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ERASMUS-Erfahrungsbericht - Tampere

Ich habe mit meiner Planung ungefähr ein Jahr vor meinem Aufenthalt begonnen und es dauerte ca. ein halbes Jahr, bis ich alles niet- und nagelfest gemacht hatte. Am Anfang stand eine ausführliche Internetrecherche zur eigenen Aufklärung. Nach einigen Orientierungsgesprächen mit meiner Fachkoordinatorin und ein paar ausgefüllten Formularen wurde der Kontakt zu meiner Gasthochschule hergestellt, von denen ich dann ab und zu Mails bekam, in dem jeder nächste Schritt sehr genau erklärt wurde. Wenig später, nachdem ich angenommen worden war, kamen die Mails für die Anmeldung beim Erasmus Intensive Language Course (EILC), den ich wärmstens empfehlen kann, und zur Wohnheimsplatzreservierung. Beim letzteren ging es um Schnelligkeit und man kam erst in der Warteschlange auf einen Platz, wenn man nach seiner erfolgreichen Anmeldung die Provision überwiesen hatte. Letztendlich ist die Wohnheimsituation in Tampere aber sehr entspannt und fast jeder ausländische Studierende kam zu einem Platz.


Studienfach: Bachelor Mathematik und Bachelor Lehramt Mathematik/Biologie

Aufenthaltsdauer: 07/2013 - 01/2014

Gastuniversität: Tampere University of Technology

Gastland: Finnland

Aber nochmal zurück zum EILC. Es werden in Tampere zwei angeboten, aber von anderen Einrichtungen, nicht der TUT. Beide unternehmen recht viel miteinander, sodass man sehr viele Kontakte knüpfen kann und bieten neben dem Sprachkurs auch sehr schöne kulturelle Veranstaltungen an, die mir das Land und die Leute näherbrachten- sie organisierten ein dreiwöchiges Rundumsorglos-Paket- holten mich u.a. um 1Uhr Nachts vom Flughafen ab (die einzige Möglichkeit so spät vom Flughafen Tampere wegzukomme, neben einer sehr teuren Taxifahrt…), holten meine Zimmerschlüssel, halfen bei der Wahl des vorübergehenden Hostels und in vielen anderen Dingen. Eine letzte nicht zu vergessene Sache ist, dass man durch diesen Sprachkurs drei Wochen früher in Finnland ist und noch den echt schönen Sommer zum Teil miterlebt. Tage, bei denen die Sonne erst nach 11Uhr untergeht, Temperaturen über 25°C und einladende Seen soweit das Auge reicht. Wäre ich nicht im EILC gewesen, so hätte mein von der TUT zugeteilter studentischer Tutor diese Aufgaben so gut es ihm möglich wäre übernommen. Er baute seinen Kontakt zu mir ca. zwei Monate vor meiner Ankunft auf und half mir vor allem in den ersten Wochen sehr.

Unterkunft

Direkt nach meiner Zusage an der Gasthochschule habe ich mich für ein Zimmer im Studentenwohnheim TOAS beworben. Das ist eine zentrale Verwaltung der vielen Wohnheime in Tampere für beide Universitäten, sowie der Fachhochschule. Je nachdem zu welcher Uni man will, gibt es Prioritätswohnheime, sodass man mit großer Wahrscheinlichkeit in die unmittelbare Nähe der Uni zieht, sofern man denn ein Zimmer bekommt. Ich habe, so wie eigentlich alle Erasmusstudierenden und einheimische Studenten, einen Platz bekommen. Sogar einen in unmittelbarer Nähe, in Mikontalo. Dieses Heim ist ein 13-etagier Block, der in vier miteinander verbundene kleine Blocks aufgeteilt ist. Alles in allem finden zwischen 550 und 600 Leute in diesem Block ein Zuhause. Es ist ein enorm imposantes Bauwerk aus den 70ern, aber wurde vor kurzem grundsaniert. Da die meisten ausländischen Studierenden hier untergebracht werden, ist es prädestiniert für WG-Feiern. Wie alle tamperischen Studentenwohnheime besitzt Mikontalo Saunen. Drei einmal in der Woche privat buchbare und eine öffentliche, die dreimal pro Woche geöffnet ist, sowie einen Fitnessraum. Es hat eine recht großzügige Ausstattung an Waschräumen und einen buchbaren Partyraum. Meine Wohnung hatte eine sehr gute Ausstattung; Küche und Bad waren in einem sehr guten Zustand. Das Heim bietet also alles, was das Studentenherz begehren könnte. Sofern man ein Überlebenspaket des ESN bekommt, oder sich über diverse Facebookforen ein bisschen Küchenkram anschafft, muss man eigentlich nichts mehr neu kaufen.

Die TUT liegt übrigens ca. 10km von der Innenstadt entfernt. Es verhält sich ein wenig so wie mit Golm und Potsdam, nur das dieses Golm all jene Geschäfte hat, die man sich in unserem Golm wünschen würde. Ein Fahrrad zu kaufen lohnt sich trotzdem nicht, da man in Hervanta (so heißt der Ortsteil) alles gut zu Fuß erreichen kann und die Busverbindungen für finnische Verhältnisse sehr gut und recht billig für Studenten sind.

Studium an der Gasthochschule

Als die recht unterhaltsame Orientierungswoche begann, war ich bereits drei Wochen in Tampere und hatte mich schon recht gut eingelebt; hatte das erste Wanderwochenende hinter mir und wusste wo es was in Tampere und Umgebung gab. Dadurch dass ich früher dort war, hatte ich auch einen Vorteil beim Anmelden für die Kurse, denn vor allem die Sprachkurse haben eine Teilnehmerbeschränkung, die nach dem Motto wer- sich- zuerst- anmeldet- ist- dabei funktioniert. Die TUT hat äquivalente Systeme zu PULS und Moodle2 und so sei es jedem geraten sich seine Zulassungscodes so schnell wie möglich zu besorgen.

Trotzdem ich also recht gut bescheid wusste, fanden zwei Vorlesungen nicht, wie gedacht in englischer Sprache statt, sondern auf Finnisch. Es gab jedoch ein Skript und eine Übung auf Englisch. Anfangs war dies ein wenig gewöhnungsbedürftig. Es stellte sich heraus, dass es in jeder Vorlesung ein recht gutes Skript gab, das Englisch der Dozenten (und v.a. finnischen Mitstudierenden) nahezu perfekt war und es in vielen Veranstaltungen auch vom Schwierigkeitsgrad nicht so sonderlich anstrengend war, sodass ein schnelles Überfliegen des Skriptes vor einer Übung oft ausreichend war. Das Niveau litt ein wenig dadurch, dass es so gut wie keine Mathematikstudenten an der TUT gab (alle, die ich traf, waren entweder Austauschstudenten oder Mitarbeiter) und so sitzen vor allem Informatik- und Ingenieur-Studenten zwischen einem, sowie Mitarbeiter und es wurde sich dann recht häufig ein wenig am schwächsten orientiert. Ein in Finnland typisches Vorgehen, so werden zwar keine Spitzenleute ausgebildet, dafür viele mit guter Bildung- ich war aus Potsdam anderes gewohnt und anfangs ein wenig frustriert, aber ich war ja hauptsächlich nicht des Studierens halber dort. Dass das Niveau generell nicht so hoch wie in anderen Ländern lag bestätigten auch die Mitstudierenden anderer Fächer. Aber das war nicht in jedem Kurs so. In einem, in dem das nicht gemacht wurde, saß ich jedoch recht bald ganz alleine in einer 4h- Vorlesung und 3h-Übung, was mir eine unglaublich gute Förderung in diesem Fach ermöglichte, aber doch eher merkwürdig war.

Übungen waren generell keine Pflicht, aber man konnte Bonuspunkte für seine Klausur holen, was sehr reizvoll war. Klausuren dürfen dort zudem noch so oft man möchte geschrieben werden, auch zu Notenverbesserung. Dies relativiert natürlich den Stellenwert einer Klausur.

Einen positiven Punkt möchte ich hier nicht verschweigen: Die Finnen sind sehr sozial und vertrauen einander sehr. Ein paar Beispiele: Mit meiner Studentenkarte konnte ich, wann immer ich wollte, was immer ich wollte in der Uni erledigen. Eines Sonntags um 11Uhr abends viel mir ein noch etwas erledigen zu müssen für Montag, also bin ich schnell die hundert Meter rüber geflitzt und in den nächsten PC-Raum der Uni gestürzt. Alles war für mich zugänglich und so war ich nicht der einzige in der Uni. Häufig fanden nachts LAN-Partys in der Mensa statt, oder wurden Filme in Vorlesungsräumen über Beamer geschaut oder gar Tanzveranstaltungen abgehalten. Es war immer was los. Seine Jacke und Tasche hat man einfach irgendwo im Flur in eine Garderobe gebracht und abends wieder abgeholt, wenn es nach Hause ging, denn alle Gebäude sind durch Gänge verbunden. Man brauchte sich keine Sorgen zu machen, ob denn was wegkommen könnte. Dieses Gefühl von Sicherheit strahlte einen gewissen Charme aus. All das ließ eine starke Verbindung zur Uni entstehen. Es ist zudem möglich Kurse in den anderen weiterführenden Schulen Tamperes zu besuchen. Alles in allem war dadurch das Studium an sich recht entspannend und es blieb genügend Zeit für die Dinge, die man eben als Erasmus-Student so macht.

Alltag und Freizeit

Bevor ich über studentische Aktivitäten berichte seien ein paar Worte an die Stadt Tampere gerichtet, denn ich glaube, dass diese dem fleißigen Leser nicht allzu viel sagen dürfte. Neben dem in Finnland alles in den Schatten stellenden Helsinki, ist (meiner Ansicht nach) Tampere, eine der Städte in Finnland, in die es die Finnen zieht- ein Kultur-Hot-Spot. Und das in vielen Bereichen, ob Klassik in dem wunderschönen Tampere-Talo der Philharmonie, oder Jazz, in der Jazz-Woche bis hin zu Besuchen überraschend bekannter Rock- und Metal-Bands, gab es allein im Musikbereich, um nur einen Bereich anzuschneiden, alle paar Wochen echte Leckerbissen. Viele Kneipen und Geschäfte prägen das Zentrum und sicherlich spürt man hier auch, dass der Aufstieg Nokias sich positiv auf Tampere auswirkte. Tampere ist die Stadt des größten Studentenfestes Finnlands usw. Langweilig wird es hier eher selten. Aber es zieht einen ja eher nicht nach Finnland, um schöne Städte sehen zu wollen. Doch auch im umliegenden Naturbereich hat Tampere viel zu bieten. Naturparks sind in der Nähe, aber auch wenn man einfach seinen Rucksack schnürt und ein paar Meter in den immer allgegenwärtigen Wald tritt, so findet man recht schnell viele wunderschöne Flecken, die zum Verweilen anregen. Hier und da taucht dann eine Hütte und ein See auf und bietet die wohl typischste Finnlanderfahrung. Ein absolutes Muss ist jedoch ein Besuch St. Petersburgs und Tallinns, die u.a. auch vom ESN angeboten werden.

Den ESN erwähnt zu haben, halte ich für eine genügend gelungene Überleitung zu studentischen Freizeitaktivitäten in Tampere. Es empfiehlt sich in die ESN- Gilde und in die Fakultätsgilde einzutreten. Ich war bei den „Teilchen“ und es war ein großer Spaß. Beide haben ein buntes Programm, was irgendwie immer in einer Sauna endet. Die finnische studentische Teekkarin-Kultur wird auch in der TUT großgeschrieben und so ist es einem als Fuksi (=Fuchs) schier unmöglich nicht ins studentische Leben integriert zu werden. Will man dann jedoch Super-Fuksi werden und Ruhm ernten, so steht man vor einem beeindruckenden Feiermarathon. Alles in allem hielten meine Tutorgruppe und die beiden Gilden mich stark beschäftigt.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor meinem Sprachaufenthalt waren meine Englisch-Kenntnisse auf einem mäßigen bis eher schlechten Niveau, mein Wortschatz gering und meine grammatikalischen Fähigkeiten ab und zu fragwürdig. Ich hatte weder einen TOEFL-Test absolviert, noch einen anderen Test. Die TUT hatte dies auch nicht verlangt. Dies hat sich durch den Aufenthalt deutlich verbessert. Es hat ungefähr drei Wochen gedauert, bis ich auf einem für mich akzeptablen Niveau angelangt war und ab dann lief es recht gut.
Finnisch konnte ich überhaupt nicht. Aber dies ist in Finnland auch nicht notwendig. Alle Finnen- von der Putzfrau bis zum Professor, vom Schulkind bis zum Rentner- sprechen recht gutes bis perfektes Englisch und sie sprechen es sehr gerne. Viele haben auch deutsch gelernt und versuchen sehr stark ihre Sprachfähigkeiten aufzufrischen, wenn sie merken, dass man nicht gut finnisch spricht. Wenn man ihnen jedoch zu verstehen gibt, das man gerne mit ihnen auf Finnisch reden möchte, so verschränken sie sich natürlich nicht. Alleine nach dem EILC waren meine Kenntnisse so gut, dass ich im Alltag auf Finnisch zurecht kam.

Finnisch ist eine schwer zu lernende Sprache, bei der man kaum ein Wort ableiten kann. Es dauert ein wenig, bis man sich an die Strukturen gewöhnt hat. Dennoch ist es eine schöne Sprache, die es wert ist zu lernen.

Studienfach: Bachelor Mathematik und Bachelor Lehramt Mathematik/Biologie

Aufenthaltsdauer: 07/2013 - 01/2014

Gastuniversität: Tampere University of Technology

Gastland: Finnland


Rückblick

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ein Semester an der TUT eine unglaublich verrückte Erfahrung ist. Student sein in Finnland ist eine ganz anderes Erlebnis, als in Deutschland- der Zusammenhalt steht an erster Stelle. Die Vielzahl an Aktivitäten war echt beeindruckend; Land und Leute sowieso und geht man zum Jahreswechsel wieder gen Heimat, hat man so viele sehr sehr kalte Tage auch noch nicht erlebt. Wer also gerne und häufig Eisbaden geht, der sollte vielleicht noch ein Semester dranhängen. Finnland ist zwar teuer, aber wenn ich sehe, wohin die Steuergelder fließen und welche Top-Ausstattung mir die Universität dadurch bieten konnte, so kann man das in Kauf nehmen. Tampere ist eine tolle Stadt und die TUT eine klasse Uni. Negativ erwähnenswert bleibt nur das Niveau einiger Vorlesungen, Übungen und Klausuren zu bewerten. Letztendlich kann ich aber auch dankbar darüber sein, denn so konnte ich umso mehr erleben. Ich empfehle es jedem wärmstens ein wenig Geld anzusparen und an die TUT zu gehen.

Finnland

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