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Mein Auslandssemester an der University of Newcastle

Mein 7. Semester habe ich an der University of Newcastle in New South Wales, Australien verbracht. Ich habe etwa 4 Semester vor meiner Abreise begonnen, mich über ein Auslandsemester zu informieren. So konnte ich in Ruhe die Unterlagen zusammenfügen, Englisch-Kurse für ein Zertifikat belegen. Außerdem ist der Auswahlprozess relativ lang im Vergleich etwa zum ERASMUS-Programm. Sicher wusste ich erst im März, dass ich den Platz hatte. Im Juli beginnt in Newcastle das Semester.


Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 07/2015 – 12/2015

Gastuniversität: University of Newcastle

Gastland: Australien

Ich habe meine Flüge über STA-Travel gebucht, was ich sehr empfehlen kann. Mit einem internationalen Studentenausweis kann man günstigere Flüge buchen, außerdem ist der Service gut und schnell. Ich bin bis Sydney geflogen und dann mit der Bahn gefahren. Das ist relativ unkompliziert und mit Sicherheit günstiger, als direkt bis Newcastle zu fliegen. Den Visumsantrag für Australien kann man über das Internet machen, die Bearbeitung geht relativ zügig, etwa drei bis 5 Wochen. Man braucht dafür die Bestätigung der Partneruniversität. Besondere Impfungen habe ich nicht benötigt. Ich habe ein Konto bei der Deutschen Kreditbank und habe mir daher keins in Australien eröffnet, da ich überall kostenlos Geld abheben kann. Allerdings bedeutet das „überall“ doch nicht ganz überall, manchmal haben in Newcastle Geldautomaten kleinerer Banken gestreikt. Bei Westpac und der Commonwealth Bank gab es jedoch nie Probleme und abgesehen davon kann man in ganz Australien fast immer mit Kreditkarte bezahlen.

Vor meiner Abreise habe ich mir über Flatmates (flatmates.com.au, ähnlich wie WG-gesucht) ein Zimmer in einem Haus nahe der Uni gesucht, die relativ weit ab vom Stadtzentrum liegt. Als ich ankam, war das auch sehr nett, weil ich sofort mit Australiern zusammen war. Sie sind dann mit mir einkaufen gefahren (außerhalb der Innenstadt ist man ohne Auto oder Fahrrad aufgeschmissen) und waren mir bei der Orientierung an der Uni behilflich. Nach etwa zwei Wochen bin ich allerdings schon wieder umgezogen und habe dann für die restlichen vier Monate mit zwei anderen Australiern in einem Stadtteil im Zentrum gewohnt, was mir sehr viel besser gefallen hat. Der einzige Vorteil, in Newcastle an der Uni zu wohnen, ist, an der Uni zu wohnen. In Cooks Hill war ich näher an den Geschäften, an den Stränden und mit dem Bus braucht man auch nur etwa eine gute halbe Stunde bis vierzig Minuten zum Campus, was ich von Potsdam/Berlin eh gewohnt war. Da man in Australien im Schnitt pro Semester nur vier Kurse belegt, musste ich auch nur an zwei Tagen nach Callaghan, wo sich der Hauptcampus befindet. Würde ich noch einmal nach Newcastle fahren, würde ich wahrscheinlich erst in ein Hostel gehen und dann vor Ort nach einem Zimmer suchen. Man findet schneller etwas als in Deutschland, was vielleicht auch daran liegt, dass pro Woche und nicht pro Monat bezahlt wird. Die meisten Vermieter wollen wie hier eine Kaution. Man sollte beachten, dass viele Angebote keine Nebenkosten (bills) beinhalten und die dann, so wie sie anfallen, draufgezahlt werden.

Am Anfang konnte ich mich nur schwer an die etwas anderen Öffnungszeiten gewöhnen, die in Newcastle gelten. Zwar haben die großen Supermärkte (Coles, Woolworth) 24 Stunden auf und Aldi (Cooks Hill, günstiger als Coles und Woolworth) unter der Woche bis 20 oder 22 Uhr. Kleinere Läden und vor allem Cafés schließen allerdings schon um fünf. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dann ist das kein Problem, Newcastle ist eben keine Großstadt. In Cooks Hill habe ich mich sehr wohl gefühlt. Die Darby Street, an der das Viertel liegt, ist eine hübsche Straße mit sehr netten Bars, Cafés, Boutiquen und einem gut sortierten Secondhand-Buchladen. Zum Schaufensterbummeln sehr geeignet – nur teilweise recht teuer. Abseits der Darby Street befinden sich hauptsächlich Wohnhäuser, viele davon aus dem 19. Jahrhundert, was mit den Gummibäumen davor ein sehr hübsches Viertel ergibt. Etwas außerhalb gibt es zwei große Shoppingcenter, zu denen auch Busse fahren. Busse sind das Hauptverkehrsmittel, was den öffentlichen Nahverkehr angeht. Zur Uni fahren wohl auch Bahnen, aber die Bahnlinie ins Zentrum wurde lahmgelegt. So muss man bis Hamilton, einem der ersten Außenbezirke, mit einem Shuttlebus fahren, um zur Bahn zu kommen. Von Hamilton gibt es eine Direktverbindung nach Sydney, die etwa 3 Stunden dauert und landschaftlich sehr schön ist. Die Busverbindungen sind in Ordnung. Man sollte nur darauf achten, dass man weiß, wo man aussteigt, denn es gibt in den Bussen weder Fahrplan noch Ansagen. Am Ende der Busfahrt bedankt man sich beim Busfahrer, das fand ich sehr nett. Es gibt eine sehr hilfreiche App von Opal, dem Transportunternehmen für New South Wales. Man sollte sich auch eine Opal Card besorgen, da der ganze Verkehr auf diese Karten umgestellt wird. Als Student kriegt man viel Rabatt, allerdings muss man erst eine spezielle Student Concession Card von Opal beantragen. Ich bin viel Fahrrad gefahren, da mein Leben sich auch hauptsächlich in den Innenbezirken abgespielt hat. Über gumtree.com.au kann man gebrauchte Fahrräder bekommen – neben WG-Zimmern, Autos, Jobs…

Newcastle hat mehrere Strände, davon war Bar Beach/Merewether Beach für mich der nächste und für meinen Geschmack auch der schönste. An der Strandpromenade gibt es viele Jogger, auf dem Wasser natürlich Surfer und an den Enden des Strandes Cafés. Zum Schwimmen eignen sich die Ocean Baths sehr, in Stein eingelassene Bäder mit Meerwasser, die es sowohl in Merewether als auch am Newcastle Beach gibt. Das Meer selbst ist sehr schön zum Baden, zum Schwimmen ist die Strömung oft zu stark. Ich hatte den Eindruck, dass Newcastle eine sportliche Stadt ist – jedenfalls die Innenbezirke. Man merkt den Unterschied von Suburbs und Innenstadt relativ stark, die Außenbezirke sind weniger wohlhabend, die Kriminalitätsrate höher etc.

Man muss beachten, dass der Stundenlohn in Australien zwar hoch ist, die Lebenshaltungskosten aber ebenso. Die Miete ist höher als in Berlin/Potsdam, ebenso Lebensmittel und Besuche in Restaurants, Cafés, Bars. Wenn man in Australien nicht nebenbei arbeiten gehen möchte, sollte man vorher unbedingt gespart haben. Man kann viel unternehmen, besonders, wenn man gern draußen ist und Sport macht. Das Kulturangebot ist mäßig, es gibt ein Kino im Zentrum und welche in den Shoppingcentern, außerdem ein Theater, das aber gerade renoviert wurde. Wenn man ein Auto hat (oder Freunde mit Auto), sollte man unbedingt ins Glenrock Reserve, ein Nationalpark nah an der Stadt. Wenn man das Berliner Nachtleben gewöhnt ist, ist es in Newcastle ein bisschen ernüchternd. Unter der Woche schließen die meisten Bars um 10, am Wochenende gibt es in vielen Clubs ein Lock-Out gegen 1 und um zwei geht das Licht an. Aber wie alles andere auch ist das wohl eine Gewöhnungssache.

Bevor die Uni losgeht, muss man Organisatorisches regeln: Einen Studentenausweis besorgen, sich in die Kurse eintragen, eine Krankenversicherungskarte beantragen etc. Es empfiehlt sich, sich ein bisschen Hilfe zu holen. Die Leute vom International Office nehmen einen wirklich an die Hand, so kann man nichts falsch machen und vergisst nichts. Es gibt sehr viele internationale Studenten in Newcastle. Der Campus ist riesig und in zwei Teile geteilt, die über mehrere Wege durch den Busch verbunden werden. Das International Office befindet sich auf der Hunter-Seite. Das Office organisiert auch eine Einführungswoche, da kann man den Campus und andere International Students kennlernen - wie eine Ersti-Woche.

Ich studiere Jura auf Staatsexamen und wusste schon vorher, dass ich mir fachlich nichts würde anrechnen lassen können. Allerdings gibt es die Möglichkeit, eine Freischussverlängerung zu erhalten, wenn man bestimmte Studienleistungen erbringt.

Die Uni selbst war für mich völlig anders, als ich es aus Potsdam gewohnt war. Ich habe den ganzen Unialltag als sehr verschult empfunden und hatte anfangs immer wieder das Gefühl, zurück auf dem Gymnasium zu sein. Das kann auch daran liegen, dass ich nicht mit dem Bachelor-Master-System vertraut bin und es merkwürdig fand, auf einmal wieder zensierte Vorträge zu halten und nicht frei entscheiden zu können, ob ich zu den Veranstaltungen gehe oder selbstständig lerne. Einmal daran gewöhnt, war das aber auch nicht schlimm, einfach anders. Das kann auch daran liegen, dass - wie in der Schule eben – die Gruppengrößen sehr klein sind, man sich untereinander kennt und auch den Dozenten näher ist. Das war vielleicht der größte Unterschied zu Deutschland: Das Verhältnis von Student und Dozent ist ein ganz Anderes. Man pflegt einen viel engeren Kontakt und es ist üblich, auch Dozenten mit dem Vornamen anzusprechen. Ich habe einmal von meiner Dozentin eine Mail bekommen, weil ich ein Seminar verpasst habe. Ich war erst ein bisschen erschrocken, als ich ihren Namen gelesen habe – ich dachte, es gäbe irgendwelche Probleme. Sie wollte aber nur sichergehen, dass alles in Ordnung ist und fragen, ob mir denn das Seminar Spaß macht und wie ich sonst so vorankomme. Die Dozenten sind sehr offen, helfen einem mit dem Stoff und bieten auch darüber hinaus Hilfe an. Das habe ich als sehr positiv empfunden.

Man wählt im Semester nur drei bis höchstens fünf Kurse, die dafür sehr arbeitsintensiv sind. Ich habe sehr interessante Kurse aus höheren Semestern gewählt, was ohne Vorwissen in australischem Recht vielleicht nicht die beste Idee war. Es war sehr spannend, aber dafür umso anstrengender, gerade auch wegen der Sprache. Ich hatte, bevor ich nach Newcastle ging, schon zwei Semester amerikanisches Recht belegt und hielt mein Englisch auch ohne diese Kurse für ganz gut. Trotzdem hatte ich anfangs Probleme hinterherzukommen und dachte, ich würde das Legal English nie verstehen. Davon sollte man sich auf keinen Fall entmutigen lassen, mit der Zeit kommt das wie von selbst. Auch an den australischen Dialekt gewöhnt man sich sehr schnell. Die anderen Studenten waren sehr hilfsbereit, man arbeitet viel in Gruppen und lernt sich so schnell kennen.

Ich war relativ selten auf dem Campus in Callaghan, dafür öfter in der Bibliothek im City Precinct, die auch nur wenige Minuten von meinem Haus entfernt liegt. Das ist eine Art Mini-Campus mitten in der Stadt mit vielen Arbeitsplätzen. Die Uni ist, was Computer, Arbeitsplätze und Gruppenarbeitsräume angeht, wahnsinnig gut ausgestattet. Es gibt auf der Internetseite der Uni auch Anzeigen, wo man freie PC-Arbeitsplätze finden kann. Das Hub, wie der Campus im Stadtzentrum genannt wird, hat 24 Stunden auf, was sehr praktisch ist, wenn man Abgaben hat oder vor den Prüfungen lernen muss. Außerdem befinden sich Musikräume mit Klavieren im Haus, in denen die Studenten des Konservatoriums (oder auch alle anderen) üben können. Unten im Hub ist eine Cafeteria. Auf dem Hauptcampus selbst gibt es keine Mensa, nur viele kleine Fast-Food-Läden und einen großen Raum, wo man sich dann mit seinem Essen hinsetzen kann. In Callaghan gibt es hinter dem Shortland Hub eine kleine Bäckerei, in der man sehr günstige Pies kaufen kann.

Die Australier selbst sind super freundlich und viel kontaktfreudiger, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. An der Schlange vor der Supermarktkasse unterhält man sich öfter mit Fremden, auch auf der Straße oder am Strand. Die meisten Leute begrüßen einander mit „wie geht’s“. Das fand ich anfangs ein bisschen komisch, weil ich nicht wusste, ob das eine reine Floskel ist. Die australische Art ist in jedem Fall etwas anders als der spröde Ton der Berliner und Brandenburger. Das kann manchmal oberflächlich oder aufgesetzt wirken, ich fand es aber insgesamt wirklich nett. So redet man einfach mehr miteinander, lernt sich kennen, die ganze Stimmung ist freundlicher. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Australier rücksichtsvoller im Umgang miteinander sind.

Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 07/2015 – 12/2015

Gastuniversität: University of Newcastle

Gastland: Australien


Rückblick

Rückblickend war ich sehr zufrieden mit meinem Auslandsaufenthalt. Ich brauchte etwas Zeit, um mich an die Stadt und die Uni zu gewöhnen, aber jetzt würde ich sofort wieder hin.

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