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Persönlicher ERASMUS-Erfahrungsbericht - Mailand 2016/17

Bereits während meiner Schulzeit nahm ich an einem Austauschprogramm mit einem italienischen Gymnasium in La Spezia teil und entdeckte sehr schnell meine Begeisterung für die italienische Kultur. Aus diesem Grund entschied ich mich auch während meines Bachelorstudiums an dem Erasmus+ Programm teilzunehmen und noch einmal diese unverhoffte Gelegenheit zu nutzen, nach Italien zu gehen. Da zu dem Zeitpunkt meiner Bewerbung nur Mailand als Partneruniversität zur Verfügung war, stand mein Wunschziel schnell fest.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Università degli Studi di Milano - Bicocca

Gastland: Italien

Die ersten Informationen erhielt ich daraufhin in den öffentlichen Veranstaltungen des International Office und von meinem Erasmus-Koordinator des Department Psychologie, Dr. Johannes Lutz. Aber auch das Internet war eine hilfreiche Alternative für alle offenen Fragen. Die Bewerbung verlief sehr einfach: Nach der Abgabe sämtlicher Bewerbungsunterlagen und der Nominierung durch meinen Koordinator, erhielt ich von der Università Milano-Bicocca eine E-Mail mit der Aufforderung, alle relevanten Unterlagen einzureichen. Kurze Zeit später nahm mein Buddy Kontakt zu mir auf und half mir bereitwillig mit allen offenen Fragen.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Università degli Studi di Milano - Bicocca

Gastland: Italien

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der Università degli Studi di Milano-Bicocca ist für einen deutschen Studenten anfangs etwas kompliziert.

Die Universität befindet sich außerhalb des Mailänder Zentrums und erstreckt sich über einen großen Campus, in welchem alle Fakultäten vertreten sind. Nach einigen Erkundungstouren findet man sich aber sehr schnell zurecht. Die Begrüßung erfolgte durch eine Informationsveranstaltung des International Office und des ESN-Teams. Außerdem wurde einem geholfen, eine italienische SIM-Karte und ein Monatsticket für die öffentlichen Verkehrsmittel zu bekommen.

Die Kurswahl gestaltete sich leider etwas kompliziert. Theoretisch ist es möglich, jeden Kurs aus zwei Bachelorstudiengängen („Scienze Psicosociali della Communicazione“ und „Scienze e Tecniche Psicologiche“) zu wählen. In der Praxis sah es dann doch anders aus: Die Kurse stammen aus unterschiedlichen Studienjahren und eine Vorlesung (8 LP) findet drei-vier Mal pro Woche à zwei Stunden statt. Ebenso Seminare („Laboratori“) haben eine wöchentliche Sitzung über vier Stunden. Dadurch waren Überschneidungen kaum zu vermeiden und der Wunschstundenplan nicht umsetzbar.

Hatte man dann einen möglichen Stundenplan gefunden, kamen in den ersten Wochen noch zahlreiche Änderungen hinzu. Persönlich machte ich die Erfahrung, dass ich dann einen Kurs durch Überschneidungen nicht mehr besuchen konnte. Leider hatte ich aber nach drei Wochen für andere Kurse bereits zu viel verpasst.

Ein weiteres Problem zeigte sich in den Anforderungen der Kurse. Leider erhielt man keine Hilfe bei der Kurswahl und hatte somit auch keine Informationen über deren Schwierigkeiten. Auch Wissenswertes zu den Klausuren kann man schnell überhören und somit sehr kurzfristig bis gar nicht von einer Mitt-Semester Prüfung erfahren. Am besten wendet man sich bereits am Anfang des Semesters an den Dozenten und erkundigt sich über den Aufbau des Kurses. Eine weitere Möglichkeit bieten Facebook-Gruppen der Psychologiestudenten. Falls es offene Fragen gibt, wird einem sehr schnell geholfen. Zusammenfassend habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sich selbst um seine Angelegenheiten kümmern muss. Ganz getreu dem Motto: „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“. Von alleine erhält man leider keine Hilfe seitens der Fakultät und da die Sprechzeiten sich meist auf zwei Stunden in der Woche begrenzen, ist es auch schwierig, Koordinatoren zu erreichen.

Ein wenig undurchsichtig sind auch die Online -Plattformen zur Prüfungsanmeldung („segreterie online“) und zur Bereitstellung der Vorlesungsmaterialien („e-learning“). Schnell gerät man hier an wage oder gar falsche Informationen, weshalb es ratsam ist, regelmäßig den eigenen E-Mail-Account der Universität zu überprüfen. Zeitliche oder räumliche Änderungen der Vorlesungen werden hiermit kommuniziert.

Positiv an der Ausstattung der Universität sind die Computer-Pools, in denen man als Student jeden Monat 50 Seiten kostenlos drucken kann. Leider ist man aber auch auf diese Seitenanzahl begrenzt und muss schnell einige Euros in lokalen Copyshops ausgeben. Auf dem Campus befinden sich mehrere öffentliche Bibliotheken. Diese sind zwar spärlich ausgestattet und schließen sehr früh, bieten aber eine gute Möglichkeit für konzentriertes Lernen. Relevante Literatur zu den Kursen muss man aber meist selbst kaufen.

Ein weiterer Pluspunkt sind die verschiedenen Mensen: Diese sind über den Campus verteilt und ermöglichen eine relativ günstige Mittagspause.

Im Allgemeinen bewerte ich das Studienklima als in Ordnung. Persönlich hat mir das italienische System sehr viele Nerven gekostet und oft fühlte ich mich doch alleine gelassen. Die einheimischen Studenten der Università Bicocca sind freundlich und bereitwillig zu helfen, allerdings ist es schwierig, intensiven Kontakt aufzubauen. Das lag vor allem an der Sprachbarriere. Englisch wird von den meisten Studenten nicht verstanden und das eigene Italienisch kann für längere, intensive Gespräche schnell zu dürftig sein. Ich habe dagegen die Erfahrung gemacht, dass man sehr schnell wunderbare italienische Kontakte im Mailänder Leben knüpfen kann. Mailand ist ein moderner Knotenpunkt für Italiener aus dem ganzen Land. Diese sind nicht nur offen und warmherzig, sondern auch für jeden Spaß zu haben. Da es mir bei diesem Aufenthalt eher um die kulturelle Erfahrung und das Entdecken einer italienischen Metropole ging, rückten die negativen Verhältnisse in der Universität schnell in den Hintergrund. Falls man sich allerdings vornimmt, einige Kurse anrechnen zu lassen und diese mit einer guten Note abzuschließen, rate ich, viel Geduld mitzubringen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Aufenthalt

Erfreulicherweise hatte ich während meiner Schulzeit die Möglichkeit, ein bilinguales Abitur zu absolvieren. Da hierbei einzelne Fächer in Italienisch unterrichtet wurden, hatte ich bereits gute Italienischkenntnisse. Um allerdings nicht völlig ins kalte Wasser geworfen zu werden, absolvierte ich vor meinem Aufenthalt einen C1-Italienischkurs an der VHS Berlin. Meines Wissens nach bietet auch die Universität in Italien einen Sprachkurs an. Leider habe ich hierzu nur wenig Informationen. Allerdings habe ich bei anderen Erasmus-Studenten mitbekommen, dass dieser bereits vor dem Semester beginnt und man sich frühzeitig um die Anmeldung kümmern muss. An sich empfehle ich, diesen Aufenthalt nicht ohne Italienischkenntnisse zu starten. Der Koordinator Prof. Claudio Luzzatti setzte hierbei ein B2-Level als Voraussetzung.

Da alle Kurse und Fachliteratur in Italienisch sind, verbessern sich die eigenen Kenntnisse sehr schnell. Aber auch in der alltäglichen Interaktion ist man auf sein Italienisch angewiesen. Aus diesem Grund empfand ich meinen Erasmus-Aufenthalt als sehr gutes Sprachtraining.

Wohn- und Lebensituation

Bei der Bewerbung erhielt man die Information über die Möglichkeit, ein Zimmer in einem der Wohnheime zu bekommen. Ich entschied mich schnell gegen diese Option und bin rückwirkend auch sehr zufrieden mit meiner Entscheidung. Mit Ausnahme eines Wohnheims, befinden sich diese außerhalb des Mailänder Zentrums und sind besonders nachts eher schwierig zu erreichen. Die Zimmer sind meist spärlich eingerichtet und müssen normalerweise mit einem weiteren Mitbewohner geteilt werden. Zudem gelten dort sehr strenge Regeln. Besuch muss sich anmelden und darf nur bis Mitternacht bleiben. Die Küche wird um 23.00 Uhr geschlossen und nur eine begrenzte Anzahl an Personen darf sich dort aufhalten. Für mich hatte all das eher den Beigeschmack einer Jugendherberge.

Die Wohnungssuche in Mailand ist allerdings auch kein Zuckerschlecken, weshalb ich empfehle, so früh wie möglich damit zu beginnen. Eine Möglichkeit sind hierbei Webseiten wie „idealista.it“ oder „bakeca.it“, aber auch Facebookgruppen sind eine hilfreiche Option. Da dort aber eine große Nachfrage herrscht und oft nur Jahresverträge angeboten werden, ist eine Suche über „Airbnb“ oder „spotahome.com“ meist der letzte Ausweg (Kleiner Tipp: Bei monatlichen Buchungen erhält man bei Airbnb oft 50% Rabatt). Hat der Aufenthalt erst einmal begonnen, kann man sehr gut über Freunde und Kommilitonen von freien Zimmern erfahren.

Man muss wissen, dass Mailand ein teures Vergnügen ist: Ein Zimmer liegt hierbei zwischen 450€-600€. Oft werden auch nur Betten in geteilten Zimmern angeboten (350€-450€ ). Falls man sich mit diesem Gedanken arrangieren kann, ist es eine gute Option um Geld zu sparen. Im Allgemeinen habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass man sich schnell von der Hoffnung einer klassichen Studenten-WG verabschieden muss. Mitbewohner werden von Eigentümern ausgesucht und haben deshalb oft wenig Gemeinsamkeiten und hohe Altersunterschiede. Meist sind es reine Zweck- WGs. Dennoch hatte ich das Glück, sehr zentral und gut angebunden zu wohnen. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Mailand sind sehr gut ausgebaut und auch zu später Stunde kommt man immer nach Hause. Außerdem fühlt man sich nachts im Zentrum Mailands wesentlich sicherer als außerhalb. Alles in allem waren das wunderbare Vorraussetzungen für spannende Entdeckungstouren in Mailand. Aus diesem Grund würde ich jederzeit wieder die Mühe investieren ein, Zimmer zu suchen.


Rückblick

Zusammenfassend bewerte ich meinen Auslandsaufenthalt als sehr positiv und ich blicke mit einem breiten Lächeln darauf zurück. Italien bietet eine wunderbare Kultur und Mentalität, in die ich mich sehr verliebt habe. Besonders der Einblick in das pulsierende Leben Mailands, als auch der Kontrast zwischen dem „dolce vita“ und der städtischen modernen Szenerie einer Metropole hat mich sehr begeistert. Aber auch Städte wie Rom, Florenz und Neapel sind mehr als nur eine Reise wert. Das Studium gestaltet sich eher beschwerlich, benötigt viel Geduld und es ist schwierig, die angestrebten ECTS auch zu erhalten. Nichtsdestotrotz ist es eine tolle Möglichkeit, über den Tellerrand zu blicken, wunderbare Menschen kennenzulernen und unzählige Erfahrungen zu sammeln. Aus diesem Grund kann ich einen Erasmusaufenthalt in Mailand nicht nur empfehlen, sondern jedem wärmstens ans Herz legen.

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