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Ein Semester in Maynooth

Die Idee einen Auslandaufenthalt zu absolvieren trug ich schon ein Weile mit mir herum, bevor ich in meinem siebten Semester endlich den passenden Zeitpunkt für gekommen hielt. Aufgrund der vielfältigen Anerkennungsmöglichkeiten bin ich sicher, dass es eigentlich kein Problem darstellt ein Auslandsemester oder auch mehrere in sein Studium einzubauen, aber ich habe es sehr genossen mit meinem Studium beinahe fertig zu sein, bevor ich ins Ausland ging. Ich denke, um das Maximum aus dieser wundervollen Erfahrung herauszuholen, ist es am günstigsten sich nicht außschließlich auf das Studium konzentrieren zu müssen (Siehe Punkt 2).


Studienfach: Philosophie und Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: University of Maynooth

Gastland: Irland

Auf Erasmus+ bin ich durch Mitstudenten und den unermüdlich werbenden Erasmuskoordinator der Philosphie, Herrn Dr. Ebke, aufmerksam geworden. Da der Andrang auf die Erasmusplätze in meinem Studienfach verhältnismäßig gering war, stellte die Bewerbung keinerlei Problem dar, obschon mein Studienfach zu dieser Zeit gar keine Partnerschaft mit der Maynooth University hatte. Die hieraus entstehenden Hürden wurden von Seiten meines Koordinators und mit einigem persönlichem Aufwand überwunden. Es ist natürlich unbedingt zu empfehlen, gerade bei englischsprachigen Ländern, welche allgemein beliebter sind, sich frühzeitig mit seinem Koordinator in Verbindung zu setzen. Nach der ersten Bewerbungsphase folgte ein längeres Warten auf den Letter of Acceptance von der University of Maynooth. Der gesamte Bewerbungsprozess und die dafür vorzulegenden Unterlagen finden sich auf der Hompage der Maynooth University, werden allerdings auch per Mail verschickt, so dass man mit aufmerksamem Lesen im Grunde nichts falsch machen kann. Auch hier sollte man sich frühzeitig informieren, um nicht kurz vor Abflug eine Auslandkrankenversicherung oder einen neuen Ausweise/Pass besorgen zu müssen. Am Erasmus+ System der Universität Potsdam ist sehr zu loben, dass man einen großen Anteil des Stipendiengeldes vor seinem Aufenthalt bekommt. Wie ich herausfand, ist dies an den meisten Universitäten nicht der Fall. Daher hier ein großen Lob an die Unversität Potsdam.

Studium an der Gastuniversität

Wie vermutlich auch in anderen Berichten über Irland zu lesen ist, wirken die Universitäten sehr amerikanisch. Postitive Beispiele hierfür ist die enorme Anzahl an Clubs und Societys, in welchen man von Karate, Pen and Paper Rollenspielen, Rudern etc. bis hin zu sich gemeinsam als Figuren aus Harry Potter verkleiden wirklich alles finden und machen kann. Die Mitgliedschaft kostet jeweils zwei Euro und ist natürlich sehr zu empfehlen, da man hier Studenten aller Fachrichtungen und Herkunftsländer kennenlernt. Dies ist besonders gut, da man durch die Orientierungsphase zwar unglaublich viele ausländische Studierende kennenlernt, aber eher weniger Einheimische. Ein negatives Beispiel ist, dass man auf einem irischen Campus vergeblich nach gesunden, preiswerten und subventionierten Mensaessen sucht und stattdessen Starbucks und Subway und Pommes für enorme Preise findet.

Die Lehrveranstaltungen in Philosophie ähnelten denen an der Universität Potsdam, gerade die Masterseminare. Die Grundkurse sind weniger speziell, allerdings auch deutlich mehr auf Zuhören als auf Diskussion ausgelegt. Wie oben erwähnt, konnte ich nur wenige Punkte überhaupt einbringen und habe daher für 30 ECTS Kurse besucht und davon 20 ECTS erworben. Die Anmeldung für die Kurse ist ein Verfahren das wirklich mangelhaft ist. Man muss sich per Hand in die Kurse eintragen, was in Kombination mit teilweise sehr begrenzter Platzanzahl zu sehr langem Anstehen, Rennen, Schubsen, Gedränge und ab und an einem Ellenbogen in die Rippen führt. Der einzige Vorteil ist allerdings, dass man sich persönlich von einem Vertreter des Faches beraten lassen kann und auch Kurse besuchen darf (auch hier ist es von Vorteil Kurse aus Interesse besuchen zu können und nicht aus Leistungsdruck besuchen zu müssen), die nicht dem eigenen Fachbereich entsprechen. So war es mir möglich zwei äußerst lehrreiche und interessante Psychologykurse zu belegen. Die Leistungsanforderungen sind allerdings höher als an der Universität Potsdam, zumidest wenn man lediglich das erste Semester in Maynooth belegt. Dies bedeutet nämlich, dass man keine Klausuren oder ähnliches nach Weihnachten schreibt, sondern stattdessen die doppelte oder gar dreifache Wortanzahl (und natürlich leider, dass die Erfahrung schon Mitte Dezember endet). Für Kurse, die fünf ECTS Punkte bringen wird beispielsweise ein Essay von 2000 Wörtern verlangt und statt der Klausur nocheinmal 5000 Wörter. Obwohl ich nur drei Kurse für insgesamt 20 Punkte einbringen wollte, musste ich dennoch circa 14000 Wörter einreichen und das während des Semesters zusätzlich zu dem Unversitätsalltag (Leistungen wie Referate oder ähnliches kommen natürlich auch hinzu). Die letzten zwei Wochen haben gefühlt alle Studenten in der Bibliothek campiert, die gnädigerweise ihre Öffnungszeiten bis zwei Uhr morgens verlängerte. Wer 30 ECTS erwerben möchte und nur ein Semester an der Universität in Maynooth ist, sollte sich also wappnen und sehr, sehr früh beginnen. Gerade in einem Dorf wie Maynooth spielt sich das gesamte Leben eigentlich am Campus oder in der direkten Umgebung ab. Mir kam das studentische Klima sehr warm und freundlich vor. Man findet leicht Kontakt, sowohl zu Studenten als auch zu Lehrenden, aber dies mag auch meinen Fächern zuschulden sein. In Philosophie sind die Kurse eigentlich meisten kleiner und daher von einem persönlicheren Verhältnis zu allen Teilnehmenden und Lehrenden geprägt.

Insgesamt würde ich sagen, dass die Menschen, die ich kennengelernt habe, der Kern waren, der diese Erfahrung so einzigartig gemacht haben. Es ist wundervoll, wie eng man in einer so kurzen Zeit zusammenwachsen kann, was vermutlich daran liegt, dass niemand Freunde und Famlie in der Nähe hat und die anderen Menschen daher alles sind was einem bleibt. Diese Art des Menschenkennenlernens ist eine Erfahrung, die ich jedem ans Herz legen würde, der generell etwas für Menschen übrig hat.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich bin mir nicht sicher, ob oder eher in welcher Weise sich mein Englisch tatsächliche verbessert hat. Durch einen größeren Kontakt mit Studenten, deren Mutterssprache nicht englisch ist und auch weil man in Gesprächen nicht ständig Wörter nachschlägt, verbessert sich vorallem das Alltagsenglisch, der schnelle Sprachwechsel von einer Sprache in die andere und die Fähigkeit des Umschreibens des Gemeinten. Auch sind die meisten Muttersprachler, seien es Dozenten in Kursen oder irische Mitstudenten, meist zu höflich einen zu verbessern. Hier lohnt es sich den Wunsch verbessert zu werden nachdrücklich vorzubringen.

Wohn-  und Lebenssituation

Der wichtigste Hinweis der einem im Bezug auf Maynooth gegeben werden muss, ist die Wohnungssuche. Sie ist grauenhaft. In beinahe allen Aspekten. Es gibt viel zu wenige Wohungen und eigentlich keinerlei Mietrechte oder ähnliches. Ich selbst habe bestimmt 30 bis 40 Housesharingprojekte oder Vermieter angeschrieben, bis ich schließlich einen Platz im Studentenwohnheim bekommen habe. Auch hier genießt man keinerlei Wohn- oder Mietrecht. Beispiele sind: es ist verboten Wäsche in seinem Apartment zu trocknen (stattdessen über drei Euro für den einen Trockner, den es im Apartmentblock gibt); mehr als zehn Menschen zu beliebiger Zeit in einem Apartment und unabhängig von ihrer Tätigkeit gilt als Party und führt zum Verweis, ebenso Übernachtungsgäste, die nicht angemeldet werden (was oft nicht erlaubt ist) etc. Mit zwei Verweisen fliegt man. Zum Glück wird das etwas heißer gekocht als gegessen und mit etwas Umsicht und Vorsicht, lebt es sich recht passabel im Wohnheim. Ohne mich in Details verlieren zu wollen sind alle Wohnungen überteuert und mit unfairen Konditionen versehen. Die Wohnungssuchen sollte also erste Priorität sein, wenn man nicht in einem geteilten Zimmer ein paar Dörfer weiter enden möchte bei einem Vermieter, der nur einen Grund sucht die Kaution einzubehalten und einen dann rauszuwerfen.

Maynooth liegt nahe bei Dublin, was für Unternehmungen ein echter Vorteil ist. Je nach dem wonach einem ist, findet man in Maynooth auch ein Angebot von vier Pubs und vier Clubs, was für ein Dorf dieser größe enorm ist (den Unipub nicht einmal miteingerechnet). Die Bus- und Zugabfahrtszeiten sind natürlich im Vergleich zu einer Großstadt bescheiden. Außerdem gibt es in Irland im Allgemeinen eine Sperrstunde ab halb drei Uhr morgens, was bedeutet, dass alle Etablissements geschlossen werden. Meist auf die Sekunde genau.

Die Lebenserhaltungskosten sind höher als in Deutschland von einem unsubvenionierten Kaffee an der Universität bis zum Lebensmitteleinkauf. Frisöre für Herrenhaarschnitte sind allerdings günstiger. Unbedingt erwähnt werden sollte die geniale irische Landschaft. Sie ist schöner als man es vielleicht vorher gehört hat, was beim Campus anfängt und sich über das gesamte Land ausdehnt. Gerade für Erasmusstudenten gibt es passend dazu ein vielfältiges Programm an Ausflügen und Gelegenheiten Wochendausflüge zu machen. In Irland ist generell innerhalb von vielleicht maximal fünf bis sechs Stunden alles erreichbar. Außgedehnten Wander- oder Besichtigungstouren steht somit nichts im Wege.    

Studienfach: Philosophie und Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: University of Maynooth

Gastland: Irland


Rückblick

Ich hätte es davor nicht geglaubt, aber ich muss zugeben, dass ich inzwischen Werbetexte für Erasmus schreiben könnte und würde. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, dieses Auslandsemester zu machen, in mehr Facetten, als ich hier aufzählen könnte oder wollte. Zu betonen ist noch einmal, wie unglaublich viele Menschen aus allen Kulturkreisen, Ländern und Lebensrealitäten man kennenlernt und wie sehr man sie innerhalb der kurzen Zeit schätzen und mögen lernt. Ohne es kitischig sagen zu wollen, dass Ganze fühlte sich an, wie eine monatelange Klassenfahrt mit anfangs Fremden und später mitunter guten Freunden. Trotz kleinerer Widrigkeiten, die ich hier aufgezählt habe, würde ich jedem ein Auslandsemester empfehlen.

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