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Ein Semester in Toulouse

Ich absolvierte mein Auslandssemester an der Université Toulouse Jean Jaurès, die gleichzeitig die schlichte Bezeichnung Toulouse II oder Le Mirail führt. Die Universität wurde 1974 gegründet und bietet folgende Studienfächer an: Arts, Lettres et Langues, Sciences Humaines et Sociales und Sciences et Technologies.
Es kommt mir, im Nachhinein betrachtet, noch nicht so lange vor, als ich im Jahr 2015 intensiv damit begonnen hatte, meinen Auslandsaufenthalt zu organisieren. Ich war soeben zum Master aufgestiegen und wollte unbedingt ins Ausland gehen, um Neues zu erfahren, an einer fremdsprachigen Universität zu lernen und in eine andere Alltagskultur eintauchen. Natürlich hatte ich auch Sorgen, wenn nicht sogar Angst, wie und ob denn alles überhaupt so klappen würde, wie ich es mir wünschte. Um mit dem Finger auf mich selbst zu zeigen, muss ich gestehen, dass ich ohnehin ein eher panischer Mensch war. Früher deutlich mehr als heute. Und ohne an dieser Stelle eine allzu romantische oder gewollte Werbung für Auslandsaufenthalt machen zu wollen, muss ich dennoch sagen, dass ich diese positive Entwicklung unter anderem meinem Aufenthalt im Ausland zu verdanken habe. Doch dazu später mehr.


Studienfach: Französisch

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 01/2017

Gastuniversität: Université Toulouse Jean Jaurès

Gastland: Frankreich

Organisation

Zunächst verlangt die Durchführung eines jeden Vorhabens eine gute Organisation und Planung. Von daher kann ich jedem, der ein Auslandssemester plant, nur ans Herz legen die vom International Office angebotenen Informationsveranstaltungen zu besuchen und sich rechtzeitig über Termine, Fristen und erforderliche Dokumente zu informieren. Der jährlich veranstaltete International Day ist an dieser Stelle aus meiner Erfahrung sehr empfehlenswert, da er die Möglichkeit bietet, sich erste Informationen und Eindrücke zu holen, gleichzeitig aber auch einige konkrete Fragen klären kann. Ansonsten ist es ratsam sich auf den Erasmus+ Internetseiten der Universität Potsdam zu erkundigen. Hier bekommt man Auskunft über Partneruniversitäten im Ausland und Ansprechpersonen. Die Bewerbung für einen Auslandsaufenthalt wird bei den Erasmus-Koordinatoren in den Fachbereichen vorgenommen. Im Falle von Frankreich ist die zuständige Koordinatorin Frau Dr. Stefanie Wagner (Am Neuen Palais 10 Haus 19, Raum 4.34 14469 Potsdam). Bei der Bewerbung selbst ist es wichtig, die Bewerbungsfrist (meistens der 31.01. aber bitte selbstständig genau überprüfen!) zu beachten, sonst müsste man auf einen Restplatz hoffen, oder sein Vorhaben auf das nächste Mal vertrösten. Weitere Kriterien, die für die Bewerbung durch die Erasmus-Koordinatoren erfolgen, sind die akademischen Leistungen (Übersicht darüber, was man bereits gemacht hatte), sprachliche Kompetenzen, ein Motivationsschreiben, das man für die Gastuniversität verfasst und, nochmal zur Erinnerung, die Bewerbungsfrist. Des Weiteren ist es wichtig zu beachten, dass man die Veranstaltungen, die man an der Gastuniversität besuchen möchte, bereits vor der Abreise auf dem Learning Agreement BEFORE the mobility festhält. Hier ist das Vorhaben erforderlich, für ein Semester in Frankreich 30 Leistungspunkte anzustreben. Es ist ein Studienabkommen, das die Bereitschaft vermittelt, an der Gastuniversität tatsächlich zu lernen. Allerdings muss ebenfalls beachtet werden, dass das vor der Abreise abgeschlossene Learning Agreement BEFORE the mobility sich in den meisten Fällen (zumindest was Frankreich betrifft), vor Ort, d.h. an der Gastuniversität noch einmal ändern wird. Das hängt damit zusammen, dass einige Veranstaltungen rausgenommen, durch andere ersetzt werden oder vollständig ausfallen. Auch gebe ich den Rat, dringend darauf zu achten, wie viele Leistungspunkte bzw. ECTS für welche Veranstaltungen tatsächlich vergeben werden. In Toulouse bin ich nämlich auf die Schwierigkeit gestoßen, dass die Gastuniversität leider nicht mit Sicherheit sagen konnte, wie viel ECTS ich als Erasmus-Studentin bekommen darf. Das Bureau des Relations Internationales und die Informationsveranstaltungen hatten mich an die jeweiligen Sekretariate verwiesen. In der Regel, so habe ich erfahren, sollen die Auslandsstudenten weniger Punkte erhalten, als die einheimischen Studierenden. Doch es gab leider nirgendwo eine konkrete Übersicht. Auch die zuständigen Sekretariate, bei denen ich nachgefragt hatte, konnten mir zwar die Anzahl der ECTS für bestimmte Veranstaltungen nennen, doch das kuriose war, dass diese nachdem ich das Semester bereits absolviert hatte, sich aus einem nicht ersichtlichen Grund verringert hatte. Das Problem dabei liegt anscheinend in der unterschiedlichen Einschätzung bzw. einer nicht übereinstimmenden Informationsvermittlung zwischen den jeweiligen Sekretariaten und dem für ausländische und Erasmus-Studierende zuständige Bureau des Relations Internationales. So kam es z.B. dass ich am Anfang des Semesters für zwei Seminare jeweils 4 ECTS und für ein weiteres Seminar 7 ECTS bekommen sollte. Diese Informationen hatte ich vor Ort den Sekretariaten und der Homepage der Gastuniversität entnommen. Am Ende des Semesters jedoch, als ich zum Abschluss im Bureau des Relations Internationales war, hatten die ECTS dieser drei Veranstaltungen eine Abmagerungskur erfahren und reduzierten sich von 4 auf 3 und von 7 auf 3. Den plötzlichen Schock, den diese Mitteilung in mir auslöste, kann man sich vorstellen. Dennoch sind an dieser Stelle M. Stosic und M. Tanguy aus dem Maison de la recherche zu erwähnen, die immerhin auf die für Erasmus-Studierende nicht zugängliche Universitätsportale gehen können, um wenigstens allgemeine Informationen für ECTS nachsehen zu können. Zwar stimmten auch ihre Informationen am Ende nicht mit dem überein, was der Computer im Bureau des Relations Internationales fröhlich ausgespuckt hatte, dennoch ist es eine Anlaufstelle. M. Stosic hat übrigens sein Büro im Raum B 512. Manchmal muss man ihn eine Weile suchen bzw. auf ihn warten…

Jedenfalls, um meinen Punkt von oben wieder aufzugreifen, muss nach der Ankunft im Gastland im Laufe des ersten Monats ein Learning Agreement DURING the mobility erstellt und der Universität Potsdam zugestellt werden. Dieses Dokument verzeichnet schließlich die tatsächlichen Veranstaltungen, die man an der Gastuniversität absolviert.

Gastuniversität

Je nach Dozent bzw. Dozentin hat man als Erasmus-Studierender dieselbe Leistung wie die einheimischen Studierenden oder eine andere Prüfungsform zu erbringen. In der Regel gestaltet es sich wie folgt: man stellt sich vor, fragt nach, ob die Prüfungsform sich im eigenen Fall unterscheidet und der Dozent bzw. die Dozentin entscheidet dann, was zu machen ist. Ich hatte mit vielen Dozenten Glück, und konnte im Laufe des Semesters (zusätzliche) Referate halten und schriftliche Arbeiten schreiben, um mich nebenbei in der Sprache zu verbessern. Sie nahmen ihr Hilfeangebot sehr ernst und haben mich neben allgemeiner Themenvermittlung auch sprachlich gut gefördert. Das gab mir die Möglichkeit, vor französischen Studierenden aufzutreten und dadurch auch ein gutes Stückchen Angst vor dem spontanen Sprechen zu verlieren. Es gab aber natürlich auch weniger schöne Erfahrungen. Die positiven überwiegen jedoch. So hat mich beispielsweise ein Kurs besonders freundlich und kameradschaftlich in seinen Kreis aufgenommen, nahm mich immer zum Mittagessen mit, erklärte mir, wie es an der Universität abläuft und erzählte mir viele neue und lehrreiche Sachen. Den Kontakt zu diesen Studierenden habe ich mir auch nach meiner Rückkehr bewahrt. Es ist also sehr gut möglich, sogar neue Freundschaften zu schließen und einen tiefen Einblick in das kulturelle Leben und den Universitätsalltag zu bekommen. Apropos Essen: Die Mensa der Universität bietet täglich eine leckere Auswahl zwischen Grill-, Nudel- und Tagesgericht. Allerdings wird das Essen nur bis 14 Uhr ausgeteilt, danach kann man sich kein Mittagessen mehr holen und muss stattdessen auf die Angebote in der Cafeteria (untere Etage, die Mensa selbst befindet sich oben) ausweichen. Die meist süßen Backwaren schmecken ebenfalls gut. An der Kasse kann man entweder bar oder mit Studierendenausweis der Gastuniversität bezahlen. Um Geld auf den Studierendenausweis zu laden, braucht man eine französische Geldkarte. Mit der deutschen geht es nicht. Die französische Geldkarte kann man sich trotz Erasmus-Status ausstellen lassen. Dafür benötigt man eine Wohnbescheinigung (z.B. vom Wohnheim) und geht damit zu der Banque Postale. In der Regel wird dann das französische Konto für ein Jahr eröffnet, kann aber auch früher gekündigt werden. Doch zuerst muss man für ein ganzes Jahr bezahlen. Kündigen kann man das Konto dann z. B. eine Woche vor der Abreise in derselben Banque Postale, wo man sich das Konto hat machen lassen. Noch eine wichtige Information bezüglich des Universitätsausweises: es kann nicht mit Bargeld aufgeladen werden. Auch wichtig zu beachten: der Studierendenausweis muss jedes Mal in der Mensa vorgezeigt werden, wenn man sein Essen bezahlt. Hat man ihn nicht dabei, bezahlt man den vollen Preis ohne Wenn und Aber. Außerdem wird der Studierendenausweis benötigt, um Bücher aus der Bibliothek auszuleihen. Was die Bibliothek betrifft, ist an dieser Stelle sehr wichtig anzumerken, dass man auf jeden Fall die Rückgebefrist einhalten muss. In der Regel kommt per Email keine Erinnerung daran, dass die Bücher abgegeben werden müssen, und so kann man den Termin leicht verschlafen, wenn man ihn sich nicht notiert hat. Doch wenn man seine Rückgabefrist versäumt, darf man eine Woche (manchmal auch länger) keine Bücher mehr ausleihen. Das macht sich ungünstig, wenn es gerade die Woche ist, in der man einen Vortrag ausarbeiten will. Daher empfehle ich, sich mit einem überschaubaren Kalender auszustatten. Oder Handynotizen zu machen.

Wohnheim

Um während meines Auslandssemesters ein Dach über dem Kopf zu haben, habe ich mich direkt über die Gastuniversität für einen Platz im Wohnheim beworben. Der Zuständige für die Vergabe von Wohnheimsplätzen ist Yves Depigny. Er ist auch derjenige, der die Bewerbungen entgegen nimmt. Mein Zimmer befand sich in der 1, rue de Sauniere, im Bâtiment 2. Das Zimmer war klein, kompakt und verfügte über eine Arbeitsfläche, ein Bett, eine kleine Küchenecke und ein Badezimmerchen mit Dusche, Waschbecken und Toilette. Der Weg zu Universität betrug ca. vierzig Minuten. Die Bushaltestelle befindet sich ganz in der Nähe, auch eine Pizzeria ist vorhanden. Die Menschen dort sind sehr nett, offen und unterhalten sich sehr gern. Im Großen und Ganzen war ich zufrieden mit meinem Aufenthalt im Wohnheim. Allerdings gab es auch gravierende Schwierigkeiten, die den Alltag belastet hatten. So war beispielsweise Ende September und Ende Oktober für zwei bis vier Tage das Wasser im ganzen  Bâtiment 2 ausgefallen. Da solche Schwierigkeiten anscheinend doch hin und wieder vorkommen, rate ich deshalb immer einen Vorrat an Wasser da zu haben. Oft musste ich auch mehrmals wegen Problemlösung nachhaken oder an meine Existenz erinnern, damit etwas geschieht. Da muss man wirklich hartnäckig bleiben, sonst bleiben die Probleme bestehen. Internetzugang funktioniert ohne Begrenzung, doch man benötigt dafür ein Internetkabel (muss man sich selbst besorgen) und muss sein Studentenkonto, d. h. den Studierendenausweis aktivieren. Bei mir hat es beispielsweise sehr lange gedauert, bis alles in dieser Hinsicht funktioniert hat. Die EIMA-Verbindung, eine Organisation von französischen Studierenden für internationale und Erasmus-Studierende, bemüht sich darum, den Studierenden zu helfen. Oft können sie wirklich helfen, aber auch da lohnt es sich hartnäckig zu sein. Die EIMA versorgt die ankommenden Studenten auch mit gespendetem Geschirr, das die Vorgänger hinterlassen haben. Des Weiteren können sie gut helfen, per Internet einen Antrag für Haftpflichtversicherung abzuschließen. Dafür benötigt man (eigentlich) eine VISA-Karte. Die Haftpflichtversicherung wird vom Wohnheim gefordert. Es ist zwar auch möglich, theoretisch, die Haftpflichtversicherung im Banque Postale abzuschließen (z. B. die Banque Postale in der Nähe der Universität), doch dafür bedarf man eines französischen Kontos, sonst ist es sehr kompliziert. Viel mehr empfehlenswert ist wirklich der Antrag per Internet. Das Wohnheim kann auf Anfrage mit Kissen und Bettdecke dienen, das kostet ungefähr fünf Euro. Die Miete wird vor dem zehnten eines jeden Monats im Sekretariat entweder bar oder mit (französischer) Geldkarte bezahlt. Überweisungen funktionieren inzwischen nicht mehr.

Freizeit

Anfang jeden Monats wird von der EIMA ein Newsletter an die Erasmus-Studierenden verschickt. Es werden zahlreiche Angebote gemacht, für die man sich entweder extra bei der EIMA anmelden muss, oder einfach zum angegebenen Ort kommen kann. Die Angebote sind kostenlos oder kostenpflichtig. Ausflüge z. B. kosten immer eine kleine Summe. Allerdings lohnt es sich dabei ab und zu mitzumachen, weil man so andere Studenten näher kennenlernen und neue Bekanntschaften bzw. Freundschaften schließen kann. Außerdem bekommt man auf diese Weise gute Informationen über die Stadt und wo sich was befindet. Aber natürlich kann man auch auf eigene Faust schöne Ecken erkunden. Das Klima in Toulouse ist sehr mild, daher ist ein Spaziergang als Freizeitbeschäftigung nur empfehlenswert. Auch gibt es sehr schöne Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise die Basilika Saint-Sernin oder das Musée d'Histoire de la Médecine, das die Entwicklung der medizinischen Instrumente aufzeigt und sogar ein vollständiges menschliches Skelett einer im Jahr 1875 verstorbenen zweiundzwanzigjährigen Frau zeigt. Laut Mitarbeiterin des Museums heißt das Skelett Oscarine (aus dem Lateinischen os für Knochen). Und in der Basilika Saint-Sernin können in der Akropolis unter anderem die Urnen mit menschlichen Überresten von über zweitausend Jahren angeschaut werden.

Studienfach: Französisch

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 01/2017

Gastuniversität: Université Toulouse Jean Jaurès

Gastland: Frankreich


Fazit

Ich persönlich halte das Auslandssemester für eine gute und lehrreiche Möglichkeit, um sich weiterzuentwickeln. Man taucht ein in den Alltag des Landes und in die Kultur, lernt, wie die Universität im Ausland funktioniert, macht interessante Bekanntschaften und lernt viel Neues. Auch die eigene Sprachkenntnis kann davon nur profitieren, auch wenn die Erfolge nicht immer sofort zu sehen sind. Jeden Tag ist man sozusagen gezwungen, die Fremdsprache zu gebrauchen, und das bringt einen schon gut voran. Man darf nur nicht zu viel Angst vor Problemen haben und muss lernen, selbst auf die Menschen zuzugehen. In Toulouse fällt es einem schüchternen Menschen einfacher, weil die Einheimischen den Fremden gegenüber mit Offenheit und Interesse begegnen. Sicher kann wohl kaum alles immer nur glatt laufen, doch durch die Bewältigung von Problemen entwickelt man sich weiter und das Selbstwertgefühl wird stärker. Daher kann ich allen Studierenden, vor allem denjenigen, die Fremdsprachen studieren, einen Aufenthalt im Ausland nur empfehlen. Es ist eine besondere Erfahrung, die man macht, und es fühlt sich auch richtig gut an, wenn man trotz Sorgen und Problemen nach und nach alles Nötige meistert. Man gewinnt an Stärke und kann meiner Meinung nach nur profitieren. Man lernt dazu, auch bei Dingen, die nicht so toll sind. Der Auslandsaufenthalt ist in jedem Fall ein spannendes Abenteuer und ich bin froh, dass ich es gewagt habe.

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