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Universidad de Santiago de Compostela 2014/15

Ein Auslandssemester bedeutet eine Menge Bürokratie, dessen Mühe und Aufwand sich dennoch ohne Zweifel sehr lohnt. Die Erfahrung, mindestens ein Semester mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen zu werden und an einen Ort zu kommen (dessen Wahl hier nach meiner Empfindung eher eine sekundäre Rolle spielt), an dem man möglicherweise noch nie zuvor gewesen ist, geschweige denn irgendwen dort kennt, ist genau mein zentraler Knackpunkt. Aber das sollte jeder für sich selbst erfahren.


Gastuniversität: Universidad de Santiago de Compostela

Gastland: Spanien

Die Entscheidung für oder gegen ein Auslandssemester ist nun also gefallen, dann heißt es jetzt zu überlegen wohin. Ohne wirklich große Vorahnungen habe ich mich für Santiago de Compostela beworben. Mit rund 96.000 Einwohnern stelle ich es mir als Großstadtkind als eine schöne Abwechslung vor. Wichtiger Aspekt für meine Wahl war außerdem der große Anteil an Studenten (ca. 45.000), ebenfalls Neuland für mich.

Eines Vormittags flatterte dann die entscheidende Nachricht in meinen Posteingang und es stand fest: Das kommende Semester werde ich tatsächlich in Santiago de Compostela studieren. Das meiste, was die Leute mit dieser Stadt assoziieren ist der Jakobsweg. Doch nach einem halben Jahr dort übersieht man die vielen Pilger schon beinahe beim Kreuzen der prächtigen Kathedrale. Die Stadt mit ihrer wundervollen Umgebung hat so viel mehr zu bieten; einen einzigartigen Charme, der sich kaum beschreiben lässt.

Da Galicien nicht unbedingt das geläufigste Reiseziel in Spanien ist, sich viele Hügel und Berge Richtung Himmel reißen und auch die Küste sehr unruhig und schwierig zu erreichen ist, sind folglich auch die Verbindungsmöglichkeiten recht eingeschränkt. Je nachdem aus welcher Ecke Deutschlands man angereist kommen mag gibt es Flugverbindungen, die meistens jedoch keine Direktflüge sind. Die bisher immer noch preisgünstigste Fluggesellschaft ist Ryanair (http://www.ryanair.com), mit dem einzigen Direktflug aus Frankfurt-Hahn. Ein Freund berichtete mir allerdings, dass es mit der spanischen Fluggesellschaft Vueling (http://www.vueling.com/es) in Kürze neue, günstige Verbindungen (auch aus Berlin) geben soll.

Sobald der Flug also gebucht und die Koffer gepackt sind beginnt auch schon das große Abenteuer. Ohne zu wissen in welcher Behausung ich für die nächsten gut 6 Monate unterkommen würde stieg ich in den Flieger, der mich über Barcelona nach Santiago beförderte. Aber so ganz ohne Planung trat ich die große Reise natürlich nicht an. Bereits Wochen, wenn nicht sogar Monate vorher begann ich aufgeregt die Suche nach einer „Couch“ für die ersten paar Tage, um mir von dort aus ein Zimmer für die restliche Zeit zu suchen.
Ich hatte tatsächlich großes Glück mit meinem Fund: ein junger, galicischer Modestudent nahm meine Anfrage bei www.couchsurfing.org mit Freude an. Wir vereinbarten einen Treffpunkt in der Stadt und er half mir mein vieles Gepäck zu seiner Wohnung zu tragen. Eventuell sollte ich kurz schildern, was sich hinter der möglicherweise kurios klingenden Internetplattform „Couchsurfing“ versteckt. Dort bieten viele freundliche und weltoffene Leute einen freien Schlafplatz in ihrem Zuhause an, ganz egal auf welchem Fleck dieser Erde. Gleichermaßen nutzen sie diese Chance auch selber um nicht nur neue Gesichter und Kulturen kennenzulernen, sondern um ebenfalls eines Tages mit wenig Geld die Chance auf einzigartige Reisen zu haben. Auf diese Weise bekommt man die große Möglichkeit eine Stadt in einem ganz anderen Licht zu entdecken. Häufig ist es so, dass einen die Einheimischen unter ihre Fittiche nehmen und einem mit viel Vergnügen die Besonderheiten ihrer Stadt zeigen und man selbst dann beispielsweise im Gegenzug ein traditionelles Essen aus der eigenen Heimat kocht usw. Am besten überzeugst du dich aber selbst mit einem kurzen Blick auf der oben genannten Website.

Mit diesem Host, den ich inzwischen zu einem meiner besten Freunde zählen kann, hatte ich jedenfalls wirklich das große Los gezogen. Er überließ mir für eine ganze Woche seine freie Couch und ich hatte genügend Zeit mich währenddessen in Ruhe nach einer Wohnung umzusehen. Dafür braucht man tatsächlich nicht viel mehr seine Finger zu krümmen als an einem gemütlichen Nachmittag mal durch die verschiedenen Fakultäten der Stadt zu schlendern und sich die ganzen Zettel und Nummern abzufotografieren, die dort zu Beginn eines jeden Semesters zu Hauf fast schon übereinander an den schwarzen Brettern hängen.

Die meisten Studenten suchen sich eine Wohnung in der „Zona Nueva“, die leider nicht mal halb so viel Charme hat, wie die „Zona Vieja“. In der „Zona Vieja“ allerdings eine Wohnung zu finden könnte man fast schon als Privileg bezeichnen. Und da man ja doch ein wenig unter Zeitdruck steht, wenn man ohne Wohnung angereist kommt, schien es mir schier unmöglich. Wer außerdem keine Lust hat für die Wohnungssuche die halbe Stadt abzuklappern kann es sich hinter dem Computer gemütlich machen und von dort aus auf die Suche gehen. Unter dem sogenannten Taboleiro der USC (http://xornal.usc.es/xornal/taboleiro.html) findet man fast stündlich neue Anzeigen für Wohnungen. Und auch unter Facebook finden sich einige Gruppen für die Wohnungssuche in Santiago (https://www.facebook.com/groups/549740945137085/?fref=ts).
Santiago zählt zu den preiswertesten Städten Spaniens und das spiegelt sich auch deutlich in den Mietkosten wieder. Im Schnitt zahlt man für ein WG-Zimmer monatlich nicht mehr als 200€ warm.

Und nicht nur was die Mietpreise betrifft tischt Santiago de Compostela im wahrsten Sinne des Wortes sehr gut auf. Zu jeder Tageszeit und fast ausnahmslos zu jeder flüssigen Bestellung servieren einem die Kellner einen kleinen und manchmal auch recht groß ausfallenden Snack dazu. Bestellt man sich also 2-3 „Estrella de Galicia“ (galicisches Bier), so hat man gleich schon zu Abend gegessen. Als Vegetarier/in wird man durch die servierten Tapas allerdings nicht satt, da sie hauptsächlich aus Fisch und Fleisch bestehen. Überhaupt ist dies in Galicien ein recht heikles Thema. Viele schauen dich mit großen Fragezeichen in den Augen an, sobald du sie nach etwas Vegetarischem fragst. Von „vegan“ braucht man hier schon gar nicht erst anzufangen. Vielen bedarf zunächst eine kurze Erläuterung, was es denn eigentlich genau bedeuten würde, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren.
Ohnehin habe ich mir die Ernährungskette im eigentlich doch so agrarischem Galicien anders vorgestellt. Die Supermärkte boten keinerlei regionale Produkte und auch an Frische mangelte es mir zu sehr. Die einzige Ausweichmöglichkeit bot der Wochenmarkt Mercado de Abastos (http://www.mercadodeabastosdesantiago.com), der täglich vormittags seine Stände ausbreitete. Allerdings fand man selbst dort innerhalb der Markthallen bereits in Tüten eingeschweißte Salate, die bestimmt nicht frisch von den Feldern gesammelt wurden. Mein persönlicher Tipp: Einmal um die Ecke schauen und die kleineren Stände hinter der Markthalle beglücken.

Bezüglich des Unilebens hingegen fühlte ich mich pudelwohl. Sobald man sein Haus verlässt kann man mit ziemlicher Gewissheit voraussagen, dass man mindestens einem bekannten Gesicht in den verträumten Gassen der Altstadt begegnen wird. Durch die Offenheit der Südländer lernt man sehr schnell viele hilfsbereite Leute kennen. Da ich neben einem anderen deutschen Mädchen in zwei Kursen die einzige Erasmusstudentin war, fiel es mir umso leichter den Anschluss zu Einheimischen zu finden. Aber den fand ich nicht nur durch Kurse an der Uni, sondern unter anderem eben auch durch meine Couchsurfing Bekanntschaft, meinen galicischen Mitbewohner und einer Tandem Partnerin. Am Ende schloss sich der Kreis und alle kannten alle, verstanden sich mit allen und ich befand mich als einzige Deutsche mitten in einem großen, aber doch vertrauten Freundeskreis.

Gastuniversität: Universidad de Santiago de Compostela

Gastland: Spanien


Rückblick

Für meinen nächsten Auslandsaufenthalt habe ich mir jedenfalls fest entschlossen vorgenommen ein ganzes Jahr in der Ferne zu bleiben. Denn tatsächlich braucht es seine Zeit anzukommen und wahre, tiefgründige Freundschaften zu schließen.

Für alle, denen die Reise jetzt noch bevorsteht wünsche ich gutes Gelingen in der Planung, eine Prise Mut und ganz viel Frohsinn und Spaß bei den schönen und unvergesslichen Erlebnissen.