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Why did you choose Finland for your Erasmus?

Mit dieser Frage wurde ich in meinen neun Monaten in Helsinki immer wieder konfrontiert und habe bis jetzt auch noch keine wirkliche Antwort darauf gefunden. Vielleicht lag es daran, dass ich noch nie in Nordeuropa war und nach Schweden ja sowieso jede_r geht. Vielleicht spielte es eine Rolle, dass ich mit Helsinki in einer Hauptstadt und nicht in irgendeinem kleinen Ort unterkommen würde, und vielleicht lag es auch ein Stück weit einfach an Willkür aber auch an einer Faszination die ein mir bis dato noch relativ unbekanntes Finnland ausstrahlte.


Studienfach: Religionswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09 / 2014 - 05 /2017

Gastuniversität: University of Helsinki

Gastland: Finnland

Jetzt liegen also zwei Auslandssemester in Europas nördlichster Hauptstadt hinter mir und ich soll hier nun darüber resümieren, doch wo fängt man da am besten an?!

Da ich durch mein Zweitfach Religionswissenschaft an der Faculty of Theology der University of Helsinki gelandet bin, habe ich mich dazu entschieden meinem Fachbereich treu zu bleiben und euch hier nun (relativ unstrukturiert) die 10 Gebote (m)eines Erasmus-Aufenthalts in Helsinki zu schildern, welche basierend auf meinen Erlebnissen und Erfahrungen allesamt zu unvergesslichen neun Monaten beigetragen haben:

Studienfach: Religionswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09 / 2014 - 05 /2017

Gastuniversität: University of Helsinki

Gastland: Finnland

1. Gebot: Scheue die Hitze der Sauna nicht

Die Sauna gehört zu Finnland, wie das Bier zu Deutschland. Man kommt einfach nicht umhin, eine längere Zeit in diesem Land zu verbringen und nie das Innere einer Sauna gesehen zu haben. Statistisch gesehen kommt auf jeden dritten finnischen Kopf eine der besagten Hitzekammern und, wenn man bei einem Stadtbummel die Augen offen hält, findet man sie tatsächlich auf Schritt und Tritt; sei es eine der vielen Saunen in Wohnhäusern, Studentenwohnheimen, Fitnessstudios, Riesenrädern (kein Scherz), oder öffentlichen Sauna-Clubs: regelmäßiges Saunieren mach Spaß, man schützt sich so vor Erkältungen, kommt mit Finnen und Finninnen ins Gespräch und kurbelt den Kreislauf ganz schön an. Als kompletter Sauna-Neuling und nur mit verschwommenen Handtuchwedel- und Aufgusszeitplan- Vorstellungen im Kopf, wurde ich schnell mit der ersten und einzigen Regel der finnischen Sauna-Kultur bekannt gemacht: Tu nur das, wobei du dich wohl fühlst! Niemand schert sich in den meisten Fällen darum, ob du jetzt mit Handtuch, Badehose, Bikini, Anzug, Burka, oder eben komplett nackt in die Sauna gehst, wie lange du dort drin verweilen möchtest, ob du dort dein Bier trinkst (meist absolute Normalität), und ob du dich danach kalt abduschst. Handtuch-Gefächer und Aromaaufgüsse wirst du hier jedoch nicht vorfinden; im Finnischen Style gießt man normales Süßwasser auf die heißen Steine und schlägt sich manchmal sogar mit Birkenzweigen ab.

Tipps für ultimative Saunaerlebnisse: der Helsinki Saunaday und die öffentliche, alternative und kostenlose Sompasauna, mein persönlicher Lieblingsplatz in ganz Helsinki mit atemberaubender Aussicht. Der Sprung nach der Sauna in die eiskalte Ostsee bei Sonnenuntergang ist ein unvergessliches Erlebnis (http://www.sompasauna.fi/?page_id=263).

2. Gebot: Kaufe bei Lidl ein

Ja, richtig gehört: der deutsche Markendiscounter ist so ziemlich der einzig einigermaßen erschwingliche Supermarkt in Helsinki. Finnland ist ein teures Land und vor allem Lebensmittel sind davon betroffen; Mineralwasser (!), Milchprodukte, Alkohol und Gemüse kosten ein Vielfaches im Vergleich zu deutschen Preisen, doch wenn man nur lange genug sucht, findet man auch den ein oder anderen Lidl und es empfiehlt sich sehr den Wocheneinkauf dort zu erledigen. Das einzig billige Produkt sind (ironischerweise) in Finnland Avocados: ein 750 Gramm Netz für knapp 3 € (direkt neben dem Sixpack Mineralwasser für 8 €). Hach Finnland, du verrücktes Land.

3. Gebot: Esse im Unicafe zu Mittag

In Helsinki gibt es mehrere Mensa (= Unicafe)- Standorte, bei denen es sich vergleichsweise günstig speisen lässt. Für 2,60 € bekommt der oder die Studierende hier eine warme Mahlzeit, die sich jetzt nicht mit einer Sterneküche vergleichen lässt, aber in meinen Augen auch alles andere als schlechter Fraß ist, sondern einfach ein ganz solides Mensaessen darstellt, mal mehr mal weniger schmackhaft, aber für den Preis immer sehr fair.

Top: inklusive sind immer Salat und so viel Brot (mit Butter oder Margarine), wie man auf seinen Teller bekommt
Flop: das Angebot wiederholt sich leider recht oft und vor allem als Vegetarier_in/ Veganer_in hat man meist nur eine Wahl. Dafür gibt es aber etwas außerhalb des Stadtkerns das Unicafe Kipsari der Kunsthochschule im Arabia-Distrikt, das rein vegan ist und einfach unglaublich lecker schmeckt! Die Preise sind die gleichen und Freitags ab 15:00 gibt es einen halben Liter Bier für 3,60 € dazu und glaubt mir, das ist in Finnland wirklich ein Schnäppchen (http://kipsari.com/).

4. Gebot: Nimm an vom ESN organisierten Veranstaltungen teil

Das Erasmus Student Network (ESN) bietet über das ganze Semester verteilt vielfältige Veranstaltungen für alle internationalen Studierenden an. Sei es ein Ausflug zur bekannten finnischen Schokoladenfabrik der Marke Fazer, der Besuch eines Eishockeyspiels von Jokerit Helsinki, diverse Pub-crawls, Sport- und Tanz-Workshops, Grill-Abende, Picknicks, Partys, oder Karaoke; für jede_n sollte eigentlich etwas dabei sein und diese Events bieten sich wunderbar an um Gleichgesinnte und spannende neue Menschen kennenzulernen. Informiert euch einfach bei Facebook oder der ESN Homepage über aktuelle Events und sichert euch rechtzeitig die oftmals schnell ausverkauften Tickets.

5. Gebot: Geh raus und entdecke Helsinki

Helsinki ist eine etwas verschlafene Stadt, mit der ich persönlich anfangs erst warm werden musste. Doch im Laufe der Wochen und Monate habe ich mit Freund_innen viele wunderbare und einzigartige Orte entdecken und kennenlernen können. Neben den wundervollen Inseln Suomelinna und Seurasaari, sind mir besonders der Hippe Distrikt Kallio, der Hafen und auch der Sandstrand ans Herz gewachsen. Helsinki erscheint auf den ersten Blick (vor allem wegen der fehlenden Altstadt) etwas öde und langweilig, doch mit der Zeit kann man vieles entdecken und die Vielfältigkeit durchaus wertschätzen.

6. Gebot: Lerne die finnische Kultur kennen

Solltet ihr Gebot 1 befolgen, so wäre schon eine gute Basis für dieses Gebot gelegt. Doch Finnland ist weitaus mehr als nur Sauna und Rentiere. Lasst euch nicht von stereotypem Gerede (auch von Finn_innen selbst) nicht beeinflussen und macht euch ein ganz eigenes Bild von Land und Leuten. Nicht alle Bewohner Finnlands sind introvertiert oder schweigsam und auch der Winter ist gar nicht mal so kalt und dunkel in Helsinki wie man vermutet.
Möglichkeiten, um die spannende finnische Kultur besser kennenlernen zu können, bieten die sehr zu empfehlenden 'ALICE'-Tandemkurse von der Uni. Hier habe ich mich in regelmäßigen Abständen mit einem Finnen treffen dürfen, der mir sehr viel über sein Heimatland erzählt hat und dem ich im Gegenzug auch vieles über Deutschland berichtete. Themen waren Politik, Jugend, Kunst, Literatur, Alkohol, Beziehungen und noch vieles mehr. Durch ihn kam ich auch mit anderen Finnen und Finninnen in Kontakt, lernte neue Kneipen und Ausflugsziele kennen und ECTS-Punkte von der Uni gab es für diese Treffen obendrein sogar auch noch. Darüber hinaus nahm ich noch ein Semester lang an einem Finnisch-Sprachkurs für Anfänger_innen teil und lernte dort neben ein paar Grundlagen der finnischen Sprache auch noch vieles über die Geschichte, Kultur und Eigenheiten Finnlands kennen.
Jeden zweiten Sonntag hat man außerdem die Möglichkeit am 'Helsinki Art Walk' teilzunehmen und vollkommen umsonst in verschiedene Galerien (teilweise sogar auch ins Gespräch mit den KünstlerInnen selbst) zu kommen (https://www.facebook.com/helsinkiartwalk).

7. Gebot: Mach auch mal den ersten Schritt

Während deines Erasmus-Aufenthalts wirst du mit vielen neuen und ungewohnten Situationen konfrontiert werden. Oftmals fällt es dann, gepaart mit regnerischem und kaltem Wetter draußen, leicht sich in seinem Zimmer zu verkriechen und eine Serie nach der anderen zu bingewatchen; per se ist daran auch nichts großartig auszusetzen, doch halte dir immer vor Augen, dass diese Zeit in deinem Leben, als Studierende_r im Ausland, wahrscheinlich einmalig sein wird; viele befinden sich in einer ähnlichen Lage wie du und wollen Kontakte knüpfen. Scheue dich also nicht davor auch mal den ersten Schritt zu machen und die Nachbarin, den Kommilitonen, oder die eine Person im Sportkurs einfach mal anzusprechen. Besonders empfehlenswert sind auch jegliche Einführungsveranstaltungen und Kennenlern-Abende (organisiert von den einzelnen Fachschaften oder auch vom ESN), um sich gleich ein kleines Netzwerk aufzubauen in dem man sich wohl fühlt.

8. Gebot: Stelle dich auf eine schwierige Wohnsituation ein

Die Situation für Wohnungssuchende in Helsinki ist alles andere als komfortabel. Ich hatte (im Nachhinein betrachtet) das Glück einen 'Unihome'- Platz im Wohnheim 'Domus Academica' zu bekommen. Lasst euch hier nicht vom Namen beirren, großartig akademisch war der Alltag nicht, viele Erasmusstudierende haben regelmäßig den Gemeinschaftsraum in ausufernden Partys vermüllt und waren oft bis tief in die Nacht am feiern. Mich persönlich hat die Lautstärke nicht so sehr gestört, mein Zimmer lag - Gott sei's gedankt – etwas abgeschiedener, aber wenn dein Raum irgendwo näher am Ort des Party-Geschehens liegen sollte und du nicht jede Nacht Lust auf Party hast, könnte sich das tatsächlich als sehr nervig herausstellen. Doch das Wohnheim hat auch seine guten Seiten: es ist wirklich super zentral gelegen und man kann umsonst Wäsche waschen und trocknen. Nichtsdestotrotz hat die gute Lage aber auch seinen Preis und ich musste im Monat atemberaubende 390 € für einen shared room bezahlen. Richtig gelesen: ich habe mir 9 Monate lang mit einer anderen Person ein relativ kleines Zimmerchen mit einem Schreibtisch, zwei Stühlen, zwei Betten, einem klitzekleinen Bad und einer Küchenzeile geteilt und zusammen haben wir dafür knapp 800 € blechen müssen; im Stadtraum Helsinki Normalität. Ein Einzelzimmer in gleichem Wohnheim gäbe es übrigens auch für schlappe 560 €, doch so seltsam es auch klingen mag: ich kann ein Zweibettzimmer wirklich empfehlen. Für viele eine Horrorvorstellung, und auch ich hatte im Vorhinein große Bedenken, doch Philipp (mein Mitbewohner im ersten Semester aus München) und Danie (mein Mitbewohner aus dem zweiten Semester aus Shanghai), zwei Menschen wie sie es unterschiedlicher nicht sein könnten, wurden meine besten Freunde. Wir hatten selten Langeweile, haben legendäre Zimmerpartys geschmissen, gingen uns zwar schon ab und zu auf die Nerven, haben uns aber immer Freiräume gegeben und es war wirklich eine Erfahrung fürs Leben.

9. Gebot: Nutze deine Chance und reise

Besonders empfehlenswert sind auch vom ESN organisierte mehrtägige Reisen, wie die Fährfahrt nach Stockholm, oder eine Woche in Lappland. Aber auch ohne eine vom ESN organisierte Fahrt, sollte man es sich nicht entgehen lassen die perfekte geographische Lage Finnlands zum Reisen zu nutzen. Entweder privat, oder mit einer studentischen Reisefirma (https://www.timetravels.fi/) sind so Ausflüge nach Schweden, ins finnische Lappland und nach Russland möglich. Ich persönlich habe in meinen zwei Semestern Stockholm, das Finnische und das Norwegische Lappland, St. Petersburg, Novgorod, Moskau, Tallinn und Riga bereist, und jeder Trip war einzigartig und wird mir für sehr lange Zeit im Gedächtnis bleiben. Natürlich sind solche Reisen nie billig, doch ich kann guten Gewissens behaupten, dass jede Reise (vor allem nach Russland und Lappland) ihr Geld wert war. Wenn ich an mein Jahr in Finnland zurückdenken werde, so werde ich auch unweigerlich an die Nordlichter bei -38°C im Polarkreis, die U-Bahnstationen in Moskau, die Altstadt Stockholms, und die vielen Male Alkohol einkaufen in Tallinn denken, und ich würde jede einzelne Reise genau so wieder machen.

10. Gebot: Mach einfach das Beste daraus

All diese 'Gebote' sind natürlich nicht immer wortwörtlich zu interpretieren und sollten eher als Anregung und Inspiration gelesen werden. Im Endeffekt bin ich davon überzeugt, dass man, egal in welches Land es eine_n zum Erasmusstudium hin verschlägt, wertvolle Erfahrungen fürs Leben machen kann. Sei einfach du selbst, nutze deinen Aufenthalt um interessante Menschen und Kulturen kennenzulernen, lasse dich auf neue Situationen und Herausforderungen ein, vergiss trotz allem dein Studium nicht und halte dich an das Credo der Sauna: tu einfach das, was sich für dich gut anfühlt.


Rückblick

In meinen zwei Semestern in Helsinki habe ich viele tolle (aber machen wir uns nichts vor: natürlich auch einige wirklich nervige) Menschen kennen gelernt und mich mit der Zeit in Land und Leute verliebt. Ein Erasmus-Aufenthalt lohnt sich, vor allem in Helsinki.

So! Da habt ihrs! That's why I chose Finland, and that's why I would choose it again and again.

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