Legal Tech

Wenn man an E-Learning, Internetbanking oder künstliche Intelligenz denkt, scheint Digitalisierung zum Schlagwort des 21. Jahrhunderts zu werden. Inzwischen hat der Anspruch, verstärkt mit technischen Möglichkeiten zu arbeiten, auch die Rechtswissenschaft erreicht: in Form von sog. „Legal Technology“ (kurz: Legal Tech). Grundsätzlich geht es dabei um eine Digitalisierung und Automatisierung juristischer Abläufe mithilfe neuer Technologien, wie zum Beispiel Suchmaschinen, Algorithmen und Chat-Bots. Die entwickelten Programme werden zum einen von Jurist*innen selbst zum Beispiel zur Dokumenterstellung, Buchhaltung oder Datenanalyse genutzt oder um eigene Webpräsenzen aufzubauen. Zum anderen wird Legal Tech inzwischen aber auch schon dafür verwendet, einzelne, bisher von Menschen durchgeführte Tätigkeiten innerhalb des juristischen Prozesses zu ersetzen. Es handelt sich, wie so oft, um ein interdisziplinäres Tätigkeitsfeld: Rechtswissenschaft steht hier in Kombination mit Informationstechnologie, denn die Software muss in Übereinstimmung mit den entsprechenden rechtlichen Grundlagen entwickelt und auf neustem Stand gehalten werden.

Dienstleistungen, die auf Legal Tech beruhen, sind zum Beispiel die Vermittlung von Kund*innen an passende Anwält*innen (je nach Fall) oder die Überprüfung, ob Fluggäste bei Verspätungen und anschließend verpassten Anschlussflügen ein Anrecht auf Entschädigung haben. Daraufhin kann die Person entscheiden, ob sie weitere rechtliche Schritte einleiten will. Auch die automatisierte Erstellung von Verträgen zählt zu den Möglichkeiten von Legal Tech.

Aufgrund der Tatsache, dass durch die Entwicklung von Legal Tech auch teilweise das Rechtsberatungsmonopol von Volljurist*innen in Frage gestellt werden könnte, ist das Tätigkeitsfeld nicht ganz unumstritten. Allerdings hat ein Urteil des Bundesgerichtshofes zu automatisierten Dokument- und Vertragsgeneratoren, beispielsweise, diese im September 2021 für zulässig erklärt, da sie "keine wettbewerbswidrige Rechtsdienstleistung darstellen". Angesichts der immer größer werdenden Bedeutung von digitalen Lösungen ist davon auszugehen, dass Legal Tech auch in Zukunft weiter ausgebaut und von immer größerer Bedeutung sein wird. Vorteile der Digitalisierung und Automatisierung im juristischen Bereich sind vor allem die damit verbundene Effizienzsteigerung, verbesserte Organisation und erhebliche Zeit- und Kostenminimierung. Aufgrund dessen kam es dank guter Zukunftsaussichten und vielversprechender Entwicklungspotenziale vor allem in den letzten Jahren zu einer verstärkten Start-Up Gründung auf dem Gebiet.

Legal Tech stellt auch für Absolvierende des Bachelor of Laws eine zukünftige Tätigkeitsoption dar: Sie können beispielweise beratende Rollen bei der Konzeptualisierung von digitalen rechtlichen Beratungsangeboten übernehmen oder bei der Einzelfallüberprüfung unterstützend mitwirken.

Porträt Oskar de Felice

Oskar de Felice

ist Head of Legal Product beim Legal Tech Unternehmen Flightright

klassische Tätigkeiten

mögliche Arbeitsorte

Quellen und weitere Berufsinformationen