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Die Erfahrungen der anderen machen uns klüger...

Mit den Überlegungen zu meinem Auslandssemester begann ich schon sehr früh. Bereits in meinem ersten Bachelorsemester der Psychologie (WiSe 2014/15) beschäftigte ich mich mit meinen Möglichkeiten, im Ausland zu studieren. Ich sah mir nicht nur die potenziellen Universitäten (die über die Internetseite der Uni Potsdam einzusehen waren), die mich interessierten, an, sondern auch die Kurse, die ich dort belegen konnte. Ich kann nur jedem ans Herz legen, sich möglichst früh Gedanken über ein Auslandssemester zu machen, weil einem dann offen steht, die Kurswahl an der Uni Potsdam den angebotenen Kursen im Ausland anzupassen. Ich konnte beispielsweise in meinem dritten Semester schon einige Kurse machen, die eigentlich für das fünfte Semester an der Uni Potsdam gedacht waren, weil ich im fünften Semester ins Ausland gehen wollte.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 07/2016 – 11/2016

Gastuniversität: University of New South Wales

Gastland: Australien

Mir war ziemlich schnell klar, dass ich nicht in Europa studieren wollte, weil ich in Europa schon viel gereist war und das Abenteuer mich sehr reizte, in einem anderen Kontinent zu leben. Also schaute ich mir die Partnerhochschulen der Universität Potsdam an und die Homepages der jeweiligen Unis, die mich besonders interessierten. Als ich auf die UNSW in Sydney stieß, war ich völlig begeistert. Die Kurse, die dort angeboten wurden, hörten sich äußerst interessant an und viele passten auch in meinen modifizierten Studienverlaufsplan. Ich machte mich mit dem Vorlesungsverzeichnis der UNSW vertraut und konnte somit schon die Kurse, die ich plante zu absolvieren, in mein Motivationsschreiben bei der Bewerbung an der Uni Potsdam miteinbeziehen. Für die meisten Universitäten in Australien braucht man ein TOEFL-Zertifikat mit einer bestimmten Mindestpunktzahl. Ich würde auch hier empfehlen, den Test nicht kurz vor knapp zu schreiben, sondern strategisch zu überlegen, wann im Semester man die meiste Zeit hat (z. B. am Anfang des Semesters oder der Semesterferien), da das Erreichen der erfindlichen Punktzahl schon mit gewissem Aufwand verbunden ist.

Die Universität Potsdam forderte als Bewerbungsunterlagen ähnliche Dokumente wie die UNSW. Es handelt sich bei der Bewerbung um einen zweistufigen Prozess. Zunächst bewirbt man sich im International Office der Universität Potsdam, welches mir schon ein Jahr vor dem eigentlichen Beginn des Auslandsaufenthalts eine Zusage geben konnte. Die Zusage der Gasthochschule erfolgt erst wesentlich später. Die UNSW forderte neben der ausgefüllten Application, einen englischen Lebenslauf, das TOEFL-Zertifikat und mein Transcript of Records von der Uni Potsdam.  Nachdem dann auch die Zusage der UNSW bei mir eingegangen war, konnte ich ganz offiziell meine Kurse für das Semester wählen. An dieser Stelle muss ich sagen, dass mein Plan leider nicht ganz aufgegangen ist, da teilweise die Kurse, welche ich zuvor herausgesucht hatte, nicht in dem Semester, in dem ich nach Australien ging, angeboten wurden.

Studium an der UNSW

Das Studium an der UNSW unterscheidet sich sehr vom Aufbau des Studiums in Potsdam. Ich habe zunächst einmal nur vier Kurse belegen können (in Potsdam sind es bis zu sieben gewesen). Darüber hinaus ist der Leistungserwerb auch ganz anders geregelt, als an der Uni Potsdam. In Australien ist es üblich, über das Semester hinweg viele Assignments abzugeben. In meinem Fall waren das für manche Fächer bis zu sieben Assignments im Semester. Diese Abgaben waren unterschiedlich groß. Manche umfassten nur eine einseitige Reflexion eines Journals, manche umfassten eine Hausarbeit im Umfang von bis zu 3500 Wörtern. Grundsätzlich ist man während des Semesters durch die Assignments sehr viel mehr angehalten, am Lernstoff dran zu bleiben. In drei von vier Fächern hatte ich ein Midterm Exam. Diese Klausuren lagen direkt vor der Spring Break (bereits in der 7. Semesterwoche), was einige der Studenten doch in große Aufregung versetzte. Am Ende des Semesters fanden die Final Exams statt, die durch die zahlreichen Assignments über das Semester hinweg „nur“ noch 25-44 % der Endnote ausmachten. Die Vorlesungen werden in Psychologie an der UNSW immer aufgezeichnet und können online angehört werden. Das ist gerade für Austauschstudierende sehr gut, weil man besonders am Anfang, aufgrund der neuen Sprache, nicht immer alles mitbekommt. Ich hörte mir also zumeist die Vorlesungen einmal in der Uni an und noch einmal online zur Klausurvorbereitung. Zu jedem Fach gab es neben der Vorlesung ein Tutorium, in dem Anwesenheitspflicht bestand. In den Tutorien hielten wir auch Abschlussvorträge und besprachen Gruppenarbeiten.

Insgesamt fühlte ich mich sehr wohl an der UNSW. Der Campus ist riesig und am Anfang ist es etwas schwierig, Anschluss zu finden, weil die UNSW kein Buddy-Programm für internationale Studierende anbietet. Aber spätestens ab der zweiten Woche lernt man sehr viele unterschiedliche Studierende kennen und hilft sich untereinander mit wichtigen Informationen aus (z. B. wo es das günstige Mittagessen gibt, wie man drucken kann und auch bezüglich des Vorlesungsstoffs). Die wichtigsten Ansprechpartner des akademischen Personals waren die Tutoren. Sie beantworteten Fragen bezüglich Assignments und Klausuren und gaben allgemeine Tipps zum Universitätsleben an der UNSW.  Die Uni ist sehr gut ausgestattet. Die australischen Studierenden zahlen sehr hohe Studiengebühren, die zu großen Teilen in die Lehre, Forschung und den Campus fließen. Die Bibliothek hat jeden Tag von sieben Uhr morgens bis um zehn Uhr abends auf. In der Final Exam-Periode sind die Öffnungszeiten dann bis um Mitternacht erweitert worden. Zusätzlich gibt es eine kleine Study Lounge, die vierundzwanzig Stunden an jedem Tag geöffnet hat. Computerpools sind in der Universität auch vorhanden, obwohl die meisten Studenten an ihren eigenen Laptops arbeiten.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 07/2016 – 11/2016

Gastuniversität: University of New South Wales

Gastland: Australien

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Wie wohl im Auslandssemester üblich, hatte ich wesentlich mehr Kontakt zu anderen ausländischen Studierenden, als zu einheimischen. Einheimische Studierende lernte ich hauptsächlich über Gruppenarbeiten in den Tutorien kennen. Sie waren alle sehr hilfsbereit und übernahmen so quasi die Buddy-Rolle. Darüber hinaus lernte ich bei Freiwilligenarbeit auf dem Campus (über eine Society der UNSW namens Volunteer Army) einige einheimische Studierende kennen. Die Freiwilligenarbeit auf dem Campus war eine ganz tolle Erfahrung. Etwas Ähnliches gibt es so nicht an der Universität Potsdam. Wenn man Teil der Society ist, kann man an unterschiedlichen freiwilligen Aktionen auf und außerhalb des Campus mitwirken. Dafür sammelte ich beispielsweise Spenden für die Krebsforschung oder machte durch Aktionen auf die Stigmatisierung von psychischen Krankheiten aufmerksam.

Dadurch, dass man sich als Exchange Student mit einer ganz anderen Lebensumwelt konfrontiert sieht, findet man hauptsächlich Anschluss bei seinesgleichen. Der Großteil meiner Freunde in Australien waren selbst ausländische Studierende. Ich hatte viel mit dänischen, schwedischen, niederländischen und französischen Studierenden zu tun. Gerade in der Spring Break festigten sich diese Bindungen dann noch einmal, als ich mit einer großen Gruppe von Austauschstudenten nach Fiji flog. Es formten sich feste Freundschaften, die zum gemeinsamen Reisen nach dem Semester führten.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Mein Englisch vor dem Auslandsaufenthalt bestand größtenteils aus meinen Schulkenntnissen, der Fähigkeit, sich durch lange wissenschaftliche Journalartikel arbeiten zu können und englischen Filmen. Mein Hörverständnis war also schon vor dem Aufenthalt sehr gut, aber sowohl das Schreiben als auch das Sprechen und Lesen hatten noch großen Ausbaubedarf. Nach dem Auslandsaufenthalt fällt es mir sehr viel leichter, auch über komplexe Themen zu sprechen. Ich muss über weniger Vokabeln nachdenken und kann wesentlich schneller sprechen. Darüber hinaus verstehe ich Journalartikel schneller, was sehr hilfreich für meine anstehende Bachelorarbeit ist und mir wohl mein Leben lang von Nutzen sein wird. Auch an meiner Kompetenz, in Englisch zu schreiben, hat sich einiges verändert. Durch die vielen Hausarbeiten auf Englisch und auch durch die Nachrichten, die wir uns untereinander als Studierende schickten, konnte ich mein Vokabular erweitern und auch an meinem Satzbau arbeiten. Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung meiner sprachlichen Fähigkeiten. Ich konnte gerade beim Reisen nach dem Semester feststellen, wie viel besser mein Englisch den Leuten gegenüber war, die ein „work and travel“ Jahr in Australien verbrachten. Ich schreibe diesen Unterschied dem akademischen Kontext, in dem ich für vier Monate lebte, zu.

Wohn- und Lebenssituation

Ich hatte mich vor dem Beginn des Semesters auf einen Wohnheimplatz beworben, erhielt aber leider eine Absage. Zunächst frustrierte mich das sehr, weil es zur Konsequenz hatte, dass ich in Australien die ersten vier Tage in einem Hostel wohnte und vor Ort ein Zimmer suchen musste. Das ging mit meinem persönlichen Sicherheitsbedürfnis zu der Zeit nicht sonderlich gut einher. Im Endeffekt war es aber überhaupt kein Problem, eine Unterkunft zu finden. Ich rief einen Tag lang alle Unterkünfte, die ab sofort über gumtree.au verfügbar waren, an und am nächsten Tag hatte ich zwei Besichtigungen. Für eine der beiden Optionen entschied ich mich und zog gleich am nächsten Tag ein. Ich lebte in einem „shared house“ mit neun anderen Personen. Wir teilten uns fast alle ein Zimmer mit einem Mitbewohner/in. In Deutschland hätte ich mir nie vorstellen können, mein Zimmer mit jemandem zu teilen, aber das Ganze hat erstaunlich gut geklappt. Wenn man in Australien in „shared houses“ wohnt, kann es durchaus passieren, dass man irgendwo ohne Vertrag endet, was in Bezug auf die Rückzahlung der Kaution am Ende schwierig werden kann. Ich hatte das Problem nicht, aber einige meiner Freunde erhielten ihre Kaution nicht mehr zurück.

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Sydney sind durchaus gut ausgebaut, wenn auch immer zu spät. Irgendwann arrangierte ich mich damit, immer eine Viertelstunde vor der Zeitangabe von Google Maps loszugehen, um pünktlich an mein Ziel zu gelangen. Ich würde aber durchaus empfehlen, nah an der Uni zu wohnen. So spart man eine Menge Geld, weil man für jede Fahrt in Sydney bezahlen muss, und wohnt näher an seinen Freunden, weil die allermeisten nahe der Uni wohnen. Ich war im Endeffekt auch froh, dass ich keinen Wohnheimplatz bekommen hatte, weil das sehr viel teurer gewesen wäre, als meine Unterkunft im Endeffekt war.

Sydney ist eine sehr teure Stadt. Ich zahlte 500 € Miete im Monat für ein Bett in einem „shared room“ und das war sehr günstig. Auch die Lebensmittel sind sehr viel teuer als in Deutschland. Auf dem Campus gibt es keine Mensa, wo man günstiger essen könnte, aber sehr viele Mikrowellen, sodass man sich selbst mitgebrachtes Essen aufwärmen kann. Ich würde schätzen, dass man in Sydney gut das Doppelte der Lebenshaltungskosten Berlins benötigt. In Australien sind „Free Food“ Events daher ein großer Renner.

Die Krankenversicherung musste man über die Universität abschließen, um ein Studentenvisum in Australien zu erhalten. Obwohl man über einige Umwege auch andere Versicherungen abschließen kann, bin ich den einfachsten Weg mit Medibank gegangen und das hat gut funktioniert.

Die Freizeitangebote waren durch die Societies der Uni sehr vielfältig. Ich war Teil der „Tea and Coffee“ Society, die sich einmal die Woche trafen, um von der Society gesponserten Kaffee und Tee zu trinken. Darüber hinaus hatte ich mit der Volunteer Army viel zu tun. Mit meinen Freunden bin ich surfen gegangen und wir haben uns oft für Tagesausflüge um Sydney herum getroffen (z. B. Blue Mountains).


Rückblick

Insgesamt hatte ich eine wundervolle Erfahrung. Es war sehr interessant zu sehen, wie anders man studieren kann, wie unterschiedliche Bildungssysteme funktionieren (wobei ich an dieser Stelle sagen muss, wie dankbar ich für unser Bildungssystem in Deutschland bin, weil es wesentlich mehr Leuten ermöglicht, ohne riesige Schuldenberge zu studieren) und auch wie anders die Arbeitswelt in Australien funktioniert. Die vielen neuen Situationen, in denen man sich als ausländischer Studierender wiederfindet, sind im Nachhinein sehr bereichernd und bauen Selbstständigkeit und Selbstvertrauen auf. Auch wenn man sich im Bewerbungsprozess und Planungsprozess zuweilen fragt, warum man den ganzen Planungsaufwand während des laufenden Semesters auf sich nimmt, bin ich mir sicher, dass es sich für jeden und jede lohnen wird. Ich habe fachlich sehr viel aus dem Auslandsstudium mitgenommen, aber auch persönlich in Form von Freundschaften und Reiseerlebnissen.

Der wichtigste Tipp, den ich Studierenden geben kann, die auch überlegen, in Australien zu studieren, ist, sich um alles früh genug zu kümmern und genügend finanzielle und zeitliche Ressourcen einzuplanen. 

Ich bin dem DAAD sehr dankbar, dass sie mir durch das PROMOS-Stipendium das Studieren in Sydney so sehr erleichtert haben.

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