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Universidad de Santiago de Compostela 2015/16

Bereits am Anfang meines Studiums war mir klar, dass ich gerne einen Auslandsaufenthalt absolvieren würde. Da ich zwei Sprachen studiere, war mir allerdings noch nicht gleich klar, in welches Land es mich führen würde, da die Universität Potsdam einige verlockende Standorte und Gastuniversitäten anbietet. Aufgrund meines trotz der absolvierten Propädeutika niedrigen Könnens, was gerade das Sprechen von Spanisch angeht, entschied ich mich nach vier Semestern für ein Erasmus in Spanien - Südamerika schien mir anfangs dann doch zu weit und außerdem gefiel mir der andalusische Dialekt, den ich auf früheren Reisen zu hören bekommen hatte.


Studienfach: Spanisch
Aufenthaltsdauer: 09 /2015 – 01 /2016
Gastuniversität: Universidad de Santiago de Compostela
Gastland: Spanien

Spanien sollte es nun also werden und am Liebsten wäre ich auch in eine Stadt direkt am Mittelmeer gegangen, des Dialektes und des Wassers wegen. Es fiel leicht, sich über die Internetseite der Uni Potsdam über die möglichen Standorte zu informieren. Schließlich bewarb ich mich über die angebotenen Links auf ein Erasmus an drei passenden Gastuniversitäten. Was ich nicht wusste ist, dass die Platzvergabe nach dem System „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ verläuft und nach der Anmeldefrist musste ich nun etwas enttäuscht feststellen, dass ich an keinem meiner Wunschorte einen Platz erhalten hatte. Allerdings wurde mir ein Erasmus in Santiago de Compostela angeboten, welches ich annahm, da ich unbedingt zu diesem Zeitpunkt in das Ausland gehen wollte. Die Gastuniversität in Santiago nahm relativ schnell Kontakt per E-Mail mit mir auf, sendete mir die Zugangsdaten zu einem Onlineportal, in dem ich mich registrieren sollte und nannte mir den Namen meiner Koordinatorin an der USC (Universität Santiago de Compostela). Die Anmeldung im Onlineportal funktionierte reibungslos und die dort geforderten Unterlagen, wie das Learning Agreement und die „Transcript of Records“ hatte ich bereits im Vorhinein von der Webseite der Universität Potsdam heruntergeladen (https://www.uni-potsdam.de/studium/de/ausland/studium/individual/unterlagen/). Die USC forderte außerdem einen Nachweis meines Spanischlevels. Das passende Formular fand ich auf der Universitätsseite, die teilweise auch auf Englisch zur Verfügung steht. (http://www.usc.es/export/sites/default/gl/perfis/internacional/descargas/curso1415/erasmus1415/Confirmation_B1_Spanish.pdf)

Außerdem sandte mir das Erasmusbüro einige Informationen über den Campus in Lugo zu, der mehr als 100 Kilometer von Santiago de Compostela entfernt liegt. Das verwirrte mich anfangs sehr, da an diesem Standpunkt hauptsächlich Veterinärmedizin angeboten wird. Auch eine Nachfrage diesbezüglich per Mail bei meiner (übrigens deutschsprechenden) Koordinatorin half mir nicht wirklich weiter, da sie nur glaubte, ich würde am Standort in Santiago studieren. Deshalb schickte ich eine erneute E-Mail an das Erasmusbüro, welches mir daraufhin, nach zwei Wochen unruhiger Wartezeit, eine Antwortmail mit der Bestätigung des Campus in Santiago sandte.

Nachdem das geklärt war, konnte ich beginnen, mich über die Universität zu informieren. Mir wurde unter anderem ein „Welcome-Guide“ per Mail zugeschickt, in dem die Links zu den Internetseiten leider nicht funktionierten, welche ich Dank Google aber trotzdem finden konnte (bis auf das Vorlesungsverzeichnis). So konnte ich mich für ein Buddy-Programm (http://esnsantiago.com/buddy.html) der USC und auch als „WG-suchend“ (http://www.esnsantiago.com/content/flatmate-program-2015-2016) melden. Außerdem informierten mich die Mails über eine Facebookgruppe der Erasmusstudenten (https://www.facebook.com/groups/869594859742623/ ). Gleich nach der Anmeldung in der Gruppe, schrieb mich der Leiter an, ob ich eine WG suchte und wie lange ich bliebe. Dies schien mir allerdings am Anfang etwas suspekt, außerdem wollte ich mich nicht für eine Wohnung entscheiden, die ich nicht vorher in real gesehen hatte.

Da man für das Learning Agreement bereits Kurse angeben musste, die man belegen wollte, begab ich mich also auf die Internetseite der USC. Diese war kurz vorher neu gestaltet worden, weshalb mir auch keiner der Erasmusstudenten, die bereits in Santiago studiert hatten, weiterhelfen konnte. Ich fand nach einigem Hin- und Herklicken eine Liste der Seminare aus dem vorherigen Jahr, allerdings wurde mir nicht klar, in welchem Semester welche Kurse bei wem und zu welcher Uhrzeit angeboten werden. Dies erklärte man mir erst im Erasmusbüro in der Altstadt Santiagos und ich weiß nicht, ob diese Informationen einige Wochen vorher einfach nur noch nicht im Internet verfügbar waren oder ob ich mich einfach nur zu doof angestellt hatte. Ich empfehle deshalb, immer mal wieder einen erneuten Blick auf die Kursseite
(http://www.usc.es/es/centros/filoloxia/titulacions.html?plan=13032&estudio=13033&codEstudio=12496&valor=9 [für spanische Philologie]) zu werfen, damit man sich bereits vor Ankunft einen Stundenplan zusammenstellen kann. Dabei ist es sinnvoller über die jeweilige Fakultät zu gehen und nicht etwa über „Graos“, wie es auf deutschen Uniwebseiten häufig ist. Das frühzeitige Zusammenstellen des Stundenplans ist recht wichtig, damit man zeitig anfangen kann, sich ein Bild über die jeweiligen Dozenten und Kurse zu machen und sie eventuell noch einmal zu wechseln.

Außerdem sollte man unbedingt rechtzeitig einen Termin im Erasmusbüro in der Altstadt machen, da es dort, je näher der Studienbeginn rückt, immer voller wird, wo die übrigens auch Englisch sprechenden Mitarbeiter einem sinnvolle Informationen geben können. So zum Beispiel auch, ob sich die Fakultät, an der man studiert, auf dem Campus Norte, in der Altstadt oder im Campus Sur befindet. Man bekommt einen Link zur Terminseite des Büros zugeschickt.

Vor der Ankunft in Santiago hatte ich eine Airbnb-Unterkunft gebucht, weil die Hostelpreise deutlich höher lagen und alle Couchsurfingoptionen nahe des Zentrums bereits vergeben waren. Da der Eigentümer der Wohnung zu dieser Zeit im Urlaub war, hatte ich die Wohnung für mich, was einerseits gut war, andererseits aber keine Insiderinformationen bot, wie es sonst üblich ist, wenn man bei einem Einheimischen zu Hause übernachtet. Von dieser Wohnung aus begann ich Santiago de Compostela zu erkunden, das vielen nur als Ende des Jakobsweges bekannt ist. Das „Centro historico“ mit seinen Gassen und den vielen alten Gebäuden und natürlich der Kathedrale ist visuell deutlich ansprechender als die „Zona nueva“, die sich neben dem Campus Sur erstreckt. Dennoch wohnen in diesem Teil mehr Studenten, da die Mietpreise dort noch günstiger sind als ohnehin schon in Santiago. Bei Ankunft im Erasmusbüro, wurde mir mitgeteilt, dass gleich darauf eine Gruppe von Studenten mit einem Makler losgehe um Wohnungen zu besichtigen, der ich mich sofort anschloss. Einer der Erasmusverantwortlichen begleitete uns und half bei Verständnisfragen. Aufgrund meiner späten Ankunft in Santiago und dem daraus resultierenden Zeitdruck, entschied ich mich sofort für die beste zwischen meiner Fakultät und der Altstadt gelegenen besichtigten Wohnungen und zog zwei Tage später mit zwei anderen aus der Gruppe zusammen. Die Wohnung war kurz zuvor renoviert worden und dementsprechend waren auch die Betten und das Utensil der Küche neu. Das Beste war allerdings das Vorhandensein einer Heizung, eines Luftentfeuchters und eines Fensters in jedem Raum (was alles nicht typisch für die Wohnungen in Santiago, aber gerade im Winter, in dem es bis zu 5 Grad kalt wird und in dem es durchregnen kann, echt notwendig ist). Wenn man sich übrigens früher bei der Facebookgruppe anmeldet, kann man auch gute Wohnungen im historischen Zentrum ergattern, in denen Spanier leben. Diese können etwas teurer sein als in anderen Gegenden (Preise für ein WG-Zimmer im Zentrum lagen bei um die 240 Euro), aber ich finde, es lohnt sich. Dazu kommen natürlich noch die Kosten für Gas, Wasser und Strom, bzw. Kosten für die Gasflasche, die man in einigen Wohnungen extra kaufen muss. Insgesamt zahlt man dennoch deutlich weniger als in Berlin oder Potsdam. Die Miete konnten meine Mitbewohnerinnen und ich online überweisen, oder auch von der Bank der Vermieter aus in Bar bezahlen. Auch zum Zahlen der „gastos“ geht man zu der jeweiligen Bank. Die Bankmitarbeiter sind sehr freundlich und hilfsbereit und bieten auch die kostenlose Eröffnung eines Bankkontos an, das man aber nicht unbedingt braucht. Das Zahlen von Internetrechnungen geschieht ebenfalls über die vom Unternehmen gewünschte Bank. Das Anschaffen eines Internetzugangs dauert ungefähr zwei bis drei Wochen, aber immerhin werden von fast allen Gesellschaften spezielle Studentenverträge angeboten, die man zu jedem Zeitpunkt kündigen kann. Wichtig ist es nur vorher anzusagen, bis wann man das Internet gerne hätte. Man findet die Filialen der Anbieter in der Zona Nueva und in dem großen Einkaufszentrum „Las Canselas“.

Die Orientierung in Santiago insgesamt fällt nicht wirklich schwer, wenn man den Stadtplan, den man vom Erasmusbüro erhält, anfangs noch mit sich herumträgt. Auch die Orientierung auf dem Campus Norte fiel mir nicht wirklich schwer, da alles gut beschriftet ist und wenn man im Internet herausgefunden hat, in welchen Räumen die gewünschten Seminare stattfinden, gibt es eigentlich kein Problem. Außerdem gibt es eine Information, an der man sich nach dem Büro des jeweiligen Koordinators erkundigen kann, mit dem man allerdings erst einen Termin ausmachen muss. Da viele Koordinatoren erst eine Woche nach Studienbeginn in der Universität erscheinen, hat man meist schon alle Informationen durch andere Quellen, wie andere Erasmusstudenten oder das Erasmusbüro (das einem auch eine Checkliste der zu erledigenden Aufgaben bis zur Immatrikulation gibt) erfahren und der Koordinator unterschreibt häufig nur noch das zweite Learning Agreement. Allerdings kann er auch bei möglichen Problemen mit Dozenten helfen oder beim Wechsel von Kursen.

Gerade am Anfang sind die Bekanntschaften zu anderen Erasmusstudenten hilfreich. Diese werden durch das ausgezeichnete Erasmusprogramm der USC ermöglicht. Häufig gibt es im Vornhinein in der Facebookgruppe angekündigte Picknicks oder Kennlernparties, Ausflüge z.B. nach Vigo oder Finesterre und auch Stadtführungen (die man übrigens unbedingt auf Spanisch mitmachen sollte, da man das Englisch der meisten Guides nicht versteht).

Der Kontakt zu dem mir zugewiesenen Buddy gestaltete sich als etwas schwieriger, da sie ebenfalls erst zwei Wochen nach Unibeginn in Santiago ankam (viele Studenten fahren am Wochenende oder in den Ferien zu den Familien auf die Dörfer) und zudem noch andere zugewiesene Erasmusstudenten hatte, weshalb die Kontaktaufnahme fast ausschließlich von meiner Seite geschah. Aber ich hatte nach den ersten zwei Wochen glücklicherweise die spanischen Mitbewohner anderer Erasmusstudenten kennengelernt, weshalb ich relativ schnell anfangen konnte mein Spanisch zu erproben. Außerdem hatte ich auch das Glück über eine finnische Erasmusstudentin einen einheimischen Studenten kennen zu lernen, der ein Jahr zuvor ein Erasmus in Finnland absolviert hatte und die Studentin daher kannte. Da er ein Auto zu Verfügung hatte, bot er häufig an, uns zu anderen Orten zu fahren und so durfte ich die Schönheit der galicischen Landschaft und Küste sehen, die so ganz anders ist als im Rest Spaniens. Außer den Mitbewohnern anderer Erasmusstudenten ist es nicht so einfach Kommilitonen kennenzulernen, weil diese häufig noch recht jung sind (17-20 Jahre) und kaum auf einen zu kommen, wenn sie nicht selbst schon ein Erasmus gemacht haben. Gerade in den Spanischseminaren, die aus drei Stunden pro Woche bestehen (2 Stunden wie eine Vorlesung und eine Stunde wie ein Seminar mit Beteiligung), gesellt man sich gerne erst einmal lieber zu anderen Erasmusstudenten. Von Freundinnen habe ich erfahren, dass es hier durchaus hilft Englischkurse zu belegen, da die Spanier in diesen offener auf einen zugehen, weil sie hoffen, ein Tandem mit Englisch und Spanisch bilden zu können. (Das Englischniveau ist gerade im Sprachlichen recht niedrig.) Eine andere gute Möglichkeit Studenten kennenzulernen war das wöchentliche Spanisch-Deutsch-Tandemtreffen, das von einigen deutschsprachigen Dozenten organisiert wurde. Man muss sagen, dass wir als Deutsche in Santiago einen ziemlichen Vorteil gegenüber anderen Nationen haben, da viele Einheimische versuchen unsere Sprache zu erlernen.

Im Gegensatz zu den Konversationen mit Spaniern, kann ich von den Seminaren in der Universität nicht gerade behaupten, darin viel von der Sprache gelernt zu haben (außer der Phonetik). Gerade anfangs fiel es mir oft schwer dem Unterrichtsgeschehen vollständig zu folgen, da dort oft Galicisch gesprochen wird (wenn nicht vom Dozenten, dann von den Studenten) und man mehr damit beschäftigt ist überhaupt etwas zu verstehen. Ein weiterer Vorteil der Belegung von Kursen auf Englisch ist außerdem, dass man diese Kurse höchstwahrscheinlich bestehen wird, im Gegensatz zu den Seminaren der spanischen Philologie. Falls man doch Spanischseminare belegen möchte, empfehle ich eher Kurse aus dem ersten „curso“ zu belegen
(http://www.usc.es/gl/centros/filoloxia/titulacions.html?plan=12802&estudio=12803&codEstudio=12425&valor=9) . Dieser entspricht dem ersten Fachsemester an unseren deutschen Universitäten und baut zu gewissen Teilen auf dem Material der sprachwissenschaftlichen Vorlesungen bei uns auf, was das Verständnis erleichtert.

Zur Uni kann man eigentlich von überall aus hinlaufen, da in Santiago eigentlich alles fußläufig ist. Deswegen braucht man die öffentlichen Busse nicht unbedingt zu benutzen. Sie kosten pro Fahrt nur einen Euro (man kann sich aber auch eine Monatskarte besorgen (http://www.tussa.org/web/interior.php?txt=arbore_web12&lg=gal), mit der man noch mal sparen kann, wenn man auf den Bus angewiesen ist) und man braucht mit ihnen ungefähr genau so lange, wie zu Fuß. Aber wenn es mal wieder regnet, kann man schon mal mit fahren. Der Regen ist eh eine Sache, an die man sich in Santiago de Compostela gewöhnen muss. Unbedingt einen kleinen Regenschirm mitnehmen und auch Gummistiefel oder andere wasserfeste Schuhe! Uns wurde prophezeit, dass es ab November durchregnen würde. So war es dann doch nicht ganz, aber es regnet echt viel und teilweise fließen kleine Bäche durch das Altstadtzentrum. Trotzdem lassen die Menschen sich davon in Santiago nicht abhalten und joggen durch die schönen Parks, die in der Stadt liegen. Außerdem kann man viele Straßenfeste, Filmfestivals und die abendlichen „Botellones“ miterleben. Das abendliche Trinken von Alkohol vor den Bars ist eigentlich nicht erlaubt, aber trotzdem sind gerade am Donnerstag und am Samstag die Straßen voll von Menschen unterschiedlichen Alters. Als Bars bzw. Cafes kann ich übrigens das „Flor“, das „Xuntanza“ oder das „Café o Paris“ empfehlen. Es gibt noch viele andere, aber diese drei sind besonders gemütlich und auch eher von Einheimischen besucht. Sie liegen alle drei im historischen Zentrum. Zum Nahrungsmittelkaufen empfehle ich einen Abstecher auf den Wochenmarkt Mercado de Abastos (http://www.mercadodeabastosdesantiago.com) zu machen, der täglich vormittags seine Ständemit regionalen Produkten ausbreitet.

Studienfach: Spanisch
Aufenthaltsdauer: 09 /2015 – 01 /2016
Gastuniversität: Universidad de Santiago de Compostela
Gastland: Spanien


Rückblick

Alles in Allem war mein Erasmus in Santiago de Compostela eine schöne Erfahrung. Ich habe meine Sprachkenntnisse verbessern und eine andere Universität mit anderen Unterrichtskonzepten kennenlernen dürfen. Außerdem haben ich viele verschiedene Menschen aus ganz unterschiedlichen Orten auf der Welt getroffen und Einblicke in andere Denkweisen und Kulturen bekommen. Dies bietet einem immer die Möglichkeit seine Meinung über die eigene Kultur zu reflektieren und natürlich findet man Freunde in anderen Ländern, die man später auch mal besuchen kann.