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„Ein Exzellenz-Cluster für Potsdam ist jetzt dran …“ – Vizepräsidentin Prof. Dr. Barbara Höhle geht zielstrebig vor

Im BabyLAB
Prof. Dr. Barbara Höhle
Photo : Kevin Ryl
Im BabyLAB
Photo : Tobias Hopfgarten
Prof. Dr. Barbara Höhle

Barbara Höhle brennt für die Wissenschaft: Mit Neugier und Experimenten bringt sie ihr Fach, die Psycholinguistik, immer wieder in großen Schritten voran. Ruhig im Ton und strategisch im Denken agiert sie seit Januar 2021 auch als Vizepräsidentin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Chancengleichheit an der Universität Potsdam. Barbara Höhle ist überzeugt, dass Vielfalt für die Zukunft der Universität Potsdam elementar ist.

Ihr Engagement für Chancengleichheit hat Barbara Höhle in den Titel ihres Amtes geholt, noch bevor sie zur Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs ernannt wurde. „Das ist wichtig für die Universität“, sagt sie. „Bei zunehmender Vielfalt und Internationalität unter Studierenden und Beschäftigten müssen wir unterschiedliche Menschen mitnehmen und die Universität für alle – sei es als Studien oder als Arbeitsort – attraktiv machen.“ Der Bereich Chancengleichheit jedoch nimmt ihrer Einschätzung nach noch weniger als ein Drittel ihrer Aufgaben als Vizepräsidentin in Anspruch. „Das liegt bestimmt auch an der guten Zusammenarbeit mit dem Koordinationsbüro für Chancengleichheit“, sagt Höhle schmunzelnd.

Vielfalt als Stärke

Bei der Betreuung ihrer Doktorandinnen und Doktoranden nimmt die Psycholinguistin indes Herausforderungen wahr. „In manchen akademischen Kulturen spielt der Betreuer oder die Betreuerin der Doktorarbeit eine etwas andere Rolle als bei uns“, erklärt sie. „Häufig wird diese als Autorität wahrgenommen, die – auch in anderen Lebenslagen – selbst eingreift, wenn Doktorandinnen und Doktoranden auf Probleme stoßen.“ Es könne schwierig werden, wenn so eine Rolle von uns erwartet werde, reflektiert die 64-jährige Wissenschaftlerin. „Wir sehen die Aufgabe der Betreuerin oder des Betreuers vor allem in der wissenschaftlichen Begleitung des Promotionsprojekts. Hier gilt es, sich die unterschiedlichen Erwartungen bewusst zu machen und damit selbstverständlich umzugehen.“ Doch auch die soziale Herkunft komme zu kurz, ergänzt Höhle. „Die Vielfalt der unterschiedlichen Erfahrungen, die Menschen mitbringen, wenn sie an eine Universität kommen, sollte noch stärker in den Blick genommen und berücksichtigt werden.“ In ihrem Fach, der Linguistik, stammen die Bewerbungen seit Langem aus „aller Herren Länder“. „Wir sind international, vor allem in den Master-Studiengängen“, betont die Professorin.

Von Laborratten zum BabyLAB

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin kam Barbara Höhle 1995 nach Potsdam an das neu entstandene Institut für Linguistik. Vor ihrem Wechsel nach Potsdam interessierte sich die Forscherin nicht sonderlich für den Bereich Spracherwerb, der an der Universität Potsdam zentral werden sollte. „Ich fand das Thema nicht besonders attraktiv“, erinnert sich Höhle und lacht, „auch weil es ein Frauenthema war. Vor allem Studentinnen fanden es interessant, mit Kindern zu arbeiten.“ Ihr wissenschaftliches Feld waren Sprachstörungen bei Erwachsenen, worüber sie auch promoviert hat. Doch der Wissenschaftler, der nach Potsdam zum Neustart auf die Professur Erstspracherwerb berufen worden war, suchte jemanden, der experimentell erfahren war. Diese Kompetenz brachte Barbara Höhle mit und so entstand eine intensive Zusammenarbeit der beiden. Aus der früheren Abneigung gegen das Thema entwickelte sich eine Leidenschaft, die bis heute anhält. Seit 2004 arbeitet Höhle als Professorin in Golm. „Die Forschung zum Spracherwerb hat mich total angefixt“, sagt sie heute. „Gemeinsam mit meinem Amtsvorgänger, Professor Weissenborn, habe ich das BabyLAB aufgebaut, das im kommenden Jahr seinen 25. Geburtstag feiert.“ Wenn sie davon erzählt, muss sie an eine Bemerkung einer Psychologin denken, in deren Forschungsprojekt sie als studentische Hilfskraft beschäftigt war: „Sie meinte, sie habe nur Psychologie studiert, weil sie schon immer Ratten durch Labyrinthe laufen lassen wollte. Ich bin zwar keine Psychologin aber im Nachhinein denke ich manchmal, dass mich diese Bemerkung geprägt hat.“ Die Forschung mit Babys sorgt nämlich für besondere methodische Herausforderungen. „Man muss sich überlegen, wie man aus den kleinen Wesen herauskitzeln kann, was sie schon wissen und was nicht, ohne sie dazu befragen zu können. Denn sprechen können sie ja noch nicht“, erläutert sie. „Und ich finde bis heute faszinierend, sich experimentelle Wege dafür zu überlegen – egal, ob der Mensch drei Monate alt ist oder 30 Jahre.“

Groß Denken für Potsdam

Als Projektleiterin, Department-Sprecherin, Dekanin oder jetzt als Vizepräsidentin interessiert sich die Professorin immer auch für die Strukturen in Forschung und Lehre. „Es ist eine enorme Perspektiverweiterung, nicht nur eine Fakultät, sondern jetzt die gesamte Universität im Auge zu haben.“ Barbara Höhle empfindet es als großes Glück, „selber etwas aufzubauen und nicht in fertige Strukturen gepresst zu werden. Die Universität Potsdam ist in ihrer jungen Entwicklung noch immer sehr dynamisch.“ Doch der Professorin fällt auch auf, dass die Fakultäten und die „Zentrale“ nicht immer an einem Strang ziehen. Das sei sicherlich auch dem schnellen Wachstum der Hochschule in den vergangenen Jahren geschuldet, meint sie. Hier wolle sie gegensteuern, um die Kernaufgaben in der Forschung – die nun mal in den Fakultäten bewältigt werden – bestmöglich zu unterstützen. Die Vizepräsidentin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Chancengleichheit wünscht sich, dass die Universität Potsdam in der nächsten Runde der Exzellenz- Strategie erfolgreich abschneidet. „Der Zeitpunkt ist richtig. Dafür setze ich mich ein.“ In ihrer eigenen Forschung hat sie schon viel erreicht – „und da werde ich auch weitermachen, wenn ich im sogenannten Ruhestand bin, Bücher schreiben und manche Datensätze neu auswerten.“

Für die Wissenschaft brennen

Grundsätzlich ist Barbara Höhle mit der Entwicklung der Wissenschaft in Potsdam sehr zufrieden. Neue bürokratische Hürden, wie sie zum Beispiel durch Änderungen in den Datenschutzbestimmungen oder im Haushaltsrecht entstehen, gehen ihr zwar „manchmal auf die Nerven“, bremsen ihren Enthusiasmus aber nicht. Doch die leidenschaftliche Forscherin stellt etwas anderes fest: „In meiner Generation haben sehr viele Frauen, die einen Beruf als Wissenschaftlerin gewählt haben, sich gleichzeitig gegen die Familie entschieden. Die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie war für sie kaum gegeben. Dies hat sich glücklicherweise geändert.“ Dass der Frauenanteil bei den Neuberufungen auf W3 Professuren trotzdem deutschlandweit immer noch nur bei einem Drittel liegt, stellt für Barbara Höhle eine Herausforderung dar. „Hier sind also noch weitere Anstrengungen notwendig!“

Die Forscherin

Prof. Dr. Barbara Höhle studierte Linguistik, Psychologie und Sozialwissenschaften an der Technischen Universität Berlin. Sie wurde an der Freien Universität Berlin promoviert und habilitiert. Seit 2004 ist sie Professorin für Psycholinguistik an der Universität Potsdam. Im Januar 2021 hat sie das Amt der Vizepräsidentin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Chancengleichheit übernommen.
E-Mail: barbara.hoehleuni-potsdamde

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal Wissen - Eins 2022 „Zusammen“.