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Universidad de Oviedo 2014/15

In diesem Gedicht besingt, der aus Asturien stammende Journalist, Graciano García die erhabene Schönheit, den Freiheitsgeist seiner Heimat. Alles an der nördlichen Region Spaniens ist poetisch, das erkannte schon Jovellanos, Politiker, Schriftsteller und Dichter der Aufklärung. Ein grünes Paradies erschuf die Natur zwischen dem Meer und den Bergen. Der Geist weitet sich an den unendlichen Stränden im Norden, verneigt sich vor den majestätischen Bergen im Süden. Oviedo ist die Hauptstadt der Region Asturien. Als das Auslandsziel feststand, spürte ich die erste unsichtbare Bindung zu der Stadt in der ich mich monatelang aufhalten sollte. Die Laute bildeten einen harmonischen und schönen Klang, der mich einlud. Ich spürte die Macht der Stadt, die in den nächsten Monaten mein Leben bestimmen sollte. Es war eine Stadt ohne Antlitz. Nichteinmal in meinen lebhaftesten Träumen konnte die Fantasie der Realität, die mich erwartete, gerecht werden. Ihre Farbpalette reichte nicht aus um die zahlreichen Begegnungen und überwältigenden Eindrücke auszumalen. Nicht immer zeigt sich das Leben von seiner lachenden Seite und auch mich verschonte es nicht von anfänglichen Schwierigkeiten und am Ende von traurigen Abschiedsszenen von Freunden, die man ins Herz geschlossen hatte.

Mit diesem Bericht möchte ich eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens festhalten. Ein Schriftsteller stellte fest, das die Gedanken eines Menschen viel schöner sind, als die ausformulierten Worte. Ich bin keine Autorin, umso mehr fürchte ich beim Schreiben meine Erfahrung zu verzerren. Viel schlimmer ist es, das ich kein praktisch gesinnter Mensch bin. Das Hauptmotiv dieses Berichtes besteht ja darin zukünftigen Studenten, die in Oviedo einen Erasmus-Aufenthalt planen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Nun fragt man sich warum verfasse ich diesen Bericht? - Vielleicht weil ein Funken Hoffnung besteht, dass man aus meinen Fehlern einen Rat gewinnen kann.


Erasmus-Aufenthalt - Nein, danke!

Studienfach: Master Romanische Philologie)
Gastuniversität: Universität von Oviedo
Gastland: Spanien

Zum Anfang meines Studiums stand für mich fest, ich würde nie ins Ausland zum Studieren gehen. Man sollte niemals „nie“ sagen, dass hat mich das Leben gelehrt. Nun habe ich sage und schreibe drei Auslandsaufenthalte hinter mir - um mehr Abwechslung zu schaffen – an verschiedenen Orten. Ich glaube Erasmus erfreut sich mittlerweile einer so großen Popularität (spätestens ab dem Film L'Auberge espagnole), dass es nicht nötig ist die Vorzüge aufzuzählen. Trotzdem habe ich erlebt, dass viele Studenten unentschlossen sind diese großartige Möglichkeit zu nutzen, da sie befürchten ihr Studium würde durch einen Auslandsaufenthalt in Verzug geraten. Meiner Erfahrung nach, ist es nicht der Fall. Erstens wurden mir ausnahmslos alle Kurse angerechnet, auch wenn sie inhaltliche Differenzen zu
den Kursen an der Uni Potsdam aufwiesen. (Am Besten lasse ich es durch ein Beispiel veranschaulichen: Ein Literaturkurs konnte mir durchaus in den Block der Kulturwissenschaften zugeschrieben werden.) Zweitens konnte ich sogar mehr Leistungspunkte in einem Semester im Ausland sammeln. In Frankreich endete das 2.Semester zum Auftakt des Sommersemesters an der Uni Potsdam. Den Auftakt habe ich verpasst, aber zum ersten Akt war ich denn rechtzeitig da und konnte noch ein weiteres Semester in Potsdam studieren. Und drittens, diejenigen die Bafög erhalten, bekommen die Auslandssemester nicht in zu der Regelstudienzeit angerechnet (auch wenn man Auslandsbafög erhalten hatte), d.h. wenn man zwei Auslandssemester im Bachelor studiert hat, verlängert sich die Förderungsdauer auf 8 Semester.

Studienfach: Master Romanische Philologie)
Gastuniversität: Universität von Oviedo
Gastland: Spanien

Vor dem Aufenthalt

Die Planung eines Erasmus-Aufenthalts beginnt in der Regel ein Jahr vorher mit der Auswahl der Partneruniversität, der Bewerbung an der eigenen Uni. Bei Grünlicht erfolgt die Bewerbung an der Gastuni, zu der eine Application Form und ein Learning Agreement gehören. Der Dschungel der Unterlagen ist nicht so schwer zu überschreiten, wie es zu Anfang scheint. Das Akademische Auslandsamt, Erasmus-Koordinatoren, Infoveranstaltungen, sowie ausführliche Informationen auf der zugehörigen Homepage helfen bei der Organisation. Auch bei guter Führung ist es natürlich unentbehrlich selbst Verantwortung zu übernehmen, dazu gehört die u.a. die Kursauswahl für das Learning Agreement. Ich hatte zunächst einen Schock erlebt, als ich feststellte, dass es an der Universität von Oviedo keinen passenden Masterstudiengang gäbe. Ich studiere Romanische Philologie mit dem Schwerpunkt auf Literatur-und Kulturwissenschaften. Das Angebot der Universität von Oviedo bot im philologischen Institut nur zwei Masterstudiengänge an: Máster Universitario en Español como Lengua Extranjera und ein Master in Linguistik. Für mich mit dem Hauptfach Französisch und Nebenfach Italienisch kam keiner in Frage. Ich hatte mit meiner Koordinatorin abgesprochen, dass ich Kurse aus dem Bachelorstudiengang wählen konnte. Es war in Ordnung, weil der Bachelor in Spanien vier Jahre dauert und als Erasmus-Student kann man sowieso Kurse aus unterschiedlichen Jahrgängen und sogar anderen Studiengängen wählen. Auf diese Weise konnte ich Einblick in die Philosophie und Kunstgeschichte bekommen.

Beim Erstellen des Learning Agreements bin ich in eine Falle getappt. Ich hatte Kurse aus den auslaufenden Studiengängen gewählt und musste das Learning Agreement komplett neu machen. Jetzt ist mir klar was der Unterschied zwischen Licenciatura und Grado ist. Grado ist der Bachelor, der das alte System Licenciatura abgelöst hat. Die Kurse für die philologischen Studiengänge sind unter folgendem Link aufgelistet: https://fyl.uniovi.es/infoacademica/horarios . Dort findet ihr auch an welchen Tagen sie stattfinden. Meistens haben die Kurse eher einen Vorlesungs- als Seminarcharakter. Im sogenannten Guía docente findet ihr nähere Informationen zu den Inhalten: https://fyl.uniovi.es/infoacademica/guias . Ihr könnt die Kurse aus dem Vorjahr wählen, meistens stehen die gleichen Kurse zur Auswahl. Die Koordination ist allerdings äußerst schwierig. Ein Kurs findet 2, 3 oder 4 Mal die Woche statt, da können sich viele Überschneidungen ergeben. Außerdem läuft die Verteilung der Uhrzeiten auch manchmal nach gleichen und ungleichen Wochen. Bei einigen Kursen werden die Studenten in zwei Gruppen aufgeteilt, als Erasmus-Student kann man die Gruppe selber aussuchen. Für einen Kurs gibt es 6 Leistungspunkte.

Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht beim A-Duo Programm mitzumachen, bei dem ein Erasmus-Student einen einheimischen Studenten zugeteilt bekommt, der ihm hilft sich an der Uni, in der Stadt zurecht zu finden. Neben dem Tandem-Programm ist es außerdem eine gute Möglichkeit mit Einheimischen in Kontakt zu treten und seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Aber ich habe gehört, dass die meisten Erasmus-Studenten viel zu spät eine Kontaktperson zugewiesen bekommen haben, als sie schon selber alle Probleme gelöst haben. Das Gleiche empfand ich auch bei der Begrüßungs- und Infoveranstaltung für Erasmus-Ankömmlinge. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt mit den wichtigsten Sachen schon vertraut gemacht. Dieses leichte Defizit gliech die Uni von Oviedo durch eine E-Mail aus, die an Erasmus-Studenten vor ihrer Ankunft versendet wurde, welche ein Infopaket mit allen wichtigen Informationen enthiehlt; von wichtigen Terminen, organisatorischen Fragen bis hin zur Auskünften über Wohnmöglichkeiten für die zukünftigen Erasmus-Studenten.

Die Ankunft

Ca. 20 km von Oviedo gibt es einen Flughafen. Direktflüge nach Deutschland gibt es aber nicht, dann muss man entweder über Madrid oder Mallorca fliegen. Ob es nun meine Annahme war, das die Variante 2x zu fliegen viel teurer wäre (um die 250 Euro), oder die mit dem Fliegen verbundene Angst mich dazu drängte, ich entschied mich für einen Kombi-Plan. Ich bin nach Madrid mit EasyJet von Berlin aus geflogen, weiterhin ging es das erste Mal mit dem Zug, die weiteren Male (als ich über die Weihnachtsferien nach Hause zurückkehrte) habe ich den Bus genommen. Wenn man aber das erste Mal hinfliegt und noch nie in Madrid war, stelle ich es mir sehr stressig vor. Um zur Zugstation zu gelangen muss man erst einmal die U-Bahn nehmen und man reist ja nicht gerade mit einem Minikoffer. Unbedingt sollte man sich vorher übe die Abfahrtszeiten erkundigen, die Züge fahren nicht so spät ab. Ich hatte den Zug genommen, da ich schon das U-Bahnnetz von Madrid kannte, erreichte ich es ohne Schwierigkeiten. Ich habe es nicht bereut, weil die Aussicht aus dem Zug phänomenal war, besonders als man durch Asturien fuhr. Nachdem sich von mir ein deutsches Touristenpaar verabschiedet hatte, die Eheleute waren nach Spanien gereist um den berüchtigten Jakobsweg einmal mitzumachen, hatte sich kurz vor Oviedo eine blonde, sehr gesprächige Frau zu mir gesetzt. Was für ein Glück das sie aus Oviedo war! Beim Aussteigen aus dem Zug hatte sie mir erklärt, wie ich zum Studentenwohnheim am Besten gelange. Wir bleiben noch heute in Kontakt mit ihr.

Ich verlasse mich bei meinen Auslandsauswanderungen manchmal zu sehr auf das Schicksal, oder wenn ihr wollt, auf den Zufall, aber bisher hat es mich immer in die richtigen Hände gewiesen. In Frankreich da bin ich wirklich zwei Engeln begegnet...oh das ist ja schon ein anderes Kapitel.

Von Madrid fährt auch ein Bus nach Oviedo, ich weiß allerdings nicht, ob man am Flughafen
das Ticket kaufen kann. Die Busse des Unternehmens ALSA fahren entweder direkt vom
Flughafen (Terminal 4) oder von Madrid Estación Sur. Direkt am Flughafen könnt ihr über
renfe (vergleichbar mit der S-Bahn) zu dieser Station problemlos in ungefähr 20 min
gelangen. Die Fahrt von Madrid mit dem Bus dauert 6 Stunden und kostet von 32-58 Euro.

Die Universität – Eine Herausforderung

Wie bei uns in Potsdam ist die Universität von Oviedo an mehreren Standorten in Oviedo und außerhalb (in Gijón, Mieres) vertreten. In Oviedo befindet sich u.a. der Campus El Cristo, an dem zukünftige Juristen und Wirtschaftler ausgebildet werden. Ich habe am Campus de Humanidades (El Milán) studiert, wo die philologische Fakultät untergebracht ist. Warum man entschieden hatte die Philologen in eine frühere Kaserne unterzubringen ist mir ein Rätsel. An den Wänden hallt nicht mehr der militärische Drill ab. Sie sind durchlässig geworden und lassen den Geist des Philosophen ins antike Griechenland passieren. Die Gelb- und Orangetöne der Fassade überstrahlen den Militärcharakter der Gebäude. Die Universität ist auf Auslandsstudenten gut ausgerichtet. Es kommen auch verhältnismäßig viele nach Oviedo. Bei jedem Kurs begegnet man wenigstens einem suchenden Augenpaar, das nach seinen Landsleuten Ausschau hält. Ich hatte das Gefühl, dass es unter den Erasmus viele Deutsche und Italiener gab. So höher einem vor Freude auch das Herz schlägt, man sollte nicht zu sehr an seinen Landsleuten hängen. Ruhig mal sich trauen bei Problemen die Spanier anzusprechen, sicherlich finden sich unter ihnen sehr hilfsbereite Kommilitonen. Und schwups di wups findet man sich in einem Gespräch mit einem Spanier ein, der deine Situation gut verstehen kann, weil er oder sie schon einen Erasmus-Aufenthalt hinter sich hat oder plant in dein Herkunftsland zu fahren. Sonst könnte man ja auch nach Mallorca fliegen, um dort Spanisch zu lernen. Die Professoren dagegen haben meistens keinen Erasmus-Bonus anzubieten (aber nicht alle!!!). Im Gegensatz zu meiner Erfahrung an der Universität in Italien und Frankreich erwartet man hier, dass die Erasmus-Studenten das gleiche Arbeitspensum bewältigen. Natürlich gibt es keine Abzüge bei Rechtschreibfehlern, falschen Formulierungen oder sonstigen sich einschleichenden Fehlern eines Nichtmuttersprachlers, aber wenn es für den Kurs erforderlich ist eine Hausarbeit zu schreiben und/oder ein Referat zu halten und am
Ende eine schriftliche Prüfung abzulegen, dann geschieht es ohne wenn und aber. Keine Sorge, es ist zu schaffen. Was ist schon dabei, wenn man einmal zur Nachprüfung muss oder wenn die Noten nur befriedigend ausfallen. Ich glaube für einen Erasmus-Studenten ist es schon eine große Leistung.

Ich hatte mich mit vielen Professoren angefreundet. Sie sind meistens sehr locker drauf, laden dich auf ein Café ein, um näher über dein Land, deine Auslandserfahrung zu erfahren. Besonders mein Erasmus-Koordinator, der auch noch in der Nähe wohnte, behandelte mich sehr zuvorkommend. Mit meiner Französisch Professorin war ich einmal zu einem Chanson-Abend gegangen.

Die meisten Kurse sind als Vorlesungen konzipiert, aber die Professoren versuchen die Studenten einzubeziehen und verteilen auch gerne Referatsthemen. An der Universität in Oviedo versucht man immer einen Überblick über eine Epoche, eine Literaturströmung zu geben. An der Uni Potsdam hingegen bekommt man einen Überblick in den ersten beiden Semestern, dann arbeitet man in den Seminaren viel spezifischer. In Oviedo hatte ich einen Kurs zur zeitgenössischen Lateinamerikanischen Literatur belegt, neben anderen Themen hatten wir uns von der renovación de la narrativa hispanoamericana (Jorge Luis Borges, Juan Rulfo, Alejo Carpentier...) zum literarischen Boom in den 60ern vorgearbeitet. In Potsdam würde man eher dazu tendieren zu einem der Autoren ein Seminar anzubieten. Wie ich finde, beide Vorgehensweisen haben ihre Schwächen und Stärken. An der Uni von Oviedo hat sich diese Form bewehrt, weil die Kurse dafür Freiraum bieten. So findet ein Kurs bis zu viermal Mal in der Woche statt. Zum Ende des Semester kann man da schon mal aus der Puste kommen. Meine Gehirnzellen haben ganz schön geschwitzt bei dem Auswendig-Lernen-Marathon (man legt viel mehr Wert aufs Auswendiglernen!). Die Philosophie des Lebens,
dass der Weg und nicht das Ziel zu Erkenntnis führen, mag hier zu treffen.

Zum Anfang des Semesters hat man mehrere Wochen Zeit eine endgültige Auswahl der Kurse zu treffen. Deshalb würde ich es raten bei mehreren Kursen hineinzuschnuppern und sich dann für die Kurse zu entscheiden, die einem am nützlichsten, interessantesten, einfachsten oder nach welchen Kriterien ihr auch sonst bewerten mögt, erscheinen. Die Universität bietet auch viele Extra-Veranstaltungen an, die zur Vermittlung des Wissens mit einem hohen Spaßfaktor gedacht sind. Dabei kann man spanischen Studenten näher kommen, da Veranstaltungen auf freiwilliger Basis meist einen kleinen Radius erfassen und die Enge das Näherkommen erleichtert, teilweise gibt es auch einen kleinen Ansporn von etwa 1 LP. Die Natur der Extra-Veranstaltungen ist vielseitig: philosophische Diskussionsrunden über die Ästhetik in der Politik, surrealistische Kinoabende, Gründerväter der spanischen Aufklärung...

„Holt mich hier raus!“ - Wohnungssuche

Das dachte ich, als ich mir ein Paar WG's in Oviedo angeschaut habe. Mitten in der Renovierung befindliche Baracken, ohne Elektrizität, ohne Herd, ohne Türen, und der Vermieter verspricht, dass bis zu deinem Einzug in einer Woche alles Tip-Top sein wird. Am liebsten wäre ich blindlinks aus Wohnungen raus gelaufen, die vor einem lang ansetzenden Prozess vor sich hinfaulten, weil niemand der Feuchtigkeit, dem Schmutz den Kampf ansagte. Ich würde mich mit alten, durch ihre Schwere erdrückend wirkenden Möbeln, mit Hirschgeweihen an den Wänden, mit hängenden Tapetenfetzen abfinden, wenn die Räume das Tageslicht gelegentlich durchläsen, wenn sie Behaglichkeit und Komfort wenigstens vortäuschten. Lasst euch nicht davor abschrecken, es war meine Erfahrung. Andere Erasmus-Studenten, denen ich begegnet bin, waren zufrieden mit ihrer Wohnung. Vielleicht waren sie einfach weniger anspruchsvoll, übersahen die fehlenden Heizanlagen, öffneten niemals die Küchenfenster um nicht die verpestete Luft der Autoabgase einzuatmen, benötigten nie einen Schreibtisch zum Lernen. Vielleicht hatten sie Wärme und Behaglichkeit durch ihre Mitbewohner empfangen. Bei so viel Pech und Anspruch, mögt ihr euch schon fragen, wo ich letztendlich landete. Für den Preis den ich bezahlt habe, könnte man vermuten, es wäre ein Luxusappartement, aber es war nur eine kleine Studentennische mit einem eigenen Badezimmer in einem Studentenwohnheim.

Colegio Mayor San Gregorio

Klingt streng, wie eine institutionelle Einrichtung. In der Tat war das Leben im Studentenwohnheim einigen Regeln und Verpflichtungen unterworfen. Ich hatte mich meistens aus dieser Lageratmosphäre entzogen, zum Teil weil ich mich für einige Riten und Späße zu alt fühlte, zum Teil durch meine Mentalität. Es ging schon gleich in der ersten Woche los. Die Neuankömmlinge sollten eingeweiht werden, dazu mussten sie einige Mutproben begehen, bei denen sie vielmehr ihr Peinlichkeitsgefühl als ihr Angstgefühl unterdrücken sollten. Einen Monat lang hat man sich nachts zum Trinken verpflichtet. Sonson, einer der „Ältesten“, keine Ahnung wie sein richtiger Name ist, hatte mich gefragt, ob ich mitmache. Er würde es aber völlig verstehen, wenn ich absage, denn als Erasmus hat man ja gewisse Verpflichtungen und wenn man einen Monat nachts unterwegs ist, kommt man vielleicht mit den Kursen nicht hinterher. Ich hatte natürlich nicht einmal eine Sekunde lang überlegt da mitzumachen.

In der ersten Zeit hatte ich mich schon einsam und ausgeschlossen gefühlt, auch wenn ich mich freiwillig ausgeschlossen habe. Meine vielversprechenden Erwartungen an das Leben im Studentenwohnheim waren zu enttäuschender Realität geworden. Fast alle Studenten waren Spanier, was eigentlich gut ist, da ich dadurch mein Spanisch verbessern konnte, aber sie waren viel zu jung. Zwischen 18 und 25 klaffen Jahrhunderte. Die etwas älteren waren Medizinstudenten und ständig am Pauken. Zum Glück gab es noch diese aufgeschlossene, feierlustige Chica aus Mexiko. Mit ihr verband mich sofort eine tiefe Freundschaft, über sie bin ich auch mehr in Kontakt mit anderen Erasmus-Studenten außerhalb getreten. Nach und nach taute meine Starre auch gegenüber anderen Studentenmitbewohnern auf und ich fand interessante, lustige Gesprächspartner in ihnen. Die Leitung des Studentenwohnheims organisierte auch einige Fahrten, um Asturien kennenzulernen, bei denen ich teilnahm, z.B. nach Covadonga (ein sehenswerter und historisch bedeutender Ort) oder zu der beeindruckenden Bergkette Picos de Europa. Des Weiteren wurden Konzertabende, Kinoabende organisiert und man hatte immer die Möglichkeit eine Mannschaftssportart zu praktizieren. Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wenn ich hier alle Veranstaltungen einzeln aufzähle.

Zum Anfang des zweiten Semesters fasste ich dennoch den Entschluss auszuziehen. Dereinzige Grund war finanzieller Natur. 400 Euro war eine astronomische Zahl. Dieser Preis beinhaltete zwar alle Nebenkosten, Internet und das tägliche Aufräumen des Zimmers (außer an Sonntagen), Wäsche- und Handtuchwechsel einmal in der Woche, 24-Stunden Rezeptionsdienst, einen Wachposten, der das Gelände überwachte. Mögen dies Maßnahmen sein um den Leuten dort Arbeit zu verschaffen, nur aus diese Perspektive war es für mich verständlich. Wer hätte schon die Idee gehabt in ein Studentenwohnheim einzubrechen? Abgesehen von dem finanziellen Schmerzpunkt gab es noch einige andere Stellen an denen es weh tun könnte. Es fehlte eine Küche. Ich koche nie, daher war dieser Verlust für mich entbehrlich, aber wenigstens einen Kühlschrank hätte man zur Verfügung stellen können, für die Milch und Joghurtlagerung. Es gab aber Mikrowellen und viele hatten sich Kühlschränke für 30-60 Euro von ausziehenden Studenten gekauft. Man hatte zwar die Möglichkeit jeden Tag, inbegriffen Wochenenden, Feiertage in der im ersten Geschoss untergebrachten Mensa(-Cafeteria-Restaurant-Bar) zu einem angemessenen Preis zu speisen, aber nicht immer entsprach das Essen meinen Vorstellungen. Gut fand ich es, dass man zwischen mehreren Gerichten wählen konnte. Leider viel zu spät entdeckte ich, dass das Essen in Colegio Mayor América, einem zweiten in der engen Nachbarschaft befindlichem Studentenwohnheim, viel leckerer zubereitet wurde. Dieses Wohnheim entstand erst vor Kurzem, die Einrichtung dort ist viel moderner und viele Zimmer verfügen über eine eigene Terrasse. Beide Studentenwohnheime verfügen über diverse Räumlichkeiten, die der Freizeitgestaltung dienen, wie Gemeinschaftsräumen mit Computerspielen, sowie Bibliotheken, in denen man hervorragende Bedingungen zum Studieren vorfindet, man muss nur die Lust und den Spaßfaktor mitbringen. Die Lage des Wohnheimes hat mir ausgesprochen gut gefallen. Auch wenn es 25-30 min Fußmarsch von meinem Campus entfernt lag. Ein Katzensprung für einen Großstadt gewohnten Menschen! Ganz in der Nähe des Parks Parque de Invierno gelegen. Die Wohnlage ist ein Paradies für Sportbegeisterte, in unmittelbarer Reichweite befinden sich eine Schwimmhalle, ein Stadion und ein Fitnessraum. Die Bewohner der Wohnheime können die universitären Sportanlagen, die Schwimmhalle, den Fitnessraum umsonst nutzen, dazu musste man sich nur eine Karte anfertigen lassen. Nur die Kurse waren gebührenpflichtig. Den Preis fand ich sehr angemessen. Ich hatte dort die Möglichkeit genutzt meine Schwimmtechnik zu verbessern. Unter Einleitung eines Trainers hatten wir 3-Mal die Woche Schwimmunterricht, für eine Monatsgebühr von 18 Euro.

Wohnheim, nimm mich wieder auf!

Zum 2.Semester sah ich mich genötigt aus dem Wohnheim auszuziehen, den Grund habe ich schon mitgeteilt. Ich habe mich nach freien Zimmern sowohl über Internetseiten, wie easypiso, über das schwarze Brett an der Uni, aber vor allem durch Bekannte erkundigt, vieleposteten auf Facebook, dass sie ausziehen und ihr Zimmer frei werde. Ansonsten findet man auch eine Liste mit Wohnangeboten im Büro für internationale Studenten, der ersten Laufstelle in der Calle Principado, wo man sich bei seiner Ankunft präsentieren sollte. Nun kamen die Wohnungsbesichtigungen, bei denen mir der kalte Schauer über den Rücken lief. Dunkle Gänge, aus den Angeln hängende Türen, knarrende Dielen – als Set für ein Horrorfilm geeignet.

Schließlich erfuhr ich von einer Kommilitonin, dass sie Mitbewohnerinnen sucht. Als ich die Wohnung besichtigt habe, wusste ich, dass es meine letzte Chance wäre. Ich hatte das Gefühl, dass all die guten Wohnungen schon vergriffen wären. Der Billigpreis des Zimmers (160 Euro + jeden 2.Monat Nebenkosten, ca. 40-60 Euro) versöhnte mich mit den „Makeln“. An einem verregneten Sonntag zog ich aus. Es war ein verrückter Tag. Umziehen ist schweißtreibend, packen, nochmal packen, Koffer schleppen. Mir kam mein Zimmer immer leer vor, bis zu meinem Umzug. Wo hatte sich der ganze Kram bloß versteckt? Am Schwierigsten fiel es mir Abschied von meinen Freunden zu nehmen. Mittlerweile ist ins Nebenzimmer ein deutscher Doktorand eingezogen, den ich durch seinen Humor und seine bayerische Offenherzigkeit sofort lieb gewann. Lucia, Blanca, Natalia waren zu meinen Seelenfreundinnen geworden. Tibii war zu dem Zeitpunkt leider schon in ihre Heimat zurückgekehrt.

Die Bekannte bei der ich einzog, war freundlich aber sehr wortkarg, noch mehr als ich. Als alle meine Sachen in die „neue“ Wohnung verfrachtet waren, schlüpfte ich ins Bett. Ich war durchnässt bis an die Knochen. Den ganzen Tag hatte es in Strömen geregnet. Wie passte doch das Wetter zu meiner miserablen Stimmung! Ich fühlte mich traurig und einsam. Ich dachte an die lustigen Tage im Wohnheim, an die abendlichen Besuche meiner Freundinnen, die sich nach mir erkundigten. Die äußerlichen Umstände machten meine Schwermut noch unerträglicher. Das Zimmer war winzig, mit einem kleinen Fenster zum Innenhof. Durch die niedrige Lage des Fensters war der Aufprall der Regentropfen auf dem Boden zu hören. Sie hämmerten auch gegen die Fensterscheiben. Ich hatte mich unter die Decke verkrochen, aber das Bett war eisig kalt. Es war Januar und meine Bekannte hatte noch nie die Heizung angemacht. Ich hatte sie gebeten es zu tun. Sie hatte eingewilligt, für eine halbe Stunde. Glaubt mir auch in Spanien kann es kalt sein. Besonders nachts fallen die Temperaturen sehr tief und der Winter kann noch bis Ende März trotzen. Nach einer halben Stunde war die Wohnung noch nicht aufgeheizt. Ich wollte nichts weiter sagen, ich hatte so und so beschlossen rauszugehen. Ich ging in eine Bar, wo ich das Internet nutzen konnte, um zu Skypen. In der Wohnung war es nur im Wohnzimmer möglich, wo meine Bekannte gerade lernte.

Wenn es einem schlecht geht, wen ruft man da an? Meine Vertrauensperson war immer meine Mama. Ich schüttelte ihr mein Herz aus und ließ ein Paar Tränen vergießen. Natürlich musste ich mir anhören: „Ich hatte dir von vorne herein gesagt, es wäre besser im Wohnheim zu bleiben. Ruf im Wohnheim wieder an und frage, ob du zurück in dein Zimmer gehen kannst. Ich hatte dir gesagt, dass ich dir helfen würde. “ -“Mama, aber ich wollte doch nicht von dir Geld annehmen. Ich weiß wie hart du dafür arbeitest.“ Mein Erasmus-Stipendium war aufgebraucht und das Auslands-Bafög würde mir nicht reichen, wenn ich weiterhin 400 Euro Miete zahlen würde.

Nicht einmal einen Tag konnte ich es in der neuen Wohnung aushalten. Nachdem Gespräch mit meiner Mama rief ich im Wohnheim an, mein Zimmer war noch nicht vermietet und ich konnte wieder zurück. Meine Freundinnen kamen mich abholen und wir fuhren zurück im Taxi mit den vielen Tüten, Taschen und Koffern. Als ich in meinem Zimmer war, kam mein Gemüt wieder zur Ruh. Am nächsten Tag sprach ich mit der Direktorin des Wohnheimes. Eine sehr freundliche Person. Sie hatte mich angehört und gesagt, ich könnte weiterhin im Wohnheim bleiben. Ihr Entgegenkommen äußerte sich auch in einem Nachlass der Miete auf 311 Euro. Ich freute mich auch darüber. Jetzt ist es unmöglich die letzten im Wohnheim verbrachten Monate aus meiner Erinnerung zu streichen. Denn sie waren die Schönsten! Manchmal denke ich mit Furcht daran, wie es wohl wäre, wenn ich in dem Zimmer geblieben wäre...besser man lässt das Gedanken-Spiel „Was wäre wenn“ ruhen.

„Ich glaube ich träume, aber ich schlafe nicht“

Niemals im Leben könnte ich mir vorstellen, ich würde eines Tages mich auf den Skiehen stellen und schon gar nicht in Spanien! Ein kurzes Vorwort, wie es dazu kam...Im April schloss unser Studentenwohnheim über die Osterferien. In den Weihnachtsferien bin ich damals nach Deutschland geflogen. Über Ostern wäre es nur für eine Woche zu teuer gewesen. Ich sprach mit der Direktorin. Sie versprach mich und ein Paar andere Studenten (die weder auf Reisen gehen, noch in ihre Heimat zurückkehren konnten) in eine naheliegende Residenz für Nonnen unterzubringen. Wir waren alle darauf eingestellt, auch wenn wir uns nicht großartig darüber freuten. Die Nonnen-Residenz schloss um 23:00 Uhr. Wer bis dahin nicht zu Hause war, hatte Pech gehabt. Also wenn man ausgehen würde, müsste man entweder vor 23:00 Uhr zurückkehren (unmöglich, wenn in Spanien alle erst nach 2:00 Uhr in die Disko eintrödeln) oder nach 6:00 Uhr zurückkommen.

Nun kam der Umzugstag, schon wieder ein Sonntag. Diesmal jedoch war es ein sonniger Tag, ein richtiger Sonntag, an dem die Sonne dein Pech belächelt. Nun zunächst schien es Pech zu sein. Morgens hatte man uns Heimatlose versammelt, um uns mitzuteilen, dass wir nicht in die Nonnen-Residenz einziehen können. Ich war verärgert, wie immer kriegen die Spanier nichts auf die Reihe, dachte ich. Bei mir blieb noch immer in Erinnerung das Chaos der Immatrikulation. Die Mitarbeiterin, die für das Einschreiben der Erasmus-Studenten zuständig war, erkrankte und alle anderen wussten nicht wie es funktionierte. Wie sollte es möglich sein, ich hatte es mit der Direktorin abgesprochen und nun hieß es, es bleiben keine freien Plätze mehr! Panik...wohin? Bloß nicht die Nerven verlieren, es gab Bekannte, bei denen ich einziehen könnte, oder ich könnte ein Hostel aufsuchen. Endlich wurden wir aufgeklärt warum wir nicht in die Nonnen-Residenz gehen konnten. Es gab Plätze. Der Grund war ein Strom-und Wasserausfall, der nicht repariert werden konnte. Nun schämte ich mich, die Schuld im spanischen Organisationstalent zu suchen.

Was nun kam war wie einen Sechser im Lotto ziehen. Der Inhaber des Studentenwohnheimes ist außerdem Besitzer eines Hotels in der Ski-Station von Pajares. Er hatte uns angeboten diese Woche dort zu verbringen. Wir würden nach Pajares gehen! Sofort begann ich mir Bilder auszumalen, von den Bergen, vom Hotel, wo wir wohnen sollten. In ein Paar Minuten wurde ich von der Straße, in der ich mich mit meinem Koffer ausgesetzt sah, in eine romantische, von Stille und Schnee umwehte Vorstellung gebracht.

Ein Malaysier, ein türkisches Paar, ein Peruaner, ein Andalusier, eine Brasilianerin und eine Deutsche waren die niños eligidos, wie Fernando, der Andalusier uns später bezeichnete. Der Inhaber und ein anderer Miterbeiter brachten uns in Autos in die Berge. Der Spaß hat nichts gekostet, wir konnten im Hotel umsonst wohnen, jeder von uns bekam sogar ein eigenes Zimmer. Das Frühstück war auch gratis. Für das Mittagessen und das Abendessen hat man uns einen Studententarif gemacht, 6 Euro für den 1. und 2.Gang + Dessert. Die Sache hatte nur einen Hacken...in den Bergen gab es kein Internet. Wir hatten mehrmals nachgefragt. Keiner konnte es glauben. Es hieß, nein es gibt kein Internet. Die Leute kommen in die Berge um zu Schien, um sich zu erholen. Alle von uns hatten sich vorgenommen in den Osterferien intensiv für die Uni zu lernen. Was werden wir nun ohne Internet machen? Eine ganze Woche lang! Wir stellten uns auf langweilige, ewig dauernde Abende ein. Tage, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen werden.

Was geschah nun? Da der Zugang zu der virtuellen Welt fehlte, erlebten wir viel intensiver die Wirklichkeit. Keiner von uns konnte Skifahren und wir beschlossen die Zeit zu nutzen, um es dort zu lernen. Es war die letzte Woche vor der Saisonschließung. Zu einem fairen Preis wurde uns die komplette Ausrüstung geliehen und ein lustiger, braungebrannter Skilehrer hat uns für einige Stunden unter seine Fittiche genommen. Oh wie froh müsste er gewesen sein, als er uns loswurde und sich seinem anderen Kurs widmete. Die Kleinkinder folgten im brav, ohne Angst und Schwierigkeiten. Wir waren wahrscheinlich der schlimmste Kurs, den er je unterrichtet hatte. Für den Malaysier, der vorher niemals Schnee gesehen hatte, war es schon nach der ersten Stunde zu viel, der Andalusier folgte. Und als wir am letzten Tag auf die Spitze stiegen, blieben nur noch der Peruaner, die Brasilianerin und ich. Noch immer kann ich es mir nicht erklären warum ich da noch dabei war. Ich starb vor Angst. Die verflixte cuña ! Bis ich endlich gelernt habe wie weit man die Beine zu einer Schere schließen muss um zu bremsen, war ich nahe dran mir alle Knochen zu brechen. Ich hielt mich allerdings nur im grünen Bereich der Anfänger auf. Als Einziger von uns hatte sich der Peruaner getraut den Berg in den Schien hinabzusteigen. Nur mit der Technik der cuña, die ich immer noch nicht beherrschte, schien es mir zu riskant.

Als die Ski-Station gegen 17:00 Uhr schloss wurde es sehr still. Der Parkplatz stand leer. Eine undurchdringliche Stille verschlang jedes Geräusch, der noch von dem Menschentumult in den Bergen verhallte. Wir waren die einzigen Gäste im Hotel. Zum Abendessen gingen wir in ein Restaurant, das ein Paar Meter entfernt lag. Am Himmel breitete sich ein Sternenteppich aus, als wir in der Nacht zum Hotel zurück schritten. In diesen wenigen Minuten fühlte ich mich versöhnt mit der ganzen Welt und war wunschlos glücklich. Im Hotel versammelten wir uns in einem Gemeinschaftsraum um zusammen zu diskutieren, zu spielen. Wie Teenager entdeckten wir wieder das Flaschendrehen-Spiel. Der Malaysier brachte uns ein amüsantes Spiel bei. „The Killer“, wobei man mehrmals getötet, auferstehen, unschuldig ins Gefängnis wandern kann und bei welchem jeder der Killer sein könnte. Wir sind zum Glück alle heil zurückgekehrt. Ich hatte es auch noch tatsächlich geschafft in dieser Zeit mit meiner Hausarbeit zur italienischen Jugendsprache voranzukommen. Es war ein Traum, nur habe ich nicht geträumt.

Oviedo – eine Stadt zum Verlieben

Oviedo zu einen der saubersten und sichersten Städten Europas. Die Stadt verführt jeden mit ihrem unausstehlichem Charme. Sie kleidet sich gerne festlich an, um bei Karnevalstagen sich von Ihrer schönsten Seite zu zeigen. Sie liebt die Musik, das Feiern, deshalb zieht sie viele Musiker an. Jeder Monat bietet mindestens ein Highlight an. Im September werden zu den San Mateo Festtagen unzählige Konzerte, Theatervorstellungen dargeboten. An den zahlreichen aufgestellten Ständen herrscht eine lockere und freudige Stimmung, angeheizt durch die Getränke, die Musik. Fast jeden Monat füllen Zirkus-, Opernvorstellungen, kurz Aufführungen jeder Art den Platz vor der Kathedrale mit einem lautem Applaus.

Was Oviedo interessant macht, sind die vielen Statuen. Man begegnet ihnen unerwartet und fast an jeder Ecke. Jede von Ihnen erzählt eine Geschichte. Nach und nach wird sie einem von der Stadt erzählt und man wird eingeweiht in das Geheimnis der Regenta, des Viajeros usw. Besonders amüsant ist es, wie die Statuen im Volksmund genannt werden.

Der Parque San Francisco ist eine idyllisches Örtchen zum Erholen, gleichzeitig ist es neben der Kathedrale auch ein Orientierungspunkt für Neuankömmlinge. In der Calle Mon befinden sich zahlreiche Bars und Diskotheken, wem das Nachtleben eher zusagt. Natürlich sollte man nicht mit leerem Magen feiern gehen. Schaut mal zuvor in Tierra Astur vorbei, wo ihr typische asturische Gerichte kosten könnt, u.a. den deftigen Bohneneintopf mit Blut-und Paprikawurst La Fabada (klingt gar nicht appetitlich, probieren geht aber über studieren). Das Restaurant befindet sich auf dem Boulevard der Sidra, einem typischen asturischen Apfelwein, den muss man einfach probiert haben. Entweder gefällt er einem oder nicht.

Von Oviedo ist es nur ein Katzensprung entfernt bis zum Meer. In einer halben Stunde Busfahrt kommt man an den Strand von Gijón, zum Baden ist das Wasser allerdings zu kalt.

Andere sehenswerte Küstenorte sind: das friedliche Fischerdörfchen Lluanco, die Industriestadt Avilés, in Salinas finden Surferfreunde ideale Wellen, fantastische Aussichten bieten Ribadesella, Llanes, Cudillero an. Wenn man außerhalb von Asturien fährt, kann man es entweder auf eigene Faust tun oder man schließt sich ESN an, die für Erasmus-Studenten jedes Wochenende Fahrten organisiert, nach Galizien, ins Baskenland... sogar an weiter entfernte Destinationen, Portugal, Andalusien etc. (und natürlich auch in Asturien!). Was ESN angeht, da scheiden sich die Geister in Zwei, die einen sind total begeistert, für die anderen ist es der reinste Wahnsinn. Am liebsten ihr probiert es aus und macht euch eine eigene Meinung. Mir hat es gut gefallen, obwohl ich nicht gerne trinke. Natürlich ist man in gewissen Entscheidungen, was und wie lange man etwas besichtigen möchte, eingegrenzt und man muss sich an die Gruppe halten, dafür reist man aber sehr günstig mit und lernt viele andere Erasmus-Studenten kennen. Leider sind oft auch die Plätze schnell vergriffen.


Fazit

Erasmus ist nicht nur Lernen (wie es deine Eltern denken), Reisen (wie deine Professoren es sich vorstellen) und Feiern (weshalb dich deine Freunde beneiden). Nein, es ist alles zusammen und noch viel mehr! Ein Lebensgefühl, eine unvergessliche Zeit, eine kulturelle Bereicherung...In Oviedo könnt ihr euren Erasmus-Aufenthalt richtig genießen! Ich weiß nicht ob es das absolute Traumziel wäre. Ich konnte mir am Anfang auch nicht vorstellen in den Norden zu gehen und war fixiert auf den Süden, Sommer, Sonnenwetter... Die berühmtesten spanischen Mythen, wie z. B. Flamenco, stammten nicht etwa ursprünglich aus dem Süden? Kann man jedoch behaupten eine Birne ist besser als ein Apfel? Alles Geschmackssache. Auch der Norden ist reich an Mythen, die Menschen nicht weniger offenherzig...Wer in den Norden reist wird Spanien von einer anderen Seite erleben. Nur vergisst nicht den Regenschirm einzupacken und die Reise kann losgehen! Ich wünsche euch viel Spaß dabei!

Zum Schluss möchte ich mich bei allen herzlich bedanken, die mich bei meinem Auslandsaufenthalt unterstützt haben. Besonders anerkennend bin ich für die Unterstützung meiner Erasmus-Koordinatoren Frau Wagner und Prof. Álvaro Arias Cabal. Mein großes Dankeschön gilt natürlich auch Frau Kettmann.