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Erfahrungsbericht ERASMUS in Reykjavik

Island ist ein Land der Extreme. Im Winter wird es kaum hell, im Sommer ist es so gut wie niemals dunkel. Egal wohin man geht, man findet immer etwas Wunderschönes, sei es ein Gletscher, Lava Felder, Vulkane oder ein Wasserfall nach dem anderen. Das Wetter ist nur für echte Wikinger etwas, denn hier wechseln sich Sturm, Schnee, Hagel, Regen und Sonnenschein im Minutentakt ab. Ich habe mich mit der Motivation aus der Komfortzone zu gehen, für Island entschieden. Jetzt kann ich sagen, dass Island das perfekte Land ist, um dies zu schaffen. Klar, ist die Entscheidung, alleine in ein anderes Land zu gehen, immer ein Schritt aus der Komfortzone und die klare Entscheidung für ein neues Abenteuer. Ich verbrachte ca. 3 Monate in Reykjavik und studierte an der University of Iceland. Ich möchte euch im Folgenden etwas über mein Leben im hohen Norden, im Land der Vulkane und Gletscher erzählen und euch hoffentlich inspirieren, auch einen Schritt aus der Komfortzone zu machen und ein Abenteuer in Island zu beginnen.


Studienfach: Philosophie / Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 04/2017

Gastuniversität: Háskóli Íslands

Gastland: Island

Für mich stand fest, dass ich während meines Bachelorstudiums für ein Semester ins Ausland gehen möchte. Als ich mich dann konkret mit dem Thema beschäftigte, ging alles schneller als gedacht. Glücklicherweise wurde durch Zufall ein Platz in Island frei und ich konnte mich kurzerhand bewerben und bekam direkt eine Zusage. Danach mussten das Grand-Agreement, das Learning Agreement BEFORE mobility erstellt werden und ein Englisch-Onlinetest absolviert werden. Im Oktober 2016 bekam ich die endgültige Zusage und begann nach Unterkünften zu schauen.

Wohnen und Mobilität

Es ist ziemlich schwierig, in Reykjavik günstige, zentral gelegene Wohnmöglichkeiten zu finden. Obwohl es vermutlich einfacher ist, im Winter etwas zu finden, da meist nur im Sommer alle Unterkünfte als airbnb Wohnungen vermietet werden, sollte man früh genug mit der Suche beginnen. Die Webseite der University of Iceland bietet Austauschstudenten einige Links und Plattformen für die Wohnungssuche (siehe unten). Ansonsten kann man sein Glück auch in diversen Facebook-Gruppen versuchen. Diese findet man am besten unter dem Suchbegriff „Leiga (mieten) Reykjavik“. Man sollte sich jedoch immer dessen bewusst sein, dass Island eines der teuersten Länder Europas ist und die Mieten daher sehr hoch sind, vor allem, wenn man im Zentrum von Reykjavik wohnen möchte. Die Universität bietet auch Plätze im Studentenwohnheim an. Diese sind aber schnell vergeben und es gibt lange Wartelisten. Also wenn ihr schon früh wisst, dass ihr nach Reykjavik wollt, dann bewerbt euch auf jeden Fall dort. Ich habe ein Zimmer in einer sehr netten WG gefunden, welche jedoch etwas außerhalb lag. Ich musste jeden Tag den Bus zur Uni nehmen, was jedoch kein Problem ist, da die Anbindung sehr gut ist. Das Busunternehmen (stræto.is) bietet eine sehr gute und übersichtliche Webseite und gute Verbindungen zu jeder Tageszeit (ab ca. 23:30 Uhr fahren keine Busse mehr). Ein Dreimonatsticket kostet etwa 200 Euro. Wenn ihr länger als ein Semester in Island seid, könnt ihr eine Kennitala (ID-Nummer) beantragen und bekommt eine Studenten-Ermäßigung für ein Jahresticket.7

Studium

Das Frühlingssemester begann am 5. Januar mit einer Einführungswoche für alle Austauschstudenten. Die Einführungsveranstaltungen waren sehr herzlich und informativ. Zusätzlich gab es einen isländischen Crashkurs und die Möglichkeit, andere Studenten bei einem „get together“ kennenzulernen. Über das ganze Semester verteilt, bietet die Universität viele Aktivitäten wie Yoga, Strickkurse und Ausflüge an. Vor dem Beginn wählt man seine Kurse auf der Online Plattform Ugla (deutsch: Eule). Viele Kurse werden auf Englisch angeboten, wodurch man eine sehr gute Auswahl hat. Bis zwei Wochen nach Beginn des Semesters kann man seine Auswahl problemlos ändern. Jedoch darf man nicht vergessen, dies auf dem Learning Agreement DURING mobility festzuhalten. Jeder Austauschstudent kann optional einen Isländischkurs belegen. Für eine erfolgreiche Teilnahme bekommt man 10 ECTS Credits und kann sich schon bald in einfachen Sätzen mit Isländern unterhalten. Im Grunde bekommt man mehr ECTS Credits (5-10 pro Seminar), muss jedoch während dem Semester mehr Essays und Aufgaben abgeben. Die Anwesenheit ist erwünscht und wird dokumentiert. Die Universität bietet eine sehr gute Arbeitsatmosphäre im Hauptgebäude mit vielen Tischen, Steckdosen und viel Licht. Die Bibliothek ist 5 Minuten entfernt. Die Öffnungszeiten sind von 8-18 Uhr. Wer länger arbeiten möchte, kann in das Hauptgebäude gehen, welches bis 22 Uhr geöffnet hat, und wenn man eine „accescard“ besitzt, kann man viele Gebäude auf dem Campus rund um die Uhr und auch am Wochenende nutzen.

Neben der Möglichkeit, fast rund um die Uhr in der Uni zu arbeiten, bietet das International Office und der Service Desk für alle Fragen ihre Hilfe an. So hatten wir vom ersten Tag an immer eine Anlaufstelle bei Problemen oder Unklarheiten. Zu Beginn des Semesters wurde jedem Studenten ein Mentor zugewiesen, der den Studenten den Einstieg erleichtern sollte. Auch hier fanden wir einen guten Ansprechpartner für Fragen jeder Art zum Leben in Island.

Umgebung und Freizeit

Island ist bekannt für seine atemberaubende Natur. Trotz vielen Abgabeterminen findet man immer Zeit für ein Wochenende in der Natur. Am besten mietet man sich dafür ein Auto (ca. 60 € pro Tag exkl. Versicherung). Im Winter muss man jedoch vorsichtig sein, was die Straßenkondition und das Wetter angeht. Die Straßen werden gerne für Tage oder Wochen gesperrt wenn es viel geschneit hat oder kalt ist. Dafür gibt es eine Webseite (siehe unten), die man immer checken sollte. Dennoch ist auch auf offenen Straßen immer Vorsicht geboten, da vereiste Streckenabschnitte keine Seltenheit sind. Auch in der Stadt gibt es viele Freizeitmöglichkeiten. Zum Beispiel werden viele freie Yogakurse angeboten. Vor allem sonntags werden in diversen Hostels (Lofthostel, KEX Hostel) Kinoabende und Konzerte umsonst angeboten. Neben vielen schönen Cafés und Bars kann man am Wochenende das Nachtleben von Reykjavik zu Fuß erkunden. Obwohl die Stadt sehr klein ist, merkt man, wie aktiv und freudvoll die Stadt ist. Gerade dadurch habe ich mich besonders wohl in Reykjavik gefühlt.

Lebenshaltungskosten

Wie schon gesagt, ist Island eines der teuersten Länder Europas. Das macht sich nicht nur an den Mietpreisen, sondern auch bei allen anderen Gütern bemerkbar. So sind die Preise im Supermarkt ca. 20-30 % höher als in Deutschland. Der günstigste Supermarkt heißt Bonus. Da es in Island kaum Eigenproduktion gibt und alles via Schiff oder Flugzeug importiert werden muss, ist die Auswahl eher klein gehalten. Das Einzige, was vermutlich günstiger ist, ist Wasser und Energie. Das Leitungswasser soll eines der besten und reinsten der Welt sein.

Gesundheitsversorgung

Sollte man einmal krank werden, so kann man in eines der Arztzentren gehen. Man zahlt eine Grundgebühr von ca. 12 €. Jede weitere Leistung wird am Ende berechnet und muss direkt bezahlt werden. Daher ist es gut, vorher eine gute Auslandskrankenversicherung abzuschließen.  Die Ärzte nehmen sich viel Zeit für ihre Patienten. Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt.

Links

Nordlichter Vorhersage:  http://en.vedur.is/weather/forecasts/aurora/

Straßenkonditionen: www.road.is Wohnungssuche: english.hi.is/university/accommodation_0

Studienfach: Philosophie / Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 04/2017

Gastuniversität: Háskóli Íslands

Gastland: Island


Rückblick

Ich habe drei wunderbare Monate in Island verbracht und lege es jedem ans Herz, einmal im Leben nach Island zu reisen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, länger dort zu bleiben, umso besser. Das bietet euch mehr Möglichkeiten, die Schönheit der Insel zu entdecken. Vor allem im Sommer, wenn die Tage lang sind, kann man unglaublich viel sehen. Der Nachteil ist, dass ihr nicht die Einzigen mit der Idee sein werdet, und die Hotels, Straßen und Sehenswürdigkeiten werden entsprechend überfüllt und teuer sein. Entscheidet ihr euch, wie ich, im Winter zu gehen, habt ihr die Möglichkeit, Nordlichter zu sehen. Diese kann man am besten außerhalb der Stadt und der Lichtverschmutzung sehen. Manchmal hat man aber auch Glück und entdeckt sie bei klarem Himmel auch einfach auf dem Heimweg. Auch hierfür gibt es eine Webseite, die auf die Stunde genau die Wahrscheinlichkeit für Nordlichter vorhersagt. Mein Mitbewohner sagte immer „Expect nothing, be ready for everything.“, was auf Vieles in Island zutrifft.

Ich hatte das Gefühl, dass jeder, der nach Island kommt, etwas Besonderes sucht, ein Abenteuer oder eben einen Schritt aus der Komfortzone machen möchte. Wir waren eine tolle Erasmusgruppe und wurden bald sehr gute Freunde. Man kann sich schnell isoliert fühlen, wenn man eine Weile in Island lebt, vor allem, wenn man das gut vernetzte Europa gewohnt ist. Doch bringt dieses Gefühl auch eine gewisse Ruhe und man kann sich gut darauf fokussieren, die komplette Insel zu erleben. Ich bin dankbar und glücklich über jeden Tag, den ich in Island verbringen konnte und wünsche dieses Erlebnis jedem, der ein Erasmussemester in Island verbringen möchte.