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Universitat de Valencia 2014/15

Obgleich ich den Wunsch für längere Zeit ins Ausland zu gehen eigentlich schon immer hatte, habe ich es doch während des Studiums irgendwie nie gewagt. Als ich dann mit meinen Diplomprüfungen anfing, dachte ich mir, dass ich doch für die Diplomarbeit ins Ausland gehen könnte. Diese Idee entstand eigentlich recht spontan und ich begann nach Universitäten in Spanien zu googlen, die eines meiner Spezialgebiete (Klimaphysik und Geophysik) anbot. Fündig wurde ich in Barcelona und Valencia. Ich schrieb an die zwei dafür verantwortlichen Dozenten jeweils eine Email. Eine Antwort bekam ich nur von dem Professor von der Universitat Politècnica de València (UPV). Er teilte mir freundlich mit, dass ich jederzeit dort beginnen könnte. 


Studienfach: Physik

Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 08 /2015

Gastuniversität: Universität Valencia

Gastland: Spanien

Es vergingen dann noch etwa anderthalb Jahre (da ich erst einmal meine Diplomprüfungen hier erledigen musste) bis ich den Bewerbungsprozess antrat. Über die (Finanzierungs-) Möglichkeiten meine Diplomarbeit an der Universität in Valencia zu schreiben, informierte mich Frau Kettmann. Wichtig war zunächst, dass es ein sogenanntes „Biliateral Agreement“ der kooperierenden Unis gibt. Dies existierte zunächst nicht zwischen der Uni Potsdam und der UPV und ich musste mich an die Erasmus-Koordinatorin der Physik wenden, die diese Vereinbarung dann aufsetzte und der UPV als Email zusendete. (Lasst euch also nicht abschrecken, falls eure Wunschuni noch nicht mit eurer Heimuni kooperiert!) Als dies erledigt und von beiden Seiten unterzeichnet war, konnte ich mich um die Bewerbung um den Eramusplatz kümmern. Einzureichende Unterlagen dafür waren Motivationsschreiben auf Englisch. Ich habe noch mein Vordiplomzeugnis und Sprachnachweise eingereicht. Was alles einzureichen ist, hängt wohl vom Fachbereich ab. Man sollte sich daher immer auf der entsprechenden Seite informieren. In meinem Fall hat die Eramus-Koordinatorin des Fachbereichs Physik dazu eine Liste auf ihrer Homepage veröffentlicht. Schnell bekam ich die Zusage meiner Eramus-Koordinatorin und ich konnte mich auf der Webside der Gastuni über die notwendigen Bewerbungsunterlagen informieren. Dazu gebe ich euch den Tipp, dies frühzeitig zu tun. Es ist nämlich durchaus möglich, dass euch manche Sachen unklar sind oder ihr den Bewerbungsprozess nicht versteht. Das war bei mir der Fall und ich habe gefühlte tausend Emails mit der dafür zuständigen Person in Spanien geschrieben. Zu den einzureichenden Unterlagen gehörten:

  • Scan des Passes
  • Foto für den Studentenausweis
  • Transcript of Records
  • Learning Agreement
  • ausgedruckte und unterschriebene Berwerbung (die auf der Webside zu finden war)
  • Sprachnachweise 

Diese Unterlagen einzureichen, war sehr einfach, da man einen Account zugeteilt bekam und dort einfach alle Unterlagen hochladen konnte. (Diese Unterlagen unterscheiden sich wohl aber auch von Uni zu Uni und man sollte sich daher auch hier wieder auf der dementsprechenden Seite informieren.) Kurze Zeit nach erfolgreichem Hochladen der geforderten Unterlagen bekommt man dann eine Zusage der Gasthochschule. Was ich auch sehr schön fand, war, dass man an der UPV angeben konnte, ob man einen Mentor wollte. Ich habe „ja“ angekreuzt und bekam jemanden zugeteilt. Er nahm etwa einen Monat bevor ich nach Spanien ging von sich aus Kontakt mit mir auf, fragte mich, ob ich bereits Flug und Wohnung hätte, und ob ich sonst noch Fragen hätte oder Dinge bräuchte. 

Studienfach: Physik

Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 08 /2015

Gastuniversität: Universität Valencia

Gastland: Spanien

Wohn- und Lebenssituation

Obwohl ich etwa anderthalb Jahre lang Email mit meinem zukünftigen Tutor geschrieben hatte, ist mir erst etwas zwei Monate vor Antreten meines Auslandsaufenthaltes aufgefallen, dass der Sitz meines Tutors (und damit auch mein zukünftiger Arbeitsplatz) nicht in Valencia sondern in Gandia ist. Gandia ist eine Kleinstadt etwas 60km von Valencia entfernt. Als ich dies erfuhr, war ich ziemlich traurig, da ich mich schon sehr auf ein Leben in Valencia gefreut hatte. Ich fragte meinen Tutor, ob man nicht auch pendeln könne und er sagte mir, dass dies möglich wäre. Es gibt zwei Mal in der Stunde Züge, die von Valencia nach Gandia fahren. Ich hatte auch ein Erwägung gezogen, in Gandia zu leben, aber irgendwie hatte ich mich nun schon auf Valencia als meine Stadt eingestellt. Ich bereue nicht in Valencia anstatt von Gandia gewohnt zu haben, weil ich mich wirklich in Valencia verliebt habe. Allerdings muss gesagt werden, dass das Pendeln doch sehr teuer ist. Pro Monat muss man mit zusätzlichen 100-120€ rechnen.

Die Unterkunft (eine Wohnung mit drei Schlafzimmern) habe ich über www.milanuncios.com gefunden. (Weitere empfehlenswerte Seiten sind www.beroomers.com oder www.idelaista.com.) Die Unterkunft habe ich mir recht kurzfristig zwei Wochen vorher gesucht. (Aufgrund der Krise in Spanien stehen eigentlich recht viele Wohnungen leer, sodass es viele Zimmer gibt. Da ich ja immer nach Gandia musste, habe ich mir etwas in der Nähe der Estación Valencia Norte gesucht, sodass ich morgens keinen langen Weg hatte. Ich hatte einen Mitbewohner (einen Spanier) mit dem ich mich von Anfang an super verstanden habe und der mittlerweile zu meinen sehr engen Freunden gehört. Die Miete war für valencianische Verhältnisse mit 300€ etwas teuer, aber jeden Cent wert, da sie einfach perfekt war.

In Valencia gibt es die Metro, Busse und Trams. Genutzt habe ich eigentlich nur die Busse, die Metro nur um vom/ zum Flughafen zu kommen. Für die Busse kann man sich eine Karte kaufen, die man immer wieder aufladen kann. Dann kostet eine Fahrt 80cent. Über segundamano.com habe ich mir auch ein Fahrrad für 50€ gekauft, das ich immer genutzt habe, um zum Strand zu kommen oder in die Altstadt. Da ich aber im Zentrum gewohnt habe, war das meiste auch gut zu Fuß zu erreichen.

Banken gibt es wie Sand am mehr. Ich habe ein deutsches Konto bei der DKB, mit deren Kreditkarte ich überall kostenlos abheben konnte. Das empfehle ich jedem sehr, da man sonst oft hohe Gebühren bezahlt. Manche machen sich auch ein spanisches Konto, davon rate ich aber eher ab, da ich schon von Fällen gehört habe, die nach ihrem Auslandsaufenthalt Briefe mit Mahnungen wegen nichtgezahlter Gebühren erhalten haben.

Meine Krankenversicherung habe ich beim DAAD abgeschlossen und habe dafür 59€ bezahlt.

Für die Planung der Lebenshaltungskosten sollte man sich überlegen, dass die Supermärkte und die Restaurants hier zwar billiger sind, als in Deutschland (jedenfalls als in Berlin), es jedoch zur spanischen Kultur gehört, oft etwas Essen oder Trinken zu gehen. Ich habe in Ruzafa gewohnt, wo es eine Menge günstiger Bars gibt. Man kann dort bereits eine Caña (ein kleines Bier) und einen Pintxo (ein Stück Brot mit leckerem Belag) für jeweils einen Euro finden. Wieviel Geld ihr letztlich braucht, hängt also davon ab, wie oft ihr Essen geht oder ob ihr jedes Wochenende einen Club aufsucht. Für letztere muss man häufig keinen Eintritt bezahlen, dafür sind dann die Getränke etwas teurer, oder es gibt auch die mit Eintrittspreisen von bis zu zehn Euro. Mehr oder weniger also wie in Deutschland.

Die UPV hat viele tolle Sportangebote (Yogakurse, Fitnesscenter, Tanzkurse, etc.), die man für etwa 60€ für beide Semester (Winter- und Sommer-) nutzen kann. Außerdem sind die Spanier sehr gute Jogger und im Turia-Park (ein stillgelegter Fluss) gibt es einen extra Weg ausschließlich fürs Joggen. Auch ich habe hier Spaß daran gefunden.  

Studium an der Gastuniversität

Da mir für mein Abschluss ja „nur“ noch die Diplomarbeit gefehlt hat, ich also bereits vor meinem Auslandsaufenthalt scheinfrei war, musste ich keine Vorlesungen besuchen und hatte auch keine Examen an der Gasthochschule. Das Learning Agreement hatte ich bereits in Deutschland ausgefüllt. Meine Aufgabe in Valencia war es, Experimente durchzuführen. Dabei hatte ich einen Tutor (einen spanischen Professor), der mir bei Fragen zur Verfügung stand. Er war leider auch sonst viel beschäftigt, da er auch noch Vorlesungen gibt und PhD-Studenten betreut, sodass es manchmal recht schwierig war, ihn für Fragen zu erwischen. Anfangs haben wir uns auf Englisch unterhalten, dann bin ich aber recht schnell zu Spanisch gewechselt. Diesen Tipp kann ich jedem geben, da ihr auch so sehr euer Sprachniveau verbessert. Zur Unterstützung bei meinen Experimenten wurde mir eine deutsche Erasmusstudentin zugeteilt, mit der ich mich sehr gut verstanden hab. Leider blieb sie nur ein Semester. Sie war während meiner ganzen Erasmuszeit eigentlich die einzige Deutsche, mit der ich freundschaftlichen Kontakt hatte. Das war aber genauso, wie ich es mir vorgestellt habe, da ich so viel mehr Kontakt zu spanischsprechenden Leuten hatte.

Die Mehrheit der Spanier würde ich als offen bezeichnen. Da ich mir meinem Arbeitsplatz mit einer Gruppe Spanier und einem Ägypter geteilt habe, habe ich recht schnell mit ihnen Kontakt aufgenommen und durch das tägliche gemeinsame Mittagessen (wozu sie mich von Anfang an miteingeladen haben) wurden wir schnell Freunde. Ich hatte auch das Glück, dass diese Leute auch in Valencia lebten, ein Auto hatten und sie mich in ihre bereits existierende Mitfahrgemeinschaft aufnahmen, sodass ich nicht mehr jeden Tag den doch sehr teuren Zug nehmen musste. So wurde auch das Pendels etwas billiger. Gerade auch diese täglichen gemeinsamen Fahrten, auf denen wir uns ausschließlich auf Spanisch unterhielten, haben beim Spanischlernen sehr geholfen. Am Ende war diese Gruppe und deren Freunde in Valencia zu meinem Freundeskreis geworden.

Zu ausländischen Studenten hatte ich neben der bereits genannten deutschen Erasmusstudenten und dem Ägypter nur zu einer französischen Erasmusstudentin Kontakt. Da sie das Sommersemester auch in meinem Labor arbeitete und wir uns dort täglich den ganzen Tag sahen, wurden wir enge Freundinnen. Was mich auch gefreut hatte, war, dass wir untereinander nur Spanisch sprachen. 

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Bevor ich nach Spanien ging, hatte ich in Deutschland einen A2-Kurs abgeschlossen. An der UPV belegte ich einen B1-Kurs. Durch das tägliche Sprechen (Zuhause mit dem Mitbewohner, auf den Fahrten, im Labor, mit dem Professor) habe ich ein für mich sehr zufriedenstellendes Niveau erreicht. Ich würde behaupten, dass ich so gut wie alles verstehe und mich auch über alles recht flüssig unterhalten kann. Natürlich fehlen ab und an Vokabeln, aber diese kann man ja umschreiben. 


Rückblick

Tipps: Sucht euch auf jedenfall Wohnungen mit Spaniern oder spanischsprechenden Leuten (Latinos, etc.). Denn wenn ihr erstmal in eine Clique kommt, die nur Englisch miteinander reden, was viele ErasmusGruppen untereinander gemacht haben), dann verpasst ihr die Möglichkeit diese schöne Sprache zu lernen :)