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Erfahrungsbericht: Auslandsaufenthalt an der Memorial University of Newfoundland

Zuerst kostete es mich viel Überwindung, mich tatsächlich auf einen Platz an einer Partnerhochschule zu bewerben. Meine Chancen an der Memorial University in Kanada angenommen zu werden, hatte ich mir selbst als ziemlich gering ausgemalt. Umso glücklicher und auch nervöser war ich, als ich zum Auswahlgespräch eingeladen wurde. Falls du, der du diesen Bericht liest, schon so weit bist, dann brauchst du nicht nervös zu sein! Frau Subasic und ihre beiden Kollegen waren sehr nett und haben jedem von uns zugehört. Bei diesem Gespräch traf ich auch das erste Mal eine andere Studentin aus Potsdam, die auch nach Kanada gehen sollte. Nach dem Gespräch war ich überzeugt, nicht genommen zu werden. Meine beiden Mitbewerberinnen erschienen mir eine deutlich bessere Wahl zu sein. Aber auch zu diesem Zeitpunkt habe ich mich noch sehr darüber gefreut, die Erfahrung machen zu dürfen, wie solche Bewerbungsgespräche ablaufen und dass es nicht so schlimm war wie erwartet. Als ich tatsächlich eine Zusage bekam, konnte ich es nicht wirklich glauben. Erst als ich in den Vorlesungen in Kanada saß, wurde mir langsam bewusst, dass ich tatsächlich angenommen wurde.


Studienfach: Ökologie, Evolution und Naturschutz

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: Memorial University of Newfoundland

Gastland: Kanada

Doch zurück zum Anfang, wieso eigentlich Kanada und wieso dann die Memorial University? Ein Auslandssemester wollte ich schon immer machen. Aber an den „bekannten“ Ländern, wie Australien, USA und Spanien hatte ich wenig Interesse. Außerdem war ich mir ziemlich sicher, dass es über eine Hochschulpartnerschaft oder durch das ERASMUS-Programm deutlich leichter werden würde. Durch einige Zufälle habe ich dann von der neuen Partnerschaft mit der Memorial University erfahren. Zuerst dachte ich auch, dass Kanada mir doch zu bekannt sei. Aber nach einigen Recherchen fiel mir auf, dass diese Uni alles zu bieten hatte, was mich interessierte. In Potsdam bin ich momentan im Master in Ökologie, Evolution und Naturschutz eingeschrieben. Lange Zeit vorher, eigentlich, seit ich denken kann, wollte ich unbedingt etwas mit Meeresbiologie machen. Wie der Zufall es so wollte, besitzt die Universität in Neufundland eines der größten Meeresforschungszentren in Kanada mit Tiefseetanks und Forschungsschiffen. Es gab unglaublich viele spannende Vorlesungen und Seminare, von Themen wie nachhaltiger Fischereiwirtschaft bis hin zu physikalischer Ozeanografie. Dazu kam für mich, dass Kanada in einer ganz anderen klimatischen Zone liegt. Neufundland ist nahezu vollständig bedeckt von borealen Nadelwäldern, auch wenn ausgerechnet diese Insel einige Ausnahmen hat im Vergleich zum kontinentalen Kanada.

Organisation Während aller Vorbereitungen, Kurswahlen und Fragen wurde ich sehr zuvorkommend von Frau Subasic und dem kanadischen Koordinator Chris Hibbs unterstützt. Mit Herrn Hibbs hatte ich regelmäßigen E-Mail-Verkehr und er versprach, mir bei allem zu helfen. Ich war überrascht von seiner Motivation und Offenheit allen meinen Plänen gegenüber, denn ich hatte mir vorgenommen, nicht in einem Studentenwohnheim unterzukommen und schon vor Beginn des Semesters nach Kanada zu fliegen, um mich dort noch umzuschauen. Im Nachhinein war das für mich eine supergute Entscheidung. Die ersten zwei Wochen flog mein Freund mit und wir bereisten die Nationalparks in Neufundland. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht und durch seine Unterstützung die erste Eingewöhnung viel einfacher gemacht. Dadurch, dass ich so viel erlebt hatte, viele Menschen getroffen hatte und die ersten Erfahrungen nicht alleine sammeln musste, fühlte ich mich sehr schnell gut aufgehoben. In den letzten Tagen unseres Urlaubs machten wir uns auch gemeinsam auf die Suche nach einer passenden Unterkunft für mich und ich hatte mein erstes Treffen mit Chris in der Uni, um meine Kurswahlen zu besprechen.

Wohnsituation

Die Wohnungssituation in Kanada ist wohl etwas anders als in Potsdam. In Potsdam ist man es gewöhnt, dass man sich lange auf WG-Zimmer bewerben muss, es gibt einfach nicht genug und manchmal passen die Vorstellungen der Bewohner nicht zusammen und es ist ein anstrengendes Prozedere. Mit einem ähnlichen Aufwand hatte ich in Kanada auch gerechnet, mich aber total getäuscht. Die Universität stellt eine eigene Seite mit sogenannten „geprüften“ Unterkünften für ihre Studenten. Das bedeutet lediglich, dass man im Nachhinein nicht noch über den Tisch gezogen wird und der Vertrag für die Miete allen Gesetzen entspricht.  Über diese Seite habe ich meine Wohnung allerdings nicht gefunden, sondern über kijiji.ca, was das ebay.kleinanzeigen von Kanada ist. Dort werden wirklich viele Zimmer ausgeschrieben. Man sollte darauf achten, dass die Miete eine Warmmiete ist und keine zusätzlichen Kosten auf einen zukommen. Da die Häuser dort alle aus Holz sind, können die Heizkosten schnell in die Höhe schnellen und dadurch auch die Miete. Ich habe dann einen Termin mit dem Vermieter vereinbart und bin zu einer Besichtigung gegangen. Gleich das erste Zimmer hat mir sehr, sehr gut gefallen, weshalb ich mich ohne langes Zögern dafür entschieden habe. Im Normalfall hilft es, wenn man sich selbst kurz beschreibt und ein paar Angaben zu sich selbst macht. Außerdem gibt es meist deutlich mehr Zimmer, als es Suchende gibt. Insgesamt wohnten in dem Haus sieben Personen, wir hatten drei Badezimmer und ein großes Wohnzimmer, eine vollständig ausgestattete Küche und zwei große Bernhardiner, die mit uns dort lebten. Wenn man Tiere mag und öfter unter Heimweh leidet, können sie erstaunlich gut davon ablenken. Meine monatliche Miete war etwas teurer als die meisten anderen internationalen Studenten bezahlten, wobei ich den Preis als angemessen empfand.

Durch meine Mitbewohner habe ich das meiste über Kanada gelernt. Wir haben viele gemeinsame Wanderungen und Ausflüge in die Umgebung unternommen. Außerdem feierten wir zusammen Thanks Giving, Halloween und Weihnachten. Oft haben wir auch zusammen gekocht und mit jeder Frage, die ich hatte, konnte ich auf sie zukommen.

Verkehrsmittel

Da die öffentlichen Verkehrsmittel in St. John's nicht besonders zuverlässig und umfangreich sind, wurde mir oftmals von meinen Mitbewohnern angeboten, mich zu fahren. Außerdem ist für Studenten die Busfahrkarte nicht im Semesterbeitrag enthalten. Sofern ich weiß, kostet sie für ein Semester ca. 240 $. In den meisten Fällen bin ich daher einfach zu Fuß gegangen. Die Entfernungen sind häufig nicht so weit, und wenn man kein Problem damit hat, 30 Minuten zu laufen, kann man fast alles erreichen.  Zusätzlich hatte ich mir beim MUN-Bikeshare sehr günstig ein Fahrrad ausgeliehen. Allerdings sollte man beachten, dass in Kanada Helmpflicht gilt, viele Autofahrer nicht begeistert von Radfahrern sind, es häufig regnet und es einige Berge gibt. Eine passende Ausrüstung und Motivation zum Radfahren sind deshalb vorteilhaft.

Bankgeschäfte

Um meine Miete ohne weitere Probleme zahlen zu können, habe ich mir bei einer der vielen Banken ein Girokonto eingerichtet. Man sollte sich ein bisschen schlaumachen, welche Bank gerade das günstigste Angebot für Studenten parat hat, aber ansonsten kann man nicht viel falsch machen. Ich bin dann einfach zur Scotiabank gegangen, habe um einen Termin gebeten und binnen weniger Minuten war mein Konto inklusive Karte eingerichtet. An Unterlagen wurden nur zwei Lichtbildausweise zur Identifikation benötigt und falls es sich um ein Angebot für Studierende handelt natürlich auch der Studierendenausweis. Da internationale Überweisungen immer eine hohe Gebühr kosten, habe ich mir gleich so viel Geld wie möglich überwiesen, um die Kosten möglichst gering zu halten.

Lebenshaltungskosten

Insgesamt würde ich die Lebenshaltungskosten auf Neufundland etwas höher einschätzen als bei uns. Viele Lebensmittel sind recht teuer, da Neufundland eine Insel ist und alles eingeflogen werden muss. Das spiegelt sich besonders bei frischen Lebensmitteln wider. Natürlich existieren auch die klassischen Unterschiede, anderer Käse, kein „richtiges“ Brot und zum Teil riesige Packungsgrößen. Allerdings kann man sich mit allem arrangieren. Wer Lebensmittelunverträglichkeiten hat, oder sich auf besondere Art und Weise ernährt, wird mehr als genug Produkte finden. Alle Kanadier, die ich kennengelernt habe, nehmen sehr viel Rücksicht auf sämtliche Probleme und Wünsche, solange man sie freundlich äußert. In einem meiner Kurse gab es jemanden mit einer Schokoladenallergie, wodurch es für alle selbstverständlich wurde, nichts mit Schokolade vor oder während des Kurses zu essen.

Studium und Lehrveranstaltungen

Überhaupt waren die Kurse und die Dozenten unglaublich spannend und völlig anders organisiert als bei uns. Ich bin es in der Biologie gewohnt, dass wir Protokolle zu Laborkursen immer innerhalb einer Woche abgeben müssen. Das bedeutet ein kontinuierliches Mitarbeiten während des Semesters. Allerdings zählen die Laborberichte in Potsdam meistens nicht als Note, sondern nur als Zulassungsvoraussetzung zur Klausur. In Kanada hingegen sammelt man bereits über das gesamte Semester Punkte für die Endnote. So kann es passieren, dass die letzte Klausur zwischen 20-60 % der Gesamtnote ausmacht. Es wird also vergleichbar mit Modulen bei uns, die aus mehreren unterschiedlichen Vorlesungen bestehen und dann aufgrund ihrer Leistungspunktzahl eingehen. Die Bücherei dieser Uni bietet jedem Studierenden seinen eigenen Platz und sehr viel Material. Sollte einmal der Zugriff auf ein Paper fehlen, kann man eine kurze Anfrage abschicken und erhält es normalerweise innerhalb von ein, zwei Tagen. Drucken ist ebenfalls ohne Probleme über den Computerpool und den Studierendenausweis möglich. Im Großen und Ganzen sind die meisten Systeme selbsterklärend. Insgesamt legen die Dozenten in Kanada meiner Erfahrung nach mehr Wert auf eigenes Interesse. Es gibt immer Möglichkeiten, sich nach eigenen Ideen in die Kurse einzubringen. Manchmal durch die Wahl eines Referatsthemas, manchmal muss eine Hausarbeit geschrieben werden und in anderen Kursen kann man durch den Besuch von anderen Veranstaltungen Zusatzpunkte sammeln. Durch alle diese Möglichkeiten und kontinuierliche Abgaben sind die Kurse meiner Ansicht nach herausfordernder als bei uns. Dazu kommt natürlich immer noch die Sprachbarriere. Egal wie gut man in allen Einstufungstests abschneidet, es bleibt doch anstrengender, in einer Sprache zu sprechen und zu schreiben, die nicht der Muttersprache entspricht. Mir hat dieses Prinzip der Kurse sehr gut gefallen und es hat mir Spaß gemacht, mich eigenständig mit den Themen auseinanderzusetzen. Ich hatte das Gefühl, die Dozenten in Kanada motivieren ihre Studierenden mehr, als in Deutschland.  Aufgrund dieser spannenden und auch anderen Art und Weise zu studieren, sollte man seinem Koordinator durchaus vertrauen, wenn er einem empfiehlt, für ein Auslandssemester lediglich 3 Kurse zu wählen. Meine 4 Kurse haben mich am Ende sehr gefordert und ich hatte Glück, dass ich viele Dinge bereits wusste. Außerdem möchte man natürlich auch noch andere Dinge erleben, als nur zu studieren.

 

 

Studienfach: Ökologie, Evolution und Naturschutz

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: Memorial University of Newfoundland

Gastland: Kanada


Rückblick

Zur freizeitgestaltung bietet Kanada allen Raum und alle Möglichkeiten, die man sich nur vorstellen kann. Besonders Naturliebhaber kommen mit Sicherheit auf ihre Kosten.  Durch die ersten Einführungstage zu jedem Semesterbeginn und die vielen „International Meet Ups“ trifft man schnell die Menschen, mit denen man den Rest des Semesters lustige Sachen unternehmen kann. Auch wenn man eher schüchtern ist, so wie ich, sollte man sich während der Einführungstage dazu motivieren, über den eigenen Schatten zu springen. Es wird sich hinterher auf jeden Fall lohnen! Neben meinen Mitbewohnern hatte ich dadurch eine tolle Gruppe, mit der ich viele Ausflüge in die Umgebung unternommen habe. Mietautos sind nämlich auch günstiger, wenn man sie mit mehreren Personen teilt.

Um seinen Aufenthalt dort richtig genießen zu können, lohnt es sich sicherlich, ein bisschen Geld zu sparen, oder sich für ein Stipendium zu bewerben. Man ist eben nur einmal dort und bereut möglicherweise hinterher, was man alles nicht gemacht hat. Das war einer der Gründe, weshalb ich öfter auch mal das Lernen hinten angestellt habe und lieber noch einen Ausflug mehr unternommen habe. Meine absoluten Highlights waren der Gros Morne Nationalpark (im Sommer), die Puffins bei Elliston (im Sommer), ein Ausflug nach Trinity und Bonavista (im Herbst), diverse Wanderungen auf dem East Coast Trail und ein Besuch in Grates Cove zu einem Musikabend von einer Freundin. Außerdem natürlich mein Besuch in Toronto, bei den Niagara Wasserfällen, in Montreal und Halifax. Mit Sicherheit kann man noch jede Menge mehr sehen, aber ich bin froh, so viel wie möglich mitgenommen zu haben und die Eindrücke klingen noch immer nach.

Es war eine fantastische Erfahrung, die ich jedem empfehlen würde!

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