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Vielfalt an der Uni Potsdam – Ich habe mich sehr lange mit dem Begriff „Mensch mit Migrationshintergrund“ schwergetan

Marianna Bähnisch, Referentin Potsdamer Universitätsstipendium
Photo : Thomas Roese
Marianna Bähnisch, Referentin Potsdamer Universitätsstipendium

Ich selbst bin ja nirgends hin migriert, sondern in Berlin geboren und aufgewachsen. Dennoch gingen meine Schwester und ich nach der deutschen Schule auf eine griechische Nachmittagsschule, ganz klassisch für Kinder griechischer Gastarbeiter:innen.

Als der Begriff „Migrationsgeschichte“ aufkam, begann ich mich dafür zu erwärmen, da der Bezug zu „Familiengeschichte“ bedeutet, dass sich diese Geschichte mit der Zeit verändern darf. Es ist kein starrer Hintergrund, sondern ein Narrativ – eine Biografie –, die immer wieder in neuen Kontexten bewertet und diskutiert werden kann.

An der Uni Potsdam habe ich den Master „Anglophone Modernities in Literature and Culture“ studiert, der ein vertieftes Verständnis für die Vielfalt der literarischen und kulturellen Entwicklungen in der englischsprachigen Welt vermittelt. Gerade die Auseinandersetzung mit Theorien zu „multiple modernities“ in der Vergangenheit und der Gegenwart sowie die kritische Beschäftigung mit kolonialen Strukturen gaben mir das Rüstzeug, um auch meine eigene Geschichte im globalen Kontext zu betrachten. Der Austausch mit einer Vielzahl internationaler Kommiliton:innen aus Australien, dem Iran, Italien, Indien und Syrien erlaubte es mir, andere Perspektiven einzunehmen und eigene Haltungen selbstkritisch zu reevaluieren.

Seit Dezember 2021 bin ich die neue Referentin für das Potsdamer Universitätsstipendium. An dieser Aufgabe freut mich insbesondere die Möglichkeit, junge Talente zu unterstützen, die sich sozial engagieren, oft die ersten Akademiker:innen in ihrer Familie sind oder eben aus dem Ausland stammen. Besonders die Vernetzung dieser diversen Gruppe untereinander ist mir ein persönliches Anliegen, da ich glaube, dass die Studierenden durch ihre verschiedenen Perspektiven sehr viel voneinander lernen können.

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2022 „Diversity“ (PDF).