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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Bahcesehir University Istanbul

Durch Mitstudenten hatte ich des Öfteren von dem Erasmus+ Programm gehört, mich allerdings weniger damit auseinandergesetzt, da mich andere Länder außerhalb Europas bisher immer mehr gereizt haben. Als ich dann mit einer Freundin eine Bekannte in Istanbul (in ihrem Erasmus-Semester) besucht habe, wurde mir schnell klar, wie vielseitig auch europäische Länder sein können. Speziell das Leben in der Türkei bzw. Istanbul empfand ich sehr spannend, da es sowohl europäische als auch asiatische Kulturelemente aufwies. Durch die Homepage der Universität Potsdam und des DAADs habe ich dann weitere Informationen eingeholt und konnte recht schnell und unkompliziert nachvollziehen, wie der Bewerbungsablauf und die Rahmenbedingungen gestaltet sind. Auch die Erfahrungsberichte der vorherigen Erasmusstudenten haben mir geholfen, einen Eindruck zu bekommen, wie ein Erasmus- Semester ablaufen kann und welche Dinge mich mehr oder weniger vor Ort erwarten. Für offene Fragen waren zeitnahe E-Mail Rückmeldungen und die Informationsveranstaltung (inkl. ppt. Übersichten) des AAA hilfreich.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 08 /2015 – 02 /2016

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei

Die Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule verlief relativ reibungslos. Nach Eingang der Bewerbung kam schnell eine Bestätigung, die allerdings nach einer Woche wieder zurückgezogen wurde. Es stellte sich heraus, dass das Master-Programm für Psychologie nicht mehr auf Englisch angeboten wurde (wie ursprünglich ausgeschrieben). Nach einigen Verhandlungen zwischen den Partneruniversitäten war es dann doch möglich ein Semester an der BAU Universität zu absolvieren (allerdings im undergraduate (BA) Programm). Der persönliche Austausch mit der Gasthochschule verlief insgesamt relativ unkompliziert. Auf EMails wurde zwar auch mal längere Zeit nicht geantwortet, allerdings gab es auch eine gewisse Gelassenheit bezüglich noch ausstehender Unterlagen. Vor der eigentlichen Abreise waren dann noch einige Dinge zu klären: Es wurde eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung empfohlen (bei der TKK versicherte Studenten können sich bspw. über ENVIVAS relativ günstig zusatzversichern), eine Kreditkarte die wenig oder keine Gebühren beim Bargeldabheben an Automaten berechnet (bspw. DKB), je nachdem ob man das eigene Zimmer in Deutschland für den Zeitraum untervermieten möchte oder nicht, bietet sich ein Untermietvertrag an (inkl. Postnachsendeauftrag), dann lohnt es sich noch einmal einen Blick in den Impfpass zu werfen um sicher zu gehen, dass alle Basisimpfungen und ggf. empfohlene Schutzimpfungen des Auswärtigen Amtes vorhanden sind, oder noch ausreichend Schutz besteht. Bezüglich der Universität Potsdam lohnt es sich auch vorher mit den Professoren abzusprechen, welche Kurse man ggf. später anrechnen lassen möchte, um sicher zu gehen, dass diese sowohl inhaltlich als auch von der ECTS Anzahl stimmig sind. Eine Garantie dass die ausgewählten Kurse dann auch in der Gastuniversität stattfinden gibt es allerdings nicht!

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 08 /2015 – 02 /2016

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei

Studium an der Gastuniversität

Zu Beginn erscheint oder ist vieles noch recht chaotisch. Die meisten der zuvor mühsam herausgesuchten Seminare und Vorlesungen fanden letzten Endes nicht statt, wurden auf Türkisch angeboten, oder waren aufgrund zeitlicher Überlappungen nicht zu belegen. Dafür gab es jedoch andere Kurse und andere Seminarzeiten. Wer in der Türkei sorgenfrei studieren möchte, sollte dahingehend eine gewisse Flexibilität mitbringen und nicht zu sehr an den zuvor selektierten Kursen hängen. Um dennoch herauszufinden ob die stattfindenden Kurse dem eigenen Interessengebiet entsprechen, gibt es die sogenannte darg-and-drop Woche. In dieser ist ein Besuch jeglicher Veranstaltungen möglich um eine Einblick in die tatsächlichen Inhalte, Leistungsanforderungen und Kursgestaltungen zu bekommen. Besonders im Hinblick auf die angebotenen Sprachkurse eignet sich diese drag-and-drop Woche besonders gut.

Das International Office überraschte vor Ort positiv mit seinen sehr zuverlässigen und hilfsbereiten Mitarbeitern. Durch das sogenannte Buddy-Programm wurden ich und viele andere Erasmusstudenten aus unterschiedlichsten Ländern perfekt in das Universitätssystem eingeführt. Es wurden Transportkarten organisiert, die Türkeiweiten Museumskarten und der Studentenausweis ausgestellt (dafür waren dann auch die zuvor geforderten 8 Passbilder ;). Mein Buddy erklärte mir, wie ich mich in verschiedene Kurse einschreiben kann, wo das persönliche Mailprogramm verankert ist und half mir bei den ganzen Aufenthaltsgenehmigungs-Dokumenten und Behördengängen. Das war wahrscheinlich eine der größten Pluspunkte, da in der Türkei die Angestellten in diversen Behörden kein Englisch sprechen und die Dokumente größtenteils nur auf Türkisch ausgehändigt werden. Auch während des Semesters würde ich gut durch meinen Buddy begleitet, in die türkische Kultur eingeführt und konnte mich bei jeglichen Fragen an sie wenden. Wie eng der Kontakt letzten Endes ist, hängt jedoch auch von dem eigenen Interesse und persönlichen Engagement ab.

Das Studium an der BAU-Universität ist im Rahmen der zu erbringenden ECTS gut bewältigbar. Das Schwierigkeitsniveau ist insgesamt niedriger als in Deutschland. Es werden weniger Aspekte kritisch hinterfragt, versucht empirisch zu betrachten oder die eigene Meinung abgefragt. Der Leistungsumfang ist insgesamt jedoch höher als in Deutschland. Es werden mehr ECTS pro Kurs gutgeschrieben, dafür werden aber auch mehr Leistungsnachweise verlangt. Ein Seminar kann als Leistungsnachweis beispielsweise zwei Prüfungen, ein Referat und eine Hausarbeit beinhalten. Dadurch ist man konstanter mit den Seminarinhalten beschäftigt als in Deutschland, hat aber auch weniger Stress am Ende des Semesters, da nicht alles von einer Prüfung abhängt. Das türkische Universitätssystem ist insgesamt deutlich verschulter als das deutsche. In vielen Kursen zählt bspw. die Anwesenheit in die Endnote mit ein, bzw. kann ein Kurs nur mit einem bestimmten Prozentanteil an Anwesenheit bestanden werden. Der Kontakt mit den Dozenten ist persönlicher als in Deutschland und viele Absprachen laufen über E-mails oder persönliche Sprechstunden. Empfehlenswert ist es auch (wenn möglich) Kurse aus anderen Fachgebieten zu besuchen, da diese speziell im künstlerischen Bereich oftmals besser ausgestattet sind als in Deutschland. Dahingegen ist ein Blick über den eigenen Tellerrand in vielerlei Hinsicht möglich ;)

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Wie eng der Kontakt zu einheimischen und ausländischen Studenten ist hängt stark von der eigenen Person ab. Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich ist in eine „einheimischen-WG“ zu ziehen, um einen tieferen Einblick in die türkische Kultur und Abstand aus der engen Gemeinschaft der ERASMUS-Studenten zu bekommen. Mit anderen ERASMUS-Studenten kam ich durch die begrenzte Kurswahl und diverse Freizeitangebote meistens sehr schnell und unkompliziert in Kontakt.

Der Aufbau von langfristigen Kontakten zu Einheimischen war jedoch nicht ganz so unkompliziert. Die Türken haben zwar eine sehr gastfreundliche und interessierte Kultur und Gespräche auf der Fähre, Bahn oder Bus sind keine Besonderheit, allerdings machte ich die Erfahrung, dass Türkischkenntnisse hilfreich sind um sich einen türkischen Freundeskreis aufzubauen oder um in vorhandene Freundeskreise aufgenommen zu werden.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor meinem Auslandsaufenthalt hatte ich gute Englischkenntnisse, jedoch keinerlei Türkischkenntnisse. Ich hatte mir fest vorgenommen vor Ort Türkisch zu lernen, allerdings empfand ich den angebotenen Sprachkurs in der Universität etwas konfus und auch überfordernd, da die meisten Mitstudenten schon Vorkenntnisse in der türkischen Sprache aufwiesen. Ich hatte mich dann für einen Spanischkurs entschieden, da ich im Anschluss noch ein Auslandspraktikum in Nicaragua geplant hatte. Für die Seminare in der BAU-Universität und den Kontakt zu anderen Studenten waren gute Englischkenntnisse vollkommen ausreichen. Im Nachhinein bereue ich es jedoch, da Türkischkenntnisse den Kontakt- und Freundschaftsaufbau zu Einheimischen deutlich erleichtert und vielleicht auch beschleunigt hätten.

Wohn- und Lebenssituation

Die Wohnsituation in Istanbul kann sehr unterschiedlich ausfallen. Die von der BAU-Universität angebotenen Studentenwohnheime sind (zumindest zu meiner Zeit) zwar recht modern und saniert, allerdings auch deutlich teurer als private Unterkünfte. Über Homepages wie „Craigslist“ zeigen sich relativ schnell gute Alternativen. Bei den privaten Zwischenmieten gibt es auch nicht immer Mietverträge. Oftmals läuft es über mündliche Absprachen und Vertrauen, dass die Miete regelmäßig gezahlt wird. Dadurch spart man sich aber auch die Kündigungsfrist und am Ende des Aufenthalts die Suchen nach Nachmieter. Nach einigen Wohnungsbesichtigungen empfehle ich vor Ort zu entscheiden, ob die Wohnsituation den eigenen Ansprüchen genügt. Die Preise für die Zwischenmieten sind mittlerweile mit deutschen zu vergleichen, die Standards sind allerdings meistens deutlich niedriger. Insgesamt ist es hilfreich sich eine Unterkunft zu suchen, die zentral liegt und bei der man nicht auf die die Nutzung von Bus oder Tram angewiesen ist. Gerade zur Rush-hour können kurze Wege sonst auch mal Stunden in Anspruch nehmen. Ich hatte damals das housing-Programm von der BAU-Universität genutzt, um die ersten 10 Tage bei Studenten aus der BAU-Universität unterzukommen. Nach diesen zehn Tagen bin ich dann nach Kadiköy umgezogen und habe in Laufdistanz zur Fähre gewohnt. Das war ziemlich perfekt, da die Universität auch direkt am Bosporus liegt, die Fährfahrt nur ca. 20 min dauert und einen schönen Einstieg in den Tag darstellte. Kadiköy als Stadtteil ist ziemlich studentisch geprägt, alternativ und weniger trubelig als die Stadtteile auf der europäischen Seite. Bezüglich der Freizeitangebote gibt es in Istanbul eine große Palette an Möglichkeiten. Durch die Größe der Stadt, die verschiedenen aufeinandertreffenden Kulturen und den ständigen Wandel, ist das Leben sehr abwechslungsreich und die Auswahl an Beschäftigungsmöglichkeiten riesig. Das einzige das nicht so stark in der türkischen Kultur verankert ist, ist Sport im Sinne von Joggen gehen.


Rückblick

Rückblickend war die Zeit in Istanbul eine unglaublich spannende und vielseitige Zeit mit vielen tollen Erlebnissen, Momenten und Kontakten. Gerade durch die Nähe zu Asien, oder besser die Mischung mit der asiatischen Kultur und den Islam als stark vertretene Religion ist vieles anders als in Europa. Istanbul kann durch seine Menschenmassen herausfordernd, aber auch eine große Bereicherung sein. Ich und leider auch einige andere ERASMUS-Studenten hatten hin und wieder Momente in denen der enge Kontakt zu männlichen Mitpassagieren in öffentlichen Verkehrsmitteln als unangenehm erlebt wurde. Allerdings überwiegen die vielen positiven Zusammentreffen im Alltag. Die türkische Kultur ist allgemein sehr gastfreundlich und respektvoll, so dass ich insgesamt auf eine fantastische Zeit zurückblicken kann. Danke!

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