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Persönlicher Erasmus-Erfahrungsbericht

 

Vorbereitung des Auslandaufenthalts

In meinem Studiengang Politik, Verwaltung und Organisation war für das fünfte Semester ein Auslandsstudium, Auslands- oder Inlandspraktikum vorgesehen. Für mich stand relativ schnell fest, dass ich diese Zeit in einem anderen Land an einer anderen Universität verbringen möchte. Da meine Sprachkenntnisse nicht ausreichten um mich in Spanien, Frankreich o.ä. zu bewerben, entschied ich mich, nach den Erasmus-Informationsveranstaltungen und einigen selbstständigen Recherchen für Estland, Finnland und Irland zu bewerben. Von der Erasmus-Koordinatorin bekam ich dann mitgeteilt, dass ich ab August 2017 ein Auslandssemester in Finnland verbringen würde. Die University of Vaasa/ Vaasan yliopisto nahm schnell Kontakt auf und ich reichte die üblichen Unterlagen wie Lebenslauf, Transcript of Record etc. ein.


Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 08/2017 - 12/2017

Gastuniversität: University of Vaasa

Gastland: Finnland

Studium an der Gastuniversität

 

In einem Online-Katalog der Universitätswebseite konnte man die Kurse für Erasmus-Studierende nachschlagen. Wichtig dabei zu beachten ist, in welcher Fakultät man in Finnland platziert ist, denn daraus ergeben sich die Kurse, welche man wählen darf. Ich hatte am Anfang einige Schwierigkeiten, da ich Management- und Marketingkurse wählen wollte, mir dies jedoch nicht erlaubt wurde, da ich keine Studentin der Faculty of Business Studies war. Ich belegte im Endeffekt Kurse wie „Philosophy of Multiculturalism“, „Government & Management“, „Management & Leadership“, „Globalization and Geography of Enterprise“, „Global Sourcing and Procurement“ und einen Finnisch Survival Course for Exchange Students. Die meisten meiner Lehrveranstaltungen bauen auf die Kompetenz der Studierenden zum Selbststudium. Es mussten – im Vergleich zum Potsdamer System – sehr viele Bücher gelesen, Group Assignments und Vorträge angefertigt werden. Die Anforderungen würde ich jedoch als geringer beschreiben, da so gut wie jeder die Klausuren besteht. Man hat drei Versuche eine Klausur zu bestehen und die beste Note wird im Endeffekt gezählt.

Das Semester teilt sich in zwei Periods. Man sollte daher darauf achten nicht alle Kurse ausschließlich in der ersten oder zweiten Period zu wählen.

Das Studienklima empfand ich als sehr angenehm, da die Finnen zwar schüchterne, aber unglaublich freundliche Menschen sind und einem stets mit einem Lächeln begegnen und helfen, wo sie können.

Wir wurden von „International Tutors“ betreut, welche uns am Anfang halfen, die Stadt, die Universität und das Lernsystem kennenzulernen. Da die Vorlesungen meist nicht übermäßig gefüllt sind, hat man jederzeit die Möglichkeit direkt auf die Dozenten zuzugehen.

Auch die Mitarbeiter im International Office standen jederzeit für Rückfragen über Learning Agreements etc. zur Verfügung.

Die technische Ausstattung der Universität ist sehr gut; man hat sogar die Möglichkeit, manche Klausuren in einem Computerraum zu schreiben und muss dafür nicht zu einem bestimmten Termin in die Uni. Die Bibliothek ist eine der schönsten, die ich je gesehen habe. Man findet ausreichend Computerpools, und die Lernatmosphäre ist sehr angenehm. 

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studenten

Ich hatte hauptsächlich Kontakt zu anderen Erasmus-Studierenden. Die Finnen sind sehr schüchtern und gehen selten selbst auf fremde Leute zu. Über die Zeit und vor allem durch den Kontakt zu den „International Tutors“ durfte ich jedoch einige Finnen kennenlernen. Wenn sie erst mal „aufgetaut“ sind, sind sie für jeden Spaß zu haben.
Es gibt spezifische Wohnheime wo vornehmlich International Students platziert werden, was den Kontakt und gemeinsame Aktivitäten sehr erleichtert. Man lernt sich sehr schnell kennen, da viele Kurse zusammen besucht und einige Trips des Erasmus Networks und Reisen zusammen unternommen werden.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Dadurch, dass man vor und nach dem Auslandsaufenthalt einen OLS-Sprachtest absolvieren muss, kann man gut reflektieren, inwiefern und in welchen Bereichen sich die Sprachkompetenz verbessert hat.
Die Dozenten, welche englischsprachige Lehrveranstaltungen anbieten, sprechen meist gutes Englisch – es sind aber auch Ausnahmen möglich. Mir hat weniger das Sprechen/ Hören in der Uni geholfen meine Sprachkompetenz zu verbessern, sondern vor allem der Kontakt mit anderen Erasmus-Studierenden.

Wohn- und Lebenssituation

Als ich erfahren habe, dass ich mein Auslandssemester in Vaasa verbringen werde, habe ich sofort angefangen über Wohnungen und Unterkünfte zu recherchieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten in Vaasa eine Bleibe zu finden. Man kann sich auf dem privaten Wohnungsmarkt umsehen oder über Anbieter wie VOAS eine Wohnung mieten – letztere ist eine Wohnungsvermittlungsagentur, welche auch von der Uni empfohlen wird und wo 90% der Erasmus-Studierenden einen Wohnheimplatz finden. Man lebt meist mit anderen International Students in einer WG zusammen, was den Kontakt sehr fördert. Die Miete hält sich im Rahmen, man kann mit ca. 260€ rechnen. Wichtig ist jedoch, bei der Bewerbung um eine Wohnung anzugeben, dass ein möbliertes Zimmer bevorzugt wird, da man sich sonst jegliches Mobiliar zu Beginn kaufen und am Ende wieder verkaufen muss.

Vaasa ist eine sehr fahrradfreundliche Stadt und fast jeder Studierende besitzt ein Fahrrad. Die Bustickets sind verhältnismäßig teuer, im Winter ist dies jedoch – neben dem Laufen – die einzige Fortbewegungsmöglichkeit. Auch wenn die Fahrräder meist überteuert verkauft werden, empfiehlt es sich eins anzuschaffen.

In Finnland kann man alles mit Karte bezahlen, selbst den Kaffee in der Uni für 0,50€. Ich musste nicht ein einziges Mal Bargeld abheben und habe mir – auch wenn die Möglichkeit dazu besteht – kein finnisches Bankkonto zugelegt.

Wenn man keine europäische Krankenversicherung hat, besteht die Möglichkeit sich bei der Student Union für einen verhältnismäßig geringen Beitrag im Semester zu versichern. Man kann dann ausgewählte Ärzte in Vaasa nutzen.

Die Lebenshaltungskosten in Vaasa und allgemein in Finnland sind höher als in Deutschland. Dies merkt man vor allem an den Lebensmittelpreisen in Supermärkten. Inklusive der Miete ist mit ca. 600€ im Monat zu rechnen. Dazu kommen noch Kurztrips und Reisen, welche zuhauf angeboten werden und mehr als empfehlenswert sind. Vaasa bietet sich durch die vorgelagerten Archipele für Boots- und Fahrradtrips an.

Das Erasmus Student Network organisiert sehr viele spaßige Aktivitäten wie SitSits, Eisschwimmen, Grillen, Picknicks etc. Ich habe zudem Student Trips nach Sankt Petersburg, Lappland und Stockholm unternommen und mir innerhalb Finnlands auch sehr viel angesehen.

Ratschläge

Wenn man sich erstmal in Vaasa zurechtgefunden hat, ist es eine sehr schöne, studentenfreundliche Stadt. Es lassen sich preiswerte Geschäfte wie HalpaHalli, Lidl oder Minimani finden. Es gibt sehr schöne Cafés wie das Sweet Vaasa oder das Raawka Café und empfehlenswerte Bars wie das Oliver’s Inn, den Littlepub, Bock’s Corner Brewery, das O’Malleys und natürlich den Fontanaclub.
Man sollte auf jeden Fall damit rechnen, dass die täglichen Ausgaben – bis auf die Mensa und das Café in der Uni – höher werden.
Ich hatte eine sehr sehr schöne Zeit in Vaasa und die Uni hat mir unglaublich gut gefallen. Man lernt viele neue Leute aus den unterschiedlichsten Ländern kennen und es entstehen tiefe Freundschaften. Man sollte zudem auf jeden Fall die angebotenen Student Trips nach Russland, Lappland und Schweden wahrnehmen.

Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 08/2017 - 12/2017

Gastuniversität: University of Vaasa

Gastland: Finnland


Rückblick

Ich bereue nichts! Klar, die Stadt Helsinki ist nicht besonders groß, das Freizeitangebot, sagen wir mal, begrenzt und der Alkohol teuer, aber am Ende des Tages war meine Zeit einfach der Hammer. Finnland ist echt cool, vor allem wenn man gerne mal mit seinen Freunden raus fährt für ein paar Tage oder Stunden. Die Menschen sind zwar ruhig, aber wirklich sehr nett und die Erfahrungen die man macht und die Menschen die man trifft wird man nie vergessen. Ich glaube mir würde nicht eine einzige schlechte Sache einfallen, außer das wir alle ordentlich an Gewicht zugelegt haben.

Ich kann jedem empfehlen ein Erasmus Semester zu machen, weil es wirklich eine einmalige Chance ist. Ich glaube es ist sogar egal wo man es macht, um ehrlich zu sein, weil der Ort doch eher in den Hintergrund rückt und die wichtigen Sachen die sind tolle Menschen kennenzulernen und Unmengen an Spaß zu haben, was eigentlich beides garantiert ist. Ist Helsinki jetzt meine neue Lieblingsstadt? Nein, aber es ist eine schöne und interessante Stadt. Mir leider doch etwas zu klein und zu ruhig, aber trotzdem war es sehr schön dort. Und jetzt mal ganz ehrlich...nach Schweden geht doch jeder. Wer kann denn schon behaupten in Finnland gelebt zu haben, dem Land in dem einem im Winter alles abfriert, man die Nordpolarlichter sehen kann und einfach in jedem Haus eine Sauna ist? Eben.

Finnland

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