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Erfahrungsbericht über mein Auslandssemester in Costa Rica

Ich hatte Glück und bekam noch kurzfristig einen Restplatz für ein Auslandssemester an der Partneruniversität in San José (Hauptstadt von Costa Rica). Natürlich ist es ratsam sich schon ca. 1 Jahr vor dem Auslandsaufenthalt nach geeigneten Universitäten umzusehen und fristgerecht die Bewerbung einzureichen. Der gesamte bürokratische Prozess vor und während des Aufenthaltes im Gastland dauert sehr lange und kostet viele Nerven. Im Nachhinein betrachtet, hat sich der Aufwand jedoch gelohnt!


Studienfach: Romanische Philologie

Aufenthaltsdauer: 08/2014 - 12/2014

Gastuniversität: Universidad de Costa Rica

Gastland: Costa Rica

Nachdem man von der Universität Potsdam die Zusage für den Studienplatz erhalten hat, muss man sich an der Gastuniversität bewerben. Parallel sollte man schon beginnen alle Unterlagen, die für das Visa benötigt werden, zu sammeln. Den Zeitaufwand hierfür hatte ich deutlich unterschätzt! Ich hatte erst auf die Annahmebestätigung der UCR gewartet und dann begonnen die Papiere für das Visa zu sammeln, was eigentlich viel zu spät war!

Visum

Der Visums-Prozess ist leider langwierig, anstrengend und sehr teuer – gehört aber zum Auslandssemester in Costa Rica dazu. Der Prozess startet noch in Deutschland und kann (falls überhaupt) erst nach 5 oder mehr Monaten in Costa Rica beendet werden! Die anfallenden Kosten insgesamt liegen zwischen 500 und 600 Dollar und sind in viele kleine Beträge aufgeteilt, die während des Prozesses nach und nach anfallen. Vor dem Flug muss noch in Deutschland ein vorläufiges Studentenvisum (=ein Stempel im Reisepass) erworben werden. Dazu müssen alle erforderlichen Unterlagen zum Konsulat nach Berlin geschickt werden. Nach Bestätigung der Vollständigkeit der Unterlagen bekommt man einen Termin dort, erhält das Visum und bekommt die Unterlagen zurück. Leider muss dieser oft langwierige Prozess in Costa Rica nochmal bei der Migrationsbehörde wiederholt werden. Nur muss man dann (was wiederum sehr teuer ist) alle Unterlagen ins Spanische übersetzen und vor Ort doppelt und dreifach von verschiedenen Stellen beglaubigen lassen. Abgesehen davon, dass es diesen Stellen (Übersetzungsbüros, Anwälte, Notare…) eine Menge Geld einbringt, hat keiner von uns Austuschstudenten verstanden, wieso der Prozess für das Visum so kompliziert ist und zweimal durchlaufen werden muss. Das endgültige Visum haben die meisten von uns auch nie erhalten, denn nach unserer Ankunft im August hätten wir das Visum erst im Dezember (und nochmal gegen eine Gebühr von ca. 200 Dollar) abholen können. Zu der Zeit war das Semester allerdings schon vorbei und die meisten befanden sich bereits auf dem Rückweg nach Deutschland oder waren in der Zwischenzeit in eines der Nachbarländer gereist und erhielten bei Wiedereinreise nach Costa Rica ein (fast) kostenloses und 3 Monate gültiges Touristenvisum. Trotzdem muss der Prozess von Anfang an mitgemacht werden, denn nur mit einem Touristenvisum ist es nicht möglich sich an der Universität überhaupt einzuschreiben.

Studium an der Gastuniversität

Die UCR zählt zu den besten Universitäten in Mittelamerika. Der Hauptcampus im Stadtviertel San Pedro liegt sehr schön und ist im Vergleich zum Rest der Stadt sehr grün und auch ruhig, da kaum Autos durchfahren. Auf dem kompletten Universitätsgelände gibt es außerdem ein Rauchverbot. Mit Glück sieht man hin und wieder Faultiere in den Bäumen hängen. Ich habe Kurse an drei verschiedenen Fakultäten belegt (Faculdad de Letras, Facultad de Bellas Artes und Faculdad de Ciensas Sociales), wodurch ich einen guten Einblick in das universitäre System erhalten habe.

Im Durchschnitt sind pro Semester mindestens 12 Credits zu erreichen, i.d.R. bedeutet das die Belegung von 3 bis 4 Kursen. Das klingt zwar wenig, ist aber unglaublich viel Arbeit. Die 12 Credits entsprechen unseren 30 LP pro Semester in Deutschland. Ein Kurs findet meist nur 1x pro Woche statt und dauert 3-4 Stunden. Für individuelle Vor- und Nachbereitung der Kurse sind offiziell nochmal 6 Stunden wöchentlich pro Kurs vorgesehen. Um die Prüfungen und alle sonstige Aufgaben während des Semesters zu schaffen, muss man diese Zeit für das Eigenstudium auch einplanen. Wie bei uns werden teils Referate vergeben, teils Klausuren geschrieben. Für die Folgewoche gibt es immer Aufgaben (Texte lesen oder selber schreiben, Gruppenarbeiten etc.). In den meisten Kursen erhält man mehrere Zwischennoten im Laufe des Semesters, aus denen am Ende der Durchschnitt gebildet wird. Die Studienanforderungen sowie der Arbeitsaufwand insgesamt sind recht hoch.

Die Wahl der Kurse zu Beginn ist nicht leicht, da es nirgends Kursbeschreibungen im Vorfeld gibt und der Titel einer Veranstaltung allein in manchen Fällen wenig aussagt. Es hat sich auch als unmöglich herausgestellt, Professoren vor offiziellem Semesterbeginn diesbezüglich zu kontaktieren. Viele belegten daher erstmal 5-6 Kurse, um dann je nach Interesse ca. 2 wieder abzuwählen.
Die Bewertungen reichen von 0 bis 100 bzw. von 0 bis 10 Punkten. Ab 7 bzw. 70 Punkten hat man den Kurs erst bestanden.

Die Ausstattung der meisten Räume fällt spärlich aus. Die Unterrichtsräume haben zwar meist moderne Tafeln, sonst aber kaum Ausstattung. Geräte, wie Beamer oder Lautsprecher etc. können bei Bedarf vor Unterrichtsbeginn ausgeliehen werden. Tische gibt es in den meisten Räumen nicht. An den sehr unbequemen Stühlen ist eine kleine Platte befestigt, auf der man einen Schreibblock ablegen kann. Einige Kurse finden im Auditorium statt. Dort sind zwar die Sitze bequem, dafür ist es meist zu schlecht beleuchtet, um Notizen zu machen. Mit den Professoren habe ich ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Sie sind sehr hilfsbereit und interessiert. Gleiches trifft auch auf die Kommilitonen zu. Es ist allerdings sinnvoll als Austauschstudent den ersten Schritt zu machen und z.B. mit einer Frage auf sie zuzugehen, denn viele der Ticos sind eher schüchtern und zurückhaltend. Die Studienqualität insgesamt ist sehr gut und der Praxisbezug vieler Kurse ist hoch. Die UCR bietet interessante Exkursionen an, z.B. in abgelegene Bergdörfer der indigenen Bevölkerung. Ich kann nur empfehlen diese Möglichkeit zu nutzen, da man als Tourist nur schwer oder gar nicht in solche Gebiete reisen kann.

Die Ansprechpartner für die Immatrikulierung und bei Fragen rund um den Visumsprozess ist die Movilidad Estudiantil des OAICE (vergleichbar mit unserem AAA). Diese laden bereits zu Beginn zu einem ersten Kennlern- und Informationstag ein (mit Führung über den Campus usw.). Weitere Aktivitäten organisieren sie allerdings nicht und es gibt auch keine offizielle Studentenorganisation, die diese Aufgabe übernimmt. Hin und wieder bieten einzelne Studenten die Organisation von Ausflügen an. Ich empfand die Betreuung und Beratung durch Vertreter der OAICE als hervorragend. Mir wurde bei mehreren kleineren oder größeren Problemen immer sehr schnell geholfen. Geduld ist dennoch wichtig. Da der gesamte bürokratische Aufwand sehr hoch ist, dauert alles auch recht lang.  Immatrikuliert war ich erst ca. 2 Monate nach offiziellem Semesterbeginn.

Wohn- und Lebenssituation

San José ist keine schöne Stadt, doch man findet sich mit der Zeit zurecht und entdeckt auch hin und wieder angenehme Ecken. Die Stadt wurde mehrmals von Erdbeben zerstört, die meisten Gebäude sind daher nicht sehr hoch und aus Beton und Wellblech. Etwa 90% der Landesbewohner Leben in der Hauptstadt! Sie ist das wichtigste Arbeitszentrum und Hauptverkehrsknotenpunkt. Egal von welcher Stadt man in eine andere reisen will: eine Fahrt, die nicht über San José führt, gibt es kaum. Dementsprechend von Autos überfüllt und schmutzig ist San José. Es gibt häufig Stau und falls gerade nicht, dann gibt es viele Raser, die wenig auf Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer achten.
Costa Rica gilt als das sicherste Land in Mittelamerika. Eine Armee gibt es nicht mehr. Dennoch muss man sehr vorsichtig sein, denn die Kriminalitätsrate ist wesentlich höher als wir es von europäischen Ländern gewöhnt sind. Das hohe Bedürfnis der Costa Ricaner an persönlicher Sicherheit wird in den meisten Vierteln durch hohe Stachelzäune rund um die Häuser oder vergitterte Fenster sichtbar. Viele Straßen in teureren Vierteln werden auch 24 Stunden am Tag bewacht oder sind mit Schranken versperrt, so dass nur Anwohnern der Zutritt gewährt wird. Die Angst vor Einbrüchen und Überfällen ist recht groß. Die Präsenz der Polizei ist jedoch hoch und die Kriminalitätsrate ist in den letzten Jahren zurückgegangen.

Man braucht nicht in ständiger Angst zu leben, sollte sich aber an gewisse Regeln halten: möglichst vermeiden im Dunkeln alleine durch die Straßen zu laufen; möglichst keine Wertgegenstände (auch nie auffälligen Schmuck o.ä.) tragen; möglichst keine sehr hohen Beträge an Bankautomaten abheben etc. Trotz den sichtbaren Bemühungen der Polizei und den persönlichen Vorsichtsmaßnahmen ist es während meines Auslandssemesters zu mehreren bewaffneten Raubüberfällen - sowohl auf befreundete Einheimische als auch auf Austauschstudenten - gekommen. Im Falle eines
Übergriffs ist es ratsam ruhig zu bleiben und immer eine kleinere Menge Geld (20-40 Dollar) bei sich zu tragen, um sie im Notfall den Angreifern geben zu können. Wenn sie irgendetwas bekommen, suchen sie normalerweise nicht weiter und gehen schnell wieder. Auf keinen Fall sollte man versuchen sich zu wehren oder wegzurennen!

Wohnungssuche: Als Student ist es sinnvoll sich ein Zimmer in Universitätsnähe zu suchen (z.B. San Pedro oder Sabanilla), um nicht früh oder nachmittags im völligen Verkehrschaos in ein weiter entfernt gelegenes Viertel fahren zu müssen. Die Wohnungssuche läuft in Costa Rica vor allem über Kontakte. Ein Internetportal wie WG-gesucht existiert nicht. Hilfreich können auch Seiten auf Facebook, z.B. Estudiantes Internacionales Universidad de Costa Rica (UCR), oder Aushänge in und neben den Uni-Gebäuden sein. Der normale Mietpreis für ein einfaches WG-Zimmer beträgt zwischen 150 und 250 Dollar. Leider kommt es immer wieder vor, dass Personen versuchen viel Geld mit aus Europa kommenden Studierenden zu machen und versuchen völlig überteuerte Zimmer, die kein Einheimischer je mieten würde, zu vermieten. Generell sollte man nicht zusagen ohne das Haus, das Zimmer und die Gegend wenigstens einmal gesehen zu haben! Einige haben schon von Deutschland aus WG’s gesucht, was bei vielen schief gegangen ist. Ich selbst wurde auch vom Vermieter betrogen und habe dabei etwas mehr als eine Monatsmiete eingebüßt. Zu Beginn ist es eine ganz gute Idee erstmal in einem Hostel zu wohnen und dann vor Ort mit der WG-Suche zu beginnen.

Ansonsten besteht auch die Möglichkeit in Gastfamilien (inkl. Halb- oder Vollverpflegung) untergebracht zu werden. Die Universität hilft dabei Kontakte herzustellen. Die monatlichen Kosten sind dann natürlich viel höher als die Miete für ein gewöhnliches WG-Zimmer.

Preise: Costa Rica ist leider das teuerste Land Mittelamerikas. Nicht nur die Mietpreise sind z.T. höher als in Deutschland, sondern auch die Einkäufe im Supermarkt. Importierte Ware ist besonders teuer, regionale Produkte dagegen meist bezahlbar. Es lohnt sich auf Märkte zu gehen (z.B. mercado domingo, mercado central), die je nach Wohnviertel meist 1-2x wöchentlich stattfinden. Dort gibt es Obst, Gemüse; z.T. auch Eier oder Käse zu deutlich günstigeren Preisen. Es gibt nahe der UCR auch mehrere Straßenhändler, die recht günstig Obst und Gemüse verkaufen. Handeln ist in einem gewissen Rahmen meist möglich. Dennoch werden viele Verkäufer versuchen ihre Ware an Nicht-Einheimische zu höheren Preisen zu verkaufen oder absichtlich falsches Wechselgeld herauszugeben. Also besser immer aufpassen!

Ein typisches Essen in Costa Rica besteht aus Reis mit Bohnen, dazu z.B. verschiedene Gemüsesorten, Ei und/oder Hühnchen. Oft werden Kochbananen, Süßkartoffeln oder Yuka verwendet. Die Gerichte in den Mensen der Universität sind vergleichsweise günstig, sehr reichhaltig und machen auf jeden Fall für viele Stunden satt! Ansonsten essen die Einheimischen am liebsten in den sog. Sodas – eine Art Kneipe und die wohl beste Variante außerhalb zu essen, wenn man Preis und Leistung vergleicht.

Der Bustransport ist im Vergleich zu Deutschland relativ günstig (allerdings teuer verglichen mit anderen Ländern Mittelamerikas). Das Bussystem ist jedoch nicht leicht zu verstehen und auch nicht immer logisch. Irgendwann gewöhnt man sich daran, wird aber zumindest zu Beginn viel Hilfe von Einheimischen beim Finden der richtigen Haltestelle oder des richtigen Busses benötigen. Einige „Haltestellen“ befinden sich am Bordstein irgendeiner Straße und sind für Neuankömmlinge im Land nicht als solche erkennbar. Leider gibt es in San José keine Zentralhaltestelle oder etwas Vergleichbares. Grob gesehen gibt es im Norden, Osten, Süden und Westen des Zentrums gelegene „Haupt-Haltestellen“, die aber untereinander keine Verbindungen haben. Das kommt wiederum den Taxiunternehmen zu Gute, wenn man sich nicht ständig durch die oft menschenüberfüllten Calles und Avenidas quer durch das Stadtzentrum wühlen möchte. Für Busse innerhalb der Stadt gibt es keine Fahrpläne mit Uhrzeiten. Für Busse in andere Städte gibt es welche, jedoch werden sie nur zu ca. 50% eingehalten.

Die offiziellen Taxis sind rot mit gelbem Dreieck (nie andere nutzen!). Trotzdem wird man als Nicht-Einheimischer immer mal wieder in unangenehme Situationen kommen (immer das Gepäck im Auge behalten und besser nicht in den Kofferraum legen!) oder beim Bezahlen betrogen. Die Preisanzeigen in den Taxen sind häufig manipuliert und drehen sich zu schnell. Am besten fragt manvor Fahrtantritt einen Einheimischen (keinen Taxifahrer!) wie viel die anstehende Taxifahrt ungefähr kostet und handelt dann vor der Fahrt mit dem Taxifahrer einen Festpreis aus. Unterwegs zu Fuß: Oft fehlen (v.a. außerhalb der Innenstadt) die Gehwege oder Fußgängerampeln, so dass es in vielen Teilen der Stadt gar keine Freude macht sich zu Fuß fortzubewegen. Die Verkehrsregelungen sind oft unübersichtlich, Straßen in schlechtem Zustand und Hindernisse (wie tiefe Regenablaufrinnen, die direkt als Straßenbegrenzung dienen) stets vorhanden. Ebenso vom Radfahren rate ich aus diesen Gründen ab.
Zebrastreifen in den Städten dienen eher der Dekoration. Lauft nie los, ohne ganz sicher zu sein, dass wirklich von nirgendwo ein Auto angeschossen kommen kann!

Generell existieren keine Adressen mit Straßenname und Hausnummer. „Adressen“ werden mit Hilfe von Himmelsrichtungen und der groben Entfernung in Metern zu (mit Glück) markanten Punkten (z.B. Kirchen, Schulen, Apotheken) angegeben.

Telefonieren mit einheimischen Handyanbietern (Kölbi, Claro o. Movistar) ist sehr günstig. Karten kaufen oder aufladen kann man in Kiosken oder bei Händlern an fast jeder Straßenecke.

Einige Tipps noch

Einen Reiseführer am besten schon in Deutschland besorgen und mitbringen. Die meisten mir bekannten Reiseführer (obwohl druckfrisch) taugen allerdings wenig und richten sich
hauptsächlich an eher reiche Touristen, die nur kurz im Land bleiben und bereit sind viel Geld dort zu lassen. Dazu waren oft die enthaltenen Informationen veraltet und Preise (z.B. für Hostels) trafen selten zu. Brauchbares Kartenmaterial gibt es kaum, v.a. nicht im Land selbst. Wer in Deutschland schon etwas auftreiben kann, bringt es am besten mit.

Da es, wie erwähnt, keine richtigen Adressen gibt und das Postsystem auch nicht wie in Deutschland funktioniert, sollte man sich nicht darauf verlassen, fehlende Sachen aus Deutschland nachgeschickt zu bekommen. Viele Briefe o.ä. sind bei mir und meinen Bekannten nie angekommen. Falls ihr dennoch dringend etwas geschickt bekommen wollt, dann lasst es am besten an die Movilidad Estudiantil des OAICE der Universität senden und holt es dann da ab. Erfahrungsgemäß sind dort die wenigsten Briefe abhanden gekommen.

Wer eine Outdoor-Ausrüstung benötigt: Wanderschuhe, Zelte, Matten, Schlafsäcke, Stirnlampen etc. sollte alles aus Deutschland mitnehmen. Für diese Zwecke existieren so gut wie keine Läden im ganzen Land und wenn doch, so ist entweder die Qualität der Produkte sehr schlecht oder der Preis ist ca. 4-5x so hoch wie hier. Generell ist es allerdings fast unmöglich sich frei in der Natur zu bewegen. Dort, wo es keinen offiziellen Nationalpark mit einigen für Touristen angelegten Wegen gibt, ist der Zutritt meist untersagt (wie z.B. die Begehung des Vulkanes Arenal, Rincón de la Vieja und vielen Teilen des Regenwaldes), sind die Wege zugewachsen oder das Passieren aus anderen Gründen nicht möglich oder zu gefährlich (z.B. fehlendes Kartenmaterial und keinerlei Ausschilderung). Offizielle Campingplätze gibt es nur sehr wenige. Mit Einheimischen zusammen, die geeignete Stellen kennen, und an einigen Stränden (Ebbe und Flut beachten!) ist es dennoch möglich.

Nie in Flüssen baden!!! In Costa Rica gibt es Krokodile und manchmal (v.a. im Süden des Landes und nahe der Flussmündungen) auch Haie im Wasser und giftige Schlangen in Ufernähe! Schlechte Erfahrungen haben viele Austauschstudenten mit geführten Touren gemacht. Die Guides versprechen gern alles und halten nach Bezahlung dann nichts. In fast allen Nationalparks ist es unnötig einen Guide zu engagieren, da man die meisten Tiere auch so sieht oder weil viele Leute schon stehengeblieben sind und in die Richtung schauen. Nur im Nationalpark Corcovado (der einzige Park, der noch ein Stück Primärurwald besitzt) ist es Pflicht einen Guide zu nehmen. Der Mindestpreis pro Tag liegt bei 100 Dollar pro Person, bei einer dreitägigen Tour durch den Dschungel also stattliche 300 Dollar (ohne Verpflegung natürlich). An dem Geld verdienen viele, nur die Guides selbst erhalten wenig davon und sind dementsprechend demotiviert. Unser Guide damals hat eine Giftschlange übersehen, auf die wir beinah getreten sind, wusste nichts über die Pflanzen und hat sich auch sonst mehr von unserer Gruppe zeigen lassen als umgekehrt… Hier sollte man also sehr vorsichtig sein, nicht allem Glauben schenken und sich gründlich im Vorfeld informieren.

Insgesamt habe ich meinen Aufenthalt (trotz einiger unschöner Erfahrungen hier und da – aber die gehören eben auch dazu) sehr genossen und wäre am Schluss sogar gern noch länger geblieben. Kontakte zu Einheimischen herzustellen, hat zwar etwas Zeit gebraucht, aber letztendlich habe ich gute Freunde finden können, mit denen ich auf jeden Fall im Kontakt bleiben werde. Und wenn ich mir jetzt die Fotos ansehe - von Faultieren, bunten Vögeln, exotischen Früchten, netten Menschen, Dschungelpflanzen, Lagerfeuer am Strand, aktiven Vulkanen, grünen Kraterseen oder der Karibik – dann finde ich es schade wie schnell manchmal die Zeit vergeht!

Studienfach: Romanische Philologie

Aufenthaltsdauer: 08/2014 - 12/2014

Gastuniversität: Universidad de Costa Rica

Gastland: Costa Rica


Rückblick

Das Auslandssemester hat mich deutlich mehr gekostet als ein durchschnittliches Semester in Deutschland. Niemand sollte mit der Erwartung nach Costa Rica fliegen, dort sehr günstig zu leben. Weiterhin war der bürokratische Aufwand insgesamt enorm hoch, hat sich aber rückblickend für mich dennoch gelohnt. Im Land gibt es eine große Vielfalt an Natur – interessanten Pflanzen und Tieren (leider z.T. auch sehr giftigen) - zu entdecken! Je touristischer ein Ort, desto teurer ist der Aufenthalt an diesem dann leider auch. Die Wochenenden nutzten die meisten Austauschstudenten dennoch, um aus der Hauptstadt zu entfliehen und sich die z.T. wirklich wunderschönen Strände, Vulkane oder Nationalparks des Landes anzusehen. Leider sind sie dann oft unter sich geblieben, da die Einheimischen meist nicht das Geld und die Möglichkeit haben solche meist doch recht kostenintensiven Ausflüge mitzumachen (Transport, Hostelübernachtungen, Verpflegung, Eintritt für Nationalparks etc.). Obwohl die Uni viel Zeit abverlangt, ist es trotzdem empfehlenswert viele Ausflüge zu machen, um einen komplexeren Eindruck vom Land und den Leuten zu gewinnen.

Costa Rica

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