oder ähnliches, ist an dieser Universität genau richtig, denn die Technikausleihe ist sehr gut ausgestattet. Zudem kann man auch die Foto- und Filmstudios anmieten. Dazu gibt es ein Onlinesystem, was sehr einfach aufgebaut ist. Diese Technikausleihe habe ich sehr oft benutzt.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Eine Gefahr während eines Erasmussemester ist es in einer „Erasmusblase“ versinken, man hat zwar ein tolles lustiges Semester mit vielen anderen Erasmusstudenten doch der Kontakt zu einheimischen Studenten erfordert wesentlich mehr Aufwand. Da alle Erasmusstudenten neu ankommen, die Sprache meist nicht fehlerfrei beherrschen, vor Ort keine Freunde haben, dafür aber große Lust die Stadt zu erkunden, verbindet das einander unglaublich schnell. Jedoch schaffen die gleichen Punkte einen großen Abstand zu einheimisch Studenten, zudem steigt man im aktuellen Studienjahr ein und die einheimischen Studenten kennen einander schon sehr gut. Meiner Erfahrung nach ist es wesentlich leichter außerhalb der Universität Einheimische richtig kennenzulernen, über Wohnungssuche oder ähnliches. Aber sobald man sich an der Universität ein bisschen Mühe gibt und sich in der Sprache versucht, kommt man auch mit einheimischen Studenten gut in Kontakt. Insbesondere in kleineren aktiveren Seminaren ohne andere Erasmusstudenten fällt es leichter mit einheimischen Studenten in Kontakt zu kommen. Zumal erfordern meisten Seminare auch viel Gruppenarbeit oder ähnliches.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Meine Sprachkompetenz hat sich über die Zeit schon verbessert, obwohl ich nicht immer das Gefühl hatte. Wenn man jedoch nach Istanbul geht, sollte man sich zwei Dingen bewusst sein. Erstens, Türkisch ist Landessprache außerhalb der Universität ist kaum jemand in der Lage Englisch zu sprechen. Daher lohnt sich ein türkisch Kurs vorher auf jeden Fall. Zweitens, die meisten Erasmusstudenten sind aus Deutschland, daher wird man auch viel deutsch sprechen.

Wohn-  und Lebenssituation

Ich habe zwar schon vor Beginn der Reise online nach Wohnungen gesucht, bin aber trotzdem erstmal in ein Hostel gezogen und habe vor Ort nach Wohnungen gesucht. Der Wohnungsmarkt ist sehr fair und gut für Studenten. Jedoch sind Wohnheime sehr überteuert und privat. Wohnungstechnisch gibt es wirklich sehr viele Angebote, man kann super billig wohnen, oder auch total teuer in angesagten Hipstervierteln. Aber man findet auf jeden Fall sehr leicht eine Wohnung. Miete wird meistens zu Monatsbeginn bar bezahlt. Da die Stadt sehr groß ist, sollte man bei der Wohnungssuche auf jeden Fall beachten, nicht zu weite Wege zur Innenstadt und zur Universität haben. Außerdem sollte man sich zuvor etwas über die einzelnen Stadtviertel informieren. Denn es gibt Viertel, wo man sehr gut und billig wohnen kann, allerdings ist die Umgebung eventuell nicht die sicherste. Zudem sehen Wohnungen auf Fotos online immer besser aus als im Original. Daher kann ich wirklich nur empfehlen, etwas früher in der Stadt anzukommen und dann nach Wohnungen zu suchen. Wer gerne über Craigslist nach Wohnungen sucht, sollte beachten dass man dafür VPN braucht, denn eigentlich ist dieses Portal in der Türkei gesperrt. Ansonsten findet man sehr einfach Wohnungen über Facebook. Viele Wohnungen insbesondere für junge Leute haben keinen Backofen und in manchen Wohnungen gibt es keine Heizung. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es viele, jedoch ist das Metronetz nicht sehr weitflächig ausgebaut, daher sind alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel, außer Tram und Tünel, auf die Straße angewiesen. Dadurch stockt der Verkehr oft im Morgen und am Abend. Eine tolle und günstige Methode von A nach B zu kommen, sind sogenannte Dolmus, große Sammeltaxen, die auf bestimmten Strecken fahren sobald sie voll sind. Jedoch muss man wissen wo die Haltestellen sind und wo die Dolmus hinfahren. Die Bilgi Universität bietet zudem einen freien Shuttle Service an. So kann man sehr einfach von einem Campus zu nächsten kommen und von der Universität in die Innenstadt. Einkaufsmöglichkeiten und Bankautomaten gibt es eigentlich überall in der Stadt. Alles hat wesentlich länger geöffnet und fast jedes Restaurant oder Geschäft liefert auch ohne Aufschlag nach Hause. Essen ist günstiger als in Deutschland. Auch außerhalb zu essen ist ziemlich günstig. Überall in der Stadt gibt es Lokantas, ähnlich wie öffentliche Mensen, die traditionelles ausgekochtes türkisches Essen zu unglaublich günstigen Preisen anbieten. Was aber im Vergleich zu Deutschland teuer ist, sind Kosmetik- und Hygieneartikel. Aber insgesamt fallen die Lebensunterhaltskosten niedriger aus. Aber da man im Ausland ist und diese Zeit auch genießen möchte, zum Beispiel öfter essen geht, öfter ausgeht oder mal in andere Regionen fährt, gibt man mehr Geld aus als einheimische Studenten. 

Studienfach: Europäische Medienwissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2016 – 01/2017

Gastuniversität: Istanbul Bilgi Üniversitesi

Gastland: Türkei


Rückblick

Mein Erasmussemester in Istanbul war super schön und leider viel zu schnell vorbei. Was einem den Start und Kontakt zu Einheimischen, sowie einfache Alltagsdinge wie Einkaufen wesentlich erleichtert hätte, wären wenigstens ein paar Türkisch Kenntnisse. Aber sobald man sich ein bisschen bemüht, sind viele Türken gleich sehr aufgeschlossen und wohlgesonnen. Ich finde es sehr wichtig sich der Situation vor Ort bewusst zu sein, ob es die religiöse oder politische Lage oder das erhöhte Terrorrisiko ist. Denn so kann man den Menschen vor Ort mit mehr Verständnis begegnen und kommt oft in interessante Gespräche. Zudem sollte man der Kultur gegenüber, insbesondere der muslimischen Religion Respekt entgegen bringen. Natürlich ist Istanbul eine große internationale Metropole und es ist zum Beispiel kein Problem als Mädchen knapp bekleidet rumzulaufen (in 90% aller Viertel), aber oft wird man sofort als Tourist abgestempelt. Aber das Schöne an einem Auslandsemester ist es einer Kultur wirklich näher zu kommen, anstatt nur alle Sehenswürdigkeiten zu sehen und traditionelles Essen zu essen. Auch wenn viele, ganz gleich ob Familie oder Freunde meiner Entscheidung nach Istanbul sehr kritisch gegenüberstanden, war ich von Anfang an entschlossen es wirklich zu machen und ich habe es in keiner Sekunde bereut. Natürlich macht man mal bessere mal schlechtere Erfahrung, aber insgesamt war dieses Semester mein schönstes und auch jenes welches mir persönlich am meisten gebracht hat, mal abgesehen vom akademischen Inhalten. Daher kann ich es nur weiterempfehlen.

Türkei

Zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier