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Erasmus in Maynooth

Irland - Heimat der Leprechauns, Schafe und sagenumwobenen keltischen Ruinen. Wer einmal die grüne Insel im Nordwesten Europas besucht hat, den zieht es immer wieder dahin. So erging es auch mir, nachdem ich das erste Mal irischen Boden betrat. Während meines Bachelorstudiums hatte ich es leider versäumt an einem Auslandsaufenthalt im Rahmen des Erasmus+ Programms teilzunehmen. Nun wollte ich die einmalige Gelegenheit nutzen und mithilfe des europäischen Studienprogramms während meines Masters nach Irland zurückkehren.


Studienfach: Kulturelle Begegnungsräume der Frühen Neuzeit

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Maynooth

Gastland: Irland

Als einzige Gastinstitution für Irland kam zum damaligen Zeitpunkt nur die National University of Ireland, Maynooth in Frage. Das Ziel stand somit von Anfang an fest. Da es eine Bewerbungsrunde für das ganze akademische Jahr gibt und diese am 31. Januar endet, war eine rechtzeitige Auseinandersetzung mit der Thematik von Vorteil. Bereits im vorletzten Semester meines Bachelorstudiums begann ich mich um die notwendigen Unterlagen zu kümmern. Die zahlreichen Informationsveranstaltungen der Universität Potsdam, die Internetpräsenz des Akademischen Auslandsamtes sowie ein Termin bei der damaligen Erasmus-Koordinatorin für das Fach Geschichte erwiesen sich dabei als sehr hilfreich. Das Kernstück für die Bewerbung um einen Erasmus+ Platz bei den Koordinatoren der Fachbereiche war ein aussagekräftiges Motivationsschreiben. In diesem sollte man anschaulich darstellen, aus welchen Gründen ein Auslandsaufenthalt an der Wahluniversität für den eigenen Werdegang von großer Bedeutung ist. Wenige Tage nach Ende der Bewerbungsfrist erhielt ich die Nominierung für meinen Erstwunsch für das Sommersemester 2017.

Nach der offiziellen Nominierung und der Abgabe der Annahmeerklärung für den Platz, ging die eigentliche Vorbereitung los. In weiteren Informationsveranstaltungen des Akademischen Auslandamts wurden die administrativen Vorgänge Schritt für Schritt erläutert. Themen wie die Bewerbung an der Gastuniversität, Fragen rund um die Finanzierung des Aufenthaltes sowie um wichtige Dokumente, beispielweise das Learning Agreement Before the Mobility und das Grant Agreement wurden im Detail behandelt. Das Learning Agreement ist eine vorläufige Auswahl der Kurse, das man Mithilfe des Portals der Maynooth University ausfüllen kann. Mögliche Veränderungen können im Nachhinein und vor Ort problemlos mit dem Learning Agreement During the Mobility vorgenommen werden. Alle wichtigen Informationen rund um den Bewerbungsprozess und das Auslandstudium wurden von der National University of Ireland Maynooth in einer gut strukturierten Übersicht zusammengestellt. Weitere Emails mit detaillierten Angaben zu den Bewerbungsvoraussetzungen und den Zugangsdaten für die Online-Registrierung folgten. Bei der Anmeldung legte das International Office einen besonderen Wert auf den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung inklusive Rücktransport für den Zeitraum des Auslandsaufenthaltes. Ohne einen entsprechenden Nachweis einer Auslandversicherung, keine Immatrikulation. Da die Teilnahme an den Orientierungstagen Ende Januar verpflichtend für alle Neuankömmlinge ist, bietet es sich an einige Tage früher in Irland anzukommen. So kann man sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen und mögliche Probleme bereits vor Ort klären. Neben wichtigen Informationsveranstaltungen rund um das Studium, fand am 27. Januar 2017 die Kurseinschreibung für die ausländischen Studenten in der Sports Hall auf dem North Campus statt. Hier wurde die Liste mit den Wunschkursen, die am Tag zuvor ausgeteilt wurde, von den entsprechenden Department Koordinatoren unterzeichnet. Mit dem unterschriebenen Formular wird man einige Tage später durch das Registration Office offiziell in die Kurse eingeschrieben.

Studium in Irland

Gleich von Beginn an wurden wir von Vertretern des International Office, der Students Union und der Universität herzlich empfangen. Alle Beteiligten versuchten den Studenten das Leben in Irland so einfach wie möglich zu machen. Besonderer Wert wurde dabei auf das psychische und physische Wohlbefinden der Studenten gelegt. Von allen Seiten aus wurde ausdrücklich betont, dass man sich bei Problemen jeglicher Art an die Studentenvertretung oder das International Office wenden solle. Um die vom Erasmus+ Programm vorgeschriebenen 30 Leistungspunkte zu erbringen, bietet sich neben der Wahl von Kursen und Vorlesungen aus dem eigenen Fachgebiet die Belegung der Veranstaltungen vom Centre for Irish Cultural Heritage an. Durch eine interdisziplinäre Herangehensweise werden den Studierenden hier Einblicke in die Kultur, Literatur und Sprache des Gastlandes gewährt. Bei Ausflügen, beispielweise zum Hill of Tara oder nach Newgrange, lernt man dabei irische Geschichte direkt und vor Ort am Objekt kennen.

Die Prüfungsorganisation sowie die Struktur der Kurse ist von Department zu Department unterschiedlich. Während in einer Englisch Vorlesung ein Essay von 2500 Wörtern die einzige Prüfungsleistung darstellte, musste man in einer Geschichtsvorlesung eine Klausur schreiben und an einem wöchentliches Tutorium teilnehmen. Für die Cultural Heritage Kurse wiederum, waren ausschließlich Essays im Umfang von 5-7 Seiten zu unterschiedlichen Themengebieten vorgesehen. Vor und während der Prüfungszeit kann man die thematisch und technisch hervorragend ausgestattete John Paul II Library nutzen. Nicht nur, dass man sich hier einen Laptop ausleihen oder einen der zahlreichen Computerpools nutzen kann. Die Lernbereiche, die sich auf alle drei Etagen der Bibliothek erstrecken, sind bei den Studenten besonders beliebt. Gerade in der Prüfungszeit ist es oftmals schwer einen Platz in der Bibliothek zu ergattern. Zahlreiche Computerpools auf dem Nordcampus sowie der Reading Room im Arts Building bieten dabei eine willkommene Ausweichmöglichkeit. Das irische Notensystem unterscheidet sich wesentlich vom deutschen. Die Benotung erfolgt im Allgemeinen auf einer 100 Punkte-Skala. Während es nahezu unmöglich ist mehr als 80% in einer Prüfungsleistung zu bekommen, befindet man sich laut Notenumrechnungstabelle der Universität Potsdam mit einer irischen Note von 70-100% immer noch im deutschen 1,0er Schnitt.

Kontakt zu einheimischen und ausländischen Studenten

Durch die Einführungsveranstaltungen der Maynooth Students Union und des International Office lernt man gleich zu Beginn andere ausländische Studenten aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen kennen. Es empfiehlt sich diese Gelegenheit zu nutzen und erste internationale Kontakte zu knüpfen. Bald kristallisierten sich jedoch auch Gruppen aus Deutschen, Franzosen und Amerikanern heraus, die lieber unter sich blieben. Ich persönlich finde das schade, da man sein Auslandssemester nutzen sollte um Menschen unterschiedlichster kultureller Hintergründe kennenzulernen. In einem Semester hat man so nicht nur einen sehr guten Einblick in die irische Mentalität, sondern lernt zudem viel über die Kulturen und Sitten anderer internationaler Studenten. Auch wenn viele Iren sehr freundlich und aufgeschlossen sind, fiel es in dem Semester schwer mit einheimischen Studenten Kontakte zu knüpfen. Die Kehrseite der Cultural Heritage Kurse ist dabei, dass es sich besonders an ausländische Studenten richtet. Daher werden diese kaum von irischen Studenten besucht. Am ehesten lernt man Einheimische in einem der vielen Clubs oder Societies der Universität kennen. Dabei bieten sich insbesondere die Sportvereine und internationalorientiere Verbände wie die Language Society an. Während man sowohl von den offiziellen Institutionen der Universität als auch von den Studentenvereinigungen immer sehr gut betreut wurde, gibt es in diesem Zusammengang vom organisatorischen Standpunkt aus doch Kritik an der Durchführung des Buddy-Programms. Hierbei handelt es sich um eine Plattform, auf der internationale mit einheimischen Studenten in Verbindung gebracht werden sollen, um den Einstieg in den Studienalltag zu vereinfachen. Obwohl sich für dieses Programm viele neue Studenten angemeldet hatten, wurden erst einen Monat nach Beginn des Aufenthalts die Zuteilungen bekanntgegeben. Zu diesem Zeitpunkt hatte man sich das Wissen über den Alltag selbst oder mit der Hilfe internationaler Mitstudenten angeeignet. Selbst nachdem die Buddies bekannt waren, kam nie ein Treffen zustande. Hier wäre eine bessere Organisation wünschenswert gewesen. Während Freunde aus dem ersten Semester größtenteils positives über das Programm zu berichten wussten, schlug die Durchführung im zweiten Semester fehl. 

Sprachkompetenz vor und nach dem Aufenthalt

Selbst wenn man Englisch vorher auf einem guten Niveau beherrscht, erwirbt man durch den Auslandsaufenthalt zusätzliche wertvolle Kompetenzen. Während der irische Akzent im Bereich Dublin/Maynooth relativ unproblematisch ist, zweifelt man auf Reisen in den Süden und Westen des Landes ein ums andere Mal an seinen Englischkenntnissen. Dennoch führt der alltägliche Umgang mit der Sprache in den unterschiedlichsten Situation zur Erweiterung des eigenen Sprach-Horizontes. Wenn man in Irland studiert, sollte man die einmalige Gelegenheit nutzen, einen der angebotenen Irisch-Sprachkurse zu belegen. Im Rahmen des Kurses Irish for Local History erwirbt man so nicht nur einen einmaligen Einblick in die Kultur Irlands. Zudem erlebte man auf Rundreisen durch das Land immer wieder, wie vorteilhaft es ist, Grundkenntnisse in der Amtssprache der Insel zu besitzen. Wenn man so auf dem Bahnsteig einen Zug nach Waterford erwartet und stattdessen Port Láirge anzeigt wird, weiß man zumindest, dass man richtig steht.

Wohn- und Lebenssituation

Als erste Anlaufstelle für die Wohnungssuche bietet sich die Erasmus-Facebook-Gruppe der Universität an. Auf der Suche nach einer passenden Unterkunft kam bei uns erschwerend hinzu, dass wir als Paar nach Irland gingen. Viele Landlords sprechen sich von vornherein für eine no couples allowed-Politik aus. Nach mehreren erfolglosen Kontaktversuchen wurden wir bei dem Facebook-Angebot einer irischen Studentin für eine Wohnung in Maynooth fündig. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass uns einige wesentliche Informationen unterschlagen wurden. Nicht nur, dass entgegen der ursprünglichen Angabe kein Internetzugang vorhanden war. Zudem kümmerte sich niemand um das Heizöl, die Wohnung und insbesondere die Küche waren verdreckt und im Bad funktionierte nichts richtig. Vor Ort suchten wir auf Studentpad nach einer neuen Wohnung und eine Woche später kamen wir bei einem sehr netten Landlord nahe der Universität unter. Hier wohnten wir mit ihm und 3 weiteren Studenten unter einem Dach. Aufgrund der Größe des Hauses und den vorhandenen Anlagen konnten mögliche Alltagsprobleme jedoch problemlos vermieden werden. Die kleine Studentenstadt ist sehr gut an das öffentliche Verkehrsnetzt angebunden. Nach der Ankunft am Flughafen in Dublin, kommt man am günstigsten mit dem Airporthopper direkt nach Maynooth. Bucht man diesen Online, bekommt man auf den eh schon guten Studententarif noch 20% Rabatt. Von Maynooth aus kommt man sowohl mit der DART als auch mit den preislich günstigeren Bussen 66 und 67 schnell nach Dublin und in das Umland. Als Ticket eignet sich dafür die Student-Leapcard. Zu Beginn des Semesters ist diese von Express Agents im Arts Building zu günstigen Konditionen und direkt vor Ort erhältlich. Je nach Bedarf kann man die Leapcard bei Supervalu, Centra oder Londis aufladen. Plant man während des Semester einen Wochenendtrip mit Freunden nach Galway oder Sligo, kann man hierfür die im täglich Rhythmus verkehrenden Bus Éirenn Expressbusse von der Station Straffan Road nutzen.

Bevor man nach Irland geht sollte man bedenken, dass die Lebenshaltungskosten auf der grünen Insel im allgemeinen sehr hoch sind. Da das Erasmus+ Stipendium in den meisten Fällen nicht mal die Mietkosten deckt, sollte man versuchen, weitere Einnahmequellen wie Stipendien oder das Bafög heranzuziehen. Da ich persönlich weder das eine, noch das andere bekam, habe ich mir als finanzielle Stütze einen Job im Weihnachtsgeschäft besorgt. Auf das Geld kann man in Irland entweder kostenlos mit einer Visakarte an einem der vielen ATMs zugreifen oder man bezahlt den Wocheneinkauf mit der Kreditkarte. Auch hierbei entstehen keine zusätzlichen Kosten. Ein Bankkonto ist meiner Meinung nach nicht zwingend von Nöten. Von all den Einkaufsmöglichkeiten, die Maynooth zu bieten hat, ist der einfachste und günstigste Weg direkt zu ALDI beim Eingang zum Nord- und Südcampus. Alternativ kann man auch etwas teurer bei Supervalu oder Tesco einkaufen. Bei Tesco und dem naheliegenden Meteor Laden kann man sich bei Bedarf auch eine irische Sim-Karte zu guten Konditionen kaufen. Auch wenn man in Irland an jeder Ecke W-Lan hat, würde ich dennoch empfehlen ein altes Ersatzhandy mit solch einer Karte auszustatten. In einigen Situationen ist es vorteilhaft, wenn nicht sogar notwendig, im irischen Netz telefonieren zu können.

Maynooth mag vielleicht eine kleine Studentenstadt sein, dennoch gibt es hier immer was zu erleben. Von den zahlreichen guten Pubs des Örtchens, wie der studentenbetriebenen SU und dem Roost abgesehen, organisiert das ESN über das Semester verteilt verschiedene Ausflüge und Events. Herzstück der studentischen Freizeitbeschäftigung sind jedoch die Clubs und Societies der Universität. Wer schon immer mal einen GAA-Kurs ausprobieren wollte, kann zu Beginn des Semesters bei einigen der Trainingsstunden vorbeischauen. Neben den unzähligen Clubs der Universität können Sportbegeistere zudem kostenlos das Fitnesscentre im Phoenix Buidling nutzen. Wer bei den Sportkursen der Universität nicht fündig wird, kann sich nach einem außeruniversitären Club umschauen. Ich persönlich trat in einem Nachbarort von Maynooth einer Krav Maga Gruppe bei, die unter dem gleichen Dachverband läuft wie mein heimischer Verein. Neben den Sportangeboten der Universität empfiehlt es sich zudem, einer der unzähligen Societies beizutreten. Während man mit der ESN-Society auf Touren durch das Land reisen kann, kann man so Filmabenden der Hogwarts Society beiwohnen, an einem Pubquiz der Game of Thrones Society teilnehmen oder mit der Language Society Sprachen lernen.

Studienfach: Kulturelle Begegnungsräume der Frühen Neuzeit

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Maynooth

Gastland: Irland


Rückblick

Rückblickend war das Erasmus+ Semester eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Mit einer entsprechenden Vorbereitung ist der Aufenthalt recht schnell und unkompliziert organisiert. Vor Ort wird man von Seiten der Maynooth University permanent und wirklich sehr gut unterstützt. Ob es nun um die Lebenssituation in Irland oder um administrative Fragen geht, man findet immer jemanden, der weiterhelfen kann.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal kurz auf das wohl leidigste Thema des Auslandstudiums eingehen: die Wohnungssituation. Viele hatten am Ende Glück mit ihrer Unterkunft. Jedoch gab es auch einige, die mit ihrer Unterbringung unzufrieden waren. Sei es nun, weil sie von ihren jeweiligen Landlords ungerecht behandelt wurden oder weil die Wohnung an sich in einem schlechten Zustand war. Wichtig ist, dass man es in diesem Falle nicht auf der Situation beruhen lässt. Fühlt man sich unwohl, sollte man entweder auf Studentpad oder Daft.ie nach einer neuen Wohnung suchen oder sich an das Accomodation Office wenden, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Kommt es zu einem Konflikt zwischen Vermieter und Student, sollte man sich an die Maynooth Students Union wenden. Die Person, die für das Amt des Vice President for Welfare and Equality zuständig ist, kennt die Probleme, die rund um das Thema Unterkunft aufkommen können und setzt alles daran, dass die Sache einen positiven Ausgang findet. Auch bei anderen Sorgen und Nöten sollte man sich immer an einen Vertreter der MSU wenden.
Wer je in Maynooth gelebt oder studiert hat, findet hier ein zweites Zuhause. Man sollte die gegebene Zeit nutzen und so viel wie möglich von der Landschaft, der Kultur und der Bevölkerung Irlands kennenlernen. Der wohl wichtigste Bestandteil des Auslandssemesters sind jedoch die wunderbaren Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Ländern, die man während seines Auslandsaufenthaltes kennenlernt.

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