uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Mit Erasmus+ nach Paris

Nach einem sehr lehrreichen und positiven Erasmus-Aufenthalt in Bordeaux während meines Bachelorstudiums stand für mich fest, dass ich diese Möglichkeit nur zu gerne erneut nutzen würde. Allerdings nur unter der Bedingung, dass sich die Förderungshöhe endlich den örtlichen Gegebenheiten anpassen würde, denn mein letzter Erasmus-Aufenthalt überstrapazierte mein Konto leider deutlich. Zu meiner Überraschung passierte dann auch genau das. Dank des zwischenzeitlich überarbeiteten Programms (zu „Erasmus+“), wurde nun auch endlich zwischen bspw. Paris und Riga differenziert und unterschiedlich hohe Förderungen gezahlt – gut so! Gleichzeitig soll hier nicht der Eindruck entstehen, damit seien alle finanziellen Sorgen beseitigt, aber dazu später mehr. Ich entschied mich schließlich dazu, ein erneutes Semester in Frankreich im Rahmen von Erasmus+ zu absolvieren.


Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: Institut Catholique de Paris

Gastland: Frankreich

Die Entscheidung für ‚den richtigen‘ Zeitpunkt hingegen fiel mir erheblich schwerer als noch im Bachelor. Die Dichte des Masterstudiums (Soziologie) macht es einem nicht leicht: geht man im zweiten, dritten oder vierten Semester? Angesichts dieser Unschlüssigkeit hätte ich beinahe den letztmöglichen Zeitpunkt zur Anmeldung verpasst. Doch schließlich konnte ich auch dank der unkomplizierten und raschen Koordination an der Universität Potsdam einen passenden Platz für mich an einer französischen Hochschule finden. So verbrachte ich das vierte Fachsemester am Institut Catholique de Paris (ICP). Jedoch musste ich schon sehr bald die Erfahrung machen, dass ich von Seiten der Gastuniversität – genauer gesagt: der sozialwissenschaftlichen Fakultät (FASSE) – wenige Informationen bekam und selbige auf Nachfragen zum Teil mit Verwunderung reagierte. So sagte man mir auch Wochen nach der beiderseitigen Zusage, dass mein Name gar nicht als incoming-Kandidat gelistet sei. Diese und ähnliche Irritationen sollten zukünftige Erasmus+ Interessenten jedoch nicht zu sehr verunsichern! Ich kann nur ausdrücklich empfehlen sich vielmehr an das bureau international zu wenden, auch wenn es sich, wie in meinem Fall, eigentlich um konkrete Fragen an die Fakultätsleitung handelt. Die Angestellten dort sind sehr freundlich, hilfsbereit und kompetent. Weniger als 3 Wochen vor der Anreise bekam ich schließlich alle wichtigen Informationen (Planung für die Einführungswoche, Übersicht über die angebotenen Kurse meiner Fakultät, und vieles – mehr oder weniger nützliches – mehr). 

Studium an der Gastuniversität

Wir "internationales" wurden von Beginn an herzlichst empfangen und die Verantwortlichen bemühten sich sichtlich um einen gelingenden Start ihrer Neuankömmlinge. Es gab eine Reihe von (Informations-)Veranstaltungen und organisierte Freizeitaktivitäten, was die Integration relativ leicht machte. Die Organisation nach der Einführungswoche ließ jedoch häufig zu wünschen übrig. Die Organisation der Vorlesungen und Seminare am ICP ist äußerst unübersichtlich und vor allem unbeständig. Nicht selten fielen Kurse aus, überschnitten sich mit anderen, wechselten Zeit und Ort, u.v.m. In der Regel bekam man erst am Samstag den Vorlesungsplan für die kommende Woche, weshalb man innerhalb der Woche sehr unflexibel gegenüber außeruniversitären Aktivitäten (bspw. einem Nebenjob) war. Das tägliche Ritual im ICP beginnt daher mit der Frage: Wo findet die Sitzung XY wohl heute statt? Beantwortet wird diese Frage von den 3-4 im Institut verteilten Bildschirmen, die alle Kurse + Raumnummer anzeigen – nacheinander in Listen von bis zu 12 Seiten, was dementsprechend dauern kann und Nerven kostet. Inhaltlich waren die Lehrveranstaltungen jedoch anspruchsvoll und interessant und auch die Lehrenden waren kompetent und hilfsbereit. Die Prüfungen am ICP reichen von 20 minütigen mündlichen Prüfungen bis hin zu benoteten Gruppen-Forschungsprojekten, die sich insgesamt über viele Wochen erstreckten, inkl. 15-20 Seitiger Hausarbeit (bien sûr en français) und Präsentation. Um diese (gut) zu bestehen sollte man die französische Sprache auch einigermaßen beherrschen, denn Ausweichmöglichkeiten gab es am ICP nur sehr wenige: es wurden lediglich zwei Kurse auf English angeboten. Die historischen Gebäude, Hörsäle und Bibliotheken des ICP sind beeindruckend, aber zum Teil für den modernen Universitätsbetrieb auch etwas veraltet. Alles dauert hier etwas länger und gestaltet sich umständlicher als ich das von der Uni Potsdam bzw. der Sciences Po Bordeaux kannte. Die Aufenthaltsräume sind dürftig und eine Mensa sucht man auf dem Gelände auch vergebens.  Dank der extrem zentralen Lage des Campus in Mitten des 6. Arrondissements von Paris (gleich neben dem Jardin du Luxembourg) ist es aber eine Leichtigkeit Alternativen zu finden, auch wenn diese etwas teurer sind. Entsprechend dieser Lage (rue d’Assas) und ihres Trägers (die katholische Kirche) ist der größte Teil der Studierenden am ICP leider auch etwas ‚reservierter‘ – zumindest auf den ersten Blick. Wer allerdings auf Studierende zugeht, Fragen hat oder Hilfe braucht wird schnell merken wie hilfsbereit und freundlich man hier behandelt wird.

Wohn- und Lebenssituation

Paris ist natürlich eine außergewöhnliche Stadt, das ist bekannt, und es ist eine Freude hier für einige Monate zu leben. Unzählige Museen, beeindruckende Theater, Parks, die gesamte Innenstadt, alles lädt zum stundenlangen schlendern und erkunden ein. Bezahlbaren Wohnraum zu finden ist aus denselben Gründen schwierig – noch schwieriger als in Berlin! Ein WG-Zimmer (in Paris, also innerhalb des Rings) kostet (2017) im Durchschnitt 550 Euro. Weitere Alternativen sind die Studentenwohnungen des CROUSoder auch die der wunderschönen Cité internationale universitaire de Parisim Süden der Stadt, von wo aus ein RER-B Zug direkt zum Jardin du Luxembourg fährt (6min, 3 Haltestellen). Nach einem 10-15min Fußmarsch durch den traumhaften Jardin, vorbei am Palais du Luxembourg, ist man dann auch schon am ICP. Die für Studenten beliebtesten Viertel befinden sich jedoch eher im Norden der Stadt. Das 11., 18. und 19. Arrondissement sind (zurecht) besonders beliebt – auch von hier (Gare du Nord) fährt ein RER-B bis zum Jardin du Luxembourg (8min, 3 Haltestellen). In diesen Vierteln rund um den Gare du Nord, den Gare de l’Est und dem Canal Saint-Martin herrscht Tags wie Nachts ein buntes Treiben. Günstige(re) Bars, Restaurants, Clubs und sympathische Straßenmärkte finden sich hier an jeder Ecke. Logischerweise braucht man schon eine gehörige Portion Glück um hier ein freies Zimmer zu finden. Ich persönlich hatte dieses Glück nicht – dafür aber ein anderes. Meine Freundin wohnte bereits seit einigen Wochen im 13. Arrondissement, unweit von der Cité internationale universitaire de Paris. Wir teilten uns also für die gesamten 6 Monate eine kleine 2-Raum Wohnung. Wo und wie auch immer man in Frankreich unterkommt, man sollte unbedingt die Möglichkeit auf finanzielle Unterstützung prüfen. Die Caisse d'allocations familiales, eher bekannt als CAF, bietet eine Reihe von teilweise wirklich großzügigen Unterstützungen an – zumindest für Europäer*innen.     Leider gibt es, im Gegensatz zur Uni Potsdam, vom ICP keinerlei Studententicket für Metro, Bus und Bahn. Und überhaupt scheint es einen ermäßigten Studententarif nur auf die Jahreskarte zu geben, was natürlich ärgerlich ist für alle die nur 5-6 Monate bleiben. In diesem Fall empfehle ich den Pass Navigo. Dies ist eine Karte im Kreditkartenformat, die an sich zunächst mal gratis ist. Sie lässt sich sehr einfach an vielen Metrostationen und Bahnhöfen aufladen (73 € / Monat, Zone 1-5, alle Verkehrsmittel). Man braucht nur ein Passfoto und eine Kreditkarte bzw. ein franz. Konto, dann kann man sich diesen Pass in wenigen Minuten ausstellen lassen. Praktisch daran ist auch, dass man diese Karte auch Jahre später noch aufladen (auch Tages- und Wochentickets) und nutzen kann, egal wie lange sie zwischenzeitlich ungenutzt war. Wer ein französisches Konto eröffnen möchte, sollte die Einführungswoche am ICP abwarten. Gleich zwei Banken (CIC & Société Générale) bieten ICP Studierenden gratis Konto + Kreditkarte inkl. einem kleinen cadeau in Höhe von 50-80€ an. Die CIC bietet darüber hinaus einen günstigen Handyvertrag an, allerdings sei an dieser Stelle gesagt, dass man die CIC immer wieder an solche versprochenen Vorteile erinnern muss – auf mich machte diese Bank insgesamt einen eher unseriösen Eindruck. Alles in allem kann man damit rechnen, dass die monatlichen Kosten in Paris ca. 1,5 bis 2 mal so hoch ausfallen wie in Berlin. Bleibt noch darauf hinzuweisen, dass Paris im Sommer ziemlich stickig und ungemütlich sein kann. An Tagen an denen die Luftverschmutzungswerte besonders hoch sind (das längste was ich erlebte waren 7 Tage), sind dann alle Verkehrsmittel frei! Leider gibt es auch keine natürlichen Badeseen im Umkreis von Paris wodurch die Schwimmhallen in diesen Zeiten aus allen Nähten platzen – wenigstens sind diese sehr günstig im Vergleich zu Deutschland: 2,40 bis 3,50 € – Badekappe nicht vergessen!

Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: Institut Catholique de Paris

Gastland: Frankreich


Besonderheiten und Rückblick

In diesen Tagen in Paris zu leben und zu studieren ist natürlich auch noch aus einem anderen, traurigen Grund ‚speziell‘: die Ausnahmezustand-Situation aufgrund der Terroranschläge. Viele Bahnhöfe, öffentliche Gebäude, Sehenswürdigkeiten und Parks sind besonders bewacht bzw. werden vor Ort teilweise (bspw. Eifelturm & Champ de Mars) alle Besucher kontrolliert. Auch das ICP steht unter besonderer Beobachtung. Zusätzlich zu den dort ohnehin üblichen Studi-Ausweis-Kontrollen (ohne kommt niemand rein, auch wenn man die Kontrolleure irgendwann kennt), wurde während meines gesamten Aufenthaltes auch immer ein Blick in die Taschen geworfen. Daran konnte und wollte ich mich persönlich nicht gewöhnen.

Es gab sicherlich und wird hoffentlich bald wieder günstigere Zeitpunkte geben um diese Stadt voll und ganz, ohne Bedenken, ohne Taschenkontrollen und ohne Soldaten und ‚Robo‘-Polizisten (CRS) zu genießen. Ich persönlich bereue meine Entscheidung für Paris und das ICP trotzdem nicht und kann Studierenden nur dazu ermutigen die enorme Chance eines Erasmus-Semesters zu nutzen. Es ist auf allen Ebenen eine große Bereicherung – mit Ausnahme der finanziellen.

Frankreich

Zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier