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Ein Semester in Athen 2016/2017

Im Oktober 2015 bewarb ich mich auf einen Studienplatz an der Panteion Universität Athen zum Wintersemester 2016 im Rahmen des Erasmus+ Programms. Die Bewerbung enthielt eine Besonderheit: Da zu meinem Studiengang M.A. Verwaltungswissenschaft keine Kooperation mit der Panteion Universität Athen bestand, musste ich mich über die soziologische Fakultät der Universität Potsdam auf einen Studienplatz an der Gasthochschule in Athen bewerben. Glücklicherweise reichte kein Studierender der Soziologie eine Bewerbung auf den Platz an der Panteion Universität ein, sodass ich einige Monate später eine Bestätigung meines Studienplatzes an der Panteion Universität im Postfach meines E-Mail-Accounts fand.


Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 03/2017

Gastuniversität: Panteion University of Social and Political Science

Gastland: Griechenland

Im März 2016 bestätigte mir zudem die Gasthochschule aus Athen, dass ich für das Erasmus-Plus-Programm der Panteion Universität nominiert wurde und zum Wintersemester 2016 mein Studium in Athen fortsetzen durfte. Neben einem auszufüllenden Online-Formular erhielt ich Informationen zur Kursauswahl und eine Liste von postalisch einzureichenden Dokumenten: die originalen Bewerbungsunterlagen meiner Heimuniversität; eine Anmeldung für freies Essen in der universitären Mensa; eine Kopie meines Ausweises; eine Bestätigung, dass ich während der Zeit an der Gastuniversität krankenversichert bin; die Bestätigung, dass ich von der Universität Potsdam für das Erasmus+ Programm an der Gastuniversität ausgewählt wurde; und ein Zertifikat, das meine Kenntnisse der englischen Sprache auf mindestens B2-Niveau ausweist.

Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 03/2017

Gastuniversität: Panteion University of Social and Political Science

Gastland: Griechenland

Studium an der Gastuniversität

Die Informationen zur Kursauswahl, die ich im Vorfeld meines Erasmus-Aufenthalts erhielt, waren nur bedingt hilfreich. Zwar erschien die Kursauswahl groß, und dies zudem auf Englisch, jedoch stellte sich bei meiner Ankunft in Athen an der Panteion Universität heraus, dass die meisten angebotenen Kurse lediglich in griechischer Sprache gelehrt werden würden. So musste ich mich mit einer eingeschränkten Kursauswahl begnügen, woraus ich zwei Veranstaltungen in englischer Sprache wählte.

Das Studienklima an der Gastuniversität gefiel mir ausgesprochen gut. Lehrveranstaltungen im siebten Stock mit Ausblick auf die gesamte Stadt und deren Sehenswürdigkeiten verlieh dem Studieren eine bemerkenswerte Atmosphäre. Als großartig empfand ich es zudem, dass während des Unterrichts in den Sälen geraucht werden durfte, was die Erasmusstudenten nach kurzem Zögern auch bereitwillig annahmen. Auch die Betreuung gilt es zu loben. Eine besondere Erwähnung verdient unsere hiesige Erasmuskoordinatorin, die sich stets um unsere persönlichen Belange kümmerte und auch außerhalb ihrer Sprechzeiten schnell und unkompliziert erreichbar war. Nach einer Woche (!) schien es fast so, als kenne sie all unsere Namen und die dazugehörigen Gesichter. Ähnliches lässt sich über unsere Dozenten sagen. Erfrischend und fordernd zugleich, begegneten sie uns stets auf Augenhöhe und waren äußerst interessiert an unseren akademischen Lebensläufen und Studieninhalten aus den Heimatuniversitäten. Die technische Ausstattung ist nicht mit dem Niveau deutscher Universitäten vergleichbar. Während Computer und Beamer zum Standardrepertoire in Deutschlands Seminarräumen gehören (zumindest an denjenigen Universitäten, an denen ich studiert habe), waren in Athen längere Organisation und Anmeldungen notwendig, um seinem Argument in Präsentationen einen digitalen Ausdruck zu verleihen. Für uns Studenten galt also das Motto back to the roots mit Tafel und Overhead-Projektor, eine überraschend erfrischende Erfahrung! Zu Computerpools und der universitätsinternen Bibliothek lässt sich aus meiner Erfahrung wenig sagen, da ich diese Angebote nicht in Anspruch genommen habe.

       

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Über das Buddy-Programm der Panteion Universität Athen wurde jedem ausländischen Student ein griechischer Studierender als Unterstützung insbesondere für die ersten Wochen im Gastland zugewiesen. Dieses Programm war insofern sehr hilfreich, als mein „Buddy“ mir etliche Tipps zur Athener Wohn- und Lebenssituation gab. Darüber hinaus waren damit erste Kontakte zu einheimischen Studenten gewährleistet, die wir in den folgenden Wochen weiter ausbauen konnten.

In seinem Buch Homo Erasmus zeichnet der französische Student Léos van Melckebeke ein abwertendes Bild über das Erasmus-Programm. Er kritisiert den häufig fehlenden Austausch der Erasmus-Studenten mit den gesellschaftlichen Strukturen und Kulturen des Gastlandes, was dazu führt, dass sich viele unbewusst in einer Blase wiederfinden, ohne tiefgreifende Kontakte mit einheimischen Bewohnern zu knüpfen. Erasmus, so van Melckebeke, führe in den seltensten Fällen dazu, Einheimische kennenzulernen und eine fremde Sprache zu sprechen, obwohl dies der eigentliche Sinn des Programms sei. Ich kann der Feststellung van Melckebekes zwar zustimmen, nicht jedoch dem Vorwurf, dies passiere aus Desinteresse seitens der Erasmusstudenten. Erasmus lebt vom Kontakt zu anderen ausländischen Studierenden; diese Erfahrung alleine gestellt ist bereits neu und aufregend. Nicht nur, dass Studenten aus dem Erasmusprogramm eine neue Stadt und Sprache kennenlernen, sie verbindet auch eine Tatsache miteinander, die nicht unterschätzt werden darf: Zeit. Erasmusstudenten haben, abgesehen vom gelegentlichen Besuch studentischer Veranstaltungen, keine Verpflichtungen. Das führt dazu, dass man praktisch jeden Tag neue Leute kennenlernen darf. Man muss sich also schon bewusst dazu entscheiden, Einheimische zu treffen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Die Lehrveranstaltungen, die ich in Athen besucht habe, wurden in englischer Sprache gehalten, daher beziehe ich mich bezüglich meiner Sprachkompetenz auf das Englische. Im Laufe des Aufenthalts habe ich mir zwar einige Grundkenntnisse der griechischen Sprache angeeignet, über Verständigungen im Supermarkt und Restaurants gehen diese jedoch nicht hinaus. Vor meinem Auslandsaufenthalt sprach ich Englisch auf C2-Niveau, da ich nach dem Abitur ein Jahr in Australien verbracht hatte und die meisten der Lehrveranstaltungen meiner akademischen Laufbahn ebenfalls auf Englisch abgehalten wurden. Insofern war das Studium in Athen für mich keine großartige Umstellung, sodass sich meine Sprachkompetenz im Englischen nicht grundlegend verändert hat.

Wohn-  und Lebenssituation

Mein „Buddy“, der mir vom Erasmusprogramm zugeteilt wurde, gab mir bereits im Vorfeld meines Auslandsaufenthalts hilfreiche Tipps zu Internetseiten, auf denen etliche Unterkünfte speziell für Erasmusstudenten zu finden waren. Mit der Suche begann ich jedoch erst in meiner ersten Woche in Athen, für deren Zeitraum ich eine günstige Wohnung über AirBnB buchen konnte. Da die Wohnungssituation in Athen allerdings für Mieter äußerst entspannt ist, konnte ich schnell über die Facebookgruppe „Erasmus Accommodation“ eine langfristige Bleibe zusammen mit einem Kommilitonen aus Potsdam finden. Die einzige wirkliche Problematik sind die Mietpreise in Athen. Erasmusstudenten zahlen im Durchschnitt deutlich mehr als Einheimische, wirklich verhindern lässt sich das aus meiner Sicht jedoch nicht. Ausländische Studierende müssen mit Preisen zwischen 250 € und 300 € rechnen, verglichen mit beispielsweise Berlin ist das jedoch immer noch preiswert. Bei der Wohnungssuche lohnt sich der Vergleich; für 300 € sollte es schon eine geräumige Wohnung mit Wohnzimmer und Balkon sein. In unserem Fall hatten wir Glück, eine Wohnung mit einwandfrei funktionierendem Heizungssystem zu finden. Die wenigsten Athener Unterkünfte sind ausgestattet mit Heizung und zentraler Warmwasseraufbereitung. Stattdessen findet man meistens Klimaanlagen in den Wohnräumen und einen Durchlauferhitzer für warmes Wasser, den man bei Benutzung beispielsweise der Dusche einschalten muss. Da der diesjährige Winter in Athen deutlich kälter als üblich war, konnten wir uns glücklich schätzen, eine perfekt funktionierende Heizung in unserer Wohnung zu haben. Eine weitere Besonderheit der Athener Wohnsituation ist, dass die Miete monatlich bar zu entrichten ist.

Der öffentliche Verkehr in Athen ist nicht mit dem Berlins zu vergleichen. Unter der Woche fahren die Bahnen, genannt Metro, bis 0 Uhr nachts, am Wochenende bis 2 Uhr. Auch die Reichweite lässt leider etwas zu wünschen übrig. So sind Szeneviertel wie beispielsweise Exarchia kaum mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Im Falle des Falles bieten jedoch Taxis eine gute Alternative, da diese äußerst preiswert sind. Tagsüber gilt Tarif eins, ab 0 Uhr steigen die Preise etwas. Für fünf Euro kommt man innerhalb des Zentrums jedoch nahezu überall von A nach B. Da dies auf Dauer allerdings den notorisch klammen Geldbeutel eines Erasmusstudenten nicht unerheblich belastet, bleibt noch eine letzte Alternative: Laufen. Das Athener Zentrum, in dem sich Erasmusstudenten die meiste Zeit aufhalten werden, ist nicht besonders groß, sodass viele Orte auch zu Fuß innerhalb einer halben Stunde erreichbar sind.

Um keine Gebühren für Geldabhebungen an Automaten zu zahlen, habe ich im Vorfeld meines Auslandsaufenthalts ein Konto bei der Deutschen Kreditbank eröffnet. Dies kann ich jedem Erasmusstudenten wärmstens empfehlen, da in diesem Falle keine Gebühren anfallen.

Die Lebenshaltungskosten sind in etwa mit denen Deutschlands zu vergleichen. In Restaurants und Imbissen zahlt man tendenziell etwas weniger, dafür sind Einkäufe in Supermärkten etwas teurer. Athen ist eine Stadt mit extrem hoher Bardichte. Griechen lieben es, abends bei sommerlichen Temperaturen von Frühling bis Herbst in Restaurants und Kneipen zu sitzen und sich auszutauschen. Speziell der Stadtteil Exarchia bietet eine Fülle an Tavernen, Bars und Kneipen. Ebenfalls erwähnenswert ist die Athener Clubszene, die besonders im Winter und Frühling sehr beliebt ist.

Wer gerne innerhalb Griechenlands reisen möchte, wird Athen als Ausgangspunkt lieben. Ob Tagesausflüge zu nahegelegenen Inseln wie z.B. Aegina und Agistri, Wochenendtrips nach Thessaloniki, Istanbul und Rom oder Ausflugsziele im Umland wie Meteora und Delphi: Wer gerne reist, findet mit Sicherheit das Richtige zu erschwinglichen Preisen.


Rückblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mein Aufenthalt in Athen ein voller Erfolg war. Das Studium an der Panteion Universität war anspruchsvoller als erwartet und hat mir interessante neue Einblicke insbesondere in die historische Entwicklung der Menschheitsgeschichte vom Osmanischen Reich bis zum Ende der sozialistischen Ordnung in Osteuropa geliefert. Auch auf sozialer Ebene möchte ich die Zeit in Athen nicht missen. Etliche neue Freundschaften werden dafür sorgen, dass ich weiterhin innerhalb Europas reisen muss, um in Kontakt mit all denjenigen Leuten zu bleiben, die ich während meiner außergewöhnlichen Zeit in Athen kennenlernen durfte.

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