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Mein Auslandssemester in Zürich

Von Februar bis Juli 2013 hatte ich die Möglichkeit als Master-Erasmusstudent für ein Sommersemester (CH= Frühlingssemester) an der Universität Zürich (UZH) zu studieren. Da das Historische Institut der Universität Potsdam zu jenem Zeitpunkt noch keine Erasmus-Kooperation mit dem Historischen Seminar in Zürich hatte, gelangte ich über einen freien Platz der Potsdamer Erziehungswissenschaften in die Alpenrepublik. In der Vorbereitungsphase gestaltete sich die Korrespondenz mit dem AAA in Potsdam und den Erasmus-Koordinatoren beider Universitäten als ausgesprochen unkompliziert. Die Homepages beider Universitäten sind inzwischen umfangreich auf die Austauschprozesse des EU-Programmes, das 2012 seinen 25-jährigen Geburtstag feierte, eingestellt und ist man einmal registriert, wird man detailreich und zuverlässig über alle zu absolvierenden Schritte informiert.


Studienfach: Geschichte

Aufenthaltsdauer: 02/2013 - 07/2013

Gastuniversität: Universität Zürich

Gastland: Schweiz

Etwas schwierig gestaltete sich das Verfassen des Learning Agreements, weil die Modulbeschreibungen und Ordnungen der Studiengänge zweier Universitäten natürlich nicht deckungsgleich sind, Vorlesungsverzeichnisse nicht immer rechtzeitig erscheinen, oder Module nicht kombinierbar sind. Dieses Dokument lässt sich vor Ort jedoch noch einmal verändern, obgleich dann am Ende natürlich wieder die Verifizierung beider Institutionen nötig ist.

Studienfach: Geschichte

Aufenthaltsdauer: 02/2013 - 07/2013

Gastuniversität: Universität Zürich

Gastland: Schweiz

Studium an der Gastuniversität

Die UZH verfügt über eine überdurchschnittlich gute Infrastruktur. Die Räume sind perfekt mit allen erdenklichen Lehrmitteln und audiovisuellen Hilfsmitteln ausgerüstet. Jeder Lehrende verfügt pro Seminar über einen eigenen Tutor, der ihm zur Seite steht. Die Seminare am Historischen Seminar bestehen meist aus einem Mix aus BA- und MA-Studenten, deren Zahl pro Veranstaltung 30 nie übertraf. Auch für Erholung ist gesorgt: es gibt im Turm der Universität einen eigenen Relax-Raum in dem Studierende sich auf Liegen mit Entspannungsmusik und Lavendel-Augen-Kissen erholen können. In dieser angenehmen Lernatmosphäre kocht man in Zürich zwar auch nur mit Wasser – aber eben in goldenen Töpfen. Die Anforderungen variieren von Seminar zu Seminar naturgemäß und waren in Geschichte nicht strukturell höher als in Potsdam. Die Computerpools sind ebenfalls sehr gut ausgestattet - 2/3 Macs 1/3 Windows-Rechner. Die Bibliotheken sind für solche eine mittelgroße europäische Stadt sehr gut ausgestattet, erreichen aber nicht den Umfang der Berlin-Brandenburgischen Bibliothekslandschaft. Allein die hohen Kosten für Kopien schmälerten den Genuss am Ende. Insgesamt sind die Schweizer Studenten sehr interessiert an, und informiert über Deutschland. Unterrichtet wird auch von Schweizer Dozenten in Hochdeutsch. Mit der Zeit entwickelt man aber auch ein gewisses Sprachgefühl für das Schweizerdeutsch, das die Studenten natürlich unter sich sprechen. Meist fragen Sie jedoch, ob sie in Gruppenarbeiten lieber deutsch sprechen sollen. Sagt ruhig erst einmal ja, sonst könnt ihr am Anfang auch bis zu 30% der Informationen verlieren.

Kontakte zu einheimischen & ausländischen Studierenden / Sprachkompetenz

Ich hatte das Glück in einem großen neuen Wohnheim der studentischen Wohngenossenschaft (WOKO) unterzukommen. 170 Studierende aus nahezu allen Ländern der Welt lebten, arbeiteten und feierten hier gemeinsam. Auch wenn ich einem deutschsprachigen Landesteil lebte und vorwiegend auf Deutsch studierte, war es für mich ein ausgesprochen internationales Semester und Englisch wurde für mich zur alltäglichen Kommunikationssprache. Der Kontakt zu Einheimischen blieb weitestgehend auf Freunde aus der Universität beschränkt, aber insgesamt begegneten mir die Schweizer freundlich und aufgeschlossen. Skepsis oder gar Feindlichkeit gegenüber Deutschen habe ich während meines Aufenthaltes nie erlebt und es scheint allgemein mehr ein Thema der Boulevardpresse zu sein. Deutsche stellen in Zürich eine relativ große Gruppe Nicht-Schweizer dar, auch ein beachtlicher Teil meiner Dozenten waren Deutsche. Die lokale Sektion des Erasmus-Netzwerkes (ESN) war sehr aktiv und stets hilfsbereit. Neben der Einführungsveranstaltung gab es zahlreiche Parties und organisierte Fahrten durch die Schweiz an denen man teilnehmen konnte.

Wohn- und Lebenssituation

Im Allgemeinen ist die Wohnungssituation in Zürich sehr angespannt. Die Preise für ein einzelnes Zimmer liegen zwischen 500 und 1000 CHF (ca. 400-800EUR). Ich habe mich bereits fünf Monate vor Beginn des Semesters bei der Wohnungsverwaltung der ETH/UZH beworben und mit meinem WOKO-Zimmer in der Meierwiesenstraße viel Glück gehabt. Am Ende zahlte ich 530 CHF für ein Zimmer in einem sehr neuen und modernen Wohnheim. Auch wenn die Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss am Sonntagabend nicht mehr wirklich sauber war, so war sie neben der Lounge ein unvergleichlicher Ort internationaler Kommunikation, an dem ich unglaublich viele Freunde aus aller Welt und aus den unterschiedlichsten Fächern kennengelernt habe. Sofern man Privatsphäre brauchte, konnte man sich jederzeit in die Schalldichten Zimmer zurückziehen. Ich kann jedem nur empfehlen sich hier eine Unterkunft zu besorgen.

Das öffentliche Verkehrsnetz in Zürich ist sehr gut ausgebaut. Man sollte sich in jedem Fall die so genannte „Halbtax“ (175 CHF) – eine Art „Bahncard 50“ – besorgen. Sie gilt nicht nur im Fernverkehr der Schweizer Bahn sondern teilweise auch im Stadtverkehr in Zürich. Wer unter 25 ist, sollte sich zudem die „Gleis 7“ zulegen (129 CHF), die im Schweizer Bahnnetz von 19-5 Uhr zu freien Fahrten berechtigt. – Eine super Möglichkeit die eidgenössischen Lande preisgünstig zu erkunden.
Viele Banken bieten kostenlose Giro-Konten für Studenten an. Dabei gibt es je nach Bank auch Begrüßungsgeschenke, Einkaufsgutscheine oder eine dauerhafte Befreiung von dem Nachtzuschlag (5 CHF). Im Gegensatz zu Deutschland gibt es beim Geld-Abheben an Automaten von anderen Bankhäusern keine Bankgebühren. Jeder, der sich längerfristig in der Schweiz aufhält hat zunächst die Pflicht sich auch vor Ort zu versichern (ca. 80 CHF/Monat). Jeder kann jedoch einen Antrag auf Befreiung von dieser Versicherungspflicht stellen. Sofern man etwa in Deutschland eine Krankenversicherung, die den Leistungen nach dem Schweizer Grundniveau entspricht – was bei den meisten der Fall ist - und wenn man eine europäische Krankenversicherungskarte hat, dann wird diesem Antrag meistens entsprochen.

Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind natürlich berüchtigt. In der Tat braucht man zwei Wochen, bis man nicht mehr fluchend aus dem Supermarkt kommt oder angesichts des 10-Franken-Döners abwinkt. Aber es gibt nun einmal ein gänzlich anderes Lohngefüge in der Alpenrepublik. Studentenjobs werden nicht selten mit 25-30 CHF/Stunde entlohnt und Praktikanten gehen zum Teil mit bis zu 5000 CHF/ im Monat nach Hause. Angesichts dieses Unterschiedes hat es sich jedoch mit meinen finanziellen Mitteln (500-700 EUR zusätzlich zur Miete) erstaunlich gut in Zürich leben lassen. Große Einkäufe macht man entweder bei den Discountern wie „Denner“ oder „Aldi Suisse“ oder man fährt gleich abends mit der Gleis 7 nach Deutschland und kauft (die vom Zoll erlaubt Menge!) Lebensmittel. Ab und zu kann man jedoch durchaus auch bei den etwas teureren Lebensmittelketten wie „Migros“ und „Coop“ einkaufen – deren „Express-Varianten“ und die Filialen im Hauptbahnhof haben sogar am Sonntag geöffnet. Regelmäßiges to-go-Essen oder Restaurantbesuche sind Luxus, selbst Kochen drückt die Kosten enorm, weil die Personalkosten in der Schweiz so hoch sind. Insgesamt gibt es in der Schweiz viele hochklassige Lebensmittel, die auch den Einfluss der französischen und italienischen Küche spüren lassen. Zu ihnen gehören natürlich alle Milchprodukte, wie Vollmilch und Käse, aber auch die einzigartige Schokolade von Sprüngli, Läderach und Lindt. Den besten Kaffee zu moderaten Preisen findet man im Café Henrici. Freizeitangebote gibt es in der Schweiz reichlich – es ist natürlich überall eine Frage des Geldes. Ski- und Snowboard-Fahren im Winter. Wandern, Klettern, Mountainbiking, Paragliding im Sommer – es gibt viele Wege sich durch die einzigartige Schweizer Alpen-Landschaft zu bewegen. In Zürich gibt es Fahrrad(„Velo“)-Ausleihstationen, an denen man sich gegen Abgabe des Personalausweises den ganzen Tag kostenlos ein Rad ausleihen kann. Schwimmen lässt es sich im Sommer im Züricher See, dem Fluss „Limmat“ oder in einem der vielen städtischen Hallenbädern. In der Nähe meines Wohnheims habe ich beispielsweise wöchentlich auf öffentlichen Kunstrasenplätzen Fußball gespielt. In Interlaken bin ich gewandert und habe eine Rafting-Tour auf einem reißenden Fluss gemacht. Gebrauchte Fahrräder kann man sich entweder bei Kommilitonen oder auf eine der regelmäßig stattfinden „Velo-Börsen“ besorgen – allerdings sind dort selten Fahrräder unter 75 CHF zu finden. Das kulturelle Angebot ist zwar nicht mit Berlin vergleichbar, allerdings gibt es eine ganze Reihe kultureller Höhepunkte. Wer nicht 15-25 CHF für den Eintritt bezahlen will, wie in vielen anderen Clubs der Stadt, geht ins „Mehrspur“ - dem Musikklub der Züricher Hochschule der Künste. Hier warten unvergessliche Nächte mit Live-Musik und coolen Dj-Sets von Jazz über Balkan-Beats bis zu Electro-Swing.

Auch der Zoo ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ein Highlight ist die „Masoala-Halle“, eine Art riesiges Gewächshaus, in dem die Flora und Fauna Madagaskars nachgestellt wird – 29 Grad, 80% Luftfeuchtigkeit, knallbunte Vögel, Flughunde, etc. Auch der Besuch der Stadtfeste, wie etwa dem „Sechseläuten“ und dem „Züri Fäscht“ gehören zum Pflichtprogramm. Ausflüge in alle Regionen der Schweiz startet man einfach vom Hauptbahnhof oder dem nahegelegenen Busbahnhof am Sihlquai aus. Auch eine Fahrt nach München oder nach Konstanz lässt sich von Zürich aus günstig bewerkstelligen. Wer auf Faschingsumzüge steht, sollte unbedingt zur „Fasnacht“ nach Basel fahren und dabei gleich dem Grab des Namensgebers dieses wunderbaren europäischen Austauschprogrammes im Baseler Münster einen Besuch abstatten.


Rückblick

Die Wahl nach Zürich zu gehen habe ich zu keinem Zeitpunkt meines Aufenthaltes wirklich bereut. An der Universität habe ich zahlreiche intellektuelle Impulse für mein Studium und meine Masterarbeit bekommen. Viele Freunde habe ich in der Schweiz und in aller Welt durch ein gemeinsames unvergessliches Jahr in Zürich gewonnen. Und wer noch zögert, weil ein Jahr im „deutschsprachigen“ Zürich nicht exotisch genug ist, der wird sich schnell im Kreis zahlreicher Austauschstudenten an der UZH eines Besseren belehren lassen. Auch wenn die gemeinsame Sprach natürlich in vielen Situationen hilfreich ist – viele kulturelle Unterschiede und Besonderheiten der Eidgenossen lernt man erst nach einigen Monaten kennen und lieben. Am Ende habe ich viel über die Schweiz gelernt, aber auch mich als „Deutscher“, „Europäer„ und „Westler“ neu verortet. Eine Horizonterweiterung, und Erfahrung, die ich jedem nur ans Herz legen kann!

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