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Universidad del País Vasco 2013/14

Als ich mein Bachelorstudium angefangen habe zu studieren, war ein Auslandsaufenthalt nicht geplant. Mein Plan war es so schnell wie möglich zu ende zu studieren und dann zu schauen was das die große weite Welt so zu bieten hat.

Dies änderte sich schlagartig nach Beendigung des zweiten Semesters. Ich hatte eine Freundin, die gerade ihren Auslandsaufenthalt beendet hatte und mir voller Freude und Sehnsucht über ihre Erasmuserfahrung berichtet hat. So kam es, dass ich mich erst einmal auf den Seiten des Akademischen Auslandsamtes der Universität Potsdam schlaugemacht habe welche Bedingungen ich erfüllen muss, um einen Platz zu erhalten und wo ich eigentlich mit meinen Fachdisziplinen hin kann.


Studienfach: Politik und Verwaltung/Philosophie
Aufenthaltsdauer: 08 /2013 – 01 /2014
Gastuniversität: Universidad del País Vasco
Gastland: Spanien

Für mich war relativ schnell klar, dass es mich über die Philosophiefakultät nach San Sebastián (Donostia/Donosti) im Baskenland zieht, ich jedoch nicht genau wusste, ob ich auch über mein Nebenfach ins Ausland gehen kann. Diese Zweifel hat man schnell an der Universität Potsdam aus dem Weg geräumt, ich habe alle relevanten Unterlagen abgegeben (im November 2012) und somit nominierte mich Potsdam für den Platz in San Sebastián.

Dann kam es jedoch zu unvorhergesehenen Komplikationen im April 2013. Als ich immer noch keine Rückmeldung der Universidad del País Vasco (UPV) erhielt, wurde ich unruhig und schrieb dem dortigen Koordinator, wie der aktuelle Stand denn sei. Ich erhielt prompt eine Antwort, dass sich die UPV über meine Bewerbung freuen würde, es jedoch keinen laufenden Vertrag mehr zwischen der Universität Potsdam und der UPV geben würde und meine Bewerbung daher nicht berücksichtigt werden könne. Ich habe mich sofort an das Akademische Auslandsamt gewandt und auch wenn man oft universitäre Bearbeitungszeiten von mehreren Tagen bis Wochen kennt, wurde mein Problem innerhalb von drei Stunden gelöst. Der Vertrag wurde verlängert, die UPV zeigte sich hier sehr kooperativ, ich schickte mein vorzeitiges Learning Agreement zu meinem spanischen Koordinator, die letzten bürokratischen Unterschriften, u.a. auch für das Auslandsbafög wurden eingeholt und somit waren auf organisatorischer Ebene alle eventuellen Probleme aus dem Weg geräumt.

Bezüglich des Auslandsbafögs rate ich jedem (auch wenn noch keine hundertprozentige Antwort der Gastuniversität vorliegt), so früh wie möglich die Unterstützung zu beantragen. Gerade die Bearbeitungszeit in den Sommermonaten für das kommende Wintersemester kann einige Zeit in Anspruch nehmen.

Studienfach: Politik und Verwaltung/Philosophie
Aufenthaltsdauer: 08 /2013 – 01 /2014
Gastuniversität: Universidad del País Vasco
Gastland: Spanien

La llegada en Donosti

Ich bin im August 2013 in San Sebastián angekommen um gleich an dem von der Universidad del País Vasco angebotenen Intensivkurs für Spanisch teilzunehmen, welcher kostenlos ist und einen wirklich gut vorbereitet auf den anschließenden Spanischkurs im Semster. Zudem lernt man sofort viele Leute aus ganz Europa kennen, die mit dir zusammen die Erasmuserfahrung beginnen. Überrascht hat mich die Weitläufigkeit des UPV Campus. Ich hätte mir alles kleiner vorgestellt, da der Campus in San Sebastián eigentlich nur ein Drittel der UPV darstellt. Die anderen Campus befinden sich in Bilbao und Vitoria-Gasteiz. Wirklich nennenswert ist die sehr neue und architektonisch moderne Universitätsbibliothek, die für alle Studenten genug Platz bot zu lernen, aber auch in Gruppen Projekte umzusetzen. Uns wurde gleich am ersten Tag im Helpcentre alles Wichtige mitgeteilt, wir haben einen Termin mit unserem jeweiligen Koordinator bekommen und eine Willkommensmappe. Ich für meinen Teil muss sagen, dass die UPV und mein Koordinator der Philosophiefakultät ausgesprochen nett waren. Gab es ein Problem oder eine Frage, die man per Mail kommuniziert hatte, hat man zum Teil am gleichen Tag, wenn nicht am nächsten Tag eine ausführliche Mail zurückerhalten oder sofort einen Sprechstundentermin bekommen.

Natürlich habe ich mich am Anfang gefragt, ob ich alle Kurse in Spanisch absolvieren wollen würde. Ich habe letztendlich zwei von drei Philosophiekursen auf Spanisch gehabt. Philosophie auf Spanisch zu studieren ist machbar, ich rate aber jedem, der Philosophie auf Spanisch studieren will, bereits im Vorfeld zumindest einen Spanisch Crashkurs zu absolvieren. Ansonsten kann man auch einige Kurse auf Englisch belegen. Ich konnte alle Texte lesen und verstehen, die aktive Partizipation in den Kursen viel mir jedoch am Anfang schwer. Dies lag möglicherweise auch daran, dass ich in einem Kurs das einzige Mädchen war und dazu noch eine Erasmusstudentin aus Deutschland. Der Dozent ermutigte mich jedoch oft, mich zu beteiligen und gerade in Bezug auf die politische Philosophie von Hannah und Arendt und Adorno (die gerade Thema waren) als Deutsche mit meinen Ansichten im Seminar beizutragen. Das nahm mir die Angst mich zu melden und verschaffte meinem sprachlichen aber auch sozialen Niveau in der Uni eine neue Position. Im Allgemeinen kann man sagen, dass das spanische Unisystem sehr viel verschulter ist als das deutsche. Es gibt feste Stundenpläne für die Jahrgänge (ich war in der privilegierten Situation alle Kurse frei wählen zu dürfen). Es herrscht eine viel engere Jahrgangsgemeinschaft als beispielsweise an deutschen Unis. Das Lernniveau in der philosophischen Fakultät ist vergleichbar mit dem der deutschen.

La vida en el País Vasco

Nach einiger Zeit habe ich mich mit baskischen Studentinnen und Studenten angefreundet, die entgegen aller Vorurteile, das Basken sehr verschlossen sind, unglaublich liebenswürdig und hilfsbereit waren und mir am Anfang in Bezug auf die Uni geholfen haben. Durch diesen engen Kontakt schlossen wir schnell Freundschaft. Die Klausurenphase im Januar war für mich als Erasmusstudentin, die mittlerweile passabel Spanisch sprechen konnte, dennoch sehr anstrengend. An der UPV muss man für den Erhalt der ECTS für jeden Philosophiekurs mindestens vier Essays schreiben, eine Hausarbeit auf Spanisch und zudem eine zweistündige Klausur. Das hört sich anfangs sehr viel an (ist es auch), aber für mein persönliches Lern- und Sprachniveau war das eine angemessene Leistungsabforderung.

Wie gerade erwähnt, Kontakt findet man schnell. Ich hatte mich darauf eingestellt möglicherweise die ersten ein, zwei Monate eher als Alleingänger durch die Uni zu streifen. Im Nachhinein gesehen, muss ich darüber mittlerweile schmunzeln. Man findet sehr schnell Anschluss an andere Erasmusstudenten, die letztendlich in derselben Situation sind wie du, sie suchen Anschluss! Des Weiteren habe ich wirklich liebe baskische Freunde gefunden, die mir zu jeder Lebenslage Tipps und Hilfe angeboten haben.

Ich habe bereits im Vorfeld nach einer Wohnung gesucht von Berlin aus, da ich nicht mit meinen Sachen für ein ganzes halbes Jahr erst einmal im Hostel wohnen wollte und möglicherweise keine Unterkunft schnellstmöglich gefunden hätte. Ich bin immer noch froh darüber, es hat sich aber auch herausgestellt, dass trotz Urlaubssaison in San Sebastian viele Zimmer zur Untermiete frei waren. Kostentechnisch ist San Sebastián eine der teuersten Städte Spaniens. Örtlich nah an der französischen Grenze gelegen, zwei Traumbuchten, die einerseits die betuchte spanische Oberschicht anziehen, sowie Surfer aus aller Welt, und eine wunderhübsche Altstadt, all das verbunden mit direktem Anschluss an die Berge, macht San Sebastián als Domizil interessant – und daher auch für spanische Verhältnisse teuer. Ich habe circa 300 Euro für ein kleines möbliertes Zimmer in der zentralen Altstadt gezahlt, damit hatte ich Glück. Sonst sind 350-400 Euro für ein möbliertes Zimmer der Durchschnitt. Man sollte jedoch darauf achten, dass man ein Zimmer mit installierter Heizung mietet. In Spanien sind Elektroheizung gang und gebe, das ist einerseits unter dem umwelttechnischen Aspekt sehr klimaschädlich und wärmt dazu nicht richtig. Nahrungsmittel sind fast identisch mit den deutschen Preisen, lediglich Wein und Bier günstiger.

In San Sebastián kommt man am besten mit dem Fahrrad von A nach B, ein gebrauchtes Fahrrad kostet ab 60 Euro und lässt sich leicht wiederverkaufen. Hier lohnt es sich im Geschäft „Cashconverter“ im Stadtteil Gros umzuschauen. Ansonsten gibt es viele Busse, die regelmäßig bis Mitternacht fahren. Ich würde jedem raten sich eine „Mugi“-Karte zu kaufen, da es nicht wie an der Uni Potsdam ein Semesterticket gibt. Diese kann man mit gewünschter Geldsumme aufladen und eine Fahrt kostet somit nur noch circa 80 Cent. Sonst kostet eine einfache Fahrt 1,60 Euro. Wenn man ins Umland fahren will, bieten sich der Fernbus an (für 10 Euro kommt man auch nach Frankreich), die Eisenbahn und der Euskotren an, die baskische Eisenbahn.

Vor der Abfahrt sollte man auf jeden fall die europäische Krankenversicherung abschließen. Natürlich total unpassend im Erasmussemester, wurde ich in Donosti krank und musste für ein paar Tage in das Krankenhaus. Ich wurde ausgezeichnet versorgt und musste mich um nichts kümmern, auch aufgrund meiner Versicherung. Da ich schon erwähnt habe, dass San Sebastián etwas teurer ist, muss man das ein oder andere Mal an einen Bankautomaten. Ich habe, auch auf Empfehlung anderer Studenten, die bereits Erasmus gemacht haben, mir ein Konto bei der DKB erstellt. Mit der kostenlosen Kreditkarte kann man dann überall ohne Gebühren Geld abholen, absolut empfehlenswert!

In San Sebastián gibt es immer etwas zu tun. Mit seinen drei traumhaften Stränden, den grünen Bergen und vielen Pintxo-Bars (Pintxos sind die baskische Variante der Tapas) und leckerem Wein aus der Navarra für gerade mal einen Euro das Glas kann man sich den Tag gut gestalten. Bis Ende Oktober war das Wetter sommerlich warm und man konnte problemlos schwimmen gehen. Das Surferparadies bietet mit seinen vielen Surfschulen, die günstige Einsteigerkurse anbieten, die perfekte Möglichkeit dem Wassersport näher zu kommen. Aber auch in den „kälteren“ Wintermonaten spielt sich das Leben in San Sebastían draußen ab. Abends geht man in der Altstadt Pintxos essen und kann dann nach einigen Monaten auch den alteingesessenen baskischen Pintxobarbesitzen mit ein paar Brocken Baskisch ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Ausgehen kann man in San Sebastián viel, hier ist für jeden etwas dabei. Bars und Clubs mit Chartmusik und seichtem House (Bataplan, Friends, Ezpala als Bespiele) sowie, auch wenn etwas ausgesuchter, Clubs die mit denen in Berlin vergleichbar sind (Bukowski, Etxekalte, Loretxu). Aufpassen sollte man nachts aber in den kleinen Gassen der Altstadt, ich wurde dort beinahe ausgeraubt, Freunden ist dies passiert, also aufpassen.

Eine der schönsten Erfahrungen waren die unvergleichlichen täglichen Sonnenuntergänge, bei denen man einfach nur den Atem anhalten kann. Zusammenfassend kann ich jedem empfehlen für ein Semester nach San Sebastián zu gehen. Die Stadt macht das Leben einfach und das studieren schön. Eine bessere Kombination aus guter Universität, wunderschöner Stadt und offenen Menschen aus aller Welt kann es für ein Auslandssemester nicht geben. Das meint übrigens auch CNN und listet San Sebastián als fünftschönste Stadt der Welt auf. Bienvenido a Donosti!