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Mein Auslandssemester in Padua

Als ich mit meinem Master in Verwaltungswissenschaft angefangen habe, nahm ich mir sofort vor, noch einmal das ERASMUS-Programm zu nutzen, um wenigstens ein Semester im Ausland zu verbringen. Relativ schnell konnte ich bei meiner Koordinatorin die relevanten Informationen einholen und mir ein Bild darüber machen, was dabei auf mich zukommen würde. Aus der Liste der Partnerhochschulen suchte ich mir einige Unis aus, die auf meine Situation zutrafen (Verwaltungswissenschaft, Master, nur ein Semester). All das war ein relativ unkomplizierter Prozess und an dessen Ende wurde ich für den Aufenthalt in Padua, meinem Erstwunsch, ausgewählt. 


Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Università degli Studi di Padova

Gastland: Italien

Die Gasthochschule wollte von mir relativ wenige Dokumente, das meiste wurde in einem Online-Anmeldeportal abgefragt und größtenteils konnte ich dort meine Informationen eintragen. Da alle meine Kurse in Englisch stattfanden, musste ich dafür auch einen Sprachnachweis abliefern. Hier nutzte ich das DAAD-Sprachzeugnis, das mir im Zessko ausgestellt wurde, nachdem ich dort zwei Englischkurse besucht hatte. Auch die Mitarbeiter im International Office in Padua waren sehr hilfsbereit und antworteten schnell und konstruktiv auf etwaige E-Mails. Entgegen dem gängigen Vorurteil in Italien sei alles chaotisch und unorganisiert, muss ich sagen, dass jegliche Uni- und Erasmusbürokratie problemlos funktionierte und alles genau wie vorher beschrieben geklappt hat.

Studium an der Gastuniversität

Die Uni Padua ist eine der ältesten Unis in Europa und hat eine großartige und spannende Geschichte. Um davon einen Eindruck zu bekommen, würde ich empfehlen, die für Studenten kostenlose Tour durch den Palazzo Bo, das historische Hauptgebäude der Uni, mitzumachen. Durch die ganze Stadt hindurch spürt man den Einfluss der Uni. Im Gegensatz zum berühmten Nachbarn Venedig ist Padua eine echte Studentenstadt und ist stolz auf seine Uni. Schon die Erasmus-Einführungsveranstaltung fand im Rathaus statt und ist das erste Highlight nach der Ankunft.

Für mich als Student der Verwaltungswissenschaft war das Zusammenstellen eines sinnvollen Kursplans die größte Herausforderung. Ich wählte Kurse aus dem internationalen Master für Menschenrechte und Multi-Level-Governance und aus dem Bereich Economics. Schon hier fiel die Koordination relativ schwer. Im Gegensatz zu unserer Organisation zu Hause, finden die Kurse hier dreimal pro Woche für 90 Minuten statt. Das führt zu bedeutend mehr Präsenzzeit in der Uni und zu größeren Schwierigkeiten durch Überschneidungen. Hier würde ich, wenn ich noch einmal die Chance hätte, vor dem Aufenthalt die genauen Zeiten und Daten der Kurse prüfen und versuchen so zu legen, dass man den Großteil der Veranstaltungen mitbekommt.

Wichtig wird das, da die unterschiedlichen Lehrenden den Inhalt der Kurse teilweise sehr verschieden vermitteln. Beispielsweise war meine Economics-Vorlesung in etwa mit einer normalen Vorlesung in Potsdam vergleichbar: Viele Folien, Anwesenheit ist nicht unbedingt immer nötig und die Klausur dreht sich um den Inhalt der Vorlesung. Auf der anderen Seite hatte ich zwei Veranstaltungen aus dem Menschenrechte-Master, wo jedes Seminar in eine Diskussion ausartete, die Mitarbeit in die Note einfloss und zwei Bücher während des Semesters gelesen werden sollten. Was alle Veranstaltungen gemeinsam haben ist, dass kein Unterschied zwischen Erasmus-Studenten und „echten“ Uni-Padua-Studenten gemacht wird. Auch die Organisation der Prüfungen unterscheidet sich von Potsdam. In Padua werden mehrere Termine für die Klausuren angeboten, aus denen man sich einen aussucht. Ist man nicht zufrieden mit der Note, kann man diese ablehnen und zum nächsten Termin nochmal schreiben (was für ein halbes Jahr Erasmus allerdings knapp werden kann, da einige Prüfungstermine auch außerhalb der Prüfungszeit liegen). Außerdem neu für mich waren mündliche Prüfungen, wo ich in einem Gespräch mit dem Dozenten über den Inhalt des Faches befragt wurde. Meiner Einschätzung nach war der Aufwand vergleichbar mit dem in Deutschland, allerdings wirkte die Bewertung etwas gnädiger.

Allgemein war das Studienklima allerdings sehr gut. Die Dozenten waren immer hilfsbereit, haben schnell auf Anfragen geantwortet und waren immer erreichbar. Viele Informationen werden über die Uni-Email und über Moodle geteilt, das ist für Studenten aus Potsdam keine große Umstellung. Außerdem haben auch die anderen Studenten ein offenes Ohr, gerade die Italiener freuen sich sehr, wenn die Erasmus-Studenten nicht nur unter sich bleiben, sondern auch sie nach Informationen fragen. Da die Kurse relativ klein sind, kann man so auch schnell neue Kontakte finden, die nicht nur Kursmaterial oder Bücher organisieren, sondern auch Partys und Freizeit mitgestalten können. Die hohe Zugänglichkeit setzt sich auch bei den Uni-Mitarbeitern fort. Alle waren sehr freundlich, sprachen Englisch (was nicht üblich ist in Italien) und konnten sofort weiterhelfen. Insgesamt musste ich wenig warten und hatte kaum Probleme mit den organisatorischen Anforderungen der Uni.

Auch die technische Ausstattung der Uni war überzeugend. Es gibt geordnet nach Fachbereichen einige Bibliotheken, die Uni ist mit Eduroam-Wifi ausgestattet und es gibt Lernräume für Studenten. Ein Negativpunkt hier sind allerdings die Öffnungszeiten. Die Bibliotheken haben am Wochenende meistens nur kurz oder gar nicht geöffnet und auch unter der Woche eher knappe Öffnungszeiten (häufig 09:00-18:30 Uhr). Als weiteren eher anstrengenden Faktor habe ich das PULS-Äquivalent „Uniweb“ wahrgenommen. Abgesehen davon, dass es nicht intuitiv, mäßig programmiert und schlecht übersetzt ist, ist es ohne Erklärung vollkommen undurchsichtig, was ein Erasmus-Student hier zu tun hat. Auch hier musste ich erst nachfragen und mich mit einigen anderen Erasmus-Studenten zusammensetzen, um das zu durchschauen. Ansonsten kann die technische Ausstattung mit der der Uni Potsdam durchaus verglichen werden.                

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Die Kontakte zu anderen Studierenden muss man in zwei Kategorien aufteilen: Andere Erasmus-Studenten und Studenten der Uni Padua. Eine echte Herausforderung ist es meiner Meinung nach, erstere nicht kennenzulernen. In Padua sind etwa 1000 Erasmus-Studenten pro Semester und gerade in der Welcome Week (sehr empfehlenswert und teilweise auch obligatorisch) trifft man fast alle von ihnen. Die ESN (European Student Network) Gruppe in Padua ist außerdem sehr aktiv. Ich habe mir gleich am Anfang für zehn Euro die Karte geholt, mit der ich an den vom ESN veranstalteten Events teilnehmen konnte. Dazu gehörten nicht nur Partys, sondern auch Städtetrips und Kulturausflüge. Ich würde das jedem Erasmus-Studenten empfehlen. Außerdem gibt es eine ESN-Facebookgruppe, wo man sich kennenlernen, Fragen zum Studium stellen und verabreden kann. In der ersten Woche bin ich zu zwei oder drei der Veranstaltungen gegangen und schon war man in Kontakt mit einigen Erasmusstudenten. Man teilt ja auch die gleichen Probleme am Anfang und kann sich da gegenseitig Tipps geben. Letztendlich freut sich jeder, wenn man ihn oder sie anspricht und man findet schnell neue Freunde.

Etwas anders stellt sich das mit den Kontakten zu Studenten von der Uni dar. Dadurch dass ich meine Kurse auf Englisch hatte, konnte ich hier relativ schnell Kontakte knüpfen. Allerdings muss man hier mehr Initiative zeigen, da es meistens schon bestehende Gruppen gibt. Wenn man dann allerdings erstmal jemanden angesprochen hat, wird man sehr freundlich empfangen. Gerade in den Kursen des sehr international ausgerichteten Menschenrechts-Masters traf ich einige sehr sympathische Studierende.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Sprachkompetenz in English war vor und nach dem Auslandsaufenthalt ziemlich gut. Wahrscheinlich ist aber jedem klar, dass die Hauptkommunikationssprache zwischen Erasmus-Studenten Englisch ist. Auch in der Stadt kann man sich so halbwegs durchschlagen. Meine Kurse in Englisch waren auch gut verständlich und auf absolut angemessenem Niveau.

In Italienisch sah das ganze etwas anders aus: Hier war meine Sprachkompetenz vor dem Aufenthalt nicht wirklich vorhanden. Die Probleme, die das mit sich bringt, habe ich bemerkt, als ich ankam und in den meisten Geschäften, in meiner Unterkunft und selbst in Bars und Restaurants fast kein Englisch gesprochen wurde. Meistens kann man sich allerdings auch so durchschlagen. Die Uni bietet für alle Erasmusstudenten kostenlose Sprachkurse an. Ich habe das Angebot genutzt und einen A1-Sprachkurs abgeschlossen. Das hat mir mit jeder Woche ein bisschen mehr Sicherheit im Umgang mit dem italienischen Alltag gegeben. Verstehen und lesen fällt allerdings auch etwas leichter, wenn man zuvor Spanisch oder Französisch in der Schule oder Uni hatte. Insgesamt bin ich ganz gut klargekommen, würde aber empfehlen, wenigstens einen Grundkurs in Italienisch vor dem Aufenthalt zu machen, um in den ersten zwei Wochen gut klarzukommen.

Wohn-  und Lebenssituation

Ich habe in Padua in einer der Studentenwohnheime gelebt. Meine Unterkunft nannte sich Copernico und war relativ nah am Stadtzentrum und sehr nah an der Uni im Studentenbezirk Portello. Das Zimmer war spartanisch ausgerüstet mit Bett, Schreibtisch, Stuhl, Schrank und Nachttisch. Es gab eine große Gemeinschaftsküche, einen ziemlich kaputten Fitnessraum (aber besser als nichts) und einige Lern- und Computerräume. Mein Bad teilte ich mir mit meinem Nachbarn. Zwar war alles etwas klein und benutzt, aber dafür waren alle Mitarbeiter und alle Mitbewohner sehr freundlich und es gab fast nie Probleme. Schade war, dass man nicht wirklich Besuch mitbringen konnte. Man darf keine Übernachtungsgäste haben und auch sonst gibt es nicht viel Raum, Freunde einzuladen. Dafür hatte ich das Zimmer bereits einige Monate bevor ich in Padua angekommen bin und somit einen großen Stressfaktor vermieden. Für die Wohnheime kann man sich im Laufe der Bewerbung anmelden, die Plätze werden dann nach der Prüfung verlost. Für das Zimmer musste ich 285€ pro Monat bezahlen, jegliche Ausstattung (bis auf eine Lampe) musste mitgebracht werden.

Das Leben in der Stadt an sich ist sehr angenehm. Als Berliner hatte ich mich schon fast daran gewöhnt, für jeden größeren Weg 30 Minuten U- oder S-Bahn zu fahren, in Padua sind die längsten Wege 20 Minuten mit dem Fahrrad. Ich bin meistens gelaufen (15 Minuten ins Zentrum, 1 Minute zum Supermarkt, 5-15 Minuten zur Uni), hatte aber wie bereits beschrieben auch eine sehr gut gelegene Unterkunft. Busse und eine Straßenbahn fahren auch relativ häufig, ich habe sie allerdings selten benutzt. Besonders überrascht war ich von der italienischen Eisenbahn. Wir haben sehr viele Ausflüge auch in umliegende Städte gemacht und sind meistens mit der Bahn gefahren. Die war jedes (!) Mal pünktlich und ist regelmäßig gefahren. So konnte ich von Padua aus Venedig, Bologna, Ferrara, Bassano, Florenz, Verona und einige andere Städte besuchen.

Auch der Rest des Alltags in Padua war entspannt, das meiste läuft wie bei uns. Mit meiner Comdirect-Karte konnte ich umsonst Geld abheben (es gibt außerdem eine Filiale der Deutschen Bank in der Stadt), es gibt die gleichen Läden wie in Deutschland und man bekommt eigentlich alles in der Stadt. Außerdem gibt es noch ein Industriegebiet im Osten der Stadt, dort gibt es dann noch einen Baumarkt, Ikea, einen Wal-Mart-ähnlichen Supermarkt und noch einige weitere Geschäfte. Die

Lebenshaltungskosten sind vielleicht geringfügig höher als in Deutschland, wenn man allerdings Studentenrabatte (beim Friseur, in den Bars, beim Ausgehen) verwendet, spart man wiederum einiges.
Auch meine Freizeit sah ähnlich aus wie zu Hause – Es gibt eine Menge Bars und Restaurants, das Kino hat sehr gute Preise für Studenten und bietet immer dienstags und mittwochs Filme auf Englisch an und die (berüchtigten) Clubs sind auch relativ günstig und meistens voll. Auch die diversen Museen und Kirchen in Padua sollte man sich unbedingt ansehen, meistens ist es umsonst oder es gibt Studentenrabatte. Ansonsten waren wie oben beschrieben auch die Fahrten in andere Städte eine tolle Möglichkeit, etwas von Italien kennenzulernen.

Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Università degli Studi di Padova

Gastland: Italien


Rückblick

Insgesamt fand ich mein halbes Jahr in Padua großartig. Wenn man dafür offen ist, andere Studenten anzusprechen, sich an den Erasmus-Aktionen beteiligt und auch in den Uni-Kursen ein paar Kontakte knüpft, kann man eine wunderbare Zeit verbringen. Ich habe viele Ausflüge gemacht und Italien ganz anders kennengelernt, als das in Urlauben oder bei Städtetrips möglich gewesen wäre. Auch akademisch habe ich viele interessante Erfahrungen gemacht und Themen gewählt, die in Potsdam nicht zwingend angeboten werden.

Das meiste würde ich genauso wieder machen. Vielleicht würde ich versuchen, eine eigene Wohnung zu finden, aber selbst das war vollkommen in Ordnung. In den ersten paar Wochen kommt einem alles noch sehr fremd und anstrengend vor, das legt sich aber, wenn man die Abläufe durchblickt und sich ein bisschen von seinen deutschen Vorstellungen, wie irgendwas zu sein hat, löst. Wie oben bereits geschrieben, würde ich außerdem wenigstens mit etwas Italienischkenntnissen anreisen. Der Sprachkurs hilft zwar, aber die ersten Wochen werden bedeutend einfacher, wenn man schon etwas kann. Ansonsten würde ich empfehlen, selbst, wenn man sich überhaupt nicht für Kunst und Kultur interessiert, in Padua, Venedig und all den anderen Städten in der Umgebung Museen, Paläste und Kirchen zu besuchen, auch wenn das vielleicht ein paar Euro kostet. Allein die Gebäude sind meistens schon das Geld wert und Kunstschätze, die man zu sehen bekommt, vermitteln eine ganz neue Perspektive auf die italienische und auch die europäische Geschichte.

Abschließend möchte ich sagen, dass dieses Semester eine ganz besondere Erfahrung für mich war und jedem empfehlen, es auch zu probieren.

Italien

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