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Zwei Semester in Bordeaux

Ich habe von September 2016 bis Juni 2017 zwei Semester am Institut d‘Études politiques Bordeaux studiert. Meine Wahl fiel aus mehreren Gründen auf Bordeaux: ich wollte ein gesamtes Jahr im Ausland verbringen, ich wollte gen Süden, ich wollte nach Frankreich, um mein Französisch auf ein hohes Niveau zu bringen, ich wollte auf eine Uni mit guter Reputation und ich wollte in einer Stadt leben, die bedeutend kleiner als Berlin ist. Bordeaux passte perfekt zu diesen Ansprüchen und im Nachhinein kann ich auch behaupten, dass alle mein Wünsche erfüllt wurden.


Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Sciences Po Bordeaux

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Eingangs gibt es zwei Besonderheiten zu erwähnen: das Institut d‘Études politiques, was meist nur Sciences Po Bordeaux genannt wird, gilt als Eliteuni. Das Bewerbungsverfahren, welches die Teilnehmer mehrere hundert Euro kostet, ist sehr aufwändig, es werden letztendlich weniger als 7% der Bewerber angenommen. Dieser Elitestatus drückt sich vor allem durch ein sehr hohen Arbeitsumfang (sprich deutlich mehr Kurse als in Deutschland) und durch regelmäßige und strenge Bewertung aus. Das gilt, im Vergleich zu dem was man von Erasmusstudenten anderer Universitäten hört, in gewissem Maße auch für uns ausländische Gaststudenten. Hausaufgaben oder Vorträge müssen regelmäßig vorbereitet werden, wenn man das Certificat d‘Études politiques erlangen will, wofür man mindestens 60 ECTS aus französischsprachigen Kursen erlangen muss und gewisse Seminare mit Anwesenheitspflicht absolvieren muss, was ich gemacht habe und jedem, der in seinem Auslandsjahr etwas lernen will, wärmstens empfehlen kann.

Von den französischsprachigen Kursen kann man keine Seminare belegen, sonst kann man aus allen Erst- bis Fünftjahreskursen frei wählen. Zu diesen ist zu sagen, dass sie meist wie folgt ablaufen: der oder die Lehrende stellt oder setzt sich an einen Tisch und liest ein Skript vor. Die französischen Studenten schreiben Wort für Wort auf ihren Laptops mit, die Erasmusstudenten hören meist nur zu. PowerPoints von akzeptabler Qualität sind selten. Am Ende des Jahres spricht man einheimische Studenten oder andere Erasmus an und fragt sie nach einem Skript und lernt dieses dann mehr oder wenig auswendig. Aus einem pädagogischen Gesichtspunkt finde ich das System sehr fragwürdig und es ist der wohl auch einzige wirkliche negative Aspekt an der Uni. Das Lehrangebot selbst ist nämlich sehr interessant und deutlich praxisbezogener und theoriefreier als das deutsche. Die Uni selbst wurde während meines Aufenthaltes saniert und ausgebaut und ist mittlerweile in einem hervorragenden Zustand. Bibliothek und Mensa (beide in hervorragendem Zustand) haben eher enttäuschende Öffnungszeiten, aber man gewöhnt sich daran. Die Betreuung durch die Koordinatoren und heimische Studenten wiederum ist hervorragend und lässt wenig wünsche offen. 

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Der Kontakt zu einheimischen Studenten ist auf der Sciences Po selbst begrenzt. Die meisten Studenten kennen sich untereinander sehr gut und wollen auch untereinander bleiben (Kontakte für die Zukunft knüpfen spielt dabei eine nicht unbedeutende Rolle). Da an der Fakultät nur ca. 2.000 Leute studieren, die großteils nicht aus Bordeaux stammen und die Sciences Po‘ler durch die vielen Lehrveranstaltungen und „associations“, in denen sie aktiv sind, extrem viel miteinander zu tun haben, bleibt nicht mehr viel Zeit sich mit Erasmus-Studenten anzufreunden. Durch Teilnahme an Sportmannschaften oder anderen studentisches Organisationen, wo man zwar nicht unbedingt herzlich, aber freundlich aufgenommen wird, kann man gut in Kontakt kommen. Der Kontakt mit den anderen ausländischen Studenten wiederum hat mir persönlich sehr gut gefallen. Man hat die Möglichkeit, wenn man will und sich ein bisschen Mühe gibt, also offen ist, regelmäßig zur Uni geht und an diversen Veranstaltungen teilnimmt, wahnsinnig viele Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen. Auch wenn von der Uni selbst recht wenig zum Kennenlernen organisiert wird, fiel mir persönlich es nicht schwer schnell viele Kontakte zu knüpfen. Hierbei kann ich auch empfehlen vor allem am Anfang nicht nur mit deutschen Studenten Zeit zu verbringen, sondern auch auf die ausländischen zuzugehen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich habe seit der siebten Klasse Französischunterricht gehabt und war in diesem Fach immer gut bis sehr gut. Die ersten Monate fiel mir jedoch vor allem das Telefonieren (was sehr wichtig zum Finden einer Wohnung ist) und das Verfolgen der Lehrveranstaltungen sehr schwer. Deswegen und generell kann ich empfehlen, ab der ersten Woche mit den anderen Erasmus-Studenten auf Französisch zu sprechen, was wir auch gemacht haben und was mir letztendlich am meisten geholfen hat mein Sprachniveau enorm zu verbessern. Des Weiteren kann ich nur empfehlen den French Track (also Kurse auf Französisch) zu belegen, vor allem während der Prüfungsphase kann man seine Sprachkenntnisse bedeutend verbessern, vorausgesetzt man lernt.

Wohn-  und Lebenssituation

Der Wohnungsmarkt in Bordeaux ist vor allem zu Semesterbeginn gelinde gesagt kompliziert. Ich habe Anfang Juli angefangen mich in diversen Portalen zum Finden eines WG-Zimmers angemeldet. Am meisten findet man auf leboncoin (hier funktioniert anrufen oder SMS schreiben am besten), cartedescolocs oder in Facebookgruppen. Für mich hat davon allerdings nichts geklappt, ich habe das gesamte erste Semester bei Freunden gewohnt, die ihre Zimmer verlassen oder noch ein Zimmer übrig hatten. Meinen ersten Mietvertrag konnte ich erst zum Beginn des zweiten Semesters unterschreiben. Dementsprechend kann ich empfehlen, früh mit der Suche anzufangen, sich mit anderen Erasmus zu organisieren und das zu nehmen was man bekommt. Umziehen kann man anschließend immer noch. Die definitiv beste Gegend zum Wohnen ist meiner Meinung entlang dem Cours de la Marne, wo ich mein zweites Semester gewohnt habe, vor allem um den Marché des Capucins herum und im Viertel St. Michel. Die Lage zwischen Stadtzentrum und Unicampus, die Nähe zum Bahnhof, 2 Tramlinien und wichtigster Buslinie, günstiger Preise sowie weitere Vorteile machen diese Gegend optimal für (Erasmus-)Studenten. Nicht besonders empfehlen kann ich die Studentenwohnheime in Nähe der Uni, wobei auch diese ihre Vorteile haben (max. 10 Minuten Fußweg zur Uni, günstige Mieten, gute Möglichkeit viele Leute vieler Nationalitäten kennenzulernen vor allem durch die Gemeinschaftsküchen). Aber sobald die Tage kürzer werden oder man nachts aus der Stadt zurückkehren möchte (die Tram fährt nachts nicht, der Nachtbus fährt nur ein Mal pro Nacht) überwiegen eher die negativen Aspekte. Schlussendlich kann ich nur empfehlen das zu nehmen, was man bekommt und wenn man unzufrieden ist einfach weiterzusuchen – sobald man angekommen und etwas eingelebt ist, ist die Suche deutlich einfacher.

Was die Lebenserhaltungskosten angeht bleibt zu sagen, dass in Bordeaux außer Wein und Wohnen alles deutlich teurer ist als in Deutschland. Vor allem Berlin ist in vielen Belangen 50% günstiger. Der Standardpreis für ein Bier in einer Bar liegt bei 5-7€, Supermärkte sind ebenfalls deutlich teurer, vor allem, wenn sie in der Innenstadt liegen. Für mich persönlich ist das auch der größte Nachteil an Bordeaux, da vor allem gegen Ende des Jahres das Geld sehr knapp werden kann und man dementsprechend seinen Lebensstandard anpassen muss.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr ordentlich, der Großteil der Fortbewegung läuft per Tram, die je nach Tageszeit alle 3 bis 10 Minuten fährt. Besonders positiv zu erwähnen sind die öffentlichen Fahrräder, genannt Vcub, deren Nutzung für Besitzer eines Abonnements für die öffentlichen Verkehrsmittel nur 20€ pro Jahr kostet. Diese Ausgabe kann ich wärmstens empfehlen, da Bordeaux wahnsinnig gut ausgebaut ist für Fahrradfahrer und die Vcubs fast überall zu bekommen und loszuwerden sind. Was das Nachtleben angeht muss man sich als Berliner auf jeden Fall auf einen qualitativen Abstieg einstellen, was allerdings wahrscheinlich das Problem mit fast allen Städten dieser Welt ist. Durch die gute Erasmus-Community konnte das Problem während meines Aufenthaltes aber gut eingedämmt werden. Die Bars vor Ort sind ziemlich teuer und haben bis auf zwei Ausnahmen, für die man eine einmalig 5€ kostende Mitgliedschaft erwerben muss, maximal bis 2 Uhr geöffnet. Clubs gibt es auch einige, allerdings sind diese eher auf Matrix-Niveau, was aber sicherlich auch vielen gefällt.

Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Sciences Po Bordeaux

Gastland: Frankreich


Rückblick

Abschließend kann ich sagen, dass sich dieser Auslandsaufenthalt wirklich gelohnt hat und dass jedem, der Interesse an einem Auslandsstudium in Frankreich hat, ausdrücklich zu empfehlen ist. Ich habe viele Freundschaften geschlossen, die hoffentlich und voraussichtlich auch noch weiter Bestand haben werden und sehr sehr viel gelernt. Ich habe meine Zeit auch ausgiebig zum Reisen genutzt, was jedem zu empfehlen ist, da man verhältnismäßig viel Zeit hat und auf eine ganze Menge reisewilliger Kommilitonen trifft, die einen häufig gerne die eigene Stadt/Region zeigen und einen beherbergen. Ich bin sehr froh ein ganzes Jahr geblieben zu sein, weil man somit erst wirklich die Möglichkeit hat sich richtig einzuleben und weil einem mehr Zeit bleibt, um zu reisen, Bordeaux und Umgebung zu erkunden, die Sprache usw. zu lernen und vor allem um Freundschaften aufzubauen. Dementsprechend möchte ich das noch ein mal ausdrücklich empfehlen.

Zusammenfassend kann man diesen Auslandsaufenthalt als sehr empfehlenswert beschreiben. Bordeaux ist eine sehr schöne Stadt mit sehr vielen Studenten. Die Universität ist sehr gut auf Gaststudenten eingestellt und vorbereitet und bietet ein großes und interessantes Lehrangebot sowie einen sehr modernen Campus. Als Nachteile sind die hohen Lebenserhaltungskosten sowie die sehr schwierige Wohnsituation zu nennen. Die Vorteile können diese Nachteile aber gut wettmachen, weshalb ich meinen Aufenthalt in sehr guter Erinnerung behalten werde.

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